Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Stryker

Originaltitel: Stryker__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1983__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Steve Sandor, Andrea Savio, Mike Lane, William Ostrander, Tony Carreon, Corey Casey, Peter Cooper, Julie Gray, John Harris, Michael De Mesa, Ken Metcalfe, Monique St. Pierre u.a.
Stryker

Der erste von Cirio H. Santiagos zahlreichen Endzeitreißern: „Stryker“

Neben dem Vietnamfilm war Endzeitaction das Hauptbetätigungsfeld für den philippinischen B-Regisseur Cirio H. Santiago („Jungle Force“), zumindest ab den 1980ern; den ersten Film in dieser Reihe stellt „Stryker“ von 1983 dar.

Was jetzt nicht bedeutet, dass „Stryker“ sonderlich originell wäre. Santiagos erster Endzeitreißer beackert das Feld, das vor allem George Millers wegweisender „Mad Max 2“ zuvor bestellt hatte. Nach einem Atomkrieg, symbolisiert durch die Stock-Footage-Aufnahme einer Atomexplosion in der Wüste, ist mal wieder Postapokalypse angesagt und den Regeln des Genres zufolge balgen sich die Überlebenden nun um Waffen, Sprit oder Wasser, wenn nicht gleich um alles davon. Hier ist das kühle Nass der Zankapfel, auf das es vor allem der despotische Herrscher Kardis (Mike Lane) abgesehen hat, der mit seiner schwarzbelederten Mörderhorde Angst und Schrecken verbreitet.

Ein paar davon versuchen auch sich über die junge Delha (Andrea Savio) herzumachen, die massig Wasser mit sich herumschleppt. Doch während diese flieht und um ihr Leben kämpft, schreiten gleich zwei voneinander unabhängige Retter ein: Stryker (Steve Sandor) und Bandit (William Ostrander), die das Kroppzeug umlenken, sich jeweils einen Teil Wasser als Belohnung nehmen und sich ohne Worte verstehen. Was auch daran liegt, dass die beiden handelsübliches Tough-Guy-Material sind, das kaum Profil gewinnt. Zum Glück weiß man wenigstens durch den Filmtitel, wer von den beiden der Hauptheld der Geschichte ist.

Da Delha nur begrenzt überlebensfähig ist, wird sie schließlich doch von Kardis‘ Leuten einkassiert, doch mit einem geschickten Frontalangriff auf die Schurkenfestung holen die beiden Mannsbilder sie da wieder raus. Freudige Nachricht: Delhas Survivortruppe sitzt an einer Wasserquelle und sucht nach Verstärkung. Allerdings will auch Kardis das kühle Nass…

Stryker

Nur echt mit Bart und Lederwester: Held Stryker (Steve Sandor)

Wer Santiagos Endzeitfilme kennt, der wird sich schnell heimisch fühlen und erkennen, das hier schon vieles zu finden ist, was in Nachfolgern recycelt wurde: Locations, Requisiten und sogar Filmmaterial hat der gute Mann gerne mehrfach verwendet, von den sich ähnelnden Handlungen mal ganz abgesehen. So gibt es auch hier Frauen, die sich blitzschnell und ohne jeden triftigen Grund in die Helden vergucken (ganz absurd schnell geht das bei Bandits späterer Freundin) und in erster Linie dazu da sind gekidnappt zu werden, Misshandlungen zu erleiden oder für einen Versuch von Dramatik umgebracht zu werden – wahlweise auch alles zusammen. Natürlich tragen die Postapokalypse-Kriegerinnen alle kurze Tops und noch kürzere Shorts. Wesentlich besser sieht es bei den männlichen Figuren allerdings kaum aus, rennen da solche Scherenschnitte wie der weise Rebellenführer, der diktatorische Schurke und der schmierige Verräter rum, die keinen Deut über ihre Funktion hinauskommen. Selbst die Hintergrundgeschichte, dass Stryker mit Kardis noch eine Rechnung offen hat, weil dieser ihm einst das Eheweib dahinmeuchelte, ist bloß Mittel zum Zweck, damit der Held ein bisschen Motivation hat.

Aber solche Feinheiten haben Cirio H. Santiago eh nie interessiert, sondern waren immer nur Vorwand für schnell zusammengeklöppelte Action, doch auch in der Hinsicht schwächelt „Stryker“ schon: Meist mit statischer Kamera eingefangenes Geballer der eher unspektakulären Sorte im Steinbruch und schwach choreographierte Kloppereien bestimmen das Stimmungsbild, bei dem in erster Linie der Angriff auf den Tanklastzug als Highlight herausragt, der Rest dagegen bestenfalls Durchschnitt ist. Und neben dem oft gesehenen schwarzen Muscle-Car umfasst der Fuhrpark neben Trikes und Jeeps hier sogar mehrere Panzer, die Santiago aber auch nicht gewinnbringend in der Action einsetzen kann.

Stryker

Die modische Amazone von übermorgen trägt gern beinfrei

Zudem gilt es im Gegensatz zu anderen Dauergeballer-Filmen von ihm hier längere actionfreie Durststrecken durchzustehen, etwa kurz vorm Showdown, wenn man minutenlang das Gebalze von Bandit und seiner Freundin begutachten darf, die vom Film so desinteressiert behandelt wird, dass man sich noch nicht einmal ihren Namen merkt. Immerhin klimpert der Eighties-Synthiesound für Santiago-Verhältnisse erfreulich dynamisch im Hintergrund, kann das lustlos erzählte Gebalge völlig egaler Interessengruppen (eine davon ein Stamm Kleinwüchsiger) aber auch nicht interessanter machen, bei dem auch wichtige Figuren mit einer Zack-und-weg-Attitüde ganz nebenbei abgeknallt werden, als wären sie nur einen von den zahlreichen Statisten, die auch im Dutzend dran glauben müssen.

Auch darstellerisch ist das, selbst für Philippino-Billigaction-Verhältnisse, noch Luft nach oben. Steve Sandor („Mad Bull“) ist ganz okay als Held, besitzt auch nur geringe Ausstrahlung, was allerdings mehr ist als man vom sonstigen Ensemble sagen kann. Okay, Mike Lane („Zebra Force“) als Kardis noch ansatzweise einprägsame Weise grimmig, bekommt aber wenig zu tun. Der Rest ist aber blass bis zum Geht-nicht-mehr, sei Andrea Savio („Death Screams“) als weibliche Hauptfigur, William Ostrander („Mulholland Drive“) als zweite Heldengeige oder Santiago-Spezi Ken Metcalfe („Kill Zone“) als Rebellenführer.

„Stryker“ mag den Grundstein für Cirio H. Santiagos folgende Endzeitreißer gelegt haben, doch Werke wie „Wheels of Fire“ und vor allem „Equalizer 2000“ boten da wesentlich zackigere Action und charismatischere Darsteller und waren auch dynamischer inszeniert. „Stryker“ dagegen ist lustlos erzählte Endzeitrauferei im Steinbruch mit einigen Längen, aber dafür einem ganz guten Score. Das war trotzdem ausbaufähig und das erkannte anscheinend auch Santiago selbst.

Starke:

Die deutschen VHS von Cannon und Thorn EMI sind leicht gekürzt, neben den zwei derberen Gewaltszenen des Films (abgetrennte Hand, Kopfschuss) fehlt eine Vergewaltigung, die allerdings auch aus anderen Fassungen herausgekürzt wurde. Inzwischen ist bei SchröderMedia eine DVD und eine Blu-ray zum Film erschienen. Beide bildtechnisch erstaunlich gelungenen Medien basieren auf einem amerikanischen, fehlerhaften Master, bei dem ein paar sinnfreie Dialogszenen fehlen. Zumindest der Blu-ray liegt darum eine sogenannte Langfassung in den Extras bei. Diese enthält dann auch all die Cutscenes, allerdings in bedeutend schlechterer Qualität. Somit ist zumindest die FSK 18 freigebene Blu-ray uncut.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Cannon/Thorn EMI__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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