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The Panther Women

Originaltitel: Las Mujeres panteras__Herstellungsland: Mexiko__Erscheinungsjahr: 1967__Regie: René Cardona__Darsteller: Ariadna Welter, Elizabeth Campbell, Tongolele, Eric del Castillo, Manuel ‘Loco’ Valdés, Eda Lorna, Genaro Moreno, María Douglas, Jorge Mondragón, Elena Saldívar, Nathanael León, Ángel Di Stefani, Betty Grey, Marina Rey, María Guadalupe Delgado, Ma. Judith Mercado, Gerardo Zepeda u.a.

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Cover

Das Cover der Indicator-Blu-ray von “The Panther Women”.

Das Schöne an den zahllosen Filmen von René Cardona ist es ja, dass sie frei nach Forrest Gump die berühmte Schachtel Pralinen sind, bei der man nie weiß, was man kriegt. Pralinen aus dem Billig-Discounter zwar, nichtsdestotrotz Pralinen. Die Sorte „Luchadora“, die immer einen hohen Prozentsatz weiblichen Wrestlings enthält, wurde zwischen 1962 („Doctor of Doom“) und 1969 („Night of the Bloody Apes“) insgesamt in sieben verführerischen Sorten angeboten. „The Panther Women“ ist diejenige, die mit dem ersten Bissen intensiv nach dem italienischen Gothic Horror der 50er und frühen 60er schmeckt, um später ein weit darüber hinausgehendes Panoptikum der Gaumenfreuden auf der Zunge des Genre-Connaisseurs zu entfesseln, das alle nur erdenklichen Zutaten des niederen Weltkinos ertasten lässt.

The Panther Women

Nach der flammenden Ansprache der Anführerin eines Hexenkults in einem vom Fackeln ausgeleuchteten Gewölbe, zum Leben erweckt durch die tanzenden Schwarzweißkontraste an Wänden und auf kitschigen Kostümen, wähnt man sich jedenfalls eher in Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (1960) als in einem mexikanischen Film rund ums Wrestling. Was Cardona da zu schwelenden Satanschören aufbaut, würde einem jeden ambitionierten Epigonen schmeicheln und bräuchte eigentlich nur Barbara Steel, um die Illusion perfekt zu machen. Riesige, aufgerissene Augen nach Steel-Art werden dennoch geboten, sie starren unentwegt durch Masken und werden in langen Frontal-Close-Ups von Gesichtern richtiggehend studiert.

Es dauert aber nicht lange, da erfriert der Film in der Bewegung und liefert als Unterbrechung des Filmischen einen eher dokumentarisch wirkenden Ringkampf, der aufgrund der steten Wiederholung ein und desselben Griffs eigentlich eher nach Sparring und weniger nach Wettbewerb aussieht. Kurz darauf geht es auch schon wieder weiter mit einer Tanzaufführung in einem gut gefüllten Saal, irgendwo zwischen Rita-Hayworth-Glamour und Mata-Hari-Exotik, um den noch nicht allzu cremigen Plot auf die nächste Rahmstufe zu bringen. Eloim, der frühere Meister des Hexenkults aus der Einführung, wurde nämlich von einem Druiden namens Hector Pietrasanta getötet, und es sind seine Nachkommen, auf die sich nun die Rachegelüste der Hexen fokussieren…

Ab hier ist natürlich alles möglich, und Cardona ist einer von denen, die einfach zugreifen, wenn das Leben ihnen etwas anbietet. Hexenmeister Eloim tritt als modrige Leiche mit halb freigesetztem Totenschädel in Erscheinung, indem er sich seinen Weg aus einem Sarkophag in die Schlafzimmer Unschuldiger bahnt, und während sich die Einflüsse des frühen Voodoo-Zombie-Horrors mit jenen George A. Romeros vermischen, wird auch das italienisch-spanische Zombie-Grindhousekino in gewisser Weise bereits angekündigt. Sobald die titelprägenden Pantherfrauen ihre Krallen ausfahren, dominiert dann vor allem der Gestaltwandler-Mystizismus von Jacques Tourneurs „Katzenmenschen“ (1942). Wie groß der Hunger des Regisseurs ist, auch die Form seines eigenen Werks fortlaufend zu verändern, zeigt sich vor allem in der finalen Eskalation im Ring, die zumindest als Idee einem der großen Motive des Horrorkinos nacheifert: Der Demaskierung des verborgenen Grotesken, wie in der Kinosequenz aus „Der Blob“ (1988), dem Ausbruch des Werwolfs auf Londons Straßen in „An American Werewolf in London“ (1981) oder dem Moment der Entfesslung des Riesenaffen in „King Kong und die weiße Frau“ (1933). Im Gegensatz zu diesen Spektakeln müssen ein paar Plastikkrallen an einem Stoffhandschuh und ein Strich roter Farbe am Bein des Gegners zwangsläufig albern wirken, und doch spürt man dieses Massenfieber im Tumult des Augenblicks auch hier.

The Panther Women

Ein Trio Infernale bringt die heile Wrestling-Welt durcheinander.

The Panther Women

Obgleich die Welt des Phantastischen einen sehr prägenden Einfluss auf Handlung, Kostüme und Produktionsdesign von „The Panther Women“ ausübt, fühlt sich Cardona keineswegs an deren Regeln gebunden. In den Außenszenen liefert er vielmehr reichhaltige Eindrücke eines modern wirkenden Mexico City, das als Großstadt eher mit New-York-Schauplätzen aus Filmen wie „Stadt ohne Maske“ (1948) konkurrieren möchte und seine Straßen für dynamisch gefilmte Autoverfolgungsszenen im Stil hitzköpfiger Detective Noirs zur Verfügung stellt. Deren düsterer Ton kann aber alleine schon deswegen nicht gehalten werden, weil Manuel Valdés irgendwann plötzlich als Sidekick mit von der Partie ist und es mit seinen Gesichtsentgleisungen schafft, selbst dem inhomogenen Regiestil Cardonas in die Parade zu fahren. Dass sich die parallel in den USA entstehende TV-Serie „Batman“ dann auch noch in Lagerhallen-Kloppereien mit den typischen Knuff-Puff-Choreos (aber ohne Comicpanel-Onomatopoesie) spiegelt, verwundert dann auch längst nicht mehr. Irgendwo spielt dann auch noch ein Wrestler namens „Angel“ mit, der wohl nicht zufällig starke Ähnlichkeit mit dem legendären „Santo“ hat, der hier aber hinter den Damen lediglich zweite Geige spielt.

Cardona sorgt jedoch mit exzentrischen Entscheidungen dafür, dass sein Film trotz der vielen Störfeuer immer interessant bleibt, gerade weil er aus dem Lehrbuch für Filmkunst nicht viel in der Praxis anwendet. Wenn Angel etwa auf dem Dach eines Hochhauses durch ein Fenster schaut, während sich hinter ihm die Schergen anschleichen und er nur einen Schnitt weiter bereits seine Faust im Gesicht des ersten Schleichers versenkt, ohne dass man ihm zuvor überhaupt angesehen hätte, dass er sie hat kommen sehen, dann weiß man nicht so recht, ob das einfach die übliche Schlampigkeit eines C-Movies ist oder ob damit nicht sogar in gewisser Weise Filmklischees aus den Angeln gehoben werden sollen.

Würde nicht immer dieser ambitionierte Ernst eines waschechten Genrefilms im Hintergrund mitschwingen, könnte man „The Panther Women“ fast für eine Spoof-Komödie halten. Eine Narrative ist ebenso wie ein einfacher Plot vorhanden, doch der erzählerische Fokus bleibt diffus, die Anleihen wahllos und der angeschlagene Ton brüchig. Als Schatztruhe entpuppt sich dieses krude Machwerk vor allem für Genre-Enthusiasten, die es mögen, ohne Rücksicht auf Zeitsprünge einmal quer durch die Filmgeschichte und zurück zu reiten, ungeachtet des Entstehungsjahrs oder Herkunftslandes. Das träge Tempo, das Cardona kurz danach etwa mit „The Bat Woman“ aufbrachte, trotz Maura Monti und Eastmancolor, wird hier durch flotte Wechsel von Stimmungen verhindert, von denen man in herkömmlichen Filmen immer nur eine auf einmal bekommt. Natürlich wird geklaut wie bei den Raben und beim Verkleben der Versatzstücke wird auch noch schlampig gearbeitet. Doch wen kümmert’s schon?

5 von 10

Schaut euch einen Ausschnitt aus der “The Panther Women” Blu-ray von Indicator an

„The Panther Women“ wurde zeitgleich mit dem artverwandten Werk „The Bat Woman“ von Powerhouse im März 2024 als Nr. 274 der Indicator-Reihe veröffentlicht. Das britische Label folgt damit dem US-Release aus von VCI/MVD aus dem Jahr 2021, toppt diese Edition aber sowohl inhaltlich als auch in Sachen Ausstattung. Anstatt einer englischen Synchronisation findet man hier den spanischen Originalton mit neu übersetzten englischen Untertiteln (optional). Der Bildtransfer basiert wie schon bei „The Bat Woman“ auf einem frischen 4K-Transfer der „Permanencia Voluntaria and Cinema Preservation Alliance“, mit hervorragendem Ergebnis: Die vorzüglichen Kontrastwerte sorgen für ein hochdynamisches Zusammenspiel aus Schwarz und Weiß, das Bild ist dabei über weite Strecken gestochen scharf und fällt lediglich in einzelnen Sequenzen ein wenig ab, in denen das Ursprungsmaterial nicht mehr hergibt. Die Extras sind nicht ganz so üppig wie von vielen anderen Releases gewohnt, aber durchweg informativ geraten: Es gibt einen englischen Audiokommentar mit Lucha-Libre-Experte Keith J Rainville, zwei Featurettes, in denen der Hauptfilm, der mexikanische Wrestling-Film im Allgemeinen und die weibliche Rolle darin mit vielen Hintergrundinformationen kontextualisiert wird, sowie den Trailer und eine Bildergalerie. Luxuriös ist das Drumherum geraten: Die Blu-ray kommt in einem Digipak mit zusätzlichem Pappschuber in massiver Verarbeitung, sowie weiterhin einem 80-seitigen geklebten Booklet in Paperback-Format, das mit vielen neuen Artikeln und Archivtexten sowie Illustrationen in Farbe punkten kann.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Powerhouse/Indicator__USK Freigabe: 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja (USA / UK) / Ja (nur USA)

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