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Concrete War

Originaltitel: The Last Hour__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: William Sachs__Darsteller: Bobby Di Cicco, Raye Hollitt, George Kyle, Robert Miano, Michael Paré, Robert Pucci, Danny Trejo, Shannon Tweed, Thomas Nelson Webb u.a.
Concrete War

Michael Pare ballert sich durch ein Hochhaus in “Concrete War”.

Jeff und Eric betreten die Szenerie. Susan, das Objekt beider Begierde, hängt tot unter dem Dachfirst. Und irgendwo vermuten unsere beiden Helden die Henchmen des Oberbösewichtes. Einen kernigen Spruch später steigt der Film wieder aus der Szene aus und zeigt uns, welche Ereignisse in den letzten Stunden zu dieser Situation hinführten. Ein dramaturgischer Kniff, der sich heute vor allem bei Serien größter Beliebtheit erfreut, bei Filmen allerdings eher seltener angewendet wird.

„Concrete War“ geht nun zwölf Stunden zurück. In einer Parallelmontage zeigt er, wie Eric über seine Susan drüber steigt, während ein paar Bad Guys ihre Knarren durchladen und in das überdimensionierte Anwesen der beiden Turteltauben eindringen. Derweil „Schnellschütze“ Eric sich im heimischen Pool abkühlt, schlagen die Lumpen zu und schnappen sich Susan.

Jeff, der Ex-Ehemann von Susan, bemerkt ihr Fehlen als erstes, denn der anhängliche Cop wollte seiner holden Ex einen Überraschungsbesuch abstatten und steht nun vor vollendeten Tatsachen. Die Ex ist weg, ihr neuer Stecher plantscht halbnackt im Pool und die Fieswichte wollen mal eben mehrere Millionen Dollar Lösegeld. Von Eric. Der Ex-Broker habe sie vor Jahren übers Ohr gehauen, ihnen eine riesige Summe Geld abgenommen und das damalige Oberhaupt der Organisation umgebracht. Jeff will nun die Übergabe nutzen, um den Bäddies ordentlich einen Scheitel zu ziehen…

Genießt den schön männlich eingesprochenen Trailer zu “Concrete War”

„Concrete War“ verknüpft zwei beliebte Topoi des Actionkinos: Das Buddy-Movie trifft auf die „Stirb Langsam“ Routine. Denn freilich sind sich Eric und Jeff spinnefeind. Immerhin hat sich Eric Jeffs Ex geschnappt und spielt mit ihr nun heile Welt. Zwar beschließt man, zugunsten von Susan zusammenzuarbeiten, das hindert unsere beiden Helden aber nicht, sich permanent anzufrotzeln und sich schon einmal richtig zu wammsen, während die Bösewichter beide unter Beschuss nehmen.

Gerade das Buddy-Movie-Element funktioniert in „Concrete War“ verdammt gut, da der farblose und blasse Yuppie Eric schon per se einen tollen Kontrapunkt zum hemdsärmligen und zupackenden Jeff abliefert. Doch auch nach den „Stirb Langsam“-Elementen muss man nicht lange suchen. Susan wird als Geisel in einem Hochhaus gehalten. In den unterschiedlichen Stockwerken warten immer neue Gegner für Eric und Jeff und am Ende kopiert man das Finale von „Stirb Langsam“ beinahe 1:1 – Geldregen inklusive. Glücklicherweise stehen sich beide Topoi niemals im Weg, was noch dadurch unterstützt wird, dass der Film mit zunehmender Laufzeit immer mehr die Ironie für sich entdeckt! Vor allem der zunächst langweilige Score wird richtiggehend augenzwinkernd.

Problematisch ist im Grunde nur die erste halbe Stunde. Denn nach dem unmittelbaren Einstieg, der den Zuschauer mitten in die Handlung hinein wirft, haut Regisseur William Sachs („Hot Chili“ hihihi, ja, da hats Titten!!!) mit Karacho die Handbremse rein! Die Entführung von Susan gestaltet sich total langweilig. Die Morde an den Bediensteten geschehen im Off und auch das Auftauchen von Jeff bringt keine Bewegung in die Chose. Dann dürfen die Bäddies schon zu Beginn der eigentlichen Handlung all ihre Motive offen legen. Das machen sie so beherzt, dass man unbewusst zur Uhr zu blicken beginnt.

Auch als Eric und Jeff in dem Hochhaus ankommen, will „Concrete War“ einfach nicht durchstarten. Man schaut den Helden beim Fahrstuhlfahren zu, beobachtet eine unfassbar dämlich konstruierte Befreiung von Susan und eine noch viel dämlicher konstruierte erneute Geiselnahme der aparten Blondine. Dann geht einem Eric auch noch ziemlich am Arsch vorbei. Ich meine, hey, wer hält heutzutage noch auf einen Broker, der das Geld anderer verzockt? Und die Bösewichter tragen zwar durchaus Charakterfressen mit sich herum (Ein „junger“ Danny Trejo („Machete Kills“) darf zum Beispiel mitwüten), wirken aber irgendwie nie so recht bedrohlich.

Nach zähem Start legt “Concrete War” mit Michael Pare in der zweiten Hälfte ordentlich zu

Doch dann fängt sich „Concrete War“. Die Actionschlagzahl nimmt zu. Die Shootouts geraten blutig, es gibt ein paar zynische Sprüche der Helden, Danny Trejo wird zermantscht und allgemein wird es eben endlich ein wenig ruppiger. Zwar wird die Action niemals spektakulär, ist aber durch die Bank sauber und zupackend inszeniert. Etwas eigenwillig muten eigentlich nur jene Szenen an, in denen der Regisseur ganze Sequenzen in Zeitlupe zerdehnt, und dabei jegliches Gefühl für Timing missen lässt.

Dabei gelingen zwar starke Einzelmomente – etwa mit passenden Sounds untermalte Bilder von Patronenhülsen, die Treppenstufen hinabtanzen -, im Großen und Ganzen funktionieren diese Slow-Motion-Szenen aber kaum. Glücklicherweise nutzt sie der Regisseur nicht allzu oft. Leider gönnte man den Helden aber nur sieben Opponenten, was auch ein Grund dafür sein dürfte, dass „Concrete War“ erst relativ spät in die Gänge kommt. Etwas langweilig ist leider auch das Setting, in der die Action steigt. Denn dadurch, dass in dem Hochhaus angeblich noch gebaut wird, sehen alle Sets gefühlt gleich aus. Und da man die Figuren alle fünf Minuten in den gleichen Fahrstuhl steckt, beschleicht einen schnell das Gefühl, dass hier tatsächlich nur ein oder zwei Räumlichkeiten und ein paar Gänge für die Dreharbeiten genutzt wurden.

Darstellerisch geht der Film vollkommen in Ordnung. Michael Pare („Astrocop“) muss zwar eine seltsame „Riggs“-Gedächtnisfrisur (ihr wisst schon, Mel Gibson in „Lethal Weapon“) vor sich hertragen, darf hier aber mal seine Actionman-Qualitäten unter Beweis stellen und über Tresen sliden und Lumpen umnieten. Als Held der Chose ist er eh deutlich überzeugender als der etwas farblos wirkende, aber stimmig agierende Robert Pucci. Die menschliche Unterlage beider Helden gibt Playboy-Bunny Shannon Tweed („Der Kampfgigant 2“), die hier auch ihre nackten Hupen ins Bild halten darf. Die restlichen Darsteller werden von den drei soeben genannten Darstellern umgenietet und sterben durchaus glaubwürdig.

“Concrete War” ist ein unterhaltsamer “Stirb Langsam”-Klon im “Lethal Weapon”-Gewand

„Concrete War“ mag also durchaus nach einem netten kleinen Actionknallbonbon klingen, hat aber leider diverse Problemchen, die einen Aufstieg in den Actionolymp verwehren. Die harte und blutige Action kommt zu sporadisch auf und ist unvorteilhaft am Ende des Filmes geballt. Die Story passt auf einen Bierdeckel (inklusive Abspann) und die Figurenzeichnung ist ebenfalls sehr dünn. Der absolute Abschuss ist dahingehend der Umgang der handelnden Figuren mit dem Schicksal von Eric. Auch das Setting wird einfach nicht genügend ausgenutzt und wenigstens einen Flur des Hauses hätte man auch mal sprengen können. Allgemein fehlen eben wirklich spektakuläre Actionmomente. Auch Spannung verirrt sich kaum in den Film. Dafür trägt der Film viele ironische Momente vor sich her, ist insgesamt ganz flott, hat in Pare einen coolen Helden und ist versiert und sauber inszeniert. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer „Lethal Weapon“-Wiedergänger im „Stirb Langsam“-Setting.

6 von 10

Die deutsche VHS von Highlight ist uncut und ab 18 freigegeben. Das Tape war eine ganze Weile indiziert, flog unlängst aber wieder von der Liste der jugendgefährdenden Schriften. Vielleicht nimmt sich nun jemand dieses B-Streifens an und veröffentlicht ihn auf DVD oder Blu-ray. Mir ist ansonsten nämlich nur eine relativ happig bepreiste, spanische DVD von „Concrete War“ bekannt.

In diesem Sinne:
freeman

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