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Sights of Death

Originaltitel: Sights of Death__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Alessandro Capone__Darsteller: Daryl Hannah, Michael Madsen, Rutger Hauer, Stephen Baldwin, Danny Glover, Marco Bonini, Mario Opinato, Kai Portman, Neva Leoni u.a.
Sights of Death

Rutger Hauer und Michael Madsen sind Teil der “Death Squad” und bestaunen die “Sights of Death”

2047. Die Welt wird von der CCG – der Confederate Central Government – mit aller Brutalität beherrscht. Länder, die sich der neuen Ordnung nicht unterwerfen wollten, wurden dem System brutal einverleibt und harsch bestraft. Nur wenige begehren noch gegen die CCG auf. Etwa die Green War Rebels. Koordiniert von Sponge. Dessen Adoptivsohn Ryan Willburn ist auf einer Mission in einem Land, das von der CCG zur Strafe für seine Aufmüpfigkeit als Endlager für radioaktives Material genutzt wird. Hier ist einer der Satelliten des Regimes runtergegangen, der von den Rebellen gehackt wurde und auf dem sie sowohl Beweise für die unmenschlichen Repressalien des Systems als auch Pläne für ihre eigenen zukünftigen Vorhaben gesammelt haben. Doch dann stürzte der Satellit unvermutet ab, bevor man die gespeicherten Daten zerstören konnte. Freilich dürfen diese nicht der CCG in die Hände fallen.

Neben der Zerstörung der Daten hat Ryan Willburn zudem den Auftrag, in dem Einsatzgebiet nach weiteren Anzeichen für Verbrechen der CCG die Augen offenzuhalten. Dahingehend wird Ryan schnell fündig. Ein Massengrab spricht ganz offensichtlich für sich selbst. Eine von ihm abgesetzte Nachricht darüber wird auch von einigen hohen Tieren der CCG mitgehört. Sofort bricht Colonel Asimov mit seinen Männern auf, um Ryan auszuschalten. Hilfe sichert sich Asimov in Form des Söldners Lobo, der für Geld gerne bereit ist, einen Mantel des Schweigens über alle Ungeheuerlichkeiten der neuen Welt auszubreiten. Doch auch Ryan erhält unverhofft Hilfe: Tuag, eine anscheinend durch die Radioaktivität mutierte Überlebende, will ihm im Kampf gegen die CCG beistehen…

„Sights of Death“ steigt wunderbar apokalyptisch ein. Das Eröffnungsbild einer gigantischen Stadt, die partiell zu brennen scheint, geht Hand in Hand mit den einleitenden Worten von Rebellenführer Sponge, der uns die Grundsituation des Filmes zu erklären versucht. Dazu kommen Bilder im breiten Widescreen, eine gelungene Lichtsetzung, eine konsequent düstere, finstere Inszenierung und coole Settings, die glaubhaft machen, dass der Schauplatz der Ereignisse mehrfach durch die Hölle gegangen ist. Zwar spielt „Sights of Death“ ausschließlich in heruntergekommenen und abgerissenen Settings, aber die Erklärungen zu Beginn und die eigentliche Story machen diese Schauplätze mehr als plausibel. Auch wird gut erklärt, warum der Film fast ausnahmslos in irgendwelchen Abrisshäusern und Tunnelsystemen spielt, während man von der Erdoberfläche so gut wie gar nichts zu sehen bekommt… Gleichzeitig weiß man als leidensfähiger B-Film-Fan freilich sofort, was der eigentliche Grund für den abgerissenen Look des Filmes ist: Das Budget von „Sights of Death“ war offensichtlich alles andere als üppig oder ist rundweg für die Besetzung draufgegangen.

So wird Sponge von Danny Glover („Bad Asses“) gegeben. Der sitzt den ganzen Film über vor zwei Computern und muss erklären und erklären. Er hält den Film über diverse Off-Kommentare am Laufen. Stephen Baldwin („Fled – Flucht nach Plan“) ist derweil als Rebell Ryan der Held der Chose und macht als solcher einen ziemlich guten Job. Allerdings hätte man sich für ihn ein paar physischere Momente gewünscht. Doch dazu gleich mehr. Daryl Hannah ist als rechte Hand von Colonel Asimov an Bord und darf das gute Gewissen der CCG geben. Zudem führte sie „Sights of Death“ mit „Kill Bill“ Drehpartner Michael Madsen („Piranhaconda“) zusammen. Der hat vom Film die coolsten Auftritte spendiert bekommen. So bekommt er in seiner ersten Szene erst einmal ordentlich einen geblasen. Und in Szene zwei steigt er zu seinem eigenen Musikthema aus einer Karre, zündet sich eine an und steht einfach in der Gegend herum. Nur genial. Auch sonst scheint Madsen viel Spaß am Set gehabt zu haben. Genau wie sein Kumpel Rutger Hauer („Blade Runner“), mit dem er schon in Filmen wie „Sin City“ und „Kriegssöldner“ agierte. Hauer hat ebenfalls sichtlich diabolischen Spaß an seiner Bad Ass Rolle als Asimov und lässt sich mehr als einmal zum grandiosen Overacting hinreißen. Bei dem er die besten Zeilen des Filmes in den Mund gelegt bekommt.

Addiert man jetzt noch einen erstaunlich wertigen Score, könnte man fast meinen, dass der vorliegende Film ein echter Hit sein könnte. Aber, ihr ahnt es sicher, dem ist freilich nicht so. Denn abgesehen von seiner illustren, durchaus spielfreudigen Besetzung und seiner wirklich profunden technischen Umsetzung ist der Film einfach nur komplett verquaster Un- und Widersinn.

Das größte Problem ist, dass die Story von „Sights of Death“ einfach viel zu umständlich aufgezogen wird. Das bemerkt man vor allem an dem wirklich endlosen Gelaber und den immer wieder eingestreuten Off-Kommentaren. So wird der Film zwar halbwegs zusammengehalten, die Auswirkungen auf Tempo und Dynamik des Streifens sind allerdings verheerend. Zumal die Inszenierung dieser Dialog- und Monologwüsten wenig reizvoll vonstatten geht. Meist stehen die Protagonisten einfach nur in irgendeinem Raum herum und labern sich gegenseitig voll. Bewegung? Action? Beiläufig eingestreute Informationen? Nichts dergleichen!

Die interessantesten Story-Elemente drehen sich allesamt um die Figur der Tuag. Es ist zwar erstaunlich, dass kaum einer etwas über sie zu erzählen hat, außer dass sie einer Indianerin ähnlich sehe, aber die Wendungen um sie herum sind gar nicht so uninteressant. Wenn auch vollkommen unlogisch. Mit der Logik hat es „Sights of Death“ aber sowieso nicht so: Da greift die radioaktive Strahlung angeblich als erstes die Wahrnehmung/das Gehirn an und hat sonst keinerlei sichtbare Auswirkungen. Einem Charakter wird gleich mehrmals in den Kopf geschossen, ohne dass es ihn wirklich zu jucken scheint. Die Motivationen der Figuren sind teilweise überhaupt gar nicht nachzuvollziehen und damit einhergehende, entstehende und wieder beendete Allianzen kann man als Zuschauer häufig nicht deuten. Auch bleiben einige Fragen schlicht und ergreifend unbeantwortet. Wie mächtig ist die Rebellenbewegung insgesamt? Warum ist Asimov so wild darauf, das Massengrab zu verbergen? Warum nietet Lobo ohne Not seine eigenen Leute um? Fragen über Fragen…

Natürlich ist man als Actionfan immer bereit, bei B-Ware wie „Sights of Death“ diverse Problemchen auszublenden, wenn denn wenigstens die Action passt. Doch das tut sie in der italienischen Produktion nicht. Wie der Rest vom Film startet sie nie durch, verfügt über keinerlei Dynamik und bietet null Schauwerte. Weder gibt es coole Fights noch ausufernde Shootouts. Nichts dergleichen. Einzig eine Hubschraubereinlage ist mal etwas größer gedacht, versandet aber in CGIs auf Videospielniveau. Und so bleibt am Ende ein Filmchen, das erstaunlich gut ausschaut und eine wirklich nette Besetzung aufbieten kann, ansonsten aber einfach nur stinklangweilig geraten ist. Man hätte das Budget für die namhafte Besetzung wirklich anderweitig anlegen sollen. Zumindest können die Fans der Darsteller mal einen flüchtigen Blick riskieren.

„Sights of Death“ erschien als „Death Squad“ in UK auf DVD von dem Label 4Digital Media und ist mit einer Freigabe ab 15 ungeschnitten. Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bisher nichts bekannt.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: 4Digital Media__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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