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Apex

Originaltitel: Apex__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Edward Drake__Darsteller: Bruce Willis, Neal McDonough, Alexia Fast, Lochlyn Munro, Megan Peta Hill, Corey Large, Eric Buarque, Trevor Gretzky, Nels Lennarson, Joe Munroe u.a.
Apex mit Bruce Willis

Bruce Willis gerät in “Apex” in eine Menschenjagd.

Direkt zu Beginn des Actionstreifens „Apex“ kommt man als Bruce-Willis-Fan nicht umhin, ordentlich zu feiern. Führt der Streifen den Charakter des Actionstars doch ein mit: „Er war mal richtig gut, jetzt ist aber nicht mehr viel mit ihm los!“ Blitzt da Selbstironie durch? Und es gibt derlei Momente mehr. Wenn Willis’ Charakter im Film noch einmal umrissen wird, fallen doch tatsächlich Bonmots wie: „Er ist zufällig immer am falschen Ort zur falschen Zeit.“ „Einziger Überlebender eines Zugunglücks.“ Oder: „Er wurde an einem Flughafen in den Rücken geschossen.“ Hier waren echte Fans am Wirken, wie es scheint.

Als Fan geht man zudem mit etwas Hoffnung an „Apex“, denn dieser stammt von 308 Ent. aka 308 Enterprises, die schon bei „Anti-Life“ und „Cosmic Sin“ bewiesen haben, dass sie den drehfaulen Star nicht nach zwei Drehtagen vom Set lassen. Und wirklich: Bruce Willis hat in „Apex“ die Hauptrolle inne. Er prangt also endlich mal wieder nicht grundlos auf dem Cover.

Dieses Mal spielt er einen Ex-Polizisten namens Thomas Malone. Der sitzt wegen diverser Vergehen im Dienst ein – lebenslänglich. Da tritt die Firma Apex an ihn heran. Die verspricht ihm die Freiheit, wenn er an einer ihrer Menschenjagden als Beute für abgefuckte, superreiche Psychopathen teilnimmt.

Malone ergreift den Strohhalm und bereitet seinen Jägern, angeführt von dem von seinem Alltag angeödeten Dr. Samuel Rainsford, alsbald eine Menge Kopfzerbrechen.

Schaut in den Menschenjagdfilm mit Bruce Willis hinein

Nun hat also auch Bruce Willis („Midnight in the Switchgrass“) seinen ganz eigenen Menschenjagdfilm-Eintrag in seiner Filmographie. Und er hat sich, so scheint es eine ganze Weile, nicht einmal den allerschlechtesten Beitrag ausgesucht. Denn „Apex“ kommt wirklich verdammt schnell zur Sache. Nach 20 Minuten machen die Jäger hier bereits Jagd auf ihre Beute. 20 Minuten, in denen eine eingehende Menschenjagd zu einem Ende gebracht, die Erzählzeit in der Zukunft verortet und Thomas Malone ebenso hinreichend ausführlich vorgestellt wurde wie der kranke Geist in Samuel Rainsford.

Ein ordentlicher Start, der auch den Handlungsort, Apex Island, präsentiert und die Regeln des Spiels etabliert. Allerdings bekommt man schon beim Start zu schlucken. Zum einen fragt Thomas Malone zweimal, ob sich die Jäger eigentlich auch untereinander killen können. Tut man dies zunächst noch als plumpen Manipulationsversuch der psychisch durchweg nicht ganz sauberen Jäger durch Malone ab, wird leider genau dieses Element handlungsbestimmend. Das geht soweit, dass Willis’ Figur bis kurz vor Schluss niemanden killt!

Eine höchst seltsame Entscheidung des Drehbuches, die gleichzeitig aber auch die Screentime von Bruce Willis verkürzt und vermutlich genau deshalb gefallen ist. Denn obschon der Mime hier tatsächlich von der ersten bis zur letzten Minute präsent wirkt, ist er es nicht. Er gönnt sich schon einige Auszeiten – allerdings bei weitem nicht in dem Ausmaß seiner Emmett-Furla-Oasis-Auftritte. Das größte Problem dieser Entscheidung: Für eine lange Zeit killen sich uninteressante Figuren untereinander und der Held guckt meist von weitem zu. Der Spannung will das gar nicht gut tun.

Der zweite Punkt an „Apex“, der schlucken lässt: Es fehlt eine rechte Motivation für Thomas Malone. Ab und an scheint das Drehbuch selbst nicht mehr zu wissen, wie es seine Figur eigentlich antreiben soll. So heißt es zu Beginn, dass er seine lebenslange Haft verkürzen könne. Als er selbst wenig später fragt, was eigentlich passiert, wenn er alle Jäger killt, fällt seinem Gegenüber, dass ihm vor kurzem noch die Freiheit versprach, nichts ein. Zudem bekommt Malone außer Überleben kein rechtes Ziel. Beispielsweise, dass er einen speziellen Ort erreichen muss, oder nur so und soviel Zeit hat. Dass mit der Zeit wird dann mitten im Film doch noch in den Ring geworfen, bleibt aber vollkommen egal.

Dementsprechend motiviert latscht Bruce Willis dann auch als Held durch einen allgegenwärtigen Laubwald. Er sucht keine Deckung, achtet nicht auf Geräusche, hält niemals großartig Ausschau. Stattdessen wandert er einem alten Rentner gleich über Waldwege, isst Brombeeren und stöhnt bei jedem zu erklimmenden Hügel. Was ein glorreicher Held.

Kurzum, in seinem Mittelteil verliert „Apex“ seine Zuschauer, amüsiert nur mit dem einen oder anderen Nöl-Moment von Malone oder irritiert dank des Overactings mancher Jäger beziehungsweise angerissener, aber nie zu einem Ende gebrachter Hirnfürze, wie Visionen auslösende Beeren. Auch Ideen um Schutzschilde und ein überraschend umfangreiches Waffenarsenal sorgen immer mal wieder für Schübe kurzen Interesses.

So richtig startet „Apex“ nach einem guten Start erst in seinem letzten Drittel durch. Denn plötzlich schafft das Drehbuch schübeweise Opfermaterial für Malone heran und ebenso plötzlich darf der tatsächlich zeigen, dass die bislang gefallenen Behauptungen um seine enorme Gefährlichkeit doch nicht ganz an den Haaren herbeigezogen sind. ENDLICH gibt es amtlich Gekille, spritzt das (häufig digitale) Blut und werden Menschen angezündet. Derartige Nicklichkeiten gab es vorher auch schon zu bestaunen, aber eben extrem weiträumig über den Film verteilt.

Schade ist dabei, dass alle Kills selten von Action umrahmt sind. Dementsprechend waren bei den Dreharbeiten laut Credits auch keine Stuntmen am Set. Es gibt also keinerlei komplexere Actionszenarien. Keine Keilereien, keine langen Schussduelle. Nichts. Stattdessen taucht meist irgendwer hinter irgendwem auf, es wird kurz gelabert und dann beißt irgendwer nach einem Schuss ins Gras.

Ein echtes Highlight ist der Showdown des Filmes. In dem stehen sich Bruce Willis und der für diesen Film viel zu geil spielende Neal McDonough (Rainsford) gegenüber. Während Neal McDonough („Company of Heroes“) wieder wunderbar zynischen Scheißdreck von sich geben darf, wird das von Bruce Willis herrlich trocken abgeschmettert. Beinahe wähnt man sich zurückversetzt in gute alte Zeiten. Auch das herrliche Lächeln von Willis, während das Mündungsfeuer der Waffe, die er soeben abfeuert, in seinen Augen reflektiert wird, ist einfach nur absolut köstlich.

In technischer Hinsicht ist „Apex“ durchaus ansprechend geraten. Zwar ist der Schauplatz des Laubwaldes nun nicht der Reißer, aber atmosphärisch echt schöne Bilder von Drohnenkameras, Schnittbilder einer zukünftigen Stadt, nett umgesetzte Special Effects um Hologramme, Transportdrohnen und irgendwo auftauchende Screens wissen zu gefallen. Musikalisch hingegen ist hier leider gar nichts zu holen. Nur ein elektronisches Musikstück im Abspann sorgt noch einmal für interessiert hochgezogene Augenbrauen.

„Apex“ bietet eine holprige Menschenjagd

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der Fans von Bruce Willis nahe gelegt werden kann. Die erleben ihren Star mal wieder länger als zehn Minuten in einem Film und werden sich hier und da tatsächlich an gute alte Zeiten erinnert fühlen. Dem stehen manch echt gelangweilte Waldspaziergänge gegenüber und Erzählperspektiven, die Willis trotz Hauptrolle immer mal wieder in die zweite Reihe degradieren.

Alle Actionfans ohne Willis-Fokus werden mit „Apex“ wohl nicht sonderlich glücklich werden. Der Menschenjagd fehlt es einfach an Spannung, Drive, Intensität und dem Willen zu echtem Spektakel. Zudem gehen einem manche der Jäger, denen vom Drehbuch viel zu viel Screentime zugestanden wird, teils ziemlich auf den Zünder. Nicht nur wegen der Anlage ihrer Figuren, sondern auch mangels schauspielerischen Talents. Megan Peta Hill ist die größte Katastrophe im Cast, dicht gefolgt von Lochlyn Munro („Slayed“), der sich hier total zur Feile macht.

Der größte Hit des Filmes ist aber ganz sicher Neal McDonough. Der Mime hatte sichtlich Bock auf seine wundervoll eiskalte Bösewichtrolle! Auch wegen ihm ist „Apex“ meiner Meinung nach die beste Kollaboration zwischen Bruce Willis und 308 Ent. So richtig geil macht das den Film aber trotzdem nicht.

4 von 10

In Deutschland hat sich das Label Palatin Media der Auswertung des Streifens angenommen. Bild- und Tonqualität überzeugen, bis auf einen Trailer gibt es aber keinerlei Extras zum Film. Dafür gibt es einen Fehler auf dem Backcover zu entdecken, der Fans von filmischen Menschenjagden SOFORT auffallen wird. „Apex“ ist auf DVD und Blu-ray mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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