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Valentine – The Dark Avenger

Originaltitel: Valentine__Herstellungsland: Indonesien__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Ubay Fox, Agus Pestol__Darsteller: Estelle Linden, Arie Dagienkz, Matthew Settle, Ahmad Affandy, Sasky Aisyawara, Indra Birowo, Mega Carefansa, Albert Cen, Marcell Domits, Luis Jocom u.a.
Valentine – The Dark Avenger DVD Cover

In “Valentine – The Dark Avenger” zeigt eine junge Dame den Lumpen dieser Welt, wo der Bauer den Most holt.

Da haben die Indonesier erst vor kurzer Zeit mit „Gundala“ bewiesen, dass sie zum einen eine lebendige Comic-Kultur haben und diese zum anderen auch in Filmform gießen können, da scharrt schon der nächste Superheldenfilm aus Indonesien mit den Hufen. „Valentine – The Dark Avenger“ heißt das gute Stück und präsentiert uns eine Heldin des Verlages Skylar Comics. Der Film lief in seinem Heimatland 2017 in den Kinos und wird nun in unseren Breiten mit etwas Verspätung ausgewertet.

Batavia City hat ein gewaltiges Kriminalitätsproblem. Die Verbrecher schalten und walten, wie sie wollen. Politik und Polizei schauen ohnmächtig den immer mehr ausufernden Umtrieben zu. Dem will der Regisseur Bono etwas entgegensetzen. Er plant einen Superheldenfilm, der es auf subtile Weise schaffen soll, die Widerstandskraft in der Bevölkerung zu wecken. Blöderweise bekommt er seinen Ansatz nirgendwo verkauft und so hat er keinerlei liquide Mittel, um seinen Film zu inszenieren.

Doch Bono denkt gar nicht daran, sich von derartigen Rückschlägen ausbremsen zu lassen. Er plant mit seiner zukünftigen Hauptdarstellerin kleine Clips für Youtube zu drehen, hofft damit viral zu gehen und die Produzenten auf diesem Wege von seinem Ansatz zu überzeugen. Allerdings fehlt ihm für seinen Plan die wichtigste Ingredienz: Eine geeignete Darstellerin. Da wird er in einem Restaurant Zeuge, wie die junge Srimaya ein paar zudringliche Gäste umhaut. Zu Bonos Glück will die junge Dame auch noch Karriere beim Film machen.

Mit seinem Stylistenfreund entwirft Bono nun ein Kostüm und schickt Srimaya als lila Rächerin auf die Straßen von Batavia City. Hier beginnt sich Bonos Idee von einer Heldin für die Stadt zu verselbstständigen, denn Srimaya ist bei ihren Feldzügen gegen das Böse mehr als nur erfolgreich. Da taucht ein fieser Superbösewicht namens Shadow auf, dessen Vorstellungen von Kriminalität noch einmal ganz neue Dimensionen annehmen.

Schaut in die indonesische Comic-Verfilmung hinein

Kick-Ass“ scheint zu Beginn von „Valentine – The Dark Avenger“ an vielen Ecken durch, erweitert um die Tatsache, dass eigentlich alles nur Mittel zum Zweck für einen Film sein soll. Alles gar nicht so uninteressant und obendrein mit ordentlichem Tempo und einem nett humorigen Unterton ganz frisch erzählt. Nur Neues will hier nirgends durchscheinen. Die Abläufe sind irgendwann so vertraut wie generisch. Schade, dass sich die indonesischen Superhelden kaum von den amerikanischen unterscheiden. Ein Problem, das auch „Gundala“ umtrieb.

Zudem bemerkt man schnell, dass der Film in seiner Rhythmik nicht so genial getaktet ist wie die letzten Actiongroßtaten aus Indonesien. Immer wieder denkt man bei einzelnen Handlungsszenen, dass ein geübterer Cutter hier mehr rausgeholt hätte. Mit einem flotteren Schnitt die Dynamik angehoben hätte. So wirkt „Valentine – The Dark Avenger“ in einzelnen Szenen etwas zu behäbig. Was dann zum Glück in der Action so gar nicht mehr der Fall ist.

Valentine – The Dark Avenger mit Estelle Linden

Aparte Heldin: Estelle Linden als Valentine.

Hier ist „Valentine“ dann sogar zu dynamisch inszeniert. Der von Ubay Fox und Agus Pestol inszenierte Film setzt auf zu viele Schnitte und Kamera-Mätzchen. Das passt zwar gut zum Comic-Grundton des Streifens, enttäuscht aber den Actionfan, weil der von den Choreografien nicht wirklich viel mitbekommt. Die Silat-Einlagen, die immer wieder auch mit anderen Kampfsportarten und etwas Parkour aufgelockert werden, werden im Schnitt in zu kleine Häppchen zerlegt, weshalb oft gar kein rechter Fluss in den Fight-Einlagen aufkommen will. Immer mal wieder werden auch total uninteressante Szenen gegengeschnitten, was die Action noch mehr ausbremst.

Konzentriert sich der Film vollkommen auf seine Action, läuft es deutlich runder. Highlight bildet dabei ein lang ausgespielter Überfall Shadows auf ein Behördengebäude, bei dem er im Inneren ordentlich mit seinen weiblichen rechten Händen aufräumt, dann vor dem Gebäude zig Sprengsätze zündet, um hernach in einer irren Autoverfolgungsjagd vor Valentine zu flüchten. Zwar ist die Verfolgungsjagd mit CGIs verseucht, aber der Wille zum großen Spektakel erfreut das Actionherz und sieht trotz seiner Künstlichkeit gar nicht mal so übel aus. Gekrönt wird die Szene von einem Martial-Arts-Fight, bei dem sich die Kontrahenten auf zwei nebeneinander her fahrenden Transportern beharken und sich gegenseitig von fahrbaren Untersatz zu fahrbaren Untersatz dreschen. Dabei fliegen sie von Dach zu Dach oder vom Dach durch die Seitentür und von da durch die Seitentür wieder zurück ins andere Auto. Großartig und so noch nie gesehen.

Der Lump des indonsesischen Comicfilmes

Der Lump in “Valentine – The Dark Avenger” klingt wie Big Brother.

Weitere gelungene Actionszenen sind ein Fight von Valentine gegen mehrere Könner in einer Art Drahtverhau und der Showdown. In dem gerät Valentine mit den äußerst schlagkräftigen Henchwomen Shadows aneinander. Nur der Fight gegen Shadow ist leider sehr kurz. Wie zum Ausgleich legt da aber die Story deutlich an Qualität zu. Die Identität Shadows ist zwar keine Überraschung, aber ein netter Kniff, sein Motiv gerät sogar richtig toll und wertet das bisher Gesehene durchaus ein wenig auf. Allgemein legt „Valentine – The Dark Avenger“ in Richtung Finale deutlich zu. Auch an Dramatik, wenn beispielsweise ein Hauptcharakter beinahe beiläufig aus dem Film gerissen wird.

Dementsprechend wäre man bei einem Sequel, das im Abspann Marvel-gleich direkt mehrfach versprochen wird, definitiv dabei. Zumal man Estelle Linden als Srimaya sehr gerne wiedersehen würde. Linden gibt ihre Heldin so kreuzsympathisch, so niedlich und so kämpferisch, dass man(n) sofort in den Film hineingezogen wird. Schade ist, dass Matthew Settle („Ouija“) als Bono wirklich keinerlei Chemie mit ihr hat und obendrein stocksteif spielt. Hier hätten die Indonesier lieber auf einen charismatischen Star aus den eigenen Landen setzen sollen. In den Nebenrollen wird glücklicherweise nur selten overacted, dafür ist Arie Dagienkz als Stylist Wawan gefühlt derart drüber, dass es für zehn weitere Nebendarsteller reicht. Schrecklich.

Valentine – The Dark Avenger mit Estelle Linden als Srimaya

Srimaya haut als Valentine einfach alle um.

Optisch weiß „Valentine – The Dark Avenger“ durchaus zu gefallen. Die Kamera liefert ordentliche, knallig bunte Bilder, getaktet zu einem leider etwas eintönig dröhnenden Soundtrack – im Abspann hört man dann auch mal die Vocals, was die Musik deutlich runder wirken lässt. Große Probleme macht nur – wie bereits erwähnt – der Schnitt. Der wirkt mal zu behäbig und mal zu sehr um Dynamik bemüht. Hier wäre ein Mittelweg toll gewesen. In Sachen CGI gibt es diverse Ausfälle, aber die passen eben erstaunlich gut zum comicesken Grundton.

„Valentine – The Darkest Avenger“ macht Spaß

„Valentine – The Dark Avenger“ hat definitiv diverse Problemherde. Das beginnt bei der lange Zeit recht generischen Story, geht über technische Unzulänglichkeiten und endet nicht erst bei diversen schwachen Darstellerleistungen. Doch mit zunehmender Laufzeit legt „Valentine – The Dark Avenger“ gefühlt immer mehr an Qualität zu. Vor allem die mördersympathische Estelle Linden zieht einen als lila Superheldin mit feinen Silat-Skills immer mehr in den Film hinein, der in Richtung Showdown auch eigene Wege geht und deutlich runder wirkt. Und für Actionfans hat der Film eigentlich durchgängig etwas zu bieten. Zwar stören die vielen Schnitte, die Zooms und die kippenden Perspektiven enorm beim Genuss der Choreografien, aber Spaß macht die Action dennoch.

06 von 10

In Deutschland erschien der Film am 14. August 2020 von von der Busch Media Group auf DVD und Blu-ray. Mit einer FSK 16 Freigabe ist der Film ungeschnitten. Extras zum Film gibt es leider keine. Dafür gibt es in der deutschen Fassung eine leider deutlich zurück gepegelte Dynamik in Sachen Sound und eine teils etwas leblose Synchronisation zu verzeichnen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Busch Media Group: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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