| Originaltitel: Nightmares__Herstellungsland: Australien__Erscheinungsjahr: 1980__Regie: John D. Lamond__Darsteller: Jenny Neumann, Gary Sweet, Nina Landis, Max Phipps, John Michael Howson, Edmund Pegge, Sue Jones, Briony Behets u.a. |


Erstmals deindiziert: „Nightmare on the Street“ bei cmv-Laservision im Mediabook.
Mit dem Etikett „Australian Made Horror“ geht ja immer so eine gewisse Pioniersstimmung einher. Ozploitation bedeutet in der Regel auch Exploration, die Filmemacher zeichnen da diesen einen krakeligen Strich in die Landschaft, der ein Leben fern aller Schubladen lebt, um als Querulant die Harmonie im Panorama zu zerstören. Das endlose Outback bietet wohl einfach in Relation zur niedrigen Populationsdichte dermaßen viel Raum, dass die Wahrscheinlichkeit äußerst gering scheint, dass zwei australische Filmemacher in dieselben Fußstapfen treten, was immer wieder exzentrische, eigenartige, hochgradig individuelle Genre-Beiträge zur Folge hat.
Man denke an Terrry Bourkes „Night of Fear“ (1973), in dem nicht gesprochen, sondern nur gestalkt wird; an Peter Weir natürlich, der nicht nur ein australisches Dorf von hochgezüchteten Autos überrollen ließ („Die Autos, die Paris auffraßen“, 1974), sondern kurz darauf bereits den gesamten australischen Horrorfilm transzendierte, noch bevor er sich überhaupt vollständig gebildet hatte („Picknick am Valentinstag“, 1975). Und dann ging der Schlussspurt der 70er völlig steil: „Patricks Höllentrip“ (1978), „Long Weekend“ (1978) „Snapshot“ (1979), „Blutdurst“ (1979) und selbstverständlich der große Beginn der Apokalypse, das Rom aller Aussie-Filme, „Mad Max“ (1979). Ein buntes Tupel von Einträgen, die im Grunde nicht allzu viele gemeinsame Eigenschaften in sich tragen, als dass es sich lohnen würde, aus ihnen eine spezifischere Klasse zu bilden als einfach die des australischen Low-Budget-Films.
Bei einem derart bunten Salat versteht sich von selbst, dass sogar ein Beitrag zu einem aus heutiger Sicht völlig überlaufenen, überproduzierten Subgenre wie dem urbanen Slasherfilm kaum nennenswerte Vorläufer auf dem Kontinent hat, als er im Jahr 1980, gerade mal zwei Jahre nach „Halloween“, erscheint. „Nightmare on the Street“ ist für sich genommen eine bedeutungslose Fußnote in den Horrorfilmchroniken geblieben, für deren Wahrnehmung man in einem stetig fetter werdenden Lexikon schon eine verdammt gute Lesebrille braucht. Und doch ist es vermutlich der erste echte Post-Halloween-Slasher des Kontinents und einer der wenigen, die zumindest auf den ersten Blick vieles von dem anbieten, was sich seither aus globaler Perspektive als Slasher-Versatzstück etabliert hat. Ein Kindheitstrauma im Prolog, eine Theaterstück-Metaebene als Setting der Gegenwart, und schon darf das gialloeske Glasscherbenmassaker seinen Lauf nehmen.
Eigentlich stammt Regisseur, Autor und Produzent John D. Lamond aus dem Sexploitation- und Mondo-Fach. Hier inszeniert er nun seinen ersten Horrorfilm, dessen Produktion aus steuerlichen Gründen unter massivem Zeitdruck stand, wie er in einem Interview verriet – was sich durchaus in einem hektischen, unfertigen, streckenweise überhasteten Regiestil bemerkbar macht, der versucht, ein Drehbuch unter Kontrolle zu bekommen, das offenbar nie so richtig über seine durchaus reizvolle Grundidee hinaus gedacht hat.
So nimmt „Nightmare on the Street“ streckenweise tatsächlich die erzählerische Logik eines zusammenhanglosen Alptraums an. Von Hitchcock inspirierte Psychothriller wie „Der Satan mit den langen Wimpern“ (1964) erweisen sich als Einflussgeber, insbesondere dahingehend, dass sich Realität und Einbildung mit dem fragilen Geisteszustand der Protagonistin verbiegen. Brian May (nein, nicht DER Brian May, sondern sein australisches Composer-Pendant) befeuert die Hitchcock-Parallelen zusätzlich durch seine Chiller-Streicher, die mit den 60ern mehr gemein haben als mit der damals währenden Gegenwart.
Cutter Colin Eggleston, unter anderem auch Regisseur des weiter oben erwähnten Öko-Horrorthrillers „Long Weekend“, hat eine diebische Freude daran, traumatische Erinnerungsfetzen als Smash Cuts in laufende Szenen zu schneiden, die aufgrund der desorientierenden Point-of-View-Shots aus Tätersicht ohnehin schon völlig aus dem Häuschen sind. Die komplette Form des Films ist darauf ausgelegt, die Psyche der vermeintlichen Killerin zu imitieren. Um deren Identität wird zwar anhand der ausgewählten Whodunit-Perspektiven noch ein kleines Geheimnis gemacht, nicht jedoch um die Spurenlage, die doch recht eindeutig ausfällt und in keiner Weise zu Bemühungen führt, die Auflösung mit alternativen Deutungsmöglichkeiten zu verwischen – so dass man automatisch argwöhnisch wird, was die Offensichtlichkeit angeht, mit der sich hier alles auf den finalen Akt zuspitzt.
Das hieraus resultierende Seherlebnis fällt daher trotz der hakeligen Schnitte und der doppelten Theaterböden recht linear aus, was den Raum eröffnet für so manches Spannungsloch. Hauptdarstellerin Jenny Neumann scheint nur bedingt geeignet, diese Löcher zu füllen. Zwar liefert sie durchaus ein, zwei paranoide Einlagen der erfrischend irritierenden Sorte (alleine diese Mischung aus Heul- und Lachkrampf inmitten der Theaterkollegen muss man einfach gesehen haben), zumeist geistert sie aber so teilnahmslos umher, als sei sie bis zur Stirn mit Baldrian abgefüllt. Wenn man bedenkt, dass ursprünglich eine Michelle Pfeiffer, Daryl Hannah und Melanie Griffith im Gespräch waren, dann ist das schon ein Grund, melodramatisch „WARUM!?“ in den Himmel zu schreien.
Punkte gut machen immerhin Max Phibbs als aufgeblasener Theaterregisseur und John Michael Howson als überheblicher Kritiker, ein Duo, das im Alleingang dafür sorgt, dass sich „Nightmare on the Street“ in seinen helleren Momenten nichts Geringeres als eine Satire auf das Schauspielgeschäft vorgenommen hat, sowohl von der Seite des Erschaffenden als auch des Rezipierenden betrachtet. Eine ähnliche Rolle wie jene von Phibbs würde man einige Jahre später noch einmal im australischen Werwolf-Horrorfilm „Wolfmen“ (1987) geliefert bekommen; derweil soll Howsons Rolle eine Parodie auf den australischen Filmkritiker Colin Bennett gewesen sein, wie auch an seinem Rollennamen Bennett Collingswood unschwer abzulesen ist. In einem möglichen US-Remake wäre es im Grunde völlig unverzichtbar, die Beiden von Kevin Spacey und John Malkovich spielen zu lassen.
Das sind aber lediglich isolierte komödiantische Einlagen in einem Film, der es grundsätzlich auf eine grimmige Wirkung abgesehen hat. Um das Adrenalin also am Kochen zu halten, wird die Handlung einfach mit den üblichen Mittelchen aufgepeppt. Der solide Bodycount (plus minus 10), der fast ebenmäßig zwischen männlich und weiblich pendelt, schießt sich hauptsächlich auf Nacktes und Kopulierendes ein. Während der Prolog für diese Fixierung durchaus eine schlüssige Erklärung auf Lager hat, ist sie für den Regisseur sicherlich auch eine Möglichkeit, gewisse Akzente seiner vorherigen Arbeiten einzubringen. Pornografisch wird es zwar nicht, aber die wiederholten Zooms auf gewisse Körperteile fallen doch einen Hauch expliziter aus als im Genre-Schnitt, wodurch der Sleaze-Faktor ebenfalls gewisse Höhen erreicht… erst recht, wenn die Opfer teilweise zur Embryohaltung verkrümmt in irgendwelchen Seitengassen neben den Mülltonnen verenden.
Gerade auch in diesen ekstatischen Höhepunkten bleibt der Schnitt natürlich stets aggressiv und wirr. Damit wird unter anderem kaschiert, dass das Treiben unter dem Strich gar nicht mal so blutig geraten ist, wie man meinen sollte. Als Schlüsselbilder verweilen weniger aufgeschlitzte Hälse order hervorquellende Gedärme, sondern vielmehr verdutzte Gesichtsausdrücke und zuckende Pobacken, wenn die Scherbe mal wieder eine oberflächliche Schnittverletzung verursacht.
Für so manche verursachte Wunde würde wohl tatsächlich ein Pflaster reichen. Kaschiert wird zudem eine oftmals nicht vorhandene Kontinuität, die auf massive Anschlussfehler hindeutet, weil man sich wohl einfach nicht die Zeit genommen hat, die einzelnen Szenen vernünftig zu konzipieren. Da stürmt dann auch mal eine Dame heraus in die Nacht, lässt sich trotz eines gewissen Vorsprungs völlig willkürlich stellen, muss sich wilder Attacken erwehren und geht bereits zu Boden, nur um Sekunden später ohne jede Erklärung doch wieder auf den Beinen zu sein und zurück ins Gebäude zu laufen, weil wohl jemandem am Set plötzlich eingefallen ist, dass die Gute gefälligst im Trockenen zu sterben hat, damit die Handlung nicht in einer Sackgasse endet.
Atmosphärisch ergeben sich natürlich alleine durch das Theatersetting Parallelen zu Michele Soavis „Aquarius – Theater des Todes“ (1987), zumal sich beide Filme den Alternativtitel „Stagefright“ teilen. Vor allem aber hallt Pete Walkers „Im Rampenlicht des Bösen“ (1972) nach, wenn die Kamera sich im First-Person-Modus durch schmale Gänge hinter der Bühne vorbei an den sperrigen Kulissen quetscht. Die eher minderwertigen Aufnahmen der Steadicam und die sparsame Beleuchtung lassen in den Winkeln der Szenen schwarze Flecken aus flimmerndem Filmkorn entstehen und lenken dadurch den Fokus immer auf gewisse Winkel im Kegel der Lichtquellen, was zwar recht hässlich anzusehen ist, mitunter aber wenigstens zu stimmigen Kompositionen führt.
Das spielerisch ambivalente Ende übertönt zuletzt vielleicht auch ein wenig, aus welch grobem Stückwerk das Fundament von „Nightmare on the Street“ in Wirklichkeit geschnitzt ist. Die Anlagen für einen Untergrund-Kultklassiker schlummern zwar theoretisch in den Genen dieser Low-Budget-No-Time-Produktion, sie werden aber in der Praxis kaum ausgespielt und kulminieren letztlich in einem hysterischen Schuss aus der Hüfte für den schnellen australischen Dollar. Wenn man schon einen doppelten Boden aushebt, um den Basisstoff komplexer zu gestalten, sollte man ihn auch mit raffinierten Winkelzügen ausfüllen; sonst bleibt man bei dem Spießrutenlauf permanent in den klaffenden Löchern stecken.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Nightmare on the Street“
Bestialische Morde, resultierend aus Kindheitstraumata – keine gute Mischung, wenn man bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz unbemerkt durch das Raster fallen möchte. „Nightmare on the Street“ hat es wegen seiner Inhalte jedenfalls schwer getroffen: Indizierung im Jahr 1989, Folgeindizierung dann noch einmal nach Ablauf der Frist im Jahr 2014.
Das sollte cmv-Laservision zunächst nicht davon abhalten, den Streifen im Jahr 2011 aus dem (gekürzten) VHS- ins (ungekürzte) DVD-Zeitalter zu überführen. Im Jahr 2022 folgte dann die Blu-ray-Premiere im Mediabook, bevor im Jahr 2024 auch die „New! Trash Collection“ im Amaray Keep Case bedient wurde.
Der Indizierungsstatus blieb dem Titel jedoch weiterhin als Makel haften. Also stellte das Label einen Antrag auf Deindizierung – und schaffte es am Ende tatsächlich, ihn freizuboxen. Mit der im August 2025 offiziell gewordenen Entscheidung ist „Nightmare on the Street“ nun also wieder frei zugänglich.
Das räumte dann auch den Weg frei für die im November 2025 erschienene Mediabook-Zweitauflage, die Anlass dieser Besprechung ist.
Die Verpackung
Es dürfte sich hier um 1:1-Repacks der beiden mit 500 bzw. 333 Stück limitierten Mediabooks aus dem Jahr 2022 handeln, die sich bis hin zum Artwork ähneln, mit der Ausnahme, dass die Neuauflagen über neue EAN-Codes verfügen.
Cover A nutzt wieder das Negativbild einer schreienden „Damsel in Distress“ im Bikini, die sich gegen eine ins Bild ragende Hand mit Glasscherbe wehrt. Dazu gibt es den deutschen Titel „Nightmare on the Street“ in stilechter 80er-Schriftart mit Farbverläufen und kursivem Titelzusatz. Die grellen Blau-Weiß-Kontraste sind praktisch ein vollautomatischer Blickfang, die Augenmuskeln sind hier völlig machtlos und ergeben sich der unwillkürlichen Steuerung freiwillig. Suggeriert wird dadurch modernes 80er-Gemetzel, das bereits jede Wendung aus den „Freitag“- und „Nightmare on Elm Street“-Streifen kennt, was der immer noch klar den 70er-Trademarks verpflichtete Streifen so natürlich nicht einlösen kann.

Das Mediabook von „Nightmare on the Street“ ist in zwei verschiedenen Coverausführungen erhältlich und kommt jeweils mit einem Booklet von Christoph N. Kellerbach.
Gegenstand dieser Besprechung ist das wesentlich schlichtere Cover B, das man beinahe übersehen könnte, wenn man es neben die A-Variante legt. Hier bekommen wir lediglich ein Kopf-Schulterportrait der Hauptdarstellerin in Frontalansicht, die in ihrer rechten Hand eine blutige Glasscherbe hält, mit der sie unmerklich den kompakten Originaltitel „Nightmares“ in zwei Teile zerschneidet. Dass die rote Silhouette aus aufgerissenen Augen im schwarz verlaufenden Hintergrund stark an das „Scream“-Poster erinnert, ist ein nettes Detail. Es handelt sich um einen handelsüblichen Mattdruck ohne besondere Hervorhebungen.
Auf dem Backcover gibt es ein paar erste Schauwerte in Form von Screenshot-Ausschnitten zu sehen, sowie ferner eine Inhaltsangabe, das gelistete Bonusmaterial und technische Informationen. Die Limitierung erfolgt anhand eines gelben Aufklebers, der auf dem Rücken befestigt ist. Beim Blick auf den neuen EAN-Code fällt auf, dass er ebenfalls als Aufkleber befestigt ist, was darauf schließen lässt, dass es sich bei dieser Neuauflage de facto um Restbestände der alten Auflage handeln dürfte. Das Keep Case der „New! Trash Collection“ von 2024 scheint hingegen im hauseigenen Shop schon nicht mehr erhältlich zu sein.
Im Innenteil finden wir eine Blu-ray und eine nicht ganz inhaltsgleiche DVD (dazu später mehr) jeweils auf der linken bzw. rechten Seite aufgesteckt; der dahinter liegende Innendruck bietet ein Exposé zweier Opfer aus dem Film und beachtet dabei sogar die Geschlechterquote (einmal weiblich, einmal männlich). Dazwischen klemmt ein 16-seitiges Booklet mit alternativem „Nightmares“-Coverentwurf, der das Mädchen aus dem Prolog in der oberen Hälfte und ein blutiges Opfer in der unteren Hälfte hochkontrastig abbildet.
Das Booklet
Im Inneren tobt sich mal wieder Tausendsassa Christoph N. Kellerbach aus, dessen Texte inzwischen reichen dürften, um eine ganze Lexikonreihe zu starten. Um die „Schlitzerkunst aus Down Under“ zu würdigen, werden ihm rund 8 Seiten Netto-Fläche zur Verfügung gestellt, die mit einem ganzseitigen Originalplakat und mehreren Szenenfotos aufgelockert werden. Kellerbach liefert zunächst einen großzügigen Einblick in John D. Lamonds frühe Jahre als Erotikfilm-Regisseur, die er mit humorvollem Unterton zu einem kleinen Krieg gegen die Zensuranstalten ausschmückt, ironische Pointe inbegriffen.
Damit wäre die Überleitung zur Produktion von „Nightmare on the Street“ gelegt, die er mit derselben anekdotischen Färbung aufrollt, begonnen bei Lamonds frecher Art, das Projekt an sich zu reißen, über den kurzfristigen Austausch der Hauptrolle bis zu bestimmten Situationen am Set und rund ums Set. Das ist wie immer recht unterhaltsam zu lesen und mündet zuverlässig immer in die Veröffentlichungsgeschichte, die auch Bezug nimmt auf die Indizierungsproblematik, bevor der letzte Absatz ein Fazit zum Film und dem Vermächtnis seines Regisseurs John D. Lamond zieht.
Das Bild
Das Bild der Blu-ray kommt in 1080p-Auflösung und liegt im ultrabreiten 2,39:1-Kinoformat vor, wodurch sich am oberen und unteren Rand breite Balken bilden. Kaum auszumalen also, wie viele Bildinformationen damals auf der VHS fehlen mussten, die noch auf 1,33:1-Vollbild maskiert war. Dass die Farben manchmal wie durch einen Regenbogeneffekt verzogen wirken und der Kontrast eher Dunkel-in-Dunkel-Kompositionen kredenzt, die so manches Ratespielchen dazu erlauben, wo das Bild aufhört und wo die Balken anfangen, dürfte mit dem Ursprungsmaterial zu erklären sein. Schärfe und Detail fallen nach der ausgewaschen wirkenden Eröffnungssequenz sehr solide aus, Bildverunreinigungen bleiben im Rahmen.
Der Ton
Beim Ton hat man die Wahl zwischen dem englischen Originalton und der deutschen Synchronisation; in beiden Fällen handelt es sich um eine Zweikanal-Monospur in Dolby Digital. Wenn man des Englischen mächtig ist, sollte man in jedem Fall die Originalspur wählen. Nicht nur ist die Synchronisation selbst als suboptimal zu bezeichnen, auch scheint der M&E-Track im Zuge der Abmischung ein paar Mal zu oft durch einen Filter gejagt worden zu sein, so dass alles abgesehen von den Stimmen stumpf und detailarm klingt. Den Qualitätsunterschied merkt man beim Wechsel zur englischen Spur augenblicklich. Gleichwohl auch diese mit etlichen Mängeln zu kämpfen hat (ein dezentes Hintergrundrauschen, Zischlaute in gewissen Dialogabschnitten), ist zumindest die Abmischung ausgewogen. Generell harmoniert der O-Ton sehr gut mit dem, was man da auf der Mattscheibe zu sehen bekommt.
Der Audiokommentar
Zusätzlich zu den beiden Audio-Optionen findet man noch einen Audiokommentar, der 2011 enstanden ist und vermutlich erstmalig auf der australischen DVD von Umbrella zu hören war. Der australische Regisseur Mark Hartley, den man unter anderem vom „Patrick“-Remake aus dem Jahr 2013 kennt, übernimmt hier die Rolle des Moderatoren im Gespräch mit Regisseur John D. Lamond, den er über verschiedene Aspekte der Produktion befragt. Nun ist es ja so, dass cmv-Discs üblicherweise über keinerlei Untertitel verfügen; dieser Titel macht da keine Ausnahme.
Selten jedoch war das Fehlen von Untertiteln so problematisch wie hier. Möchte man wirklich verstehen, was der damals 64-Jährige zu sagen hat, sollte man sich wohl mit dem Stethoskop an den Lautsprecher heften, denn Lamond nuschelt wirklich wie ein Weltmeister und wirkt fatalerweise obendrein auch noch völlig kraftlos. Das macht es sehr anstrengend, am Ball zu bleiben. Hartley immerhin gibt als Moderator sein Bestes, das Gespräch mit Hintergründen zu versehen und neue Themen aus dem Hut zu zaubern.
Die Extras
Auch über den Audiokommentar hinaus hat die Blu-ray so einige Extras zu bieten, die auf der DVD-Edition noch nicht zur Verfügung standen, da die nordamerkanische Disc von Umbrella, die Quelle der deutschen Blu-ray gewesen sein dürfte, erst im Jahr 2023 erschienen war.
Über die längste Laufzeit verfügt ein 28-minütiger Interview-Zusammenschnitt, dessen Material aus der 2008 erschienenen Dokumentation „Not Quite Hollywood“ von Mark Hartley stammt. Den Anfang macht John D. Lamond, dessen Ausführungen zumindest akustisch zum Glück deutlich besser verständlich sind als noch im Audiokommentar, so dass allenfalls sein Akzent eine Hürde bleibt. Der Regisseur und Produzent referiert über Themen wie die Besetzung des Films und gewisse behördliche Richtlinen, die letztlich auch einen Einfluss auf das finale Resultat ausgeübt haben. Das Wort übernimmt dann Schauspielerin Nina Landis, die sich ihre Rolle der Judy deswegen ausgesucht hat, weil sie als einzige – kleiner Spoiler bis zum Ende des Satzes – nicht sterben muss, während sie Sex hat, wie sie schmunzelnd ausführt.
Hauptsächlich verliert sie Worte über ihre Kollegen und erwähnt auch im Fazit, dass sie dankbar ist für die Erfahrungen und Erinnerungen, die sie am Set sammeln konnte, gleichwohl sie keinen Hehl daraus macht, dass „Nightmare on the Street“ nicht unbedingt zu den Sternstunden ihrer Karriere gehört, zumal Horror nicht unbedingt ihr favorisiertes Genre ist. Dass sie sich trotzdem zu diesem Interview bereiterklärt hat, spricht für sie. In den letzten sechs Minuten kommt dann Kameramann Garry Wapshott zu Wort. Er bringt noch einmal eine spannende, technisch-künstlerische Perspektive ein, indem er nicht nur seine Arbeit an der Steadicam ausführt (und sich dabei aufgrund der häufig genutzten Egoperspektive selbst als Killer bezeichnet), sondern auch Hitchcock-Einflüsse und den Bedarf an Nacktheit und Blut erörtert. Nebenbei wird dadurch auch ein Teilbereich der australischen Filmindustrie umschrieben.
In der Featurette „Confessions of an R-Rated Movie Maker“ sitzt John D. Lamond auf dem Bett eines Hotelzimmers und sinniert darüber, wie der erotische Film zu seiner aktiven Zeit wahrgenommen wurde, wie sich die Wahrnehmung erotischer Szenen danach ausrichtet, ob sie in einem Exploitation- oder Arthaus-Film gezeigt werden, und was ihn persönlich daran gereizt hat, in diesem thematischen Bereich tätig zu sein. Bei dieser Gelegenheit kommt es auch zu einem kleinen Rundumschlag gegen die Kritiker, was die ohnehin recht gesicherte Annahme, derjenige aus „Nightmare in the Street“ sei eine persönliche Abrechnung mit einem Herrn dieser Sorte gewesen, noch einmal bekräftigt.
Mit an Bord sind auch die entfernten Szenen (9 Min.), wobei diese lediglich in der Qualität eines abgenudelten VHS-Tapes vorliegen. Allzu aufregend wird es allerdings nicht: Es gibt ein paar zusätzliche Bühnendarbietungen der Theaterdarsteller mit weiteren genervten Anweisungen von Max Phibbs, sowie die ein oder andere Dialogszene zu Tisch, im Bett oder auf einer Parkbank – nichts im Endeffekt, was man in der fertigen Schnittfassung vermissen würde.
Hinzu gesellt sich der Trailer, der TV-Spot und eine kurze Bildergalerie (1 Min.) mit Postern, Aushängen, Szenenbildern und Portraitfotos der Hauptdarstellerin. Den Abschluss machen drei Werbetrailer zum Programm von cmv-Laservision.
Die DVD
Gewohnt ist man es normalerweise, dass die DVD in einem Mediabook lediglich die Daten der Blu-ray in Standard-Definition-Auflösung spiegelt. Das ist diesmal nicht der Fall, da hier wohl schlichtweg die alte DVD von 2011 neu aufgelegt wurde. Die bietet den Hauptfilm mit den gleichen Ton- und abgesehen von der Auflösung auch Bildspezifikationen wie die Blu-ray, hat aber ein alternatives Bonuspaket an Bord. So findet man zwar auch hier den Originaltrailer und die Bildergalerie, ferner jedoch eine Trailershow: „The ABC of Love and Sex“, „Felicity“, „Pacific Banana“, „Breakfast in Paris“ und „Sky Pirates“ liefern dabei eine kleine Werkschau über John D. Lamonds sonstiges Schaffen.
Fazit
„Nightmare on the Street“ mag vielleicht kein Slasher-Pflichtprogramm sein, hat aber gerade in Hinblick auf sein Produktionsland doch eine gewisse Relevanz bewahrt… und ist aufgrund des Meta-Settings und der schrillen Schauwerte unterhaltsamer, als er eigentlich sein dürfte. Schön, dass man ihn mit dieser Mediabook-Zweitveröffentlichung nun zum ersten Mal in nicht-indizierter Form in HD-Qualität zu sehen bekommt.
Bildergalerie zu „Nightmare on the Street“

Helen war schon als Kind ein Teufelsbraten.

Das große Warten auf „Action!“.

Von den Rängen bietet sich dem Akteur eine ganz neue Perspektive auf das eigene Schaffen.

Karomuster sind doch einfach zeitlos.

Diesem Kritiker soll man nicht nachsagen, er habe sich dem Bühnenstück nicht mit voller Aufmerksamkeit gewidmet.

Besorgen Sie sich am besten heute noch Ihre Mordwaffe. Jetzt überall, wo es Spiegel gibt.

Der Regisseur und der Kritiker: Natürliche Rivalen unter sich.

Dumm gelaufen.
Sascha Ganser (Vince)
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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
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