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Tigerkralle 3

Originaltitel: Tiger Claws III__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: J. Stephen Maunder__Darsteller: Jalal Merhi, Cynthia Rothrock, Loren Avedon, Carter Wong, Gary “Si-Jo” Foo, Michael Chow, Rebecca Chu u.a.
Tigerkralle 3

Cynthia Rothrock macht nach wenigen Minuten der verunglückten “Tigerkralle 3” wohlweislich die Biege.

Nach der 0815-Killerhatz in „Tigerkralle“ und dem fantastisch kaputten „Tigerkralle 2“ schien es, als sei das Franchise auf dem richtigen Weg. Teil 3 durfte also kommen. Der brauchte dann direkt fünf Jahre, um das Licht der Videorecorder zu erblicken. Und enttäuschte auf ganzer Linie.

Tarek und Linda sind noch immer Partner. So flirty wie sie drauf sind, ist diese Partnerschaft längst auch ins Privatleben gestrahlt. Eines Tages werden sie von einem Typ eingeladen, eine spezielle Ausstellung zu besuchen. Da Tarek seine Linda schon lange mal groß ausführen wollte, sagt er nur zu gerne zu. Etwas mulmig wird den beiden, als sie sehen, wo die Festivität stattfindet: In dem Kino, in dem einst Serienkiller Chong seine Fertigkeiten trainierte und von wo er immer wieder unerkannt zuschlug und diverse Kampfsportmeister killte.

Linda und Tarek sollen mit ihrem schlechten Bauchgefühl mehr als richtig liegen. Auf dem Höhepunkt der Ausstellung taucht Stryker auf. Ein seltsamer Kerl, der mittels Beschwörungsformel drei Kampfanzügen der Ausstellung neues Leben einhaucht. Die drei Geister der Meister von Shanghai fahren in die Kluften und richten ab sofort an Strykers Seite totales Chaos an.

Warum und weshalb, das erfährt man bis zum Ende nicht. Was der Masterplan der drei Lumpen und ihres Anführers ist, erklärt „Tigerkralle 3“ genauso wenig. Und das Schlimmste: Der Film nimmt diese Handlung todernst! Selbst wenn die Lumpen auf einmal Lichtblitze schleudern und Energiebälle formen, tut „Tigerkralle 3“ so, als wäre das eine ganz normale Handlung eines ganz normalen Filmes. Im Grunde haben nur zwei Personen verstanden, in was für einem Kokolores sie hier gelandet sind:

1. Cynthia Rothrock („Lady Dragon Blood“), die sich wohlweislich nach 15 Minuten Film aus selbigem herausschreiben lässt und so den wenigsten Schaden nimmt.
2. Loren Avedon („Deadly Ransom“), der mit Lust den Proll-Gangster inklusive lose gewickeltem Badehandtuch gibt und selbiges nur zu gerne in den unpassendsten Momenten fallen lässt.

Der Rest des Castes spielt, als sei hier ein Oscar drin. Allen voran Jalal Merhi („Expect No Mercy“), der sich von einem wild mit den Armen rudernden Carter Wong („Big Trouble in Little China“) den sogenannten Black-Tiger-Stil beibringen lässt. Der sei als einziges in der Lage, die drei übernatürlichen und Kugeln abwehrenden Lumpen zu besiegen. Das Training ist so ziemlich das lächerlichste der gesamten Filmgeschichte. Die größten Herausforderungen: Mit den Armen wedeln, mit einem Stock im Heu rumstochern und durch ein rotierendes Wagenrad greifen. Wie spannend!

Darunter dudelt ein zunehmend mehr nervender Soundtrack, bei dem man irgendwann meint, wirklich alle Melodien gehört zu haben, die einem in den China-Restaurants dieser Welt entgegenschlagen können. Dazu noch ein paar generische Synthesizer-Sounds und fertig ist der Hörsturz. Allgemein werden in „Tigerkralle 3“ ganz kleine Brötchen gebacken. Nicht nur der Soundtrack ist in der Folge langweilig und eintönig. Optik, Schauplätze und Ausstattung sind es ebenfalls.

Und in der Action kommt erst recht keine Laune auf. In den blödesten Momenten bekommt man garantiert eine Zeitlupe um die Ohren geschmissen. Jalal Merhi muss inzwischen bei jedem spektakuläreren Move gedoubelt werden und Cynthia Rothrock fightet gleich mal gar nicht. Loren Avedon darf gegen Ende mal ein Bein heben, ansonsten läuft er nur hinter den drei übernatürlichen Lumpen her. Die fighten direkt mal noch weniger, da sie lieber Energiekugeln schmeißen.

Ein einziger Kniefall vor dem Gott der Unfähigkeit sind dann die Showdown-Fights, die einfach absolut unspektakulär, ungelenk, undynamisch und vollkommen mies choreografiert sind. Härten gibt es keine, auch wenn ausgerissene Augen und abgerissene Ohren selbige vortäuschen sollen. Und was das Besondere an diesem Black-Tiger-Stil sein soll, hat mir auch keiner erklärt. Denn wider Erwarten sind die Lumpen nicht weggeflogen, als Tarek mit seinen Armen gewedelt hat…

Was bleibt, ist die pure Enttäuschung. Vor allem nach dem unterhaltsamen zweiten Teil. Bräsige, käsige und öde Action trifft auf eine haarsträubend dumme, sich überhaupt nicht vorwärts bewegende Story, in der unmotivierte Darsteller vollkommen bekloppte Dinge sagen und tun. Obendrein sieht das Ganze auch noch megabillig aus und hört sich noch viel billiger an. Mit diesem Teil hat man das Franchise dann gekonnt zu Grabe getragen. Und das, obwohl man gegen Ende mit einem der billigsten dramaturgischen Tricks schlechthin versuchte, eine Tür für weitere Fortsetzungen aufzustoßen. Zum Glück wurde daraus nix.

In diesem Sinne:
freeman


……


Nachdem sie bereits 1992 und 1997 durch zwei „Tigerkralle“-B-Klopper geturnt waren, durften die Genre-Heroen Cynthia Rothrock und Jalal Merhi 1999 ein drittes Mal ran: Das Ergebnis ist trashiges, aber kurzweiliges Entertainment, bei dem B-Action-Spezi Loren Avedon Vorgänger-Bad-Guy Bolo Yeung, der nur noch in Rückblenden auftaucht, als Antagonisten unserer Helden ablöst.

Gestaltete sich der letzte Film „Tigerkralle 2“ als konventioneller Cop-Actionfilm, der erst auf der Zielgeraden ein paar so hanebüchene wie unpassende Mystery-Elemente einstreute, präsentiert sich Teil 3 von Anfang an als Fantasy-lastiger Trash allererster Güte: Als Dank dafür, dass sie einen Einbrecher auf frischer Tat aus einer Lagerhalle vertreiben konnten, werden die Polizisten Linda Masterson (Cynthia Rothrock) und Tarek Richards (Jalal Merhi) vom Besitzer derselben zu einer Ausstellung chinesischer Kunstgegenstände eingeladen.

Dort taucht allerdings auch der entflohene Dieb wieder auf, entpuppt sich als undurchsichtiger Schurke Stryker (Loren Avedon) und erweckt durch ein uraltes magisches Ritual drei kampfkundige chinesische Geister wieder, die alsbald eine Schneise der Verwüstung durch die Stadt ziehen. Um die übermenschlichen Kontrahenten aufzuhalten, muss Tarek die geheime „Black Tiger“-Kampfkunst erlernen – und er hat guten Grund, den Killern aus dem Jenseits auf den Pelz zu rücken: Die schaffen es bei der Ausstellung nämlich, seine Kollegin Linda zu töten…

Tatsächlich schrammt Cynthia Rothrocks Mitwirken in „Tigerkralle 3“ nur knapp an einer Mogelpackung vorbei, da sie schon im ersten groß angelegten Fight über die Klinge springt und dementsprechend nicht allzu viel Gelegenheit hat, ihre Martial-Arts-Skills zu präsentieren (mit dem gelungenen Schluss sicherten sich die Macher aber dennoch die Möglichkeit einer Fortsetzung mit dem Duo, die es allerdings wohl nicht mehr geben wird). So muss Jalal Merhi diesmal hauptsächlich allein ran, was weniger Abwechslung, aber immer noch solide Unterhaltung bietet.

Trotz einiger Längen und unfreiwilliger Komik macht „Tigerkralle 3“ nämlich mit dem bewährten Faktor Action Spaß. Shootouts sind diesmal rar gesät und unspektakulär, dafür überzeugen die Martial-Arts-Fights aber auf gewohnt hohem Niveau und gipfeln in einem angenehm ausführlichen Showdown. Des Weiteren bringen die übermenschlichen Begabungen der Geister Schwung ins Geschehen und sorgen unter anderem für eine nette Explosionsorgie auf offener Straße.

Der erhöhte Fantasy-Anteil fällt hier nicht negativ ins Gewicht, sondern bereichert „Tigerkralle 3“ vielmehr um eine charmant erhöhte Trash-Dosis. Als großer Pluspunkt stellt sich übrigens Loren Avedon heraus, der statt des Helden ausnahmsweise mal den Bad-Guy geben darf, in seiner Rolle einen Riesenspaß hat und mit seinem überdrehten Spiel Stoneface Bolo Yeung locker übertrifft. Seine Kampfsport-Fähigkeiten darf er allerdings erst im Showdown zur Schau stellen.

„Tigerkralle 3“ ist trotz einiger Längen gewohnt kurzweilige Genre-Unterhaltung mit der B-Filmprominenz Cynthia Rothrock / Jalal Merhi / Loren Avedon, deren gewohnt gute Martial-Arts-Fights und sonstige Actionszenen durch erhöhten Fantasy-Faktor in einen charmant trashigen Kontext gerückt werden. Genre-Fans dürfen bedenkenlos zugreifen.

© Ed_Hunter

„Tigerkralle 3“ erschien im März 2016 erstmals auf DVD im deutschen Sprachraum. Die DVDs von Imperial Pictures sind ungeprüft, ungeschnitten und haben eine ganz ordentliche, wenn auch in den Nachtszenen mit einem zu krassen Schwarzwert arbeitende Optik.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Imperial Pictures__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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