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Samson

Originaltitel: Samson__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Bruce Macdonald, Gabriel Sabloff__Darsteller: Taylor James, Jackson Rathbone, Billy Zane, Caitlin Leahy, Rutger Hauer, Lindsay Wagner, Frances Sholto-Douglas, Greg Kriek, Ares Afonso, Sven Ruygrok, James Ryan u.a.
Samson DVD Cover

Rutger Hauer spielt in “Samson” den bärtigen Erzeuger des Titelhelden.

Wenn man sich vorgenommen hat, die Filmografie eines Schauspielers so umfänglich wie möglich durchzuarbeiten, ist das nicht immer ein Zuckerschlecken. Und obschon ich ein riesiger Rutger-Hauer-Fan bin und ihn immer wieder gerne in den verschiedensten Rollen sehe, gibt er mir ab und an auch echt harte Nüsse zu knacken. Der Film „Samson“ für „Pure Flix“, ein christliches Produktions- und Vertriebsunternehmen, spezialisiert auf christliche Filme wie „The Mark“, ist eine solche hart zu knackende Nuss.

In diesem geht es, der Titel deutet es an, um den übermenschlich starken Samson. Der lebt 1170 vor Christus in Israel, ist ein Hebräer und gehört zu dem Stamm der Dan. Die werden zu jener Zeit massiv von den Philistern ausgebeutet. Not und Elend gehören für die Hebräer zur Tagesordnung. Samson, eingeführt als schlitzohriger Dieb, beklaut immer wieder die Philister und gibt deren Güter an die Mitbewohner seines Dorfes weiter.

Doch die erwarten mehr von Samson als das. Es gibt da nämlich eine Prophezeiung, die besagt, dass Samson von Gott auserwählt sei, als seine Hand der Vergeltung gegen die Philister loszuschlagen. Doch Samson hat keinen rechten Bock auf das Anführertum. Schon gar nicht auf Gemetzel. Viel lieber vergnügt er sich mit der Damenwelt und bringt damit nicht nur seinen Vater zur Weißglut.

Eines Tages verliebt sich Samson in Taren, eine Sklavin der Philister. Deren Besitzer, Prinz Rallah, der die Prophezeiung um Samson auch kennt, sieht eine Möglichkeit gekommen, Samson für immer gefügig zu machen. Also erlaubt er ihm die Hochzeit und erwartet freilich im Gegenzug, dass Samson nie eine Hand gegen ihn erhebt.

Über Nacht, die Hochzeit ist noch nicht einmal vollzogen, scheint Rallah seinen spitzfindigen Plan bereits vergessen zu haben. Er reizt Samson bis aufs Blut, meuchelt gar Menschen, die Samson nahestehen. Nun ist Polen äh Israel offen und Samson killt mal eben 1000 Philister. Mit dem Unterkiefer eines Esels. Wahrer Splatter. Oder auch nicht. Auf jeden Fall wissen die Philister nun, dass sie es verbockt haben. Sie lassen Samson und sein Volk ab sofort insofern in Ruhe, dass sie ihnen nur noch die Lebensmittel wegnehmen, aber keinen mehr grundlos meucheln.

Jahre später wünschen sich die Hebräer immer noch, Samson würde sie gegen die Philister führen, doch der hat nach wie vor keine rechte Lust. Als jedoch das Geheimnis seiner übermenschlichen Kraft herauskommt und die Philister im Zuge dessen das „Friedensabkommen“ verletzen, muss er dann doch mal handeln…

Schaut in „Samson“ mit Rutger Hauer hinein

ENDLICH. Doch kaum hat Samsons Heldenzeit begonnen, da ist sie auch schon wieder vorbei! Mehr als 95 Minuten arbeitet „Samson“ auf diesen einen Moment hin. Verzerrt durchweg alle Philister total einseitig zu fiesfressigen Lumpen voller Habgier und Mordlust, die auch göttliche Wesen nur nutzen, um sich zu bereichern. Diese Schufte! Derweil sind alle Hebräer edel, hilfreich und gut und ertragen im Grunde genommen jede Repressalie weitgehend mit einem Lächeln. Regt sich Widerstand, sagt Samson einfach „Nein“ und alles ist wieder in Butter.

Dem schaut man derweil zu, wie er unbeholfen mit Taren flirtet. Die ist genauso eigenschaftslos angelegt wie er. Samson hat viele Muskeln, ergo ist er ein Held. Taren hat Brüste, ergo muss sie auf den Helden stehen. Logisch. Die ganze Liebesgeschichte ist total lachhaft, unglaubwürdig und reißt emotional null mit. Und das gilt leider für den ganzen Film.

Zumindest bringt Rutger Hauer („Die Jugger“) als Herr Papa von Samson etwas Glanz in die Hütte. Blöderweise ist das Drehbuch zu dämlich, einen Nutzen daraus zu ziehen. Immer wenn Rutger ins Spiel kommt, läuft der Film nämlich Gefahr, tiefgründig zu werden. Dann beginnt er Begriffe wie Schicksal und Vorsehung zu hinterfragen. Doch bevor das so richtig passieren kann, rennt Samson IMMER schnell weg – und nimmt die Tiefgründigkeit mit.

Warum Samson nach dem tausendfachen Philister-Mord wieder in seinen pussyhaften Modus Operandi des Ertragens und Nichtstuns verfällt, obwohl seine Landsleute Not und Hunger leiden, will einem auch niemand erklären. In der Folge wirkt der riesige Brocken von einem Menschen 95 Minuten lang wie die größte Pussy aller Zeiten. Die einfach den Arsch nicht hoch kriegt, immer passiv bleibt und einen damit formvollendet auf die Eier geht. So funktioniert episches Storytelling… nicht!

Dabei müht sich Jackson Rathbone („The Last Ship Staffel 4“) als Fieswicht Rallah wirklich verzweifelt, den fiesesten Drecksack aller Zeiten zu entwerfen. Verkannt vom Vater (Billy Zane aus „Sniper“), nach Macht strebend und um keinen Mord verlegen, macht sein hassenswerter Bösewicht sogar richtiggehend Laune, aber er bekommt eben keinen Antagonisten entgegengestellt, der etwas taugt.

Das Schlimme: In diesen Langweiler von einem Film sind sichtlich diverse christliche Milliönchen geflossen. Die südafrikanischen Schauplätze sind wunderschön anzuschauen. Die Ausstattung ist schwelgerisch, die Settings entweder detailverliebt nachgebaut oder überzeugend am Rechner erstellt. Die Kamera liefert megabreite Kinobilder, das Statisten-Aufkommen ist irre, die Lichtsetzung gefällt und der Score passt sich dem optischen Bombast durchweg an. Aber schön anzusehende Langeweile ist halt immer noch Langeweile.

Zumal der ganze Pomp in der Action wieder deutlich zurückgefahren wird. Zum einen ist die Choreographie der hektischeren Szenen, die schon schwer an eine Mischung aus Bud-Spencer- und Asterix-Filmen gemahnt, einfach nur lachhaft. Zudem wollte man die armen Christenseelen wohl nicht mit zu brutaler oder aufregender Action schocken und so hielt man selbst das Gemetzel an 1000 Philistern beinahe klinisch rein in seiner Anmutung. In einigen Szenen sind in der deutschen Fassung dennoch Zensurschnitte zu erahnen, in denen sich auch die Tonspur reichlich seltsam verhält.

“Samson” hat alles für ein echtes Heldenepos und liefert vor allem epische Langweile

Im Grunde genommen ist Samson schon ein derber Schlächter. Einmal killt er 1000 Philister auf einen Streich. Im Showdown dann mal eben 3000! Aber es ist halt blöd, dass das auf eine Art und Weise präsentiert wird, zu der im Vergleich eine Kaffeefahrt auf einem Elbkutter einer Achterbahnfahrt gleichkommt. Die ganze Story von „Samson“ ist total verquast und unlogisch. So mancher Schauspieler müht sich im Overacting-Modus einen ab, bekommt aber trotzdem keinerlei Emotionen oder gar Spannung in den Film gepumpt. Und Taylor James mag optisch wie ein Held aussehen, reduziert auf sein eher tumbes Schauspiel bleibt aber nicht viel von der optischen Glorie übrig.

Zugunsten des Zielpublikums werden die Bösewichter der Story auch ordentlich überzogen, ohne dass das irgendeinen rechten Sinn machen würde, weil sich ja eh nie wirklich jemand dagegen auflehnen mag. Egal, wie man es dreht und wendet, „Samson“ ist eine Heldengeschichte ohne Held. Die zumindest ordentlich aussieht und mit einigen amtlichen Produktionswerten aufwartet. Dass das letztlich aber nicht einmal der anvisierten christlichen Zuschauermasse in den USA ausreichte, belegen die desaströsen Boxoffice-Zahlen. Ich hoffe, Rutger Hauer hat die Zeit an den südafrikanischen Sets genossen. Bei der Comic Con in Frankfurt 2018 jedenfalls beantwortete er eine Frage nach „Samson“ nur mit einem Schulterzucken. Kurzum: Haken dran, nächster Rutger-Hauer-Film bitte!

2 von 10

Eine deutsche DVD und Blu-ray kommt von dem Label Gerth Medien. Die spendierten dem Film eine ganz ordentliche Synchronisation (Rutger hat nicht seine Stammstimme, aber einen netten Ersatz) und präsentieren den Film geschnitten mit einer FSK 12 Freigabe. Die geschnittenen Szenen hätten den Film aber auch nicht wirklich FSK 16 würdig gemacht. Vermutlich war den Chefs von Gerth Medien einfach nur der Bodycount zu hoch. So viel Mord und Totschlag geziemt sich nicht für einen Bibelhelden!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Gerth Medien__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Ja__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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