Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Steel Arena – Der stählerne Tod

Originaltitel: Steel Arena__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1973__Regie: Mark L. Lester__Darsteller: Dusty Russell, Buddy Love, Gene Drew, Dutch Schnitzer, Speed Stearns, Ed Ryan, Big Tim Welch, Dan Carter, Bruce Mackey, Laura Brooks, Bill McKnight u.a.
Steel Arena

„Steel Arena“ ist das Spielfilmdebüt von Mark L. Lester

Die Entstehungsgeschichte von Mark L. Lesters erstem Spielfilm „Steel Arena“ soll sich nach Aussage des Regisseurs so zugetragen haben, dass er eine Gruppe von Männern kennenlernte, die sich als Stuntfahrer erwiesen und deren Geschäft ihn faszinierte. Erst wollte er einen Dokumentarfilm über sie drehen, dann strickte Lester als Drehbuchautor und Regisseur eine Spielfilmhandlung um diese illustre Truppe, ergänzt um weitere Autoprofis und professionelle Schauspieler.

Hauptfigur ist Dusty Russell, der eine fiktionalisierte Version seiner selbst spielt. Der Film-Dusty kommt in einem Kaff an und wird von einem Barbesitzer angesprochen, ob er nicht vielleicht eine Ladung Moonshine durch die Gegend schippern will. Dummerweise kreuzen bereits bei Dustys Antrittsfahrt der Sheriff und seine Leute auf, denen der Fahrer nach einer waghalsigen Verfolgungsjagd entkommen kann. Mit dem hünenhaften, aber etwas tumben Sheriff könnte man „Steel Arena“ fast für ein Imitat des Burt-Reynolds-Hits „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ halten, doch Lesters Film ist de facto vier Jahre älter als das Reynolds-Vehikel, wenn auch deutlich weniger populär.

Da Dusty jedoch das Tor der Schwarzbrennerei durchbrochen und angeblich die Ladung geschrottet hat, will der Barbesitzer nicht zahlen. Also fängt Dusty eine zünftige Kneipenschlägerei an, bei der ihm Buddy Love (Buddy Love) zur Seite springt. Nebenbei sackt Dusty noch die Kellnerin Jo-Ann (Laura Brooks) ein, die ihm kurz zuvor schöne Augen machte, schon zieht das Trio auf der Suche nach Glück und Auskommen durch die Lande, so unkompliziert ist das Leben in der Welt von „Steel Arena“.

Da Dusty so ein toller Fahrer ist und Buddy ein Auto hat, meldet dieser seinen neuen Kumpel bei einem Destruction Derby an. Dusty, der tolle Hecht, gewinnt das Ding natürlich und wird vom Veranstalter Gene Drew (Gene Drew) prompt als neuer Star für dessen Circus of Death angestellt…

Schaut euch den Trailer zu „Steel Arena“ an

Man kann „Steel Arena“ einen authentischen Film nennen, denn die Stuntfahrer, die sogenannten Daredevils, spielen sich selbst in ihrer gewohnten Umgebung, bei ihrer gewohnten Tätigkeit. Wobei „spielen“ angesichts des semidokumentarischen Gestus auch schon fast ein Euphemismus ist. Meist unterhält man sich kurz am Steuer, in der Kneipe oder auf dem Schrottplatz, danach steht schon der nächste Stunt oder der nächste Schabernack an. Dusty Russell, im Film wie in der Realität ein Experte für den „Dive Bomb“-Autosprung auf lauter andere Autowracks, muss halt den coolen Macker markieren, Buddy Love den weniger talentierten Kompagnon, Gene Drew den bärbeißigen Ansager – Lester besetzte Drew dann auch in kleinen Rollen in seinen Folgewerken „Truck Stop Women“ und „Sie nannten ihn El Lute“. Auch die professionelleren Darsteller haben kaum mehr zu tun: Laura Brooks ist das schmachtende Anhängsel, Bruce Mackey („Freebie and the Bean“) als von Dusty verdrängter Star der Show veranstaltet meist geifernde Fratzenkirmes, um seinen Neid auszudrücken.

Denn „Steel Arena“ ist ein einfach gestrickter Film, in welchem die Handlung bloß nicht zu sehr zwischen den ganzen Spektakeleinlagen nerven soll. Warum Gene Dusty nach nur einem Destruction Derby direkt zum Star der Show macht und ihm die gefährlichsten Stunts anvertraut – einfach nur, damit die Handlung weitergeht, nicht aus der Geschichte oder den Figuren hinaus. Jene sind dann auch eindimensionale Typen, die immer nur das Gleiche tun: Gene will Dusty zu immer gefährlicheren Sprüngen animieren, Jo-Ann ihn davon abhalten, Buddy hadert mit seiner Rolle als minderbegabter Daredevil und muss den Preis dafür zahlen usw. Wenn Überschlagsexperte Ed ‘Chromedome‘ Ryan sich auf dem Weg zum nächsten Auftrittsort fragt, ob er sich zu viel mit seiner Suche nach Rekorden vorgenommen hat, dann kommt natürlich direkt im Anschluss die Szene, in der seine Zweifel bestätigt werden.

So ist das Nichts an Handlung eigentlich nur eine Ausrede für zahlreiche Autocrashs und sonstige Stunteinlagen. Bei den Vorführungen werden Autosprünge, Überschläge, das Durchbrechen flammender Wände, T-Bone-Crashs und ähnliche Scherze vorgeführt, hin und wieder probieren sich die Daredevils auch einfach mal so aus, etwa wenn sie Bikern ein Motorrad klauen, spontan Runden im Schlamm drehen oder sich zu Wettrennen herausfordern. Zusammen mit der Verfolgungsjagd vom Anfang sorgt das für Auflockerung, kann aber nicht verbergen, dass das Repertoire bei den Shows überschaubar ist und sich die dortigen Einlagen irgendwann wiederholen. Immerhin steht alle paar Minuten der nächste Blechschaden an, meist auf saubere, konventionelle Handwerkerart gefilmt, ehe Lester zum Schluss etwas einfallsreicher wird, etwa wenn er Stunt-Shows in einer Split-Screen-Sequenz zusammenfasst, aber trotzdem die Aufmerksamkeit so lenkt, dass man die Höhepunkte nicht verpasst.

Abgesehen von der Low-Budget-Action besitzt „Steel Arena“ ein gewisses naives Flair. Es ist ein Film, der das Publikum einfach in das Metier der Stuntfahrer einführen will, die Faszination deutlich machen. Einige Nebenszenen erklären deren Beruf etwas, etwa wenn die Daredevils zum Schrottplatz fahren und dort fahrtüchtige Schrottkarren kaufen, denen sie während der Show den Rest geben. Scheiben werden rausgeschlagen, damit sie nicht splittern und damit die „Circus of Death“-Vehikel noch mitgenommener aussehen, ehe man sie mit Graffiti verziert. Es ist ein Einblick in eine Unterhaltungskultur, die vor allem im ländlichen Amerika boomte. Zudem ist „Steel Arena“ ein früher Vertreter der Auto-Filme der 1970er: „Vanishing Point“ hatte zwar bereits zwei Jahre vorher eine Duftmarke gesetzt, viele stilprägende Klassiker wie „Dirty Mary, Crazy Larry“ oder diverse Burt-Reynolds-Vehikel sollten erst noch folgen.

Insofern ist „Steel Arena“ nicht nur ein Film über Stunts-Shows, sondern auch eine filmische Stunt-Show. Der Plot ist dünn bis nicht existent, eine Charakterzeichnung bestenfalls rudimentär und die Darstellerleistungen nicht der Rede wert. Dafür gibt es alle paar Minuten ordentlich Blechschäden und Vehikeleinlagen, auch wenn sich das Ganze mit der Zeit etwas wiederholt. Mit „Stunts“ sollte sich Lester wenige Jahre später in ein ähnliches Metier begeben und die Alibihandlung etwas besser hinbekommen, „Steel Arena“ ist ein ganz okayes Debüt für den Actionregisseur.

Knappe:

„Steel Arena“ gab es bisher nur als VHS in Deutschland von Lighting Video, freigegeben ab 16 Jahren, aber es ist nicht bekannt, ob diese gekürzt war. Als Blu-Ray gibt es ihn seit einigen Jahren in den USA und in Großbritannien, zwischenzeitlich war er auch bei dem werbefinanzierten US-Streamingdienst Plex verfügbar. Nun erscheint „Steel Arena“ als ungekürztes, ungeprüftes Mediabook mit Blu-Ray und DVD beim Label X-Cess, die bereits Lesters Nachfolgewerk „Truck Stop Women“ in dieser Form veröffentlichten. Als Bonusmaterial gibt es den Originaltrailer, eine Slideshow, ein Videofeature von Mark L. Lester, einen Audiokommentar mit Regisseurs, einen Audiokommentar von Josh Headly und 42nd-Street-Pete und ein Booklet von Thorsten Hanisch.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: X-Cess__FSK Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 23892812 andere Actionnerds