| Originaltitel: Transformers One__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Josh Cooley__Produktion: Michael Bay, Steven Spielberg__Darsteller: Brian Tyree Henry, Chris Hemsworth, Laurence Fishburne, Scarlett Johansson, Steve Buscemi, Isaac C. Singleton Jr., James Remar, Jason Konopisos-Alvarez, Jon Hamm u.a. |

Sie wollen doch nur transformieren! „Transformers One““.
Der Konflikt zwischen den Decepticons und den Autobots ist eine feste Größe im Transformers-Universum. Doch wie kam es zu der Feindschaft zwischen den beiden Fraktionen und vor allem zwischen deren Anführern Megatron und Optimus Prime? Der von Steven Spielberg („Ready Player One“) und Michael Bay („Transformers“) produzierte Animationsfilm „Transformers One“ will diese Frage klären.
Dazu erzählt er von Orion Pax und D-16. Die beiden Minen-Roboter bauen unter Tage Energon ab, mithin die Energiequelle aller Roboter auf dem Planeten Cybertron. So wichtig und gefährlich ihre Arbeit auch sein mag, in der Hierarchie der Bewohner von Cybertron befinden sich die beiden am Ende der Nahrungskette. Sie werden nicht beachtet, haben kaum Rechte und vor allem wird ihnen ein wichtiges Bauteil verwehrt, das es ihnen ermöglichen würde, sich zu transformieren.
Vor allem Orion Pax hadert mit diesem Schicksal sehr und er versucht alles, um wahrgenommen zu werden. Entsprechend sucht er nach der mystischen Matrix der Führung. Diese verfügt über machtvolle Eigenschaften und soll unter anderem die einst versiegten Energon-Flüsse des Planeten wieder fließen lassen können. Wenn Orion Pax diese Matrix finden könnte, würde er seinem Dasein als Niemand entfliehen können. Und eines Tages erhält er tatsächlich einen entscheidenden Hinweis auf den Verbleib der Matrix der Führung.
Die Spuren führen ihn, D-16 und die zum Team gestoßenen Elita-1 und B-127 auf die vom Kampf gegen eine brutale Alienrasse zerstörte Oberfläche ihres Heimatplaneten. Hier decken sie eine gewaltige, existentielle Lüge und einen ebensolchen Verrat auf. Die Frage darüber, wie sie mit diesen Erkenntnissen umgehen sollen, wird die Freundschaft von D-16 und Orion Pax auf eine gewaltige Probe stellen.
Flotter Animationsfilm von Michael Bay
Vordergründig ist der achte Film der Transformers-Filmreihe die gewohnte abenteuerliche Jagd nach irgendeinem MacGuffin, dessen Sinn und Funktion keiner so recht versteht und auch keiner zu erklären versucht. Die Suche nach dem MacGuffin, hier also die Matrix der Führung, sorgt wie in den bisherigen Spielfilmen für enormen Vortrieb und Action, fühlt sich aber auch seltsam leer an. Ein Schicksal, das „Transformers One“ vor allem mit den letzten Einträgen ins Filmfranchise teilt.
Glücklicherweise hat der Animationsfilm mehr zu bieten. Denn im Kern ist der Animationsfilm ein Film über Freundschaft. Allerdings singt er kein Hohelied auf Freundschaft. Stattdessen zeigt er, wie fragil Freundschaften sind und wie sie ungewollt zerbrechen können. Im Falle von Orion Pax und D-16 führen bereits unterschiedlich motivierte Entscheidungen, von denen keine irgendwie falsch anmuten würde, zum Bruch.
Und diesen Bruch transportiert „Transformers One“ vielleicht nicht eben subtil, aber durchaus glaubhaft und in seinen Motivationen nachvollziehbar. Entsprechend sind die zunehmend schwierigere Beziehung zwischen den beiden Robotern und die daraus resultierenden Dynamiken bald deutlich interessanter als die Jagd nach der Matrix. Das gipfelt in einem wundervoll groß inszenierten Moment, in dem es trotz allem Pomp reicht, dass sich eigentlich nur die Augenfarbe eines Protagonisten verändert.
Kurz zuvor sind D-16 und Orion Pax inzwischen im Übrigen längst zu ihren neuen Ausprägungen Megatron und Optimus Prime geworden. Wie und wieso, das müsst ihr freilich selbst herausfinden. Doch auch dieser Schritt in der Handlung funktioniert prächtig. Und er lässt staunen, was für ein Potential erzählerisch hinter dem sonst weitgehend nur als martialisch wahrgenommenen Franchise steckt.
Ein weiterer Pluspunkt von „Transformers One“ ist das Offensichtliche: seine Optik. Vor Details berstende Massenszenen, mittels massivem Partikeleffekte-Einsatzes erzählte Rückblenden, rasend schnelle Kameraflüge, geschmeidige Bewegungen, hübsch designte Figuren und eine kräftige Farbigkeit beherrschen die Szenerie.
Dazu sorgt die sich ständig verändernde Oberfläche des Planeten Cybertron für Eye Candy. Und Ideen wie jene, dass sich Straßen und Schienen erst aufbauen, wenn die entsprechenden Gefährte darüber hinwegrasen, machen richtig Laune. Und auch die kleinen Details sitzen. So wirken etwa die Oberflächen der Transformers dank der Beleuchtung immer metallisch, reflektieren Lichtquellen und glänzen.
Die Actionszenen sind wuchtig und ebenfalls mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Dabei fällt früh auf, dass sich der Film in seinen ersten zwei Dritteln vor allem auf seine Story und seinen Schauplatz Cybertron verlässt und kaum auf Action setzen muss. Trotzdem kommt nie Leerlauf oder gar Langeweile auf. Nur ein Wettrennen zeigt in den ersten 60 Minuten auf, zu was „Transformers One“ actiontechnisch in der Lage sein könnte.
Das Finale hingegen strotzt dann vor Transformers-Action. Es wird transformiert, aufeinander eingeprügelt und geballert, dass die Schwarte kracht. Fette Explosionen zerlegen die Schauplätze. Hier ist Industrial Light & Magic, das bislang „nur“ die visuellen Effekte zu den Transformers-Filmen beisteuerte, als Animationsstudio voll und ganz in seinem Element. Und es präsentiert Kills, die sich erstaunlich derb anfühlen. Die FSK 12 Freigabe in unseren Breiten kommt wahrlich nicht von ungefähr.
Freilich gibt es bei „Transformers One“ auch auf die Ohren. Brian Tyler hat dem Film einen angenehm wuchtigen Score verpasst, der sich erstaunlich wenig bei den Vorgängern bedient. Das typische Sounddesign rund um die Roboter hingegen wird oft repliziert. Stimmlich konnte man für den Film einen klasse Cast gewinnen. Chris Hemsworth („Extraction“) spricht Orion Pax, Brian Tyree Henry („Bullet Train“) ist als D-16 zu hören und Scarlett Johansson („Ghost in the Shell“) leiht Elita-1 ihre Stimme. Zusätzlich sind Steve Buscemi („The Last Outlaw“) als Starscream, Laurence Fishburne („Standoff“) als Alpha Trion, James Remar („Nur 48 Stunden“) als Zeta Prime und Jon Hamm („Top Gun: Maverick“) als Sentinel Prime zu hören.
„Transformers One“ funktioniert richtig gut
Ich möchte mein Fazit mit dem größten Pluspunkt von „Transformers One“ beginnen: Es gibt keine nervigen Menschen! Yeah! Der Animationsfilm fokussiert voll und ganz auf die wandelbaren Roboter und tut wirklich gut daran. Der vordergründige Storymotor um die Matrix der Führung hält den Film tempomäßig auf Spur. Und die unter dem Chassis dominierende Story um das Zerbrechen einer Freundschaft sorgt für emotionale Erdung und eine angenehme Grundspannung.
Freilich gibt es aber auch zu meckern. So bin ich einfach kein Fan des Humors im Transformers-Universum. Zwar bleibt der zu Beginn im dezenten Rahmen und stört nicht weiter. Aber spätestens mit dem Auftauchen von B-127 wird es immer mal wieder arg infantil. Manche Figuren bleiben zudem ein ziemliches Rätsel in ihrer Motivation. Hier seien auch und vor allem die Quintessons genannt, die Aliens, die Cybertron attackieren. Die sind leider erstaunlich egal für die Handlung.
Außerdem wurde ich nicht mit den vermenschlichten Gesichtern der Transformers warm. Deren Optik ist beispielsweise nah dran an den Zeichentrickserien, passt aber gar nicht zu den bisherigen Teilen der Blockbuster-Reihe, in denen die Gesichter der Transformers eher mechanisch, kantig und hart gehalten sind.
An den Kassen konnte der Animationsfilm den Abwärtstrend der Einspielergebnisse der „Transformers“-Filme nicht aufhalten. Ganz im Gegenteil, der nicht eben billige Film (Schätzungen reichen von 75 bis 150 Millionen Dollar) blieb mit rund 130 Millionen Dollar Einspiel deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ich persönlich führe das auf eine (auch bei mir vorhandene) „Transformers“-Müdigkeit bei den anvisierten Publikumsschichten zurück und weniger auf die Qualität von „Transformers One“. Der technisch perfekte Trickfilm von Regisseur Josh Cooley („A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“) macht nämlich eine Menge Spaß und ist, auch meiner Erwartung zuwiderlaufend, enorm unterhaltsam geraten.
![]()
Der Film lief im Oktober 2023 in den deutschen Kinos an. Im Dezember 2024 erschien er auf DVD, Blu-ray und 4K UHD von Paramount Pictures. Der Film ist jeweils mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten. Ihr könnt den Film auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright aller Filmbilder/Label Paramount Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja |





