| Originaltitel: Witchboard__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Chuck Russell__Darsteller: Madison Iseman, Aaron Dominguez, Mel Jarnson, Jamie Campbell Bower, Antonia Desplat, David La Haye, Charlie Tahan, Victoria Grosselfuenger, Jamal Azémar, Riley Russell, Kade Vu u.a. |

Chuck Russell ist als Regisseur und Co-Autor für das freie Remake „Witchboard“ verantwortlich
So langsam haben die Horrorremakes der letzten zwei Jahrzehnte so gut wie alle großen und kleinen Klassiker des Genres durch, mit „Witchboard“ nahm man sich anno 2024 nun einen eher kleinen Kultfilm vor, der es aber immerhin auf zwei Sequels und eine gewisse Anhängerschaft gebracht hatte.
Im sehr losen Remake geht es im Gegensatz zum Original von Kevin Tenney um ein tatsächliches Hexenbrett. War es in „Witchboard“ von 1986 noch ein normales Ouija-Brett, so ist es hier ein schwarzmagisches Pendelbrett, das einige Hexen in Frankreich im 17. Jahrhundert schaffen. Der Hexenzirkel dekoriert bei einem Beschwörungsritual die umliegenden Bäume mit abgehackten Händen, Anführerin Naga Soth (Antonia Desplat) will der Sammlung noch die Griffel ihrer Nemesis, des Bischofs Grogan (David La Haye), hinzufügen.
Doch dessen Leute tauchen auf und machen mit den meisten Versammelten kurzen (Hexen-)Prozess. Sprung in die Gegenwart, in der zwei Diebe das Hexenbrett aus einem Museum stehlen wollen, sich während des Coups aber in die Haare kriegen. Beide werden schwer verletzt, einer flieht mit dem Brett und nietet dabei noch zwei Polizisten um. Mit diesen beiden Szenen legt das „Witchboard“-Remake schon direkt zu Beginn einen höheren Bodycount als das komplette Original hin.
Im New Orleans der Gegenwart lernt man außerdem Emily (Madison Iseman) und ihren Freund Christian (Aaron Dominguez) kennen. Christian hatte mit zwei Freunden bisher einen Foodtruck für kreolische Küche und nun wollen sie gemeinsam ein entsprechendes Restaurant eröffnen, Emily hingegen kommt nach einer Entzugstherapie erst wieder im Zivilleben an. Bei der Pilzsuche im Wald findet sie das Hexenbrett und nimmt es als mögliche Restaurantdeko mit nach Hause. Bei einem Probeessen daheim taucht nicht nur Christians Ex, die Volkskunde-Expertin Brooke (Mel Jarnson), auf, die offensichtlich noch immer auf den Koch steht, sondern Emily probiert das Hexenbrett aus – ohne großen Effekt. Hier orientiert sich das sehr freie Remake am ehesten Original, wenn auch teilweise unter umgekehrten Vorzeichen: Anno 1986 stand die Frau zwischen zwei Männern, anno 2024 steht der Mann zwischen zwei Frauen, wobei die weibliche Hauptfigur weiterhin das potentielle Besessenheitsopfer bleibt.
In der Folgezeit findet Emily nämlich immer konkreter heraus, was das Hexenbrett kann und benutzt es immer häufiger. Das setzt finstere, bisweilen mörderische Kräfte frei, zumal außerdem noch eine Sekte hinter dem Artefakt her ist…
Schaut euch den Trailer zu „Witchboard“ an
Mit dem Original von Kevin Tenney hat der neue „Witchboard“ wenig gemein und sollte ursprünglich noch weniger gemein haben, denn erste Drehbuchentwürfe sollen sogar große Teile des Films während der Hexenprozesse in Frankreich angesiedelt haben – eine Idee, die vielleicht auch aus Budgetgründen verworfen wurde. Als Regisseur und Co-Autor des Ganzen fungiert Chuck Russell, früher verantwortlich für Big-Budget-Ware wie „Der Blob“, „Eraser“ und „The Scorpion King“, mittlerweile im B-Bereich unterwegs. Das Script, das er gemeinsam mit Greg McKay schrieb, übernimmt eigentlich nur die Idee der Vereinnahmung einer jungen Frau durch das Hexenbrett, die Dreieckskonstellation und die Suchtbezüge, auf die das Publikum hier allerdings mit der Nase gestoßen wird: Emily ist eine mittlerweile cleane, frühere Drogensüchtige, Christian vermutet bei ihrer Fixierung auf das Brett und ihr verändertes Verhalten erst einen Rückfall, später wird das Thema auch in Dialogen oder sogar einem Oneliner direkt angesprochen.
Ansonsten ist viel geändert worden oder hinzugekommen: Hexen anstelle von Geistern als (mögliche) Bedrohung, die zusätzlichen menschlichen Widersacher, ganze Handlungsebenen um Verwandtschaftsverhältnisse, Vergangenheit und Vermächtnis. Mit Emilys schmierigen Ex-Freund von einem Dealer wird das Beziehungsgeflecht nominell erweitert, aber der ist so verlottert und windig, dass schnell klar ist, dass er bestenfalls als Opfer für das Hexenbrett taugt, nicht als ernsthafter Nebenbuhler.

Emily (Madison Iseman) verändert sich unter dem Einfluss des Hexenbretts
Mit einem Budget von 15 Millionen Dollar bewegt sich der neue „Witchboard“ – trotz Inflation – in Sphären, in die Tenney mit keinem seiner Filme je vorstieß. Aktuell kann man damit allerdings trotzdem nicht die allergrößten Sprünge machen. So sind zwar die Szenen aus dem 17. Jahrhundert in Sachen Ausstattung und Kulissen recht gelungen, die Effekte dagegen etwas durchwachsen, gerade im punkto CGI-Tricks. Das Aufspießen eines Opfers auf einer Statue oder Verwandlungen in Medusen und Dämonen nach dem Verzehr halluzinogener Pilze sehen beispielsweise reichlich suboptimal aus. Andere Dinge sind besser getrickst, an einigen Stellen kommt auch klassische Make-Up- und Effektarbeit ins Spiel, die recht gut aussieht. Bei manchen Todesszenen hat sich „Witchboard“ merklich von der „Final Destination“-Reihe inspirieren lassen, gerade bei einer fatal-blutigen Kettenreaktion in der Restaurantküche.
Emily, Christian und Brooke sind als Charaktere ganz okay entwickelt, der Rest ihres Freundeskreises dagegen so gut wie gar nicht, weshalb es das Publikum doch eher kalt lässt, wenn es hier wen erwischt. Obendrauf kommt noch ein ganzer Haufen von Statisten-Figuren, die eigentlich nur zum Draufgehen da sind, etwa Restaurantgäste in einer Massakerszene, die zwar mit einem hohen Bodycount daherkommt, aber den vorhandenen Shock Value weder erzählerisch noch inszenatorisch ausschöpft. Zudem ist mancher Subplot auch etwas holprig erzählt – etwa wenn kurz im Raum steht, dass sich Christian eventuell wieder zu Brooke hingezogen fühlt (und sei es nur durch Wicca-Magie), aber dies im Anschluss nicht wieder aufgegriffen wird. Manche Entwicklung kommt zudem sprunghaft, etwa wenn eine Figur im Finale zwei- bis dreimal ihre Einstellung und ihre Loyalität wechselt, die Gründe dafür aber nur bedingt nachvollziehbar sind.

Alexander Babtiste (Jamie Campbell Bower) ist ein Wolf im Schafspelz
Ähnlich unentschlossen ist die Haltung des Films gegenüber den Hexen und der Zauberei. Mal scheint sich das Script dafür stark zu machen, dass die Hexenprozesse sich oft auf misogyne Weise gegen Frauen richteten und von Willkür geprägt waren (Naga Soth wird eigentlich in Folge von Quälerei und falsche Anschuldigungen zur Hexe). An anderer Stelle erscheinen diese dann dagegen als das Böse, gerade wenn man manche Mordtaten des Hexenbretts als Maßstab nimmt. Gleichzeitig peppt dieser Aspekt den Standardplot um das heraufbeschworene Unheil aus einem okkulten Artefakt sichtlich auf, auch durch die Sektierertruppe rund um Alexander Babtiste (Jamie Campbell Bower).
Die Rückbezüge zu Naga Soth und ihrer Nemesis Bischof Grogan geben dem Ganzen mehr Komplexität, mehr Twists und mehr Alleinstellungsmerkmal, auch wenn die Lauflänge von gut 110 Minuten vielleicht etwas zu lang für den Stoff ist. Dafür passt die New-Orleans-Atmosphäre, ein paar Schocks sitzen effektiv und Russell lässt sein Publikum nicht zu lange auf den nächsten Effekt oder die nächste Okkulteinlage warten, sodass die Länge nicht allzu schlimm ins Gewicht fällt.
Dass man Jamie Campbell Bower relativ kurz nach seinen ersten Auftritten als Fiesling Vecna in der vierten Staffel von „Stranger Things“ auch hier als Oberschurken besetzte, hat etwas von einem Stunt-Casting, doch der Schauspieler kann den verführerisch-charismatischen Babtiste ziemlich stark verkörpern. Madison Iseman („Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac“) ist eine brauchbare Hauptdarstellerin, Aaron Dominguez („Shaft“) spielt dagegen eher durchschnittlich. Merklich memorabler ist dagegen Mel Jarnson („Blacklight“), die Brooke als bewusst ambivalent gehaltene Figur spielt, bei der man lange Zeit nicht weiß, inwiefern man ihr über den Weg trauen soll. Der Rest vom Fest ist kaum der Rede wert, bis auf Antonia Desplat („The Killer’s Game“) und David La Haye („Ginger Snaps III“), welche als Erzfeinde Naga Soth und Grogan für starken Support sorgen.
„Witchboard“ ist ein Remake, der zwar Bezug auf das Original nimmt, aber weitestgehend eigene Wege geht – was keine schlechte Idee ist, hatten doch bereits „Ouija“ und dessen Prequel das Thema der Ouija-Bretter aus dem Original fürs neue Jahrtausend aufgekocht. Die hinzugekommene Hintergrundgeschichte um die Hexenverfolgung sorgt für einen komplexeren Hintergrund und ein paar „Witchfinder General“-Vibes, der Bodycount ist merklich höher und der Härtegrad deftiger als im Original. Leider ist Russells „Witchboard“ auch eine Spur zu lang, bei der Charakterzeichnung manchmal oberflächlich oder inkonsistent und bei den Effekten qualitativ durchwachsen. So bleibt ganz okayer Hexen-Horror, aber von der Qualität von Russells früheren Horrorkrachern „Nightmare on Elm Street 3“ und „Der Blob“ ist „Witchboard“ ein ganzes Stück entfernt.
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„Witchboard“ ist in Deutschland bei Splendid auf DVD und Blu-Ray erschienen, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Ihr könnt den Film auch streamen.
© Nils Bothmann (McClane)
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