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The Apocalypse

Originaltitel: The Apocalypse__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Hubert de la Bouillerie__Darsteller: Sandra Bernhard, Cameron Dye, Frank Zagarino, Michelle Anne Johnson, Lee Arenberg, Merle Kennedy, Teddy Lane Jr., Matt McCoy, Laura San Giacomo u.a.
The Apocalypse mit Frank Zagarino

Überlebt Frank Zagarino “The Apocalypse”?

J.T. Wayne hat einen lukrativen Auftrag an Land gezogen. Sie soll das seit Jahrhunderten ziellos im All treibende Raumschiff Agamemnon bergen. Dieses hat derart gewaltige Ausmaße, dass J.T. die Dienste eines weiteren Bergungsteams hinzuziehen muss. Da der Job eilt und kein anderes Bergungsteam vor Ort ist, greift sie auf die Hilfe des Teams um Vendler zurück. Der klingt nicht nur ähnlich wie ein deutscher Schlagerstar mit Aluhut, er ist auch mindestens genauso böse.

Doch J.T. ist gewarnt, wurde sie von Vendler doch schon einmal hintergangen. Angesichts der bevorstehenden Belohnung für den Job scheint es Vendler nicht schwer zu fallen, sein Temperament im Zaum zu halten. Doch kaum sind J.T., Vendler und ihre Teams auf der Agamemnon gelandet, zeigt der Vendler erneut sein wahres Gesicht. Der schaltet J.T.s Team aus und kapert das Raumschiff.

Blöderweise wurden dessen Funktionen von einer leicht abgedrehten Dame kurz nach dem Start der Agamemnon geändert. Das Raumschiff kennt nur noch eine Mission: Zur Erde fliegen, auf dieser zerschellen und dabei die mitgeführten gewaltigen Mengen an Solarium zum Explodieren bringen. Kurzum: Der Vendler hat eine fliegende Kanonenkugel gekapert und es ist nur noch wenig Zeit, um die Apokalypse zu verhindern. Zumindest J.T. entwickelt so etwas wie einen Plan.

Science-Fiction-Actioner mit Frank Zagarino

„The Apocalypse“ zieht seine simple Story sehr geradlinig durch und ruft wohlige Erinnerungen an ähnliche Action-im-All-Böller der Marke „USS Legacy“ oder „Velocity Trap“ wach. In diesen schlichen meist irgendwelche Helden durch immer gleich aussehende Gänge eines Raumschiffes und killten alle paar Minuten irgendwelche Lumpen. Das simple Setting sparte Geld, der Schauplatz wirkte trotz allem irgendwie exotisch.

Immerhin deuteten simple Effekt-Zwischenschnitte immer wieder an, man befände sich im Weltall. Die Effektqualität variierte dabei von Produktion zu Produktion teils heftig. „The Apocalypse“ setzt tatsächlich noch auf Miniatureffekte, die liebenswert antiquiert wirken und in diesem Fall wirklich schlecht gealtert sind. CGI-Effekte gibt es nur rund um ein Story-Element (eine Passwortabfrage) zu sehen.

Und damit zu einem der gröberen Probleme des Streifens: Er bietet zu Beginn und gegen Ende einiges an Tempo, zwischendurch jedoch verlagert „The Apocalypse“ seine Konzentration immer wieder auf echt uninteressante Nebenschauplätze. Das Tempo geht ergo rund ums zweite Filmdrittel empfindlich in die Knie und „The Apocalypse“ beginnt sich unangenehm zu ziehen.

Was dem Film den Kragen rettet, ist seine nett aufspielende Besetzung. So ist Sandra Bernhard („Hudson Hawk“) mit ihrer dauernölenden Art als J.T. einfach köstlich. Vor allem mit dem Newbie in ihrem Team, verkörpert von Cameron Dye („Men at Work“), hat sie eine herrlich frotzelnde Chemie. Und glaubt es oder glaubt es nicht: Selbst Frank Zagarino („Stroker“) lässt sich in „The Apocalypse“ mal beim Spielen erwischen.

Man würde ihm in seiner Rolle als fieser Vendler sogar so etwas wie Ausstrahlung zugestehen, wenn, ja wenn sein Fieswicht auch mal so richtig aufdrehen würde. Das geschieht aber leider erst im Finale. Laura San Giacomo („Pretty Woman“) hätte ich in einem Film wie diesem nie erwartet. Und sie war vermutlich wirklich nur ein Tag am Set. Ihre wenigen Szenen bekommt man infolgedessen gefühlt jeweils zehnmal um die Ohren gehauen.

Actiontechnisch brennt in „The Apocalypse“ eher selten der Baum. Zu Beginn wird ein wenig geballert, gegen Ende wird das ganze dann aufwändiger und herzhafter. Bloodpacks platzen, Getroffene fliegen durch die Luft und hier und da hebt Frank Zagarino auch mal ein Bein. Ein Kehlenschnitt und ein extrem ausgekosteter Genickbruch fallen brutalitätstechnisch auf. Die deutsche FSK 18 ist aber etwas überzogen.

Inszenatorisch fällt auf, dass Regisseur Hubert de la Bouillerie kein rechtes Gefühl fürs richtige Timing und Pacing der Action hat. Die Folge sind mal wieder endlos lange Feuergefechte, bei denen nichts getroffen wird, die Kontrahenten aber kaum mehr als fünf Meter auseinander stehen. Abseits der Action hat der Regisseur aber ein gutes Auge für seine Finstersets, die als abgewracktes Raumschiff durchaus zu überzeugen wissen. Die Momente, in denen er Schwerelosigkeit und ähnliche mit dem Weltall im Zusammenhang stehende Phänomene bebildern soll, geraten allerdings mehr als lachhaft.

„The Apocalypse“ zündet nicht

„The Apocalypse“ ist einer dieser Sci-Fi-Actioner, bei denen in den Weiten des Alls in einem Raumschiff so lange um sich geballert wird, bis ganze Sektionen des Raumgefährtes explodieren oder in Flammen aufgehen. Abgesehen davon, dass Feuer im All niemals so schön lodern würde, empfinde ich diese Selbstmordgeilheit der Antipoden (oder ihre Dummheit, je nach Bildungsgrad), die da offen durchscheint, immer wieder als einen unersprießlichen Quell der Freude. Andere würden es vermutlich unlogisch und dumm nennen. Ich lache darüber.

Und insofern hatte ich bei „The Apocalypse“ meinen Spaß. Der kommt schön düster daher, amüsiert mit all seinen durchsichtigen Trickeffekten und hat spielfreudige Darsteller an Bord. Obendrein kredenzt er eine an und für sich schön simple Story. Warum da beständig Shakespeare zitiert werden muss und was da eigentlich genau und vor allem warum im großen Showdown passiert – who cares? Das im Mittelteil schleppende Storytelling erdet den Spaß jedoch ebenso, wie die insgesamt ein wenig zu selten aufkommende und dann nicht richtig reinhauende Action.

4 von 10

Der Film hat es in Deutschland immer ungeschnitten auf physische Datenträger geschafft. Sowohl die VHS von BMG/UFA als auch die DVDs von Laser Paradise und Epix waren mit einer FSK 18 ungeschnitten. Die DVD von Epix bietet ein teils erstaunlich detailreiches Bild, offenbart in anderen Szenen aber deutlich, dass hier ein analoges Medium mit Laufrollenschäden das Master war.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Epix__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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