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T-34 – Das Duell

Originaltitel: T-34__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Aleksey Sidorov__Darsteller: Alexander Petrov, Vinzenz Kiefer, Irina Starshenbaum, Robinson Reichel, Wolfgang Cerny, Viktor Dobronravov, Yuriy Borisov, Anton Bogdanov, Pyotr Skvortsov u.a.
T-34 - Das Duell DVD Cover

“T-34” bietet schön groß skalierte, nicht ganz realistische Panzeraction.

Nikolai Ivushkin wurde soeben vom Chef der Feldküche zum Kommandeur eines russischen Panzers befördert. Der junge Mann macht aus der Personalnot der Roten Armee das Beste und schafft es, mit einem desolaten russischen Panzer eine ganze deutsche Panzerbrigade aufzureiben. Ihm selbst bringt dieses Husarenstück aus taktischer Brillanz und Wagemut allerdings nichts. Er wird angeschossen und von den Deutschen verschleppt.

Jahrelang wird er nun von einem Internierungslager zum nächsten weitergereicht. Diverse Fluchtversuche enden mit der erneuten Inhaftierung. Sein neuester Aufenthaltsort wird ein KZ in Thüringen. Selbiges wird vom Kommandeur der Panzerbrigade geleitet, die Nikolai einst besiegt hatte. Und dieser Kommandeur hat ein eigenwilliges Vorhaben.

Um deutsche Kadetten für die deutschen Panzer zu trainieren, will er ihnen die Möglichkeit geben, auf dem Truppenübungsplatz Jagd auf einen unbewaffneten russischen Panzer zu machen. Diesen soll Nikolai befehligen. Der findet beim Herrichten des ihm zugewiesenen T-34-Panzers unvermutet sechs Geschosse in dem stählernen Ungetüm und in ihm erwächst ein kühner Plan. Er will bei der Übung mit den deutschen Kadetten ausbrechen und mit dem Panzer aus Deutschland fliehen.

Schaut in den russischen Blockbuster hinein

Die Story von T-34 wurde bereits 1965 als „Zhavoronok“ verfilmt. Obschon keine derartige Flucht, wie sie Original und Remake zeichnen, glaubhaft dokumentiert ist, gibt es in Russland verbreitete Geschichten, um ähnliche Vorkommnisse. Beispielsweise seien 1945 russische Bomberpiloten mit einem deutschen Flugzeug aus einem deutschen Gefängnis geflohen. Da fällt eine Geschichte wie jene von „T-34“ freilich auf dankbaren Boden.

Und so abgehoben die Story auch klingen mag, sie wird plausibel genug gereicht, um in den Film und seine gezeichnete Welt hineinzufinden. Natürlich muss dafür die Logik teilweise extrem hingebogen werden. Denn dass die Deutschen irgendwelchen russischen Gefangenen mal eben einen Panzer übergeben, ohne dessen Interieur zumindest nach Waffen abgesucht zu haben, das glaubt freilich kein Mensch. Ist hier aber wichtiger Story-Motor und muss auch als solcher akzeptiert werden. Ansonsten kann man „T-34 – Das Duell“ auch direkt wieder aus dem Player nehmen.

T-34 - Das Duell mit Alexander Petrov

Alexander Petrov geht mit einem kühnen Plan schwanger.

Und das wäre durchaus schade, denn obschon der Film den Krieg mal wieder extrem verharmlost und jedwede Form von Gräueln ausblendet, bietet er groß skalierte Blockbusterunterhaltung mit enormen Tempo, griffigen und lebendigen Figuren und spannenden Actionszenen. Vor allem letztere machen wirklich Laune, sind sie doch mit Sinn für fette Bilder in Szene gesetzt und bieten etwas, was man leider viel zu selten auf der Leinwand zu sehen bekommt. Übergroße Panzeraction. Da werden eigens für den Film nachgebaute Dörflein zerstört, wird durch Häuserwände gebrochen, wird durch Klingenthal gerast, steigen Duelle in engen Gassen und gibt es Wettkämpfe im allseits beliebten „Wer schwenkt den Kran schneller“-Spiel.

Die Geschosse werden dann so gut wie immer in Bullet-Time inszeniert. Fliegen an der Kamera vorbei, durchbrechen Panzerwände und entwickeln im Inneren der Ungetüme ihre ganze tödliche Kraft. Ebenso in Super-Slow-Motion. Dabei wird natürlich auch mal über Bande geschossen. Und freilich dürfen sich Geschosse in der Luft gegenseitig berühren und in ihrer Flugbahn ablenken oder von den Panzern abprallen, als seien sie Gummibälle. All das passt grandios zum Unterhaltungsanspruch des Filmes – und lässt den Logikmuffel kollabieren.

Panzeraction im russischen Blockbuster

The Fast and the Furious mit Panzern – Das passt!

Doch „T-34 – Das Duell“ will keinen realen Krieg bebildern. Ihm geht es um ein übergroßes Abenteuer. Und das ist von Anfang an klar. Als „The Fast and the Furious“ mit Panzern wurde der Film dann auch in Mütterchen Russland vermarktet. Und das passt eigentlich wie die Faust aufs Auge, denn innerhalb dieses gesteckten Rahmens funktioniert „T-34“ super.

Der Film punktet auch abseits der Action mit farbsatten, übergroßen Bildern. Wenn er beispielsweise alle Innenräume in güldenes Licht taucht, kommt definitiv Stimmung auf. Zudem ist die Kamera gefühlt immer in Bewegung. Coole Drohnen-Kameraflüge inklusive Fast-Forward-Sequenzen verorten die Kampfverbände effektiv und helfen bei der räumlichen Orientierung.

T-34 - Das Duell mit Vinzenz Kiefer

Vinzenz Kiefer liefert die beste schauspielerische Leistung im Film.

Bei seinen Figuren setzt Regisseur Aleksey Sidorov auf echte Typen. Jede Figur hat ihren festen Sinn und funktioniert auch dank ordentlicher Darsteller hervorragend. Dreh- und Angelpunkt sind die beiden Antipoden Nikolai und Klaus Jäger. Nikolai wird vom „Chroniken der Finsternis“-Star Alexander Petrov mit viel Augenzwinkern und sympathischem Understatement als Everybody’s Hero gegeben. Dagegen wirkt Vinzenz Kiefer („Jason Bourne“) in seiner ruhigen, latent bedrohlichen Art präsenter und reizvoller und liefert die beste schauspielerische Leistung des Filmes ab. Problematisch im Figuren-Interieur ist eigentlich nur die Personalie Irina Starshenbaum („Attraction“), die als farbloser Love Interest von Nikolai für die eine oder andere Länge sorgt.

“T-34 – Das Duell” bietet starke russische Blockbuster-Unterhaltung

Was am Ende bleibt, ist ein temporeicher, optisch beeindruckender, fein gespielter und nett ersponnener Abenteuerfilm, der keinen Pfifferling auf geschichtliche Korrektheit gibt. Unterhalten soll das Gebräu. Und unterhalten tut es. Auch kleineren Problemherden zum Trotz. Wollte man richtig mäkeln, hätte man sich sicherlich noch mehr Panzeraction gewünscht. Auch hätten die Gefährte gerne mal mehr von ihrer unbändigen Kraft zeigen dürfen, denn so richtig platt rollen dürfen sie leider nur wenig. Zudem hätte der Film gerne die Momente mehr auskosten dürfen, in denen die Russen mit ihrem Panzer hinter feindlichen Linien auch für humorvolle Begegnungen sorgen. Etwa wenn sie zum Tanken anhalten und der Betreiber erst einmal die Hakenkreuzflagge vom Tisch verschwinden lässt.

07

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Tiberius Film / Sunfilm und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Extras zum russischen Blockbuster findet man leider keine. Die deutsche Tonspur ist zudem teilweise extrem unauthentisch. Vor allem das Geschrei im Panzer wirkt brutal hölzern und schlecht übersetzt. Ein Umschalten auf die russische Tonspur lohnt allerdings auch wegen der irren Soundqualität. Wenn hier die Panzer anrollen, vibriert es den Putz von den Wänden. Da kann die deutlich runtergepegelte deutsche Tonspur nicht ansatzweise mithalten. Interessant auch, dass alle deutschen Darsteller im O-Ton Deutsch parlieren dürfen, sie aber unterwegs von einem brutal schnell sprechenden Russen gedubbt werden.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm/Tiberius Film__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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