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Hemlock Grove – Das Monster in dir (Season 1)

Originaltitel: Hemlock Grove__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__ Regie: Deran Sarafian, T.J. Scott, David Semel, David Straiton, Eli Roth u.a.__Darsteller: Famke Janssen, Dougray Scott, Eliana Jones, Emilia McCarthy, Aaron Douglas, Landon Liboiron, Marty Adams, Bill Skarsgård, Laurie Fortier, Emily Piggford u.a.
Hemlock Grove

Die Netflix Serie “Hemlock Grove” verpasst bekannten Horrorfiguren eine menschliche Seite.

Serien sind das neue Schwarz: In den letzten Jahren haben wir einen wahren Boom an immer neuen Serien erlebt. Ein geradezu inflationärer Trend. So inflationär, dass in dem Umfeld sogar komplett neue Begriffe aufkamen. Man denke nur an das sogenannte „Binge-Watching“, also die Möglichkeit, Serien in wahren Marathons komplett am Stück zu gucken, losgekoppelt von fest von den Fernsehanstalten vorgegebenen Terminen der Ausstrahlung. Möglich machten das natürlich zum einen die Serien-Staffel-Veröffentlichungen auf DVD und Blu-ray und zum anderen Streaming Dienste wie Netflix, Watchever oder Amazon-Instant-Video, die ihrerseits ganze Staffeln zum sofortigen „Verzehr“ anbieten. Dieses Geschäftsmodell erwies sich als so erfolgreich, dass die Streamingdienste sogar in eigene Serien investierten, um von dem unstillbaren Hunger der Serienfans nach neuen Stoffen zu profitieren. „Hemlock Grove“ ist eine solche Serie. Angekurbelt und produziert von Netflix…

Peter zieht mit seiner Mutter nach „Hemlock Grove“. Eine ehemalige Hochburg der stahlverarbeitenden Industrie – angekommen in der Wirtschaftskrise und erschüttert von einem grausamen Todesfall. Ein Teenager wurde brutal verstümmelt und erlag seinen Verletzungen. Die ermittelnde Polizei tappt noch im Dunkeln, vermutet zwar eine Tierattacke, kann aber auch einen Mord nicht ausschließen. In dieser Phase der Stadtgeschichte fällt Peter die Eingewöhnung in die Abläufe der etwas seltsamen Örtlichkeit nicht leicht. Die eigenwillige Freundschaft zu dem „Prinzen“ von Hemlock Grove, Roman Godfrey, hilft ihm zumindest ein wenig.

Doch bald kommen Gerüchte auf, Peter, der neu zugezogene Zigeuner, wie er abfällig genannt wird, könne ein Werwolf sein. Peter selbst muss derweil feststellen, dass sein neuer Freund Roman wohl ein Upir ist, eine Art Vampir, der seine Umgebung komplett zu manipulieren vermag und einige Geheimnisse mit sich herumzuschleppen scheint. Geheimnisse. DAS Stichwort in Bezug auf die ganze Stadt. Jeder der Einwohner scheint sein Päckchen zu tragen und jeder könnte zu allem fähig sein. Da wird urplötzlich ein zweites Mädchen auf bestialische Weise umgebracht. Als mit Dr. Clementine Chasseur auch noch eine angebliche Mitarbeiterin des „Fish- and Wildlife-Services“ auftaucht, wird die Luft für Peter immer dünner. Denn Clementine ist mehr Werwolfjägerin als Wildtierbeauftragte. Und Peter eben tatsächlich ein Werwolf…

Die Episoden der ersten Staffel von „Hemlock Grove“

1. Element der Seele
2. Die Verwandlung
3. Der Orden des Drachen
4. Der Dämonenhund
5. Blick in den Abgrund
6. Angst hat ein Zuhause
7. Grenzenlose Wut
8. Abstieg in die Unterwelt
9. Die Aufgabe Gottes
10. Vollmond
11. Die Jagd beginnt
12. Kinder der Nacht
13. Die Geburt

Als Eli Roth mit „Cabin Fever“ im Regie-Fach reüssierte, kamen laut eigener Aussage in kurzer Folge Produzenten auf ihn zu und baten ihn um Konzepte für erfolgreiche Horrorserien oder trugen ihm die Schirmherrschaft für Serien an. Doch Roth sträubte sich dagegen, da die Qualität der Drehbücher noch nicht stimmte und er die Zeit nicht für gekommen hielt. Als ihm allerdings der Vorschlag gemacht wurde, den Roman „Hemlock Grove“ von Brian McGreevy für das Pantoffelkino umzusetzen, war Roth sofort Feuer und Flamme.

Hemlock Grove

Die Helden von “Hemlock Grove”: Roman (l) und Peter.

Denn Roth hatte sofort erkannt, dass McGreevy in seinem Roman diverse bekannte Horrorfiguren ganz neu interpretierte. Denn in „Hemlock Grove“ leben nicht nur die vampirartigen Upire und Werwölfe, sondern beispielsweise auch Frankensteins Monster und dessen Schöpfer Dr. Frankenstein. Allerdings eben auch neu interpretiert und reizvoll in eine scheinbar normale Umwelt transferiert. Scheinbar normal trifft es dabei ganz gut, denn an dem Örtchen „Hemlock Grove“ ist eigentlich nichts wirklich normal. Für den Zuschauer äußert sich das neben den angeschrägten Figuren immer auch in neuen Märchen-Anspielungen. Da ist der große böse Wolf, der junge Dinger reißt. Da thront das „Böse“ in einem riesigen Turm über der Stadt und da werden Rückblenden schonmal eingeleitet mit „Es war einmal…“.

„Hemlock Grove“ entwickelt so extrem schnell eine ganz eigene, faszinierend dichte Atmosphäre, transportiert beständig eine seltsam surreale Note und erinnert vermutlich nicht von ungefähr an Serienklassiker wie „Twin Peaks“. Leider vergisst „Hemlock Grove“ über das Atmosphäre pumpen das Geschichten-Erzählen. Es gelingt den Machern einfach nicht, der Serie einen wirklich ordentlichen Spannungsbogen einzuziehen. Viel zu oft findet man sich auf Nebenschauplätzen wieder, die immer neue Fragen aufwerfen, ohne auch mal eine Frage gewinnbringend zu beantworten. Die Folge ist ein Sammelsurium an zu vielen Figuren, das immer wieder von der eigentlich zentralen Mörderhatz ablenkt.

Hemlock Grove

Roman ist ein Upir und kann Menschen extrem gut manipulieren.

Regisseuren wie Eli Roth (der den Piloten inszenierte) oder dem im Actionfach geschulten Deran Sarafian („Mit stählerner Faust“) war es laut eigener Aussage enorm wichtig, „Hemlock Grove“ als einen knapp 10-stündigen Film zu begreifen. Darüber vergessen sie aber ein wenig die Regeln des Serienfernsehens. Soll heißen, sie verpassen immer wieder die Gelegenheit, mal mit einem Cliffhanger aus einer Folge rauszugehen und die Lust auf die folgende Episode anzuheizen. „Hemlock Grove“ hat diesen Moment genau zweimal. Einmal wird der Cliffhanger in der Folge-Episode noch nicht einmal wieder aufgenommen! Die Folge: Man quält sich irgendwann schon ziemlich durch die Handlung und muss sich beinahe zwingen, die nächste Folge zu schauen. Ein echter Suchtfaktor, der ja für das „Binge-Watching“ nicht unerheblich ist, kommt niemals auf.

Das ist umso trauriger, weil die Serie über ein starkes Zentrum verfügt: Die Paarung Peter und Roman, die irgendwann auf eigene Faust die Ermittlungen in den Mordfällen übernehmen, ist wahrhaft wunderbar sperrig. Beide Charaktere sind innerlich enorm zerrissen und trotzdem beide nach außen echte Alpha-Tiere. Weshalb sie eher eine dysfunktionale Einheit denn ein Buddy-Gespann ergeben. Immer wieder trennt man sich im Streit, muss sich danach aber nicht erst gegenseitig entschuldigen, um wieder gemeinsam auf Spurensuche zu gehen. Hier hat man ein echt starkes Gespann auf absoluter Augenhöhe.

Leider wird ausgerechnet einer der beiden von einer echten Schlaftablette verkörpert. Landon Liboiron („Altitude“) ist so unfassbar glatt und langweilig auf Frauenliebling getrimmt, dass man die Teenies schon verklärt seufzen hört, während der geneigte Zuschauer jenseits der 19 einfach nur die Augen verdreht ob dieses Schmalspur-Romeos. Zum Glück ist seine Rolle im Drehbuch stark genug geskriptet, so dass seine Figur trotzdem noch ganz gut funktioniert. Bill Skarsgård dagegen ist als Roman einfach nur super. Er hat eine sehr eigenwillige Ausstrahlung und etwas Faszinierendes, was seine Figur des Upirs auch dringend benötigt. Zudem spielt er schlicht und ergreifend viel präsenter auf als Liboiron. In weiteren Rollen agieren hier Famke Janssen („96 Hours“) als manipulatives Superbiest mit Mörderausstrahlung, ein eher blasser Dougray Scott („96 Hours – Taken 3“) und eine angenehm zurückhaltende Lili Taylor als Mutter von Peter. Ansonsten hält man sich bei „Hemlock Grove“ mit großen Namen deutlich zurück.

Hemlock Grove

Romans Schwester erinnert an Frankensteins Monster.

Inszenatorisch gibt Eli Roth („The Green Inferno“) in Folge eins die Richtung vor. Sein Serienbaby erstrahlt in grünlichen und gelblichen Bildern und ist gerne mal ein wenig weichgezeichnet (was die märchenhaft surreale Note unterstreicht). Dabei wird Roths vorgegebener Look in den folgenden Episoden ein wenig geerdet. Vor allem Sarafian nimmt die Filterspielereien seines Produzenten doch deutlich zurück. Und er sorgt in Teil zwei für den größten What-the-Fuck-Moment der ganzen Serie. Gemeint ist die großartige Werwolf-Transformation von Peter. Die ist so ekelhaft organisch, dass es einen richtig schüttelt. Das Tier in Peter bricht förmlich aus ihm heraus. Sprengt seine menschliche Hülle und frisst die Überreste nach der Verwandlung mit Wonne. Allgemein sind die Effekte in „Hemlock Grove“ sehr deftig geraten. Sie kommen zwar eher selten zum Zug, aber wenn sie dann anrollen, dann mit aller Macht: Schlotzig, blutrot, derb, heftig und mit einigen echten Horrormomenten gesegnet.

Offensiver Horror spielt wie die Effekte eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt keine Jump Scares, wohl aber gruseligere Settings und unheimlichere Filmmomente. Deren Wirksamkeit hält sich aber vor allem bei einem horrorerprobten Publikum ziemlich in Grenzen. Den Machern wird das allerdings nur recht und billig sein. Sie setzten offenkundig mehr auf schräge Figuren und eine dichte Atmosphäre. Und da punktet die Serie in jedem Fall und hat absolut nicht zu leugnende Stärken. Es ist halt nur schade, dass die einzig genialen Folgen die letzten zwei sind. Im Vorfeld will einfach nie die rechte Faszination aufkommen, die den Zuschauer dazu zwingt, sofort wieder nach „Hemlock Grove“ zurückzukehren. Am Ende bleiben ganz viele angerissene Fragen. Von daher eigentlich die ideale Ausgangslage für weitere Staffeln (eine zweite und eine finale dritte Staffel folgten), aber dass der Autor dieser Zeilen deren Auflösung jemals erleben wird, wagt er ob mangelnden Interesses irgendwie zu bezweifeln. Kurzum: Interessante Ideen und Ansätze in einer leider wenig packenden Umsetzung.

Die deutsche DVD und Blu-ray erscheint am 8. Oktober 2015 von Concorde Film Home Entertainment und hat einige nette Blicke hinter die Kulissen der Serie an Bord.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Film Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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