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The Axe

Originaltitel: The Ex__Herstellungsland: USA/Kanada__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: Mark L. Lester__Darsteller: Yancy Butler, Suzy Amis, Nick Mancuso, Hamish Tildesley, Babs Chula, Claire Riley, Barry W. Levy, Roger Barnes, Tom Pickett, Barry ‘Bear’ Horton, Arlene Belcastro u.a.
The Axe

In Mark L. Lesters Psychothriller “The Axe” wird Nick Mancuso von seiner Ex-Frau Yancy Butler terrorisiert

Es kommt zwar keine einzige Axt in Mark L. Lesters („Night of the Running Man“) Psychothriller „The Ex“ vor, aber der deutsche Verleih entschied sich für die sinnfreie, aber deutlich reißerische Benennung „The Axe“.

Bei der Ex handelt es sich um Deidre Kenyon (Yancy Butler), die Ex-Frau des Architekten David (Nick Mancuso). Der ist mal so gar nicht froh, als diese ihn nach einem Arbeitstag aufsucht und ihm erzählt, dass sie nun auch in die Stadt gezogen ist. Es wird schon angerissen, dass die Ehe der Kenyons unter keinen guten Umständen zu Ende ging, unter anderem mit einem Selbstmordversuch Deidres endete. Doch „The Axe“ sorgt schon zu Beginn dafür, dass nicht zu viele Sympathien für Deidre aufkommen: Sie stalkt Davids neue Frau Molly (Suzy Amis) und den fünfjährigen gemeinsamen Sohn Michael (Hamish Tidesley) vor dem Besuch bei Nick, anschließend reißt sie einen Typen in einer Bar auf und ersäuft diesen nach dem Liebesakt in der Badewanne, womit jedem Zuschauer klar sein muss, dass Deidre eine Psychopathin ist, die garantiert nicht genesen aus der Therapie entlassen wurde.

Und Deidre hat ein Ziel: Sie will David zurück für die selbstzerstörerische Beziehung von früher, auch gegen dessen Willen. Da David Molly nie von seiner ersten Ehe erzählte, kann sie sich als vermeintliche Psychotherapeutin an diese heranschmeißen, da Michael eine solche benötigt…

„The Axe“ ist ein später Ausläufer jener Erotik-, Eifersuchts- und Beziehungsthriller, die in den späten 1980ern und frühen 1990ern beliebt waren. Zu dieser Welle steuerte Larry Cohen, der das Script zu „The Axe“ zusammen mit John Lutz, dem Autor des zugrundeliegenden Romans, schrieb, mit dem Drehbuch für Sidney Lumets „Jenseits der Unschuld“ einen mittelbekannten Vertreter bei. Die psychopathische Ex erinnert natürlich an „Eine verhängnisvolle Affäre“ (nicht umsonst trägt der Film manchmal den Untertitel „Eine verhängnisvolle Ehe“), das Einschleichen unter falschen Namen und Beruf an „Die Hand an der Wiege“. Den Showdown im Feriendomizil kennen wir aus „Kap der Angst“, die dunklen sexuellen Impulse des Helden aus „Basic Instinct“. Hier liegt einer der interessantesten Punkte von „The Axe“ vor: David ist nicht unbedingt ein strahlender Held, sondern ging dereinst mit Deidre eine fatale SM-Beziehung ein, die seine gewalttätigen und ihre masochistischen Impulse noch weiter antrieb. Impulse, die immer noch in ihm schlummern. Michaels aggressive Ausbrüche, die therapiert werden sollen, deuten an, dass der Sohn diese eventuell geerbt haben könnte, was der Film für eine böse, wenn auch nicht vollends durchdachte Pointe im Finale nutzt.

Ansonsten ist das hier die mit Sparbudget umgesetzte B-Version der oben genannten Klassiker, die neben dem ambivalenten Opferhelden vor allem mit einer grandios bitchigen Schurkin punkten kann. Deidre lügt, betrügt, täuscht und manipuliert in einer Tour, mit diabolischer Freude und ohne Skrupel. Es mag etwas zwiespältig sein, dass „The Axe“ teilweise das unschöne wie gefährliche Klischee des manipulativen Frau, die Vergewaltigungen erfindet und arme Männer ins Unglück stürzt, bedient, aber immerhin (über)zeichnet der Film sie dabei auch als absolut Ober-Psychobitch aus der Hölle, die ihre Opfer vorzugsweise ertränkt, aber auch vor anderen Mordmethoden nicht zurückschreckt. Hier muss dann auch die eine oder andere Figur auf der Strecke bleiben, damit es für den geneigten B-Fan zwischendrin mal die eine oder andere leichte Gewaltspitze gibt.

Sonst ist „The Axe“ nämlich stromlinienförmige Schema-F-Ware, die vor allem unter der Zeichnung von Davids neuer Familie leidet. Molly ist ein Naivchen, das andauernd seine Meinung ändert und sich 1A manipulieren lässt, Michael ein eher nerviges Balg, dessen asoziale Impulse so kommen und gehen wie es dem Drehbuch gerade in den Kram passt. Zudem macht das Script aus mancher Vorlage wenig: Dass David seine Familie über Jahre hinweg angelogen hat und seine erste Ehe verheimlichte, hat überraschend wenig Konsequenzen. Auch aus Deidres Vorgeschichte, gerade was ihre Entlassung aus der Therapie, die sie durch Manipulation ihrer Psychiaterin bewerkstelligte, angeht, hätte man noch mehr aus dem Film machen können.

Aber dafür spielt Yancy Butler („Harte Ziele“) die Schurkin mit Eiseskälte und Inbrunst, dass es eine wahre Freude ist – manipulativ, sarkastisch und bei ihren Ausrastern rasend. Nick Mancuso („Rapid Fire – Unbewaffnet und extrem gefährlich“) gibt verlässlich den Architekten, der den Boden unter den Füßen verliert und auf die falsche Weise, nämlich mit seinen düsteren Impulsen auf die Bedrohung antwortet, obwohl er eigentlich das Beste will. Dass man die farblose Suzy Amis („Firestorm – Brennendes Inferno“) an seine Seite stellt, ist dann ein Problem, da deren Rolle eh schon wenig hergibt und der Part so noch mehr schwächelt.

So ist es dann vor allem Yancy Butler und Nick Mancuso zu verdanken, dass Lesters Film als Gebrauchsthriller nach bekanntem Muster funktioniert: Wirklich neu ist hier nichts, interessant ist in erster Linie die Ausleuchtung der dunklen Seiten des Helden, aber sonst kennt man vieles aus leidlich bekannten Vorbildern, auch wenn Butler als Schurkin einen Höllenjob macht und die knappe Laufzeit nicht allzu viele Längen entstehen lässt.

„The Axe“ gibt es in Deutschland bisher nur auf VHS, ab 16 Jahren freigegeben und eventuell gekürzt. Definitiv ungekürzt ist die niederländische DVD von Bridge Pictures, die dort ab 16 freigegeben wurde und kein Bonusmaterial bietet.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: VPS__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Unbekannt__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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