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The Bluff

Originaltitel: The Bluff__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Frank E. Flowers__Darsteller: Karl Urban, Priyanka Chopra Jonas, Temuera Morrison, Ismael Cruz Cordova, Zack Morris, David Field, Gary Beadle, Safia Oakley-Green, Jordan Mooney, Greg Hatton, Pacharo Mzembe u.a.
The Bluff Artwork des Piratenfilmes

Karl Urban und Priyanka Chopra Jonas kreuzen in „The Bluff“ die Schwerter. © 2026 Amazon Content Services LLC

1846. Das goldene Zeitalter der Piraten in der Karibik ist vorbei. Nur die brutalsten Vertreter überleben auf der Jagd nach einem Ausweg. Captain Connor ist einer dieser Brutalen. Mordend und brandschatzend fällt er über die Bewohner der Karibikinsel Cayman Brac her. Doch dieser Raubzug erfolgt nicht wahllos. Kurz zuvor hat er ein kleines Schiff der Insel geentert, dessen Kapitän ein Stück eines Goldschatzes bei sich hatte, dem Connor schon ewig hinterher jagt.

Obschon die Piraten drückend überlegen wirken, geraten sie vor allem bei Ercell an die Falsche. Die verteidigt ihren Sohn und ihre Schwester wie eine Löwin. Unversehrt können die drei ins Innere der Insel fliehen. Da Ercell jedoch die Frau des Kapitäns ist, den Connor gefangengenommen hatte, starten die Piraten freilich die Jagd auf sie. Immerhin könnte sie etwas über den Verbleib des Schatzes wissen, über den sich ihr Mann so standhaft ausschweigt.

Früh wird zudem klar, dass Connor und Ercell eine gemeinsame, extrem brutale Vergangenheit haben. Kann die wehrhafte Ercell ihre Familie retten?

Schaut in den Film hinein

Farbenfroher und brutaler Piratenfilm von den Russo-Brüdern

Wenn ihr euch den Trailer zu „The Bluff“ anschaut, bekommt ihr bereits eine Ahnung, dass der Film kein typischer Piratenfilm geworden ist. Hier wird nicht geentert, setzt es keine Kanonenduelle zwischen gewaltigen Piratenschiffen und gibt es kaum ein „Arr“ oder gar ein „Arr, Arr, Arrrrrrr“. Augenklappen hat es auch keine. Und endlose Ozeane spielen maximal eine Nebenrolle.

Auch den Filmtitel solltet ihr nicht fehlinterpretieren. Es geht hier nicht um Winkelzüge oder Intrigen, wie es beispielsweise in der großartigen Serie „Black Sails“ zelebriert wurde. The Bluff ist einfach ein Berg auf der Insel Cayman Brac.

Was „The Bluff“ dann ist? Nun, eine Art Menschenjagdfilm. Denn wenn Ercell sich der ersten Angriffswelle erwehrt hat, startet sie im Inneren der Insel in eine Art Guerilla-Krieg. Mittels präziser Angriffe und Aktionen nimmt sie nun einem Einzelkämpfer gleich einen Piratenlump nach dem anderen aus dem Spiel.

Karl Urban als Captain Connor in "The Bluff"

Karl Urban als Captain Connor in „The Bluff“. © 2026 Amazon Content Services LLC.

Und ausschließlich hierfür braucht „The Bluff“ den Begriff der Piraterie. Denn der weckt Assoziationen und verortet die Lumpen um Connor als brandgefährlich, ruchlos und brutal. Warum groß Exposition betreiben, wenn man es so einfach haben kann? Leider bleiben die Piraten so reichlich gesichtslos. Mehr noch: Aktuellen Actionfilmklischees entsprechend, sind die meisten von ihnen hier vollvermummt! Auf einer Karibikinsel mit entsprechenden klimatischen Bedingungen. Die armen Schweine. Aber zumindest liefern sie der Heldin ordentlich Beschäftigung.

Und die tobt sich ihr amtlich aus. Wütet teils extrem brutal durch die Piraten und macht „The Bluff“ mühelos zum derbsten Vertreter des Genres der Piratenfilme. Messer und Schwerter landen hier in allen möglichen Körperteilen, abgeschlagene Schädel werden durch die Gegend geschmissen, Gliedmaßen gehen verloren, Messer werden derb durchgezogen, eine Kanone zersprengt einen Menschen komplett und wenn hier geballert wird, suppt der rote Lebenssaft nur so über den Screen.

Zudem folgt Ercell beziehungsweise ihre Darstellerin Priyanka Chopra Jonas einer angenehm ruppigen Choreographie, die die Heldin nicht wie einen Martial Artist, aber wie eine im Töten versierte Person rüberkommen lässt. Was angenehm glaubwürdig wirkt. Priyanka Chopra Jonas beweist innerhalb kurzer Zeit nach „Heads of State“, dass man sie als neue weibliche Actionheldin auf der Uhr haben sollte, denn erneut schlägt sie sich einfach nur formidabel.

Priyanka Chopra Jonas als Ercell / Bloody Mary in The Bluff

Priyanka Chopra Jonas als Ercell in „The Bluff“. © 2026 Amazon Content Services LLC.

Leider wird ihre Ercell mit recht viel Ballast versehen. Der zu rettende Ehemann, ein verkrüppeltes Kind und eine nervige Schwester bremsen den Actionhunger ihrer Figur immer mal wieder aus. Es muss viel gelabert werden. Nicht alles davon ist überflüssig, etwa wenn Ercells Charakter sehr gewinnbringend vertieft wird, aber doch eine Menge. Und vor allem dem Schwesterlein wünscht man doch recht flott einen eigentlich genreinhärenten, hier jedoch nie zu sehenden Gang über die Planke.

In diesen Momenten hängt „The Bluff“ dann auch durch. Und man spürt, dass man nicht richtig in der Handlung drin ist. Zu viele der beschützenswert gemeinten Figuren sind einem zu egal. Und die bereits erwähnte Opfermasse an Piraten mag zwar prinzipiell fies konnotiert sein, kommt aber nie so rüber. Kleine Duftmarken setzen Greg Hatton („Play Dirty“) als Scout und Temuera Morrison („The Wrecking Crew“) als gutes Gewissen von Connor.

Im Grunde ist aber nur einer richtig fies. Und das ist der Anführer der Piraten, gespielt von Karl Urban („Dredd“). Und der hat richtig Spaß an seiner Rolle des Connors und gibt einen prächtigen, ebenso intelligenten wie gefährlich psychopathischen Fieswicht. Das Intimduell zwischen Connor und Ercell hat entsprechend auch Feuer und Dampf. Aber freilich treffen die beiden erst im Finale so richtig aufeinander. Bis dahin ist es zu lange eine Art Belauern.

Jonas und Urban im Piratenfilm der Russo-Brüder

Ercell und Connor haben da was zu klären… © 2026 Amazon Content Services LLC.

Was einwandfrei funktioniert, ist das Setting. Gedreht wurde in Australien, wo man Bedingungen vorfand, die jene in der Karibik problemlos doubeln. Die vielen natürlichen Locations sorgen für eine tolle Farbigkeit. Und auch die restlichen Settings, etwa ein Höhlensystem für den Showdown, funktionieren und bieten coole Schauplätze. Auch die Kostümierung und Ausstattung geraten stimmig. Highlights sind ein paar ungewöhnlich designte Waffen. Alleine der Optik wegen möchte man den Machern danken, überhaupt mal wieder das Piratenfilmgenre bedient zu haben. Dachte sich auch Henry Jackman und zauberte einen Score, der ein paar richtig coole, von Cellos dominierte Themen an Bord hat.

Effekttechnisch gibt es ein paar kleinere Ausrutscher. Ein vollkommen überflüssiges Hintergrundfeuer verhässlicht den Final Fight. Und zu Beginn segelnde Schiffe sehen auch nicht wirklich echt aus. Davon abgesehen, braucht es in „The Bluff“ weitgehend nur für die Folgen der harschen Action CGI-Bilder. Und die funktionieren ordentlich. Sehr cool getrickst fand ich die Auftritte mehrerer hungriger Krokodile, die, dem Duktus des Filmes folgend, derb zubeißen dürfen.

„The Bluff“ strandet im Mittelmaß

Erzähltechnisch ist „The Bluff“ eher in seichten Gewässern unterwegs. Alles, was Regisseur Frank E. Flowers, der bislang vornehmlich Musikvideos gedreht hat, erzählt, hat man so schon zigfach zu sehen bekommen. Unter der Aufsicht der produzierenden Brüder Joe und Anthony Russo („The Return of the First Avenger“), die mit ihrer Kohle für einen sehr wertigen Look sorgten, lässt er vor allem Karl Urban und Priyanka Chopra Jonas weitgehend freie Hand. Die bedanken sich mit absolut sauberen Performances und geben auch in der Action alles.

Die zieht sich stetig durch den gesamten Streifen und gerät unter der Federführung von Second-Unit-Regisseur Robert Alonzo („The Batman“) erstaunlich derb. Orientiert sich also eher an hyperbrutalen modernen Actionern und weniger an klassischen Pirateriestoffen. Apropos: Dass „The Bluff“ insgesamt wenig Piratenromantik auffährt, dürfte manchen Abenteuerfan stören. Und auch ich denke, zumindest im Showdown hätte man durchaus größer denken dürfen. Statt einer Art „Rambo: Last Blood“-Finish hätte man eher ein (ich nenne es mal…) „Piratenbraut“-Finish mit explodierenden Piratenschiffen präferieren sollen. Denn das ganz große Spektakel geht „The Bluff“ doch ein wenig zu sehr ab.

Und nicht nur im Finish ist man nicht so wirklich drin. Einfach weil es durchgehend an Spannung, erst recht an erzählerischem Drive und sowohl an turbofiesen Schlingeln als auch echter Mitfiebermasse fehlt. Das Ergebnis ist ganz unterhaltsames und technisch ordentlich umgesetztes Seemannsgarn. Eine Buddel voll Rum gibt’s dafür aber trotzdem nicht.

06 von 10

Der Film wurde am 25. Februar 2026 bei dem Streamer Prime Video veröffentlicht. Hier läuft der Film uncut mit einer Freigabeempfehlung ab 16.

In diesem Sinne:
freeman

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