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The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

Originaltitel: The Mortuary Collection__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Ryan Spindell__Darsteller: Clancy Brown, Caitlin Custer, Christine Kilmer, Jacob Elordi, Ema Horvath, Jennifer Irwin, James Bachman, Barak Hardley, Sarah Hay, Ben Hethcoat, Mike C. Nelson u.a.
The Mortuary Collection Poster

“The Mortuary” erzählt vier von einer Rahmenhandlung zusammengehaltene Kurzgeschichten.

Wer in Raven’s End das Zeitliche segnet, muss über den Tisch eines Leichenbestatters mit dem wunderschönen Namen Montgomery Dark. Der erhält eines Tages Besuch von einer jungen Dame, die ihn als seine Aushilfe unterstützen möchte. Das Bewerbungsgespräch verläuft allerdings nicht wie vorgesehen. Denn Sam, so der Name der Bewerberin, hat offenkundig ein größeres Interesse an den Geschichten der Leichen in der Leichenhalle als an den Fragen Darks. Doch das stört Dark wenig, denn der ist ein versierter Geschichtenerzähler.

Mit Wonne erzählt er Sam von einer jungen Diebin, der ihre Neugier zum Verhängnis wird. Von einem Aufreißer, der beim Sex lieber nicht auf das Kondom hätte verzichten sollen, und von einer Ehe, die weit über den Tod hinaus hält. Während Dark seine Geschichten erzählt, führt er Sam immer tiefer in die Eingeweide seines Reiches.

Als jedoch Sam beginnt, eine Geschichte um eine wehrhafte Babysitterin zu erzählen, werden die Geschicke von Dark und Sam deutlich mehr miteinander verwoben, als beide sich das jemals hätten träumen lassen.

Schaut in den nostalgischen Episodenhorror hinein

„The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ punktet vom ersten Augenblick an durch seine fantastische Bildsprache. Satte Farben, eine wunderschöne Lichtsetzung, eine durchdachte Schattensetzung, eine prachtvolle und detailverliebte Ausstattung, die irgendwo in den 50ern beginnt und in einem 80er-Slasherszenario endet, machen den Film zu einem einzigen Augenschmeichler. Hat dann auch noch Clancy Brown („Ausgelöscht“) mit coolem Make-up als „Geschichtenerzähler“ seine ersten Auftritte, ist man mittendrin in der Welt von „The Mortuary“.

The Mortuary Collection Raven's End

Wer in “Raven’s End” abnibbelt, landet hier…

Die mittels vier Geschichten mit Leben erfüllt wird. Dabei geriert sich der Film als echte Anthologie mit abgeschlossenen Geschichten, die nicht im „Scary Stories to Tell in the Dark“-Stil miteinander verwoben sind. Verbindende Elemente gibt es dennoch: Zum einen die Rahmenhandlung, zum anderen einige Schauspieler, die in mehreren Episoden mitspielen.

Die Geschichte um die Diebin ist dabei mehr ein Appetizer denn eine richtige Geschichte. Die Story geht von Null auf Hundert binnen weniger Sekunden und kommt auf kaum mehr als drei bis vier Minuten Laufzeit. Da fällt die Geschichte um den Aufreißer schon deutlich länger und schwarzhumoriger aus und darf gegen Ende sogar ordentlich splattern – Handmade, natürlich.

Clancy Brown als Bestatter in The Mortuary

Clancy Brown gibt den Erzähler in dem Anthologie-Horror.

Im Vergleich zu dieser hochtourig erzählten Story kommt die Geschichte um das Ehepaar deutlich ruhiger daher, steigert sich gegen Ende aber beinahe sekündlich in einen formidablen Bilderrausch, in dessen Verlauf eine Fahrstuhlfahrt einerseits zum rührenden Rückblick in schöne Zeiten mutiert und andererseits herrlich creepy Ausmaße annimmt.

Das Highlight von „The Mortuary“ ist jedoch die vierte Story rund um eine Babysitterin. Hier darf leider gar nichts verraten werden, weil das den Spaß an der munter twistenden, erstaunlich brutalen Story nehmen würde. Doch es sei erwähnt, dass diese Episode stark mit der Rahmenhandlung um Drake und Sam verwoben ist und dem Film einen äußerst runden Abgang beschert, der auch die Türen für weitere „The Mortuary“-Filme aufstößt.

Sam will dem Bestatter zur Hand gehen

Die junge Sam will dem Bestatter zur Hand gehen.

Interessant ist auch, dass es „The Mortuary“ trotz seiner offensiven Ausrichtung auf schwarze Pointen auch immer um die Kraft des Geschichten-Erzählens an sich geht. Nach jeder Story übt Sam Kritik an den erzählerischen Künsten Drakes. Moniert schwache Pointen, meckert über Klischees und sagt offen und ehrlich, ob ihr eine Geschichte gefallen hat oder nicht.

Episode 3 von The Mortuary Collection

Diese Ehe hält wahrlich ewiglich…

Damit nimmt sie dann auch dem Filmkritiker im Kinosaal den Wind aus den Segeln. Denn wenn Sam beispielsweise die einleitende Story um die Diebin als schwach erzählt bezeichnet, nickt man im Kinosaal mit. Denn natürlich geht der Geschichte jegliche erzählerische Kraft ab. Drake merkt infolgedessen anerkennend, dass er bei seinen Geschichten in die Tiefe gehen kann. Und auch muss, um Sam und damit das Kinopublikum zu befriedigen. Diese Auseinandersetzung mit der Kunst des Erzählens ist ein hübscher, allgegenwärtiger Subtext. Dieser wird sogar in die Auflösung der Rahmenhandlung eingeflochten und wertet den Film noch einmal deutlich auf.

„The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ macht einfach Laune

Zugegeben, „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ braucht ein wenig, um richtig in Fahrt zu kommen. Vor allem die ersten beiden Storys verlaufen trotz ordentlichen Unterhaltungspotentials in reichlich bekannten Bahnen und wirken in ihrem Ansinnen, im Pointen-Jagd-Fahrwasser der „Geschichten aus der Gruft“ zu treiben, ein wenig zu bemüht. Aber spätestens bei Episode drei hat einen der Episodenfilm dann gepackt, nur um mit Episode vier einen formidablen Rausschmeißer zu lancieren.

Das wird technisch nahezu perfekt gereicht. Die handgemachten, teils derben Special Effects profitieren von den offensichtlich ordentlichen Production Values. Der schwarze Humor sitzt. Und die Schauspieler sind mit sichtlichem Spaß bei der Sache, die liebevoll erzählten, morbiden Storys zum Leben zu erwecken. So hat eine Anthologie auszusehen! Dem Zuschauer bleibt dementsprechend kaum mehr, als sich noch diverse Folgefilme zu wünschen.

07 von 10

Capelight Pictures bringt den Horrorfilm am 22. Oktober 2020 in die deutschen Kinos.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Nein, ab 22.10.2020 in deutschen Kinos

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