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Cable Guy – Die Nervensäge

Originaltitel: The Cable Guy__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: Ben Stiller__Darsteller: Jim Carrey, Matthew Broderick, Leslie Mann, Jack Black, George Segal, Diane Baker, Ben Stiller, Eric Roberts, Janeane Garofalo u.a.
Cable Guy DVD Cover vom Jim Carrey Film

Jim Carrey darf als “Cable Guy” auf- und überdrehen!

Als ich „Cable Guy“ das erste Mal gesehen habe, war ich von dem Streifen wenig begeistert. Nach Jim Carreys Superhits „Ace Ventura“, „Die Maske“, „Dumm und Dümmer“ und vor allem dem in meinen Augen absolut grandios irren „Ace Ventura 2“ wollte die Komödie von Ben Stiller bei mir absolut nicht zünden. Hier passte gefühlt vieles nicht zusammen. Jahre später sieht das durchaus ein wenig anders aus.

Als wir Steven kennenlernen, ist dessen Beziehung zu seiner Freundin Robin gerade in die Brüche gegangen und er zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Aktuell erwartet er den Besuch des Kabelmannes, der seinen TV ans Kabelnetz anschließen soll. Ein guter Kumpel hat Steven geraten, den Kabelmann zu fragen, ob er ihm für einen kleinen Obolus nicht auch die Pay-TV-Kanäle freischalten könne – zur Bekämpfung der Einsamkeit.

Der geradlinige, verklemmte, stinklangweilige Steven ist von diesem Vorschlag wenig überzeugt, doch er fasst erstaunlich schnell Vertrauen zu dem kauzigen Kabelmann, der ihn besucht. Also bittet er ihn doch, ihm die Pay-TV-Sender freizuschalten. Der Kabelmann macht nur wenig Aufhebens um die Bitte und öffnet Steven die Tür zur wunderbaren „Zahl für Guck“-Welt. Doch blöderweise verkennt er Stevens sehr freundlichen Dank als Angebot, sein bester Freund werden zu wollen.

Mehr und mehr drängt der Kabelmann nun in Stevens Lebens. Zunächst denkt sich Steven nicht viel dabei und nutzt die Möglichkeit zum Zeitvertreib gerne. Doch der Kabelmann zündet immer neue Stufen in der Männerfreundschaft, die Steven teils eine Menge Ärger einbringen. Als er dem Kabelmann darum die Freundschaft kündigt, macht der Steven das Leben richtig zur Hölle.

Schaut in die Komödie mit Eric Roberts hinein

Die schwarze Komödie von Ben Stiller ist in erster Linie das Psychogramm eines einsamen Menschen, der sich als reichlicher Soziopath entpuppt. Dem Genre der Komödie geschuldet, will diese dunkle Seite Hauptfigur Steven lange Zeit gar nicht auffallen, was aufgrund des entfesselt aufspielenden Jim Carreys als Kabelmann wenig plausibel erscheint, allerdings beim Zuschauer die Lust an dem, was da noch kommen wird, exponentiell steigert.

Wie gefährlich der Kabelmann tatsächlich ist, offenbart sich dementsprechend zunächst gar nicht so sehr in seiner Freundschaft zu Steven, sondern in kleinen Szenen, in denen andere „Freunde“ des Kabelmannes auftauchen und einen teils verstörend verängstigten Eindruck machen. Doch je länger die beiden Männer „befreundet“ sind, umso mehr lässt Ben Stiller „Cable Guy“ eskalieren. Ein frühes Highlight ist eine irre Nummer in einem Mittelalter-Lokal, bei dem sich bereits überdeutlich zeigt, dass Carreys Figur keinerlei Grenzen kennt. Hernach wird die Situation für Steven immer schlimmer. Er landet im Knast, verliert den Job und irgendwann macht sich der Kabelmann gar an Robin heran.

Das ist alles wenig feinfühlig in Szene gesetzt, beweist aber ein starkes Gespür für eine lustvoll in Szene gesetzte Steigerungsspirale, die keinerlei Langeweile aufkommen lässt, durchaus auch eine gewisse Spannung transportiert und in einen saustarken Showdown mündet, in dem der Kabelmann absolut genial zur Szenerie passend Filme wie „Goldeneye“ oder „Waterworld“ zitiert.

Die große Jim-Carrey-Show und ihre Gaststars

Das starke Finish gehört dabei ebenso wie der gesamte Film durch und durch Jim Carrey („Kick-Ass 2“). Ben Stiller („Zoolander“) legt seinen Star gefühlt zu keiner Sekunde an die Leine und lässt diesen wild improvisierend mit seinem Gummigesicht und enthemmt herumwackelnden Gliedmaßen durch den Film toben. Alleine wegen dieser Performance geht dem Film jedwede Art von Feinfühligkeit ab. Auch gerät das Portrait des kranken Geistes im Kabelmann dadurch extrem grob und heftig überzeichnet, aber dem Unterhaltungsfaktor ist diese Herangehensweise mehr als zuträglich.

Matthew Broderick („Ferris macht blau“), selbst ja ein versierter Komödiant, steckt zugunsten seines Kollegen Carrey extrem zurück. Legt seinen geerdeten, fast schon ein wenig zu ruhigen und langweiligen Steven als Stichwortgeber für Carrey an und tritt uneitel in die zweite Reihe zurück. In Nebenrollen sieht man noch ein paar weitere bekannte Comedians aus dem Dunstkreis Stillers. Owen Wilson („No Escape“) etwa gibt einen eitlen Gockel, der sich an Stevens Robin heranmacht und dafür vom Kabelmann ordentlich bestraft wird. Jack Black („Jumanji“) fungiert als Stevens bester Kumpel in dessen Job. Janeane Garofalo („Cop Land“) gibt die Bedienung im Mittelalter-Restaurant und Leslie Mann („Der Sex Pakt“) sieht als Robin mit ihrem makellosen Äußeren aus, wie aus Photoshop herauskopiert.

Ben Stiller selbst hat sich auch eine kleine Rolle zugeschanzt. Auf TVs und Leinwänden ist er immer wieder als Teil eines Bruderpaares zu sehen, der seinen Blutsverwandten brutal gemeuchelt hat, wofür ihm einer der üblichen Jahrhundertprozesse gemacht wird. Rund um diese Szenerie hat auch Eric Roberts („The Expendables“) einen steilen Gastauftritt. Der medial brutal ausgeschlachtete Jahrhundertprozess soll nämlich natürlich auch verfilmt werden. Wir bekommen auf einem Fernseher bereits den Trailer zum Film gezeigt. In diesem spielt Roberts das Bruderpaar.

In optischer Hinsicht kann man dem insgesamt überraschend düsteren, mit gedeckten Farben agierenden und hochwertig in Szene gesetzten „Cable Guy“ keinerlei Vorwürfe machen. Die souveräne Optik ist es dann auch, die den Film nicht allzu überholt wirken lässt – ganz im Gegenteil zu den präsentierten technischen „Highlights“ und dem Abfeiern des ach so revolutionären Mediums Fernsehen.

„Cable Guy“ macht Laune, könnte aber weitaus giftiger sein

Knapp 25 Jahre nach meiner Erstsichtung von „Cable Guy“ habe ich mich trotz der eher verhaltenen Erfahrungen doch noch einmal an den Film herangewagt. Der Grund ist simpel: Ich wollte einfach wissen, welche Rolle Eric Roberts in dem Film spielt. Denn an ihn konnte ich mich weiß Gott nicht mehr erinnern. Nach der Zweitsichtung würde ich dann auch mein Urteil zum Film etwas revidieren. Im Gegensatz zur Erstsichtung wurde ich nämlich erstaunlich gut von dem Film unterhalten. Obendrein habe ich es genossen, das olle Knautschgesicht Jim Carrey mal wieder total enthemmt über den Bildschirm toben zu sehen.

Dabei gelingen durchaus denkwürdige Szenen. Genannt sei in erster Linie die irre Karaoke-Performance, die auch inszenatorisch richtig stark gelungen ist. Auch der schwarzhumorige Ton, der mir damals gefühlt ein wenig entgangen ist, hat mich heuer durchaus erreicht. Wenngleich sich genau da ein für mich neuer, großer Schwachpunkt des ganzen Filmes auftut. Denn für eine schwarze Komödie ist „Cable Guy“ einfach viel zu oberflächlich und zu sehr auf ihren Star und dessen offensiven Humor ausgerichtet. Vor allem das Psychogramm von Jim Carreys Figur hätte einfach viel dunkler ausfallen müssen, ein paar kritische Stimmen zu den im Film eigentlich allgegenwärtigen Medien wären ebenfalls witzig gewesen und letzten Endes fallen viele Szenen und vor allem das Finale zu konsequenzlos und einfach viel zu harmlos aus.

Kurzum: Es fehlt, wenn man so will, an Gift und Galle. Und trotzdem ist „Cable Guy“ bei weitem nicht so übel, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber so richtig rund läuft er trotzdem nicht.

06 von 10

Eine deutsche DVD erschien von Columbia Tri Star/Sony Pictures, die mit einer FSK 12 ungeschnitten ist. Auf Blu-ray hat es der Film in Deutschland nie geschafft. Hierfür muss man gen UK oder USA schauen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Clumbia Tri Star/Sony Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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