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Shark Island

Originaltitel: Shark Island__Herstellungsland: USA, Thailand__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Stephen Scruffy Edgewood__Darsteller: Erin Alvey, Michael Paré, Paul Collett, Selina Wiesmann, Russell Geoffrey Banks, Alexandra Merle, Selina Wiesmann u.a.
Michael Pare ist bei Shark Island dabei

Michael Paré hat vielleicht zwei Minuten Screentime in „Shark Island“.

Geht man nach dem deutschen Verleih, wäre „Shark Island“ wohl gerne ein Mix aus Heist Movie und Hai-Film. Das klingt gar nicht mal so verkehrt. Das Blöde: Den Drehbuchautoren, unter ihnen B-Movie-Stümper Daniel Zirilli („The Asian Connection“), hat davon keiner was gesagt.

Juliet ist ein Model. Und sie liebt ihren Job! Ihr neuester Auftrag führt sie gen Thailand. Auf einer Insel, die wie eine Haiflosse aus dem Wasser ragt und deshalb den Namen Shark Island trägt, sollen sie und einige internationale Kolleginnen eine eindrucksvolle Kette zelebrieren. Der eigentliche Besitzer will das Schmuckstück nämlich verhökern und setzt auf die Sex-Sells-Formel.

Vor Ort wird es jedoch zunehmend chaotischer. Die Handys haben keinen Empfang, ein Sicherheitstaucher taucht nicht auf, die Insel wird von zahllosen Haien umschwärmt und ein Kontaktmann auf der Insel scheint in einen Kampf verwickelt worden zu sein und ist danach verschwunden. Doch unser Shooting-Team zieht eiskalt durch.

Da verschwindet plötzlich die Halskette spurlos. Der mit ihrer Bewachung beauftragte Zack muss nun alles daran setzen, sie wieder zu finden. Da gibt es auch schon die ersten Toten.

Schaut in den Film hinein

Irgendwas mit Michael Paré

„Shark Island“ geht einem wirklich sehr sehr früh auf die Nüsse. Egale Figuren, die ganz viel Unrat labern, machen ganz viele uninteressante Sachen. Man trifft sich am Strand, man labert, man fährt mit der Fähre, man labert, man bewundert die titelgebende Insel und labert, man feiert eine endöde Party und lallt und irgendwann werden dann die Fotos geschossen. Und es passiert einfach nichts.

Ergo nutzt man die Zeit und schaut genauer hin. Schnell fällt auf, dass der Film sehr räudig aussieht. Die schönen Seiten von Thailands Inselwelt – hier seht ihr sie nicht. Um den Hai-Film-Anteil zu befeuern, setzt es in einer Tour Stock-Footage-Aufnahmen von Haien. Dumm nur, dass diese geliehenen Filmfetzen qualitätsmäßig durchweg anders aussehen als der Rest vom Film. Derweil sollen schiefe Blicke der unfähigen Darsteller andeuten, dass hier potentiell jeder Interesse haben könnte, die Kette zu stehlen.

Die absolut hilflose deutsche Synchronisation verstärkt die dabei hervorgewürgte Wortkotze. Teilweise passen hier Anfang und Ende eines Satzes gar nicht zusammen. Und die demotivierten deutschen Stimmen killen dann jedweden Anflug von verbliebener Atmosphäre. Der Kameramann hatte auch keine Ahnung, was er hier macht. Der Soundtrack lässt einem die Ohren bluten. Und der Taucher, dem man eine Haiflosse für bedrohliche Szenen auf den Rücken geschnallt hat, schwimmt so beschissen schlecht, dass man auch noch sieht, dass der Hai, der da vorgetäuscht werden soll, eben kein Hai ist.

Ist dann etwa 30 Minuten vor Schluss die Kette endlich verschwunden, wird „Shark Island“ nur noch elendiger. Vollkommen überforderte Darsteller sollen nun falsche Fährten legen und nichts funktioniert. Dazu kommt, dass dem Zuschauer sowieso total egal ist, wer die Kette hat. Denn aufgrund der beschissenen Filmminuten zuvor will man eigentlich nur, dass „Shark Island“ endlich enden möge. Spannung oder irgendeine Art von Wohlwollen dem Film gegenüber – Fehlanzeige.

Und nicht einmal die verdammten Haie haben Lust auf den Film. Denn eigentlich kann „Shark Island“ mit ebenjenen gar nichts anfangen. Auch weil er keine Ahnung hat, wie man Hai-Attacken glaubhaft inszenieren könnte. Also strampelt einfach nur irgendwer im Wasser, man sieht keinen Hai und plötzlich ist da Blut. So mögen Hai-Filmfans doch ihre Guilty Pleasures. Oder etwa nicht?

In Sachen Schauspielern fand ich zumindest Erin Alvey als Juliet ganz sympathisch. Die anderen Model-Darstellerinnen hätten vermutlich nicht einmal von Heidi Klum ein Foto für ihre Leistungen erhalten. Eine Vollkatastrophe sind alle männlichen Darsteller. Den Vogel schießt aber ganz sicher der als Hauptdarsteller geführte Michael Paré („Wanted Man“) ab.

Der ist zu Beginn für 30 Sekunden zu sehen. Und er beehrt auch das Finale – für vielleicht 45 Sekunden. Zu Beginn wirkt sein Charakter Charlie klar und normal. Am Ende hat er auf einmal amtlich einen an der Klatsche. Paré spielt beides gleich schlecht. Gratulieren muss man ihm trotzdem, denn leichter kann man kaum sein Geld verdienen. Zudem werden die Dreharbeiten in Thailand mit lecker Nebendarstellerinnen ordentliches Urlaubsflair versprüht haben. Was will man mehr? Vielleicht ein gutes Endergebnis? Who cares?

Von einem Aufenthalt auf „Shark Island“ kann nur abgeraten werden

„Shark Island“ geht gerade einmal 76 Minuten und keine einzige davon kann als unterhaltsam umschrieben werden. Die Story startet nie durch, das Whodunit ist einem aufgrund der beschissen geskripteten und gespielten Figuren komplett egal, die Haie haben keinen Hunger und die Macher wussten offensichtlich nicht, wie Filmemachen geht.

Dramaturgie, Spannungsaufbau, Kamera, Schnitt, Beleuchtung, Musik, Schauspiel, alles an diesem Filmversuch wirkt amateurig. Nichts verfängt, nichts macht Spaß. Schlimmer konnte das Regie-Debüt von Stephen Scruffy Edgewood kaum ausfallen. Nur „Hauptdarsteller“ Michael Paré machte eigentlich alles richtig. Denn der unternahm Screentime-technisch wirklich alles, um nicht mit dem Film in Verbindung gebracht zu werden. Aber freu dich nicht zu früh, Michael, ich habe hiermit deine Arbeitsverweigerung bezeugt.

00 von 10

Tiberius Film wird den Film zunächst ausschließlich digital auswerten. Ab dem 12. Juni 2025 wird er die digitale Auswertungskette mit einer Freigabe ab 16 durchlaufen. Hinsichtlich einer physischen Auswertung ist mir bislang nichts bekannt.

In diesem Sinne:
freeman

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