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Talon im Kampf gegen das Imperium

Originaltitel: The Sword and the Sorcerer__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1982__ Regie: Albert Pyun__Darsteller: Lee Horsley, Kathleen Beller, Simon MacCorkindale, George Maharis, Richard Lynch, Richard Moll, Anthony De Longis, Robert Tessier, Nina van Pallandt, Anna Bjorn u.a.
Talon im Kampf gegen das Imperium

Albert Pyuns Regiedebüt ist komplett vernebelter Fantasy-Trash: “Talon im Kampf gegen das Imperium”.

Wenige Tage bevor „Conan der Barbar“ die internationalen Leinwände eroberte und seinem Hauptdarsteller den Weg ins Stardom ebnete, schickte Albert Pyun seinen Film „The Sword and the Sorcerer“ ins Rennen. Der weist in seiner Story viele frappierende Ähnlichkeiten zum Schwarzenegger-Spektakel auf, stellt das Regie-Debüt von Albert Pyun dar und schaffte es doch tatsächlich, in den USA knapp 40 Millionen Dollar einzuspielen. Wobei der beinahe parallel laufende „Conan“ sicherlich sein Scherflein dazu beigetragen hat und angefixte Fantasy-Actionfans auch in Albert Pyuns Film irren ließ.

An der Geschichte von „The Sword and the Sorcerer“, der als „Talon im Kampf gegen das Imperium“ sogar deutsche Leinwände beglückte, kann der Erfolg nämlich nicht gelegen haben. Die ist maximal als rudimentär zu bezeichnen und folgt dem Schema, das im Nachhinein viele Pyun-Filme prägen sollte: Der gute Albert erzählt einfach alles an interessanter Geschichte in den ersten 15 Minuten und filmt ab da einfach nur noch irgendwelche Bilder, die halbwegs zum Film passen. Leidgeprüfte Filmfans, die sich beispielsweise durch die Fortsetzung „The Sword and the Sorcerer 2“ gelitten haben, wissen, wovon die Rede ist. Trotzdem an dieser Stelle einmal ein Versuch der Story-Wiedergabe…

Der fiese Lump Cromwell will sich alle Königreiche der bekannten Welt Untertan machen. Um das zu erreichen, ruft er sogar den Dämon Xusia zurück ins Leben. Der feiert seine Wiederauferstehung mit amtlich Welteroberung und führt Cromwell von Sieg zu Sieg. Als man endlich die lange umkämpfte Stadt Edan erobern kann, hintergeht Cromwell den vom vielen Zaubern geschwächten Dämon und verdammt ihn wieder in die Unterwelt. Gleichzeitig killt er die Eltern des pausbäckigen Jünglings Talon vor dessen Auge.

Der ist nun natürlich voll wütend und… flieht erst einmal aus dem Land. Fernab der Heimat wird er zum bekannten Seeräuber, Banditen, Halunken, Halsabschneider und Superstecher. Jahre später kehrt er gen Edan zurück. Vermutlich, um seine Eltern zu rächen. So richtig klar wird das allerdings nie. Lieber will er sexy Alana pimpern. Deren Bruder versucht derweil, Cromwell zu stürzen. Und Xusia taucht auch wieder aus der Versenkung auf. Wie die alle irgendwann zusammenarbeiten, oder auch nicht, und ob Cromwell gegen gleich drei gigantische Gegner eine Chance hat, das erfahrt ihr nur, wenn ihr den Film anguckt. Oder ihr ratet einfach mal…

Nebel satt gibts schon im Trailer zu „Talon im Kampf gegen das Imperium“

Wie bereits erwähnt, steigt das meiste dieser Story bereits in den ersten 15 Minuten Film. Die restlichen immerhin 85 Minuten sind eine wirre Abfolge aus Kämpfen, nackten Tatsachen, sinnlosem Gelaber, etwas Magie, Folter, Ausbrüchen, Einbrüchen und ähnlichem Brimborium. Pyun schafft dabei zumindest irgendwie einen Zusammenhang, indem er den talentlosen Hauptdarsteller mit seiner fiesen Frise alle fünf Minuten mal prominent vor die Kamera schiebt und ihn herrlich verwirrt in selbige gucken lässt. So weiß man als Zuschauer zumindest halbwegs, dass man noch im richtigen Film ist.

Was man am Drehbuch gespart hat, hat man am Set in ganz viel Nebel, Eisnebel, Rauch- und Dunstschwaden und in diverse Dämpfe investiert. Man kann sich richtig vorstellen, wie Albert
Pyun jede Szene einleitete mit: Kamera – läuft! Ton – Läuft! Nebel – Wabert! Und Action! Der Atmosphäre ist das hier und da sogar durchaus zuträglich, insgesamt tun einem die Darsteller aber nur leid. Die dürften kaum einen Drehtag mehr als fünf Meter Sichtweite gehabt haben. Vermutlich stolpern auch deshalb einige so unbedarft über die Leinwand?

Ansonsten wirkt „Talon im Kampf gegen das Imperium“ recht preisgünstig in Szene gesetzt. Die Kostüme sind mal durchaus ansehbar, mal wirken sie wie von der letzten Resterampe. Das Schloss, in dem alle wichtigen Szenen steigen, ist rührend naiv in eine nette Landschaft kopiert wurden. Die Innengänge des „Schlosses“ schreien an allen Ecken und Enden ganz laut: „Styropor!“ Und wer genau hinschaut, der sieht sie immer wieder mal bedrohlich wackeln. Der Hit sind die wie simpelstes Plastik wirkenden Hieb- und Stichwaffen.

Das Highlight ist dahingehend natürlich das legendäre Dreiklingen-Schwert! Es schaut genauso Panne aus, wie der Name klingt, aber das Ding ist der Hit! Zwei seiner Klingen kann Talon wie Raketen auf seine Gegner abschießen. Und natürlich versteckt das Dreiklingen-Schwert auch noch eine vierte Klinge! Darum ja auch der Name! Ärm… ja. Und das Beste: Als das Schwert einmal richtig gefordert wird, zerbricht es gleich. Das war noch Wertarbeit, damals!

Darstellerisch ist hier nichts zu holen. Der Hauptdarsteller Lee Horsley spielt noch schlimmer als Arnold Schwarzenegger in seinen schlimmsten Rollen. Als Held taugt er auch nicht viel und wenn er am Ende wie Conan im sexy Lendenschurz die Lumpen killt, brennt das direkt in der Netzhaut und man wünscht sich, er möge sich wieder anziehen. Als sein Antagonist schaut Richard Lynch die ganze Zeit aus wie Angela Merkel mit Bart. Seltsamerweise wirkt der nie um Overacting verlegene „Invasion USA“-Lump beinahe komatös. Vermutlich hat er die Story auch nicht verstanden und nicht kapiert, ob er nun gut oder böse ist. Der Rest vom Fest amüsiert mit den schrecklichsten Frisuren der Fantasy-Filmgeschichte. Von Ritter Eisenherz bis zum engelhaft blondgelockten Haar ist hier alles vertreten. Auf den Köpfen grobschlächtiger Kerle wohlgemerkt! Die einzige Dame mit echter Sprechrolle heißt Kathleen Beller, sieht rattenscharf aus und hat damit all ihre Schuldigkeit getan.

Was am Ende bleibt, ist ein Hack-&-Slay-Krampf, der zumindest mit ein paar hübsch getricksten Latexeffekten die Aufmerksamkeit kurz hochschnellen lässt. Da werden Schwerter durch Köpfe gerammt, Speere durch Körper getrieben, ein Schädel wird gespalten und am Ende darf sich einer der Hauptcharaktere gar spektakulär häuten. Leider sind diese Highlights genauso spärlich in ihrem Aufkommen wie wirklich gelungene Actionszenen. Die meiste Zeit wird einfach nur unkoordiniert mit Schwertern herumgefuchtelt und irgendwann greift sich wer an die Brust und fällt tot um. Gute Action geht dann doch anders.

Problematisch ist auch, dass „Talon im Kampf gegen das Imperium“ stimmungstechnisch seltsam unrund läuft. Bemüht sich Albert Pyun zu Beginn noch um einen düsteren Fantasystil, bricht er den im Mittelteil auf einmal auf. Vor allem der Soundtrack, der sogar Indiana Jones gut zu Gesicht gestanden hätte, wird beinahe beschwingt und locker leicht. Dazu gesellen sich mehr und mehr offensichtlich humorig gemeinte Szenen. Gegen Ende schaltet Pyun plötzlich wieder in den düstereren Modus. Nur der Soundtrack-Komponist hatte da offenbar die Schnauze voll und zog seinen beschwingten Stil durch. So dass am Ende irgendwie gar nichts mehr zusammenpasst.

Und so ist letzten Endes der ganze Film. Was nach fettem Fantasy-Geschlachte klingt und den blutrünstigen Barbar in uns allen anzuvisieren scheint, ist final kaum mehr als ein Schaulaufen irrer Frisuren in einem unzusammenhängenden Geschwurbel, das mit zunehmender Laufzeit vor allem die Geduld des Zuschauers auf die Probe stellt. Zumindest Trashfans kann man „Talon im Kampf gegen das Imperium“ durchaus ans Herz legen. Einige grenzdebilde Dialoge und Momente bergen viel Partypotential. Nur kein Saufspiel anfangen, das mit dem Aufkommen von Nebel, Dunst oder Dampf zu tun hat. Dann überlebt ihr den Film nicht!

4 von 10

Die deutschen DVDs des bis 2008 indizierten Filmes von Laser Paradise oder ’84 Entertainment sind mit einer FSK 18 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: ’84 Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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