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S.W.A.T. – Unter Verdacht

Originaltitel: S.W.A.T.: Under Siege__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Tony Giglio__Darsteller: Adrianne Palicki, Michael Jai White, Pascale Hutton, Kyra Zagorsky, Ty Olsson, Monique Ganderton, Sam Jaeger, Olivia Cheng, Matthew Marsden, Marci T. House u.a.
SWAT - Unter Verdacht deutsches DVD Cover

Endlich ist er da! Teil 3 der megakrassen Erfolgsreihe “S.W.A.T.”

„S.W.A.T.“ erwies sich seinerzeit als ordentliche Actionunterhaltung, die dank taffer Besetzung auch in den Kinos ordentlich performte. Allerdings ließ man sich lange Zeit damit, nachzulegen. Vermutlich auch, weil man eh wusste, dass man die Besetzung des Originals so kaum noch zusammenbekommen würde. Vor allem in einem finanziell einträglichen Rahmen. Erst acht Jahre später schickte man einen Quasi-Nachfolger in die Spur: DTV und mit dem Kinohit nur dem Namen nach verwandt: „S.W.A.T.: Fire Fight“. Der hatte in Robert Patrick zumindest einen coolen Fiesling, war ansonsten aber kaum mehr als x-beliebige Standardkost.

Zumindest lief er gut genug, um das „Franchise“ nicht ruhen zu lassen. Der neueste Erguss heißt nun „S.W.A.T. – Unter Verdacht“ und erzählt folgende Mär: Wir schreiben den 4. Juli. Doch die S.W.A.T.-Einheit von Seattle hat selbst am höchsten Feiertag von God’s own Country keinen Urlaub. Das Team von Travis Hall soll an einem Hafenumschlagplatz einen Container sicherstellen. Was dieser beinhaltet, ist vollkommen unklar. Von Waffen über Drogen bis hin zu Falschgeld ist alles denkbar.

Wenig überraschend läuft der Einsatz vollkommen aus dem Ruder. Am Ende einer großen Ballerei hat ein Mitglied von Travis’ S.W.A.T.-Team ins Gras gebissen – genau wie cirka zehn Lumpen. Überraschend dagegen ist der Inhalt des Containers: Es ist ein riesiger Kerl. Penibel angekettet. Man verbringt ihn ins S.W.A.T.-Hauptquartier, wo man den Typ mit dem großen Skorpion-Tattoo verhören will.

Der hält weitgehend dicht, macht gegenüber Travis aber diverse Andeutungen. So würden da bald Leute auftauchen, die ihn gerne mitnehmen würden wollen, die aber nicht das seien, was sie vorgeben zu sein. Tatsächlich klopft bald das FBI an die Tore der Einsatzzentrale. Die beiden Agenten können den bohrenden Fragen Travis’ nicht lange standhalten und greifen ihn an. Der kann sich zwar seiner Haut erwehren, muss sich aber eingestehen, keine Ahnung zu haben, was hier eigentlich vorgeht.

Als der Hüne auch noch andeutet, dass diese gefakten Agenten nur der Anfang waren, wird Travis mehr als hellhörig. Um nicht noch ein S.W.A.T.-Mitglied zu gefährden, beschließt er, den Hünen aus der Einsatzzentrale wegzubringen und so seine Kameraden aus der Feuerlinie zu bekommen. Doch die beiden kommen nicht weit. Eine mittlere Armee greift sie bei dem Fluchtversuch an und umstellt das Gebäude…

Schaut in „S.W.A.T.: Unter Verdacht“ rein:

Im Original heißt „S.W.A.T. – Unter Verdacht“ deutlich treffender „S.W.A.T.: Under Siege“. Genau das bekommt man nun nämlich: Ein komplett verrammeltes Gebäude, das von einer kleinen Armee belagert wird. Vergleiche mit Klassikern wie „Assault on Precinct 13“ sollen sich bei dem gebotenen Szenario ganz sicher aufdrängen, tun das aber eher weniger, da „S.W.A.T. – Unter Verdacht“ nicht einmal ansatzweise an deren Qualitätslevel kratzt.

Denn im Grunde seines Herzens ist der Film leider nicht mehr als einer dieser aktuell viel zu häufig auf den Actionfan losgelassenen, lustlos und bar jeden Budgets runtergekurbelten 0815-Actionstreifen, die maximal zwei-drei Actionszenen mit einem halbwegs bekannten Namen und einer schwachen bis schwachsinnigen Story anreichern.

SWAT - Unter Verdacht Sam Jaeger

Manchmal schaut Sam Jaeger als Held ein wenig wie Aaron Eckhart aus. Zumeist schaut er aber wie eine Luftpumpe aus.

So auch hier. Der Streifen hat genau drei Actionszenen. Zwei davon steigen in den ersten 30 Minuten, die dritte bildet den etwas längeren Showdown. Dabei macht schon die erste Actionszene keinen wirklichen Spaß. Wirkt total planlos montiert und erinnert eher an Munitionsverbrauchsschießen bei der Bundeswehr als an einen geilen Shootout. Obendrein geht einem das im hohen Bogen durch die Gegend spritzende Digitalblut direkt mit seinem ersten Auftreten komplett auf den Zünder.

Im ganzen Film platzen vielleicht zwei echte Bloodpacks, der Rest stammt samt und sonders aus dem Rechenknecht und nimmt in seiner Qualität im Laufe des Filmes sogar noch ab. Spätestens im Showdown passt dann nicht einmal mehr das Compositing, so dass die Wunden über den Getroffenen irgendwo in der Luft zu schweben scheinen.

Zumindest versucht Regisseur Tony Giglio („Extraction“) kleinere Highlights in seine Actionszenen zu packen. So gibt es ein paar handgemachte Explosionen zu begutachten, in gleich zwei Szenen darf eine Minigun zeigen, was sie drauf hat, und in Actionszene numero zwei darf Michael Jai White („The Fighters 3: No Surrender“) etwas ausgiebiger seine Martial-Arts-Fähigkeiten zeigen. Die sind zwar wenig vorteilhaft in Szene gesetzt, aber Whites wuchtigem Können scheint nichts wirklich schaden zu können.

SWAT Unter Verdacht Adrianne Palicki sexy

Adrianne Palicki wurde weniger wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten gecastet.

Der macht denn auch als „Scorpion“ eine Menge Spaß, wenn er rumgeheimnissen darf, den anderen Figuren immer einen Schritt voraus ist und mit purer Physis zu punkten vermag. Das wird vor allem im Vergleich zu dem eigentlichen Helden Travis überdeutlich, der schon eine rechte Flachpfeife ist. Und das so sehr, dass Darsteller Sam Jaeger („American Sniper“) im Film nur zwei Frauen verprügeln darf und ansonsten immer heldenhaft KO in einer Ecke liegt, während alle anderen Figuren die Action machen. Ob das so gewollt war, beispielsweise als Reminiszenz an Kurt Russells Helden aus „Big Trouble in Little China“, oder ob der Regisseur ihn im Nachgang einfach wie eine Pfeife wirken lassen wollte, man weiß es nicht.

In Nebenrollen geben sich mit Matthew Marsden („Savage Dog“) und Adrianne Palicki („John Wick“) zwei bekanntere Gesichter die Ehre. Marsden bleibt dabei als dandyhafter Bösewicht leider arg blass, Palicki darf dafür als Vorgesetzte der S.W.A.T.-Einheiten Seattles in einigen Szenen ordentlich hinlangen und für Eye Candy sorgen. Die restlichen Figuren sind allesamt Kanonenfutter und für den Film wenig bis gar nicht relevant.

Sie alle wuchten sich durch eine relativ lahme Story. Das MacGuffin-Element, das die Story antreiben soll, funktioniert nicht wirklich und pumpt keinerlei Spannung in den Film. Die kommt nicht einmal bei dem Belagerungszustand auf, weil die Belagerer erstaunlicherweise eh die ganze Zeit die Füße stillhalten. Der Bösewicht mag auch nicht loslegen und die immer wieder angedeuteten Maulwurfsprobleme im S.W.A.T.-Team sind viel zu schnell durchschaut. Zumindest gefällt die Verbrüderungsnummer zwischen Scorpion und Travis, da sie andeutet, dass der Film sich gar nicht so ernst nimmt, wie es leider beständig den Anschein hat.

SWAT Unter Verdacht Michael Jai White

Michael Jai White hätte man lieber als Helden casten sollen. So stiehlt er ebenjenem alle zwei Sekunden die Show.

In optischer Hinsicht hatte ich Schlimmes erwartet, weil die Trailer für mein Empfinden arg abgeranzt aussahen. Im fertigen Film bemerkt man davon nichts. Der Film bietet absolut solide DTV-Optik ohne Ecken und Kanten, die wirklich nur in den digital gepimpten Bildern (Blutspritzer, Einschusslöcher und Mündungsfeuer) ins Stolpern kommt. Angenehm zackig kommt der Soundtrack daher, der nach einem üblen Einstieg (die musikalische Untermalung des ersten Shootouts tut wirklich in den Ohren weh und passt überhaupt nicht zu den Bildern) ordentlich zulegt.

Im eigentlichen Sinne muss man den Machern von „S.W.A.T. – Unter Verdacht“ eigentlich gratulieren. Denn die haben letzten Endes genau das auf den Markt geworfen, was sie anvisiert hatten: Belanglose DTV-Kost, die einigermaßen kurzweilig durch ihren sinnlosen Plot holpert, mit Michael Jai White einige Actionfans anlockt, denen auch noch sexy Adrianne Palicki im knallengen Tank-Top hinterher schmeißt und mit simpelsten Mitteln ein paar Actionszenen zusammenzimmert, die für knallige Bilder auf dem Cover-Artwork der Datenträger und im Trailer sorgen. Das Problem ist nur, dass das Zielpublikum ganz allmählich die Schnauze voll haben könnte von diesen in letzter Zeit immer nach dem gleichen Strickmustern auf den Markt gerotzten „Action“-Filmen der Marke „S.W.A.T. – Unter Verdacht“. Der ist zwar kein richtiger Superstinker, so wirklich unterhaltsam und gelungen ist er aber auch nicht. Bei weitem nicht.

4 von 10

Die deutsche DVD und Blu-ray zum Film erscheint am 7. September 2017 von Sony Pictures Home Entertainment und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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