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Sharknado 3 – Oh Hell No!

Originaltitel: Sharknado 3: Oh Hell No!__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Anthony C. Ferrante__Darsteller: Kendra Wilkinson, Tara Reid, Frankie Muniz, Ryan Newman, Cassie Scerbo, Bo Derek, David Hasselhoff, Holly Madison, Rick Fox, Ian Ziering, Erika Jordan u.a.
Sharknado 3

Endlich erobern die Haie auch den Weltraum! “Sharknado 3” macht es möglich.

Brainstorming. Was früher ein simples Zusammensetzen und Auskotzen von Ideen meinte, hat sich in den letzten Jahren zu etwas beinahe Wissenschaftlichem gemausert. Inzwischen gibt es hunderte Varianten, um einen eigentlich simplen Prozess zu steuern und zu optimieren. Eine Variante heißt „Think Big“ und bedeutet, sich bei seiner Ideenfindung nicht durch Sachen wie die Machbarkeit, den Realitätsgrad oder die Finanzlage bremsen zu lassen. Und irgendwie kommt man bei dem gesamten Sharknado-Franchise nicht umhin, zu glauben, dass hier beständig nur nach dem „Think Big“-Verfahren vorgegangen wurde.

Und damit zu Teil 3 der erfolgreichen Trash-Reihe. In diesem rettet Held Fin gleich zu Beginn mal eben den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Think Big eben! Im Weißen Haus sollte Fin eigentlich eine Auszeichnung für seine Heldentaten im Kampf gegen die bisherigen Sharknados erhalten, doch ein gigantischer Haisturm, der ganz Washington DC plättet, macht die Verleihung zur neuen Mutprobe für den Surferdude. Dieser Prolog, der in Sachen Patriotismus fies überzogen wird, macht schon klar, dass sich die Macher längst bewusst sind, auf was es bei ihren Filmen wirklich ankommt: Sharknados! Je abtruser deren Gegenwart erklärt wird, umso besser.

Der Zuschauer fühlt sich dementsprechend auch sofort heimisch, zumal „Sharknado 3“ genauso dumm beginnt, wie man es von „Sharknado“ und „Sharknado 2“ gewohnt ist: An vollkommen unmöglichen Orten regnet es plötzlich Haie, man entledigt sich ihrer mit seltsamen Waffen, die Haie reißen im Vorbeifliegen diverse Extremitäten ab und egal, wie aussichtslos die Lage auch sein mag, Held Fin verliert nie die Fassung und slidet irgendwann gar beidhändig ballernd durchs Weiße Haus. Der Wahnsinn, er hat Methode… Am Ende des Prologs spielt eine amerikanische Flagge die Hauptrolle. Auf eine Art, auf die sogar Michael Bay neidisch wäre…

Danach geht es gen Orlando. Hier warten Fins Frau und Tochter auf das Familienoberhaupt. Das hat derweil im Urin, dass bald ein ganz besonderer Sharknado bevorstehen könnte, ein Sharkacan gar! Und wirklich: An der Ostküste der USA brauen sich mehrere Sharknados zusammen und drohen, sich zu einem gigantischen Hurrican zu vereinen. Fins Plan ist so wüst wie abenteuerlich: Mittels einer im Zentrum der Haistürme startenden Raumfähre will er eine Feuersäule erzeugen, um die Sharknados sozusagen zu verdampfen. Dazu braucht er die Hilfe seines Vaters – ein Raumfahrer, der frappierend nach David Hasselhoff ausschaut.

Man weiß ja nicht wirklich, was die Macher bei „The Asylum“ so den lieben langen Tag wegrauchen, aber für die Idee, Surferdude Fin den Baywatch-Oberguru Hasselhoff als weltraumverrückten Vater anzudichten, will man ihnen einfach nur die Füße küssen. Leider können sie mit der Personalie Hasselhoff erstaunlich wenig anfangen…

Bis dahin perfektionieren die „The Asylum“-Macher die Kunst, keine Geschichte zu erzählen und irgendwie dennoch brachial gut zu unterhalten. Alle paar Minuten regnet es Haie vom Himmel und in immer abstruseren Szenen werden Menschen und Haie nach Strich und Faden zerlegt. Dabei trifft Fin sogar alte Bekannte aus Teil I wieder und findet eine Waffe, die seine Standard-Kettensäge noch einmal übertrumpft: Eine Kettensäge mit ZWEI Schwertern!

Nach vielen Minuten Kurzweil, in denen „Sharknado 3“ eine kaputte Szene an die nächste reiht und von Lorenzo Lamas (Der „Snake Eater“ kommt mit cooler Kurzhaarfrisur!) über Frankie Muniz („Malcom mittendrin“) bis Wrestler Chris Jericho wieder ein ganzes Füllhorn an Cameos auffährt, fällt der Film dann in ein Loch. Ausgerechnet mit dem Auftauchen von „The Hoff“ verliert der Film seinen Gaga-Anstrich, vor allem, weil er plötzlich zu einem ganz gewöhnlichen „The Asylum“-Streifen wird: Auf einmal starren ganz viele Leute auf Bildschirme, es wird irre viel gequatscht und viel ekliges Pathos kleistert die Dialoge zu.

Mehr noch: Man hockt beständig vor dem TV und denkt bei sich: DAS soll der Showdown sein? Ein wenig Rumgefliege im All? Fernab des Haigemetzels? Wer hat denn gesagt, dass das den Fans der Reihe gefallen könnte? Plötzlich droht „Sharknado 3“ zu kippen. Scheint das Unvermögen der “Asylum”-Leute auch dieses Franchise zu zerstören. Und genau dann zeigt der Film den Zweiflern den fetten Mittelfinger!

“Haie im Weltall! Verdammt!”

Was „Sharknado 3“ in seinen letzten zehn Minuten abfeuert, ist so ziemlich die derbste Trash-Breitseite, die ich je in meinem noch jungen (ok, mittelalten) Leben gesehen habe! Ungläubig erlebt man die abgefahrenste Geburt, die irrste Landung eines „Weltallgefährtes“, den seltsamsten Final Fight und die brachialste Abwesenheit von Logik oder Nachvollziehbarkeit der Filmgeschichte. Als habe man den Zuschauer in den Minuten vorher nur runterkommen lassen wollen, um ihn dann im Finale noch einmal so richtig steil zu schicken. Abgefahren… Mehr als das… Think Big in Reinkultur…

„Sharknado 3“ ist für mich aktuell das Opus Magnum des Trashfilmes. Enthemmt, übergroß, vollkommen abseitig und für „The Asylum“ Verhältnisse einfach irre unterhaltsam, megakomisch und obendrein durchaus gut getrickst. Natürlich sitzt nicht jeder Effekt, aber das gehört ja inzwischen zum Selbstverständnis der Produzenten. Ein wichtiges Highlight des Filmes ist mal wieder Ian Ziering als Fin, der wie bereits in den Vorgängerfilmen mit stoischer Ruhe durch einen immer bekloppteren Plot stolpert und für seine Leistung endlich einen Comedy-Oscar verdient hat. Ein witziger Fun Fact für Schlefaz-Fans (Schlefaz=Schlechteste Filme aller Zeiten auf Tele 5) ist das Cameo von Oliver Kalkofe und Peter Rütten. Man darf sicher sehr gespannt sein, was sie in ihrer Sendung zu diesem Film zu sagen haben werden. Monieren werden sie sicher die scheintote Bo Derek, die wie gewohnt ziemlich miese Tara Reid (jetzt mit Kettensägenhand!), die brachiale Universal- und Subway-“Schleichwerbung”, diverse blöde Dialoge, das überbordende CGI-Gesplatter und ihre eigene, viel zu kurze Screentime. Ansonsten sollten die beiden in dieser Mutter aller Trashfilme eigentlich ihren Meister gefunden haben.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von White Pearl Movies, daredo und The Asylum und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Ein kurzes Making Of und Trailer kommen als Extras, plus einer Gag Reel, in der man endlich mal sieht, wie hart Ian Ziering in seiner Rolle zu kämpfen hat, ernst zu bleiben…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: White Pearl Movies, daredo und The Asylum__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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