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Dog Eat Dog

Originaltitel: Dog Eat Dog__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Paul Schrader__Darsteller: Nicolas Cage, Willem Dafoe, Christopher Matthew Cook, Louisa Krause, Kayla Perkins, Paul Schrader, Magi Avila, Melissa Bolona, Reynaldo Gallegos, John Patrick Jordan, Omar J. Dorsey u.a.
Dog Eat Dog

Nicolas Cage und Willem Dafoe spielen in der unausgegorenen schwarzen Komödie “Dog Eat Dog” stark auf.

„Dog Eat Dog“ basiert auf dem gleichnamigen Roman (Deutscher Titel: „Der letzte Coup“) von Edward Bunker (1933-2005). Der Schriftsteller konnte für sein Gaunerstück auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, denn als Jugendlicher wurde er aufgrund verschiedenster Gaunereien einmal zu zehn und einmal gar zu 14 Jahren Haft verurteilt. Im Knast entdeckte er das Schreiben und betätigte sich hernach als Schriftsteller und Schauspieler (unter anderem war er in „Reservoir Dogs“, „Express in die Hölle“ und „Running Man“ zu sehen). Ihm war gelungen, was seinen „Dog Eat Dog“-Helden nicht vorbehalten sein soll: Der Absprung aus dem kriminellen Milieu…

Die Verbrecher Troy, Diesel und Mad Dog haben sich hinter schwedischen Gardinen kennengelernt und angefreundet. Als alle drei in Freiheit vereint sind, beschließen sie, gemeinsam diverse „Gigs“ an Land zu ziehen. Erste Erfolge stellen sich schnell ein. Doch der Katzenjammer nach den eher mies bezahlten, bedeutungslosen Jobs ist immer wieder aufs Neue groß. Ein wirklich großer Job muss her… Ein Job, nach dem man sich auch zur Ruhe setzen könnte.

Die Gelegenheit klopft alsbald unvermutet an die Tür. Die drei ungleichen Gauner sollen ein Kind kidnappen. Die 750 000 winkenden Dollar lassen jedwede Bedenken flott nichtig werden. Doch bei dem Kidnapping läuft nicht wirklich alles rund. Obendrein schaffen es die drei, ausgerechnet den Mann zu töten, von dem man eigentlich das Lösegeld erpressen wollte…

Die Mär von den Gangstern, die es weder schaffen redlich zu werden noch den Coup ihres Lebens zu landen, ist alles andere als neu. Und Regisseur Paul Schrader („Ein Mann für gewisse Stunden“) gewinnt ihr auch nicht wirklich neue Seiten ab. Dafür verpasst er der Story einen tiefschwarzen Humor, der dank absurder Dialoge sogar die eigentlich wenig erquickende Beseitigung einer Leiche zum tarantinoesk angehauchten Happening werden lässt. Leider schießt Schrader derartig überzogene Momente in zu niedriger Frequenz ab, um vollkommen von den Unzulänglichkeiten des Skripts ablenken zu können.

Das verliert nach dem Kidnapping nämlich jedwede Stringenz und Spannung aus dem Auge. Seltsamerweise scheint die Entführung keinen zu jucken. Die Entführten tauchen in keiner Szene mehr auf. Den Auftraggebern scheint die ganze Sache auch egal zu sein. Und selbst unsere drei Gangster machen irgendwann den Anschein, als wüssten sie gar nicht mehr, dass sie da jemanden entführt haben. Stattdessen fallen sie mal übereinander her oder verstricken sich gegenseitig in Ballereien mit den Cops. Spätestens wenn dann der eigentlich bereits einkassierte Troy einen Schnitt später wieder auf freiem Fuß umher wandelt, werden die Plotholes dann zu krass.

Dog Eat Dog

Troy ist immer auf der Jagd nach dem nächsten großen Coup.

Ähnlich inkonsequent mutet die optische Umsetzung des Filmes an. Schrader inszeniert weitgehend absolut klassisch mit langen Einstellungen und weiten Bildausschnitten. In den wenigen actionreicheren Momenten stellt er auf Seadycam um. Soweit so stilvoll. Doch dann versucht sich Schrader auch an rauschhaften Momenten. Vor allem, wenn Mad Dog mal wieder auf einem Trip ist. Hier spielt Schrader mit Farbfiltern und – teilweise comichaften – Bildverfremdungen herum, die seltsam gewollt und nicht gekonnt wirken. Zudem fragt man sich bei manchen Stilmitteln, warum sie eingesetzt wurden. Etwa eine lange Schwarzweiß-Sequenz, die formal topp ausschaut, deren Sinn sich dem Zuschauer aber komplett entzieht. Oder Momente, in denen Schrader auf einmal unmotiviert auf Off-Kommentare setzt, um sie hernach nie wieder zu nutzen. Der höchst ungewöhnliche Score zum Film ist ebenfalls extreme Geschmackssache und teilweise höchst antiklimaktisch.

Den Darstellern kann man derweil kaum Vorhaltungen machen. Nicolas Cage (der mit Schrader bereits an dem bemerkenswert gescheiterten „Dying of the Light“ zusammenarbeitete) ist als Troy absolut ideal besetzt. Hier kann er einerseits Cage-typisch wüten, gefällt aber auch mit zurückgenommenem Spiel. Willem Dafoe („Saigon“) kippt zwar noch häufiger ins Overacting als Cage, haucht damit seinem überdrehtem Mad Dog aber auch passig Leben ein. Der mir bis dato weitgehend unbekannte Christopher Matthew Cook („Hours“) besteht als Diesel inmitten dieses Schauspiel-Schwergewichtsduos erstaunlich gut und lässt sich von den beiden nie an die Wand drücken. Sein minimal tumb und unberechenbar wirkender Charakter ist sogar so etwas wie ein Showstealer. Schade ist, dass man über keinen der Charaktere wirklich brauchbare Informationen erhält. Alle drei bleiben einem immer fremd und man hat eher das Gefühl, einer Art Kuriositätenkabinett und keinen echten Charakteren zuzusehen.

Dog Eat Dog

Mad Dog ist ein wahrlich verrückter Hund.

Interessant sind vor allem die Momente, in denen Schraders schwarzer Komik-Thriller verschiedene Missstände unserer Zeit aufnehmen und dazu einen eigenen Kommentar lancieren möchte. Das häufig aufkommende Thema des Misstrauens gegen die Staatsgewalt in jedweder Form (vor allem in Polizeiuniform) sei genannt. Leider entwickeln diese Ansätze nie ausreichend Biss, um wirklich zu zünden. Stattdessen verrennt sich Schrader in seiner wenig packenden Story, findet keinen rechten Spannungsbogen und verweigert den Zuschauern greifbare Charaktere. So bleiben eher einzelne Momente in Erinnerung. Etwa der Showdown in krassestem Komplementärfarben-Look, die Leichenbeseitigungsszene sowie die deftigen Gewalteskalationen, bei denen Kehlen aufgeschnitten, Köpfe zerschossen und Hirne an Wände verteilt werden. Blöd ist nur, dass man ausgerechnet bei den gelungenen Szenen und den realistisch derb angehauchten Gewaltmomenten unvermittelt an Tarantino denken muss, nicht aber an Paul Schrader…

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erschien am 20. Februar 2017 von KSM. Mit einer FSK 18 Freigabe ist der Film ungeschnitten. Außer einem Trailer zum Film und einer Bildergalerie finden sich keine Extras zu „Dog Eat Dog“.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: KSM__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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