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Vengeance of an Assassin

Originaltitel: Rew thalu rew__Herstellungsland: Thailand__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: Panna Rittikrai__Darsteller: Nantawooti Boonrapsap, Dan Chupong, Ping Lumprapleng, Kowit Wattanakul, Chatchapol Kulsiriwuthichai u.a.
Vengeance of an Assassin

Thai-Action-Regie-Ikone Panna Rittikrai lässt es in seinem letzten Film noch einmal amtlich krachen.

Thee und Than leben seit dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern bei ihrem Onkel. Der versucht, die beiden Jungs ganz normal zu erziehen und das Schicksal der Eltern niemals anzuschneiden. Vor allem Thee hat davon aber bald die Nase voll. Er will wissen, wer seinen Vater und seine Mutter einst umgebracht hat und so überwirft er sich mit seinem Onkel. In der Folge verbündet er sich mit einem ehemaligen Freund seiner Eltern, der inzwischen als Profikiller arbeitet, und hofft, über ihn an die Mörder seiner Eltern heranzukommen. Nach einem schief gelaufenen Mordauftrag steht Thee allerdings wieder alleine da und übernimmt das Geschäft seines verblichenen Verbündeten.

Bei diversen Aufträgen beweist er, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Dabei ist er so gut, dass er als eine Art Schutzengel für die Nichte eines hochrangigen Politikers engagiert wird. Dieser Auftrag entwickelt alsbald eine unheilvolle Eigendynamik und läuft aus dem Ruder. Thee wird schwer verletzt. Than und sein Onkel pflegen ihn wieder gesund und kümmern sich um Thees Schutzbefohlene. Deren Jäger lassen allerdings nicht locker und haben obendrein etwas mit dem Tod von Thees und Thans Eltern zu tun…

Die Story von „Vengeance of an Assassin“ ist weder überraschend noch spannend oder gar interessant. Vielmehr steht sie in der Tradition aller Filme von Panna Rittikrai (etwa „Ong Bak 2+3“, „Born to Fight“), der Zeit seines Lebens nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er seine Storys nur braucht, um seine möglichst spektakuläre Action zusammen zu halten. Der 2014 verstorbene Regisseur, der Tony Jaa („Return of the Warrior“) ins Actionkino katapultierte und ein ganz neues Kapitel in Sachen halsbrecherischer Action und Stuntarbeit aufschlug, kann dementsprechend auch in „Vengeance of an Assassin“ nichts mit seinen Figuren, deren Motiven oder seiner Handlungsprämisse anfangen.

Letztlich ist die Handlung auch hier nur holprig um die Action drapiert. Und diese startet furios mit einer ganz neuen Variante des Fußballspiels. Während die Pille elegant über das „Spielfeld“ (ein Fabrikgelände) bugsiert wird, treten sich die Spieler nebenher massiv zu Klump. Knochen brechen, Schädel knacken und am Ende kickt man mit glühenden Kohlen um sich und einige Spieler rennen brennend durch die Gegend. Rittikrai macht unumwunden klar: Das hier wird spektakulär.

Und wie es das wird. Schon die zweite große Actionszene ist eine grandios umgesetzte Plansequenz. Thee metzelt sich durch ein Restaurant. Gefilmt aus halbhoher Perspektive, die einen unverstellten Blick auf Thees Gegner erlaubt, von ihm aber nur seine Beine bis auf Höhe Oberschenkel zeigt. Während Thee um sich ballert, fliegen seine Gegner durch das Restaurant, krachen durch Fenster und werden von Granaten weggerissen. Die Kamera bleibt immer nah an Thee und tanzt quasi mit ihm den Tanz des Todes. Grandios gemacht und nicht die einzige Szene, die an die großen Hongkong-Heroic-Bloodshed-Epen denken lässt.

Die dritte große Actionszene gerät dann fast zu einem kleinen Splatter-Gelage. Klar, die Thais stehen auf harte Action. Das haben die bisherigen Actionszenen des Streifens bereits eindrucksvoll belegt. Aber jetzt geht Rittikrai richtig steil. In einer Fabrik für Autoteile langt Thee mit Rohrzange und Zahnrad richtig hin. Knochen krachen. Blut spritzt. Ein Vorschlaghammer zermatscht Füße und einen Schädel. Scheibenwischer werden in Hälse gerammt. Gegner werden aufgehängt. Mit Nummernschildern werden Kehlen aufgeschnitten oder die scharfkantigen Teile werden direkt in Körpern versenkt. Selbst der Held muss richtig bluten und wird am Ende gar aufgespießt. Selbstzweckhafte Gewalt der derberen Art. „Aufgelockert“ von brachialen Kampfsport-Moves. Diese sind eingebettet in eine coole Choreografie und werden inszenatorisch hervorragend eingefangen.

Leider kann Rittikrai die Finger nicht von den CGIs lassen. Bisher setzte er sie sparsam, aber immer offensichtlich ein (etwa in den Szenen um den sich physikalisch höchst auffällig verhaltenden Ball in der Einstiegsactionszene). Doch in der großen Actionszene Nummer vier übertreibt es der Regisseur. Er denkt in der Actioneinlage rund um einen dahin rasenden Zug zu groß. Will zu viel. In der Folge ist man über jede Einstellung dankbar, die rein handgemachte Action zeigt. Diese Momente gibt es, aber sie werden stets konterkariert von beschissenen Rückprojektionen und einem katastrophalen Compositing der miesen Effekte. Am Ende gibt es einen Big Bang, in dem der Zug einen mies getricksten Helikopter vom Himmel holt. Nichts davon funktioniert oder macht Spaß. Leider…

Und dann ist der Showdown nicht mehr weit. Hier setzt es die zweite große Plansequenz. Die ist im Timing nicht in jedem Moment gelungen, aber ansonsten einfach nur spektakulär. Thee ballert sich hier mit Großkalibern durch die Gegner-Meute und lässt in einer Tour saftigst Blutbeutel zerplatzen. Zudem sagt John Woo in diversen blutigen Zeitlupen-Einlagen um Thee mehr als laut „Hallo“, auch wegen dem sehr auffälligen Outfit des ballernden Helden. Derweil klöppelt Than die restlichen Bäddies zusammen und verschafft dem Zuschauer diverse Fremdschmerz-Momente. Wenn man hier mal wieder sieht, wie die Stuntmänner mit Köpfen und Extremitäten aus höchsten Höhen auf Stahlrohre usw. krachen, will man gar nicht so genau wissen, wie viele Thai-Stuntman nach diesem Film nie wieder arbeiten werden…

Rittikrai verabschiedet sich also auf seine Weise: Er lässt es in seinem – von den CGIs abgesehen – technisch sauber inszenierten, immer etwas rau anmutenden letzten Streifen ordentlich scheppern. Seine Helden werden drei oder vier Mal von Autos überfahren, angeschossen und zusammengetreten. Seine Bösewichter müssen noch mehr leiden. „Vengeance of an Assassin“ ist ein physisches Power-House ohne Sicherheitsgurt. Da juckt es kaum, dass die Story nur Vorwand, das Acting unter aller Sau und die Dialoge zum Davonlaufen sind. Hauptsache, es gibt auf die Omme. Und da hat Rittikrai mit Dan Chupong („Born to Fight“) absolut den richtigen an der Hand. Der kleine Thai langt amtlichst hin und macht auch in den erstaunlich häufigen Ballerszenen eine coole Figur. Leider aber erdet Rittikrai selbst den Spaß, indem er Szenen einbaut, die der Film nicht gebraucht hätte. Vor allem die Actionszene rund um den Zug reißt einen total aus dem Film heraus. Lässt einen schier verzweifeln in ihrer Künstlichkeit und ihrem öden Größenwahn. Auch in Sachen Brutalität meint es der Regisseur hier und da definitiv zu gut. Kein Wunder, dass sich bisher noch kein deutscher Verleih an diesen Film herangetraut hat. In alle möglichen Körperteile gerammte Hühnerknochen und Waffenschlitten sind nicht gerade das, was die FSK gerne sieht…

In den USA gibt es „Vengeance of an Assassin“ bereits seit einiger Zeit als DVD und Bu-ray zu erwerben. Beide Datenträger sind codefree!!!und kommen von Well Go USA Entertainment – in thailändischer Originalsprache und mit englischen Untertiteln.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Well Go USA Entertainment__Freigabe: Not Rated__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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