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Titan – Evolve or Die

Originaltitel: The Titan__Herstellungsland: Großbritannien, Spanien, USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Lennart Ruff__Darsteller: Sam Worthington, Taylor Schilling, Tom Wilkinson, Agyness Deyn, Nathalie Emmanuel, Corey Johnson, Aleksandar Jovanovic, Aaron Heffernan, Nathalie Poza, Steven Cree u.a.
Titan Deutsches DVD Cover

Sam Worthington soll in “Titan – Evolve or Die” an die Lebensbedingungen auf dem Titan angepasst werden.

Der Titan ist nach Ganymed der zweitgrößte Mond unseres Sonnensystems und der größte Mond des Planeten Saturn. Trotz seiner niedrigen Oberflächentemperatur gilt er wegen seiner dichten, stickstoffreichen Atmosphäre und des Auftretens von Flüssigkeit auf der Oberfläche als der erdähnlichste Himmelskörper in unserem Sonnensystem. Ebenjene Eigenschaften machen ihn zum Hoffnungsträger der in „Titan – Evolve or Die“ darbenden Menschheit.

Wir schreiben das Jahr 2048. Die anhaltende Bevölkerungsexplosion, die Verschmutzung der Umwelt, ständige Kriege und ein immer größer werdender Mangel an Nahrungsmitteln machen unseren blauen Planeten zunehmend unbewohnbar. Wissenschaftler schielen darum immer mit einem Auge gen Weltall, in der Hoffnung, hier eine neue Heimat für die Menschheit zu finden. Da jedoch bisherige Terraforming-Versuche auf anderen erdnahen Planeten nichts gebracht haben, möchte man dieses Mal einen anderen Weg gehen: Man will nicht den Planeten an die Menschen, sondern die Menschen an den Zielplaneten anpassen!

Dazu suchte man sich aus Hunderten tauglich erscheinenden Menschen eine Handvoll aus und verfrachtete sie nach Spanien in eine NATO-Forschungseinrichtung. Hier passt Professor Martin Collingwood seine Probanden mittels Genmanipulation an das Leben auf dem Titan an.

„Sie werden zu optimierten Menschen. Zu Supermenschen! Aber sie werden sie selbst bleiben. Nur besser.“

Dieses Versprechen macht Collingwood auch Rick. Der Soldat freut sich auf seine Teilnahme an dem Programm und ist dazu mit seiner Frau Abi und dem gemeinsamen Sohn auf das Gelände der Foschungseinrichtung gezogen. Während in der Folgezeit die Veränderungen an Rick zunächst subtil sind und sich vor allem in Form höherer Leistungsfähigkeit und mehr Widerstandskraft äußern, bemerkt vor allem Ärztin Abi schnell, dass das Programm zu massiv in den Genpol der Probanden eingreift. Immer häufiger kollabiert ihr Rick. Andere Probanden, mit denen man sich schnell anfreundet, werden zunehmend aggressiver.

Als ein Proband, der seine eigene Frau durch ein Fenster schmeißt, nur mittels Waffengewalt aufgehalten werden kann und Rick sich auch äußerlich weit über gemachte Versprechungen hinaus verändert, beginnt Abi intensiver hinter die Kulissen des Forschungsprojektes zu schauen…

Schaut in “Titan – Evolve or Die” mit Sam Worthington hinein

Es ist eine unverrückbare Tatsache, dass der Mensch all das, was er tun könnte, irgendwann auch tun wird. Wir spielen einfach zu gerne Gott. Diese Arroganz des Menschen, die ihn nur zu gerne auch grundlegend in die Gesetze der Natur eingreifen lässt, und deren Folgen treiben „Titan – Evolve or Die“ grundlegend an und sind das bestimmende Handlungselement. Dementsprechend sollte man sich von dem Film auch keine Weltall-Panoramen oder Raumschiffe erwarten, sondern viel eher eine zunehmend eskalierende Horrorgeschichte.

Die zunächst faszinierend beginnt. Schnell wird die grundlegende Situation etabliert. Mittels weniger Worte und Nachrichtenbilder erfahren wir, wie schlecht es um die Welt bestellt ist. Ebenso flott werden die Bemühungen Collingwoods installiert und schon bekommt Rick die erste Spritze verabreicht, die sein Genmaterial verändert. In dieser Phase steht Rick vollkommen im Mittelpunkt des Filmes, der die Veränderungen an dessen Physis effektiv und nachvollziehbar bebildert.

Die Familie von Rick spielt in diesem Abschnitt keine große Rolle. Häufiger fragt man sich, was selbige wohl den Tag über treibt. Doch mit zunehmender Laufzeit verschiebt „Titan – Evolve or Die“ seinen Fokus immer mehr in Richtung Abi. Die im Gegensatz zu ihrem Mann nicht so leichtfertig bereit ist, die Veränderungen, die er durchmacht, hinzunehmen. Auch weil sie nicht weiß, was eigentlich am Ende der gesamten Prozedur stehen wird. Wird ihr Rick dann wirklich noch IHR Rick sein? Wird er seinen Sohn Jacob noch lieben? Oder wird er zur Gefahr für die ganze Familie?

Titan Sam Worthington als Rick

Rick wird begeisterter Teil des Programms, das Menschen auf das Leben auf dem Titan vorbereitet.

Gekonnt baut „Titan – Evolve or Die“ also eine permanent unter der Oberfläche brodelnde Spannung auf, die das Interesse am Film durchgehend wach hält. Schade ist eigentlich nur, dass das Drehbuch viel zu wenig erklärt. Wenn beispielsweise Rick zusammenbricht, wird nie erklärt, was da passiert ist. Wie man dem entgegengewirkt hat und wie man verhindert, dass es wieder passiert. Auch die in diesem Zusammenhang wichtigste Frage wird nie auch nur angerissen: Wie überlebensfähig ist ein ideal auf das Leben auf dem Mars angepasster Rick eigentlich auf der Erde?

Anstatt derartige Fragen zu klären, zieht „Titan – Evolve or Die“ lieber die Spannungsschraube immer weiter an. Die Veränderungen der Probanden treten deutlicher zu Tage und verschaffen dem Film ein paar Body-Horror-Momente (ausfallende Haare, blutende Augen, Häutungen). Konflikte sind die Folge. Nicht nur zwischen den Probanden und ihren Familien, auch zwischen Abi und Collingwood.

Das entlädt sich in einem blutig verlaufenden Showdown, mit dessen Einsetzen „Titan – Evolve or Die“ das Erzählen einstellt und die Klischees übernehmen lässt. Emotionalität prallt auf wissenschaftliche Kälte. Gut und Böse sind klar umrissen. Grautöne und ein übergeordnetes Ganzes gibt es nicht mehr. Hier legt der ansonsten sehr ruhig verlaufende Film an Tempo zu, baut aber auch an Spannung und Faszination ab. Und die letzten Bilder vor dem Abspann protzen derart mit Effekten, dass sie schon ziemlich nach einem Kniefall vor einem Science-Fiction-Publikum mit Sinn für fremde Welten müffeln. So klingt der eigentlich interessante Film arg unrund aus.

Titan Sam Worthington unter Wasser

Rick und seine Kollegen können dank des Programms bald länger unter Wasser verbleiben.

Inszenatorisch entschied sich der deutsche Langfilm-Regiedebütant Lennart Ruff dem wissenschaftlichen Sujet entsprechend für einen eher kalten Look mit entsättigten Farben und dem häufigen Einsatz von Blautönen. Lange Einstellungen und bis ins kleinste Detail durchgeplant wirkende Bilder sowie ein basslastiger, elektronischer Score zeugen von Stilwillen und runden den positiven technischen Gesamteindruck ab. Leider sieht man von dem Drehort Gran Canaria recht wenig, da der Film vornehmlich in den Wohnungen der Probanden und in den wissenschaftlichen Einrichtungen spielt.

Diese Sets wirken rundweg ein wenig zu durchgestylt, sind aber vermutlich gerade deshalb als futuristisch angehauchte Gebäude glaubwürdig. Einzig der Science-Fiction-Fan wird leicht enttäuscht sein, da sich die Macher keine sichtbaren Gedanken um zukünftige Technologien gemacht zu haben scheinen (oder dafür schlichtweg kein Geld da war). Dabei spielt der Film immerhin 30 Jahre in der Zukunft. Die immer handgemacht wirkenden Effekte (Entwicklungsstadien der Probanden, die Action gegen Ende,…) überzeugen ebenfalls durch die Bank.

Einen ordentlichen Job machen auch die Darsteller. Als Rick ist Sam Worthington („The Hunter’s Prayer“) lange Dreh- und Angelpunkt der Handlung und macht als ruhiger und souveräner Familienvater und Proband alles richtig. Gegen Ende wird ihm sowohl die Sprache als auch ein großer Teil seiner Mimik genommen, weshalb er mitten im Showdown, mithin ja der Höhepunkt jeden Filmes, leider sehr steif und roboterhaft wirkt. Das mag beabsichtigt gewesen sein, schadet aber dem Involvement und wirft diverse weitere Fragen auf.

Titan mit Sam Worthington und Taylor Schilling

Ricks Frau bemerkt bald Veränderungen an ihrem Mann, die sie höchst stutzig machen…

Mit zunehmender Laufzeit drängt Taylor Schilling („Orange is the New Black“) mehr und mehr in den Vordergrund und bedankt sich mit einer ordentlichen Performance, die auch den Zuschauer gut abholt. Mit Nathalie Emmanuel („Game of Thrones“) und Agyness Deyn („Hard Sun“) heben zwei aktuelle Serienstars den Östrogen-Pegel im Film noch weiter an, werden aber vom stark auf Rick und Abi fokussierten Drehbuch reichlich vernachlässigt. Als moralisch höchst flexibler Wissenschaftler macht Tom Wilkinson („Snowden“) eine gute Figur, wenngleich er gegen eine ganze Menge an Mad-Scientist-Klischees anspielen muss und nicht immer gewinnt.

“Titan – Evolve or Die”: Faszinierende Grundprämisse trifft ungenutzte Potentiale

„Titan – Evolve or Die“ ist einer dieser Filme, bei denen ein „Erklärbar“ Wunder hätte wirken können. Immer wieder reißt der Film durchaus interessante Punkte an, die er aber nie ausführt. So wird im Film irgendwann eine besondere Geburtenkontrolle angesprochen, ohne dass man deren Funktionieren erklärt bekommen würde. Zudem hätten alle Vorgänge rund um Rick von mehr Erklärungen nur profitieren können. Auch um der lieben Spannung und des Science-Fiction-Aspektes willen.

So hat man im Verlauf des versiert in Szene gesetzten und gut gespielten Science-Fiction-Horror-Mixes immer wieder den Eindruck, dass Potential ungenutzt gelassen wird. Auch in Sachen moralischer Fragen, da zum Beispiel mit keiner Silbe erwähnt wird, wie die Probanden nach der finalen „Umwandlung“ ticken werden. Werden für sie überhaupt noch moralische Kodizes des Menschen gelten?

Was bleibt, ist die faszinierende Grundprämisse rund um die Anpassung des Menschen an einen anderen Planeten, die in Teilen für spannende Unterhaltung sorgt und atmosphärisch dicht daherkommt, gegen Ende aber an Zugkraft verliert.

6 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 9. Mai 2018 von Eurovideo. Mit einer Freigabe ab 16 ist „Titan – Evolve or Die“ ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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