| Originaltitel: G20__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Patricia Riggen__Darsteller: Viola Davis, Anthony Anderson, Ramón Rodríguez, Marsai Martin, Antony Starr, Douglas Hodge, Elizabeth Marvel, Clark Gregg, Christopher Farrar, Sabrina Impacciatore, John Hoogenakker u.a. |

Viola Davis gibt die Action-Präsidentin in „G20“.
Die Amerikaner und ihr Blick auf ihre Präsidenten – das ist schon etwas Einzigartiges. Wie sonst kommt man auf die Idee, ein Regierungsoberhaupt als Actionhelden zu inszenieren? Man stelle sich einen Actioner vor, in dem ein Kanzler mit Doppelwumms unter fiesen Klimaklebern, Steuersündern und Social-Media-Trollen aufräumt. Okay, lieber nicht. Schauen wir besser, was die Amerikaner zum wiederholten Male aus diesem absurden Ansatz machen.
Danielle Sutton, die Präsidentin der Vereinigten Staaten, ist mit ihrer Familie nach Südafrika gereist, um hier dem G20-Gipfel beizuwohnen. Sie möchte die anderen Nationen davon überzeugen, die ärmsten Länder mithilfe einer Art Währungsreform nachhaltiger zu unterstützen. Doch dazu kommt sie gar nicht. Denn eine Wagenladung Finstermänner übernimmt den Schauplatz des Geschehens im Handstreich.
Nur durch das beherzte Eingreifen ihres Sicherheitsagenten Manny kann sich die Präsidentin dem Zugriff durch die Angreifer entziehen. Auch ihre Familie entgeht durch einen Zufall der Geiselnahme. Dennoch kann Präsidentin Sutton freilich nicht zulassen, dass die Terroristen ihre Ziele erreichen. Die planen nämlich nicht weniger, als die globale Wirtschaft abschmieren zu lassen und sich daran zu bereichern.
Die US-Präsidentin wird zu John McClane
Die wichtigste Frage, die sich beim Anschauen von „G20“ fast sofort stellt, ist, was wohl ein gewisser Herr Trump zu dem Plan der Bösewichter und zu der offensichtlichen filmischen Liebeserklärung an Kamala Harris sagt? Wer weiß, wer weiß. Sicher ist hingegen, dass man schon ein wenig skeptisch werden darf, wenn mal eben vier Autoren am Drehbuch eines Actionfilmes arbeiten. Wohlgemerkt am Drehbuch zu einem Actionfilm, der auf dem Papier kaum mehr ist, als ein Rip-Off von „Stirb Langsam“.
Um genau zu sein, ist „G20“ sogar ein Rip-Off von anderen Rip-Offs. Denn für den Actioner standen sowohl „Air Force One“ als auch „Olympus Has Fallen“ offensichtlich Pate. Aus „Air Force One“ entlehnte man den US-Präsidenten als John McClane-Ersatz, aus „Olympus Has Fallen“ den repräsentativen, politisch staatstragenden Rahmen, in dem man sich fortan munter beharkt.
Und dieses Gemisch funktioniert ganz ordentlich. Damit nicht alles in allzu altbekannten Bahnen verläuft, versuchten die Autoren auch Variationen einzubauen. Zwei sind besonders interessant. Zum einen erhält Danielle Sutton zwar einen Background als Soldatin und ihr wird Erfahrung in Sachen Kampfsport angedichtet, trotzdem wird sie im Kampf gegen die Lumpen nie zu einer Superfrau. Sie kann mit Waffen umgehen und auch mal einen Leberhaken schlucken, aber sie fliegt nicht beidhändig ballernd durch die Luft oder tritt einem Lump den Kopf vom Körper.
Es ist sogar eher so, dass ihr wie Aaron Eckhart in „Olympus Has Fallen“ ein sehr erfahrener Sicherheitsagent an die Seite gestellt wird, der in der Action ordentlich austeilen und komplexeren Choreographien folgen darf. Das hilft der Glaubwürdigkeit und macht „G20“ nicht vollends zum Actioncomic.
Der zweite Punkt, der mir sehr gut gefiel, war das Vorgehen der Lumpen. Um an bergeweise Geld zu kommen, arbeiten sie mit Künstlicher Intelligenz, setzen auf Kryptowährungen, Blockchains sowie Wallets und kennen sich mit Deep Fakes aus. Der Überfall auf den „G20“-Gipfel wird so zum einzigen analogen „Schritt“, der allerdings aus verschiedenen Gründen recht wichtig und dadurch plausibel ist. Und er liefert eben das „haptische“ / das greifbare Bedrohungs-/Geiselszenario, das wichtig für die Dramaturgie ist. Dafür wären Crypto, KI und Deep Fake zu kryptisch. Kurzum: Hier gehen alt und neu / analog und digital durchaus Hand in Hand.
Doch andersherum gibt es auch wichtige Punkte, die nicht gut funktionieren. So bleiben die Lumpen doch arg gesichtsloses Pack. Nur Anführer Rutledge erfährt ansatzweise Vertiefung, bleibt aber auch relativ nichtssagend. Was insofern schade ist, dass Antony Starr („Guy Ritchie’s The Covenant“) ihn ziemlich gut spielt und spürbar ein paar Momente mehr gebraucht hätte, um richtig zu zünden. Zudem hat Rutledge zwar ein paar nette Kanten im Henchmen-Gepäck, die werden aber durchweg erstaunlich problemlos abgeräumt. Und die lachhafte Enthüllung eines Maulwurfs im Filmverlauf wirft mal eben einen komplett motivationsbefreiten Charakter in die Runde. Das war nix!
Der zweite Punkt, der mir nicht so recht zusagte, war das Brimborium, das rund um Präsidentin Sutton und ihre Familie gezündet wurde. Vor allem der bemühte und vor Klischees nur so strotzende Konflikt mit ihrer Teenietochter ist reichlich nervig und in seinem Ablauf komplett vorhersehbar. Das Schlimmste: Der Film hätte dieser Momente nicht bedurft und trotzdem problemlos funktioniert.
Stattdessen wären ein paar Actionszenen mehr nett gewesen. Denn „G20“ hält sich in Sachen Krawall doch sehr zurück. Erschwerend kommt hinzu, dass dem alles andere als unterfinanziert wirkenden Actionfilm das große Spektakel abgeht. Es fehlt durchweg an Highlights oder an Szenen, die Erinnerung bleiben würden. Die Actionszenen sind zwar nett in Szene gesetzt, aber sie können den Actionfan weder begeistern noch überraschen.
Und die Action verläuft ein wenig atypisch für einen „Stirb Langsam“-Rip-Off. In denen verteilt sich die Action normalerweise großzügig über den Film. Meist schaltet der Held dann einen oder zwei Gegner aus. Wenige Minuten später wiederholt sich das Schema und es ist gefühlt immer etwas los. In „G20“ ballt sich die Action an sehr wenigen Punkten. Hier werden dann zwar gleich zahlreiche Gegner ins Jenseits befördert, danach fällt der Film aber auch tempomäßig deutlich in sich zusammen und hat teils Mühe, wieder in Schwung zu kommen.
Leider ist die gebotene Action auch reichlich harmlos geraten. Das wenige Blut, das es zu sehen gibt, stammt aus dem Rechner. Rund um Rutledge versucht „G20“ immer mal wieder ein wenig ruchloser zu werden, Aufsehenerregendes fällt ihm aber auch hier nicht ein. Und während eine CGI-Explosion zu Beginn gar nicht so übel ausschaut, erinnert eine irgendwie gar nicht zum Rest des Filmes passende Einlage rund um das Präsidentenauto „Beast“ in ihrer Künstlichkeit an wenig schön anzusehende Playstation-3-Grafik.
Komplett misslungen ist leider ausgerechnet der Showdown. Man hat zum einen nicht das Gefühl, dass man alle Schergen von Rutledge hat sterben sehen. Zum anderen ist der erste Fight zwischen ihm und Präsidentin Sutton reichlich unbefriedigend. Dem folgt zwar eine weitere Keilerei rund um einen Hubschrauber nach, die funktioniert aber ebenfalls Null. Verschenkt!
Viola Davis („The Woman King“) macht durchgehend eine starke Figur als Präsidentin Sutton. Ihr gehen die Momente des Selbstzweifels oder der Vertrautheit mit ihrer Familie genauso gut von der Hand wie die Actionseiten ihres Charakters. Man hätte ihr allerdings ein paar humorige Momente gewünscht, denn leider kommt Frau Präsidentin doch sehr miesepetrig daher. Allgemein hätte dem Streifen etwas finsterer Humor, etwa in Form fieser Sprüche nach diversen Kills, nicht geschadet.
Die restlichen Darsteller schlagen sich ordentlich. Vor allem Anthony Anderson („Exit Wounds“), der gerne mal ordentlich nervt, spielt den Mann der Präsidentin mit viel Würde. Und Clark Gregg („Captain Marvel“) möchte ich erwähnt wissen, weil er sein Gesicht für die sinnlosesten Szenen im Film herhalten muss.
Denn freilich brauchte „G20“ aus unerfindlichen Gründen wieder irgendeinen Stab, der irgendwo in einem Hinterzimmer hockend die Ereignisse im TV verfolgt und sinnlos irgendwas verhandelt, nur um am Ende nichts geleistet zu haben und trotzdem jubelnd die Fäuste in die Luft zu recken. Welcher der vier Autoren wird wohl auf diesen Szenen bestanden haben?
Egal. Technisch kann man „G20“ bis auf seine CGI-Vorliebe bei etwas größeren Actionszenen keine Vorwürfe machen. Das eigentliche Setting Südafrika (gedreht wurde vor Ort und in Ungarn) wird zugunsten des beeindruckenden Hotel-Settings, in dem alles passiert, verschenkt. Das ist aber nicht weiter schlimm, wird der Schauplatz des Hotels doch ausgiebig bespielt, so dass der Film optisch nie langweilig wird.
Leider werden die Räumlichkeiten und das Gebäude selbst kaum zerstört. Aber es fehlt ja immer etwas zum Glück. Der Film arbeitet mit leicht gedeckten Farben, die immer leicht ins Pastellne kippen. Infolgedessen sieht etwa das vielfach als rot beschworene Kleid der Präsidentin durchgehend orange (Trump?) aus. Unter den Bildern rumpelt ein flotter Score, der beinahe mehr Action macht als der Film selbst.
„G20“ gerät wenig aufregend
Beständig beschleicht einen bei „G20“ das Gefühl, dass Regisseurin Patricia Riggen („69 Tage Hoffnung“) einfach nicht die Bremse gelöst bekommt. Ihr Werk will einfach nie richtig eskalieren und wird so seiner absurden Prämisse vom Präsidenten als Actionhelden nicht wirklich gerecht. Der Actionfilm wird nie wirklich spannend, er ist kein echtes Powerhouse in Sachen Tempo, die Fieswichte sind irgendwie nicht richtig fies und die Action haut einfach nicht rein.
Viola Davis darf erst spät in den Flintenweib-Modus schalten. Darf sie es dann, bleibt ihr eigentlich nur der insgesamt misslungene Showdown als Bühne. Der wird den bislang darstellerisch erbrachten Leistungen der beiden Antipoden Viola Davis und Antony Starr zu keiner Sekunde gerecht und zündet obendrein null in der Magengegend des Actionfans. Das Ergebnis sieht zumindest wertig aus, kann aber weder seinen direkten Vorbildern „Air Force One“ und „Olympus Has Fallen“ noch dem Original „Stirb Langsam“ das Wasser reichen. Was bleibt, ist etwas zu beliebige Standardkost für den kleinen Actionhunger zwischendurch.
![]()
Der Film wurde von den Amazon MGM Studios produziert und läuft seit dem 10. April 2025 bei Prime Video. Der Film ist mit einer empfohlenen Freigabe ab 16 ungeschnitten.
In diesem Sinne:
freeman
Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright aller Filmbilder/Label Amazon MGM Studios / Prime Video__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, nur digital |




