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Hunting Season – blutige Fährte

Originaltitel: Hunting Season__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: RJ Collins__ Darsteller: Mel Gibson, Sofia Hublitz, Shelley Hennig, Jordi Mollà, James DuMont, A.J. Buckley, Oliver Trevena, Jaylen Moore, Scarlet Rose Stallone, Rocky Myers, …

Video: Kritik zu „Hunting Season“ mit Mel Gibson

In dem Actionthriller „Hunting Season – Blutige Fährte“ spielt Mel Gibson einen Mann, der mit seiner Tochter zwischen die Fronten gerät, als eine von einem Kartell verfolgte junge Dame schwer verletzt bei den beiden auftaucht. Freilich nimmt sich Mad Mel der Lumpen an… Unser Video zeigt: Das Ergebnis ist kein Actionkracher, sondern ein ruhig erzähltes Drama, das sich in seiner Spannung immer mehr zu steigern versteht. Wer seine Kritik schriftlich braucht, scrollt hier einfach zur Kritik von unserem StS.

Videokritik zu Hunting Season

Klickt auf das Bild und genießt unsere „Hunting Season“-Videokritik.


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Hunting Season

Zum deutschen Trailer geht’s hier!

Bei „Hunting Season“ (2025) handelt es sich um ein dramatisches Crime-Thriller-B-Movie von Regisseur Raja bzw. RJ Collins („American Sicario“), das seitens seines häufig bereits verwendeten Titels sowie beim Lesen seiner Inhaltsangabe stracks den Eindruck arg konventioneller Genre-Kost erweckt – sprich: Nach einem generischen Streifen klingt, bei dem jemand wie Jason Statham die Hauptrolle bekleidet. In der Beziehung gleich vorweg jedoch schonmal folgende Info: Wer kräftig auf Action aus ist, der sollte den Film von vornherein eher meiden – oder sich tendenziell auf eine Enttäuschung gefasst machen. Mit keinem allzu hohen Budget gesegnet sowie auf einem Drehbuch Adam Hamptons („the Jurassic Games“) basierend, entschied man sich im Vorliegenden für Mel Gibson als Lead – eben jenen selbst-verschuldet in Ungnade gefallenen einstigen „A-Lister“, der in den vergangenen Jahren in einigen durchaus ähnlich beschaffenen Direct-to-Video-Produktionen (darunter „Blood Father“ und „Desperation Road“) aufgetreten war; Charaktere wie seinen hier aber weiterhin kompetent-glaubwürdig beherrscht. Darüber hinaus vermochten die Verantwortlichen für den zweitwichtigsten Part TV’s „Ozark“ Star Sofia Hublitz zu gewinnen…

Bowdrie (Gibson) und seine jugendliche Tochter Tag (Hublitz) leben zurückgezogen in einem rustikal-schicken Haus im ländlichen Oklahoma – wo sie sich u.a. via Angeln sowie Jagd auf Wild überwiegend eigenständig versorgen, er sie in allem Notwendigen unterrichtet und sie nur selten (für Post oder irgendwelche Erledigungen; wie z.B. um einen Rasenmäher zu kaufen) in die nächstgelegene Stadt fahren: Ein friedliches, Natur-verbundenes Dasein also. Dann jedoch geschieht es, dass Tag eine angeschossene junge Frau (Shelly Henning) an einem Flussufer entdeckt. Nachdem sie Bowdrie dazu animieren kann, January (so ihr Name) zu verarzten und bei sich aufzunehmen, begibt er sich umgehend an zusätzliche Erkundigungen hinsichtlich der Dinge, die sie ihnen über das Vorgefallene berichtet: Sie und ihre beste Freundin Lizzie (Scarlet Rose Stallone) seien von Kerlen verschleppt worden, die im Auftrag Alejandros (Jordi Mollà) hinter Lizzie’s Lover Jensen (Rocky Myers) her waren – welcher jenem Anführer einer brutalen Verbrecher-Organisation offenbar eine stattliche Summe Geld gestohlen hatte. Tja, und mit den Baddies weiterhin auf der Suche nach ihr, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis jene sie bei ihm und Tag aufzuspüren in der Lage sind…

„Hunting Season“ wartet mit markanten Stärken und Schwächen auf – was in einem unebenen Ergebnis resultiert; mit der Schuld daran sowohl Hampton’s Skript als auch Collins‘ Umsetzung zuzuschreiben. Hubliz und Gibson überzeugen jedoch auf Anhieb als Vater-Tochter-Gespann: Bowdrie und Tag wohnen relativ isoliert im Wald, haben bloß geringen Kontakt zu anderen und sind auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet – sei es in Gestalt ausreichender Vorräte sowie diverser Waffen stets in unweiter Nähe, die regelmäßig gründlich gereinigt werden. An den Wänden hängen Kruzifixe – vorm Essen und Schlafen wird gebetet. Ihre Mutter hat Tag nie richtig kennenlernen können – das primäre Geschenk ihres aktuellen Birthdays ist eine eigene Pistole. Rasch man merkt deutlich, dass es Bowdrie’s Bestreben ist, Tag Selbständigkeit im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft zu lehren: Er ist weder überbehütend noch einengend – sondern will einfach nur sicher sein, dass sie gewappnet ist, sollte sie allein mal in etwaige herausfordernde oder brenzlige Situationen geraten. Dem Werk schon früh ein dienlich-robustes emotionales Fundament verleihend, wird ihr Verhältnis zu- sowie Umgang miteinander (in einem angenehm ruhigen Tempo) anschaulich aufgezeigt…

In Anbetracht des Gebotenen beginnt man sich aber unweigerlich über dies und jenes zu wundern – wie z.B. darüber, wie Bowdrie sich eigentlich ein solches Haus leisten kann, woher das Bargeld stammt, das er draußen vergraben hat, was das für Briefe sind, die er wiederkehrend erhält, woher er sich in der Form mit Waffen, taktischem Vorgehen, Verarztungen (etc.) auskennt und woher es wohl kommt, dass er im späteren Verlauf derart ohne mit der Wimper zu zucken allerlei Typen zu töten vermag. Ergo: Wie sieht seine Vergangenheit aus? Antworten gibt’s nur wenige. Man erfährt allerdings u.a., dass er nach einer Figur aus einem Louis L’Amour Western benannt wurde und sich Tag als Kind ihren Namen (gegenüber ihrem echten) selbst ausgewählt hat, da ihre Mutter sie immerzu als ihren little Tagalong bezeichnet hatte. Könnte da mehr hinter stecken? Ihre Naivität könnte das begünstigen – also dass sie bestimmtes, mit dem sie aufgewachsen ist, nicht genauer reflektiert. Unabhängig all dessen kam bei mir überdies recht bald eine gewisse Alters-Unklarheit auf: 2025 war Gibson 69 – Hublitz 24. Okay: Nicht zu unrealistisch. Allerdings soll Tag ein Teenager, und kein Twen sein – was zu der ihr von der Vorlage verliehenen Persönlichkeit passt; indes aber nur mit Einschränkungen zu Hublitz…

Im Presse-Material steht sogar, dass Tag in „Hunting Season“ 12 Jahre jung (!) sein soll. An sich wäre das im Rahmen der Story prima sowie tatsächlich reizvoll – wohingegen es hier aufgrund des Castings natürlich ziemlicher Unsinn ist. Und um es nochmals zu betonen: Dafür kann Hublitz nichts – sie meistert ihre Rolle mit Bravour. Tag hat keine Freunde – besitzt jedoch eine evidente innere Sehnsucht danach. Deren Grad wird ihr überhaupt erst richtig gewahr, als sie January begegnet – weshalb es glaubhaft ist, wie sich ihre Connection mit der Fremden aufbaut und entwickelt (wie sie sich mit ihr unterhält, ihre Tattoos bewundert, mit Bowdrie in Bezug auf sie argumentiert etc.). Unerwartet reibungslos integriert sich January in das „Lebensgefüge“ ihrer Retter: Nicht bloß da sie erkennt, dass sie bei ihnen sicherer als daheim ist, verhält sie sich dankbar und kooperativ – will bspw. nicht dummerweise gleich wieder zurück in die Stadt; weiß (trotz anhaltender Sorge und Gefahr) aber auch, lieber keine Diskussion darüber zu starten, als Bowdrie an einem Punkt entscheidet, sie in die Obhut eines Sheriffs (Jake Dumont) zu übergeben, dem er vertraut. Ohne ihr Zutun ist das Ganze über January hereingebrochen – zur falschen Zeit am falschen Ort (in Lizzie’s Beisein)…

Ergiebig harmoniert der Slow-Burn-Stil mit dem Feeling des Settings und Plots sowie der Festigung der dramatischen Anteile: Losgelöst der erwähnten „Fragen und Oberflächlichkeiten“ wird das Publikum sozusagen gut angedockt – während Bowdrie parallel dazu nachforscht und sich auf die geradezu unausweichlich werdende Konfrontation mit Alejandro’s Leuten einstellt. Zudem werden Jensen’s und Lizzie’s Leichen angespült und ist es unklar, ob sich im örtlichen PD nicht vielleicht korrupte Cops tummeln – worauf eines Abends schließlich zwei Männer am Haus auftauchen und nach einem kurzem Standoff etwas später dann (im Zuge einer bündig-effektiven Sequenz) ihr Ende finden. Dass sich Tag im Folgenden vertränt-mitgenommen bei January dafür entschuldigt, dass sie im Angesicht einer der Angreifer ein Stück weit „erstarrt“ war und sie ihr in jenem Moment von daher nicht wirkungsvoller helfen konnte, beschwört derweil einen prägnanteren Eindruck herauf als das zwar anständige, dennoch aber recht gängig arrangierte Genre-Setpiece zuvor – was wiederum für die Charaktere (und die sie portraitierenden Mimen) spricht; egal ob jene nun underwritten sind oder nicht. Schade nur halt, dass Collins und Hampton das alles nicht inspirierter darzubieten imstande waren…

In „Hunting Season“ trägt Mel Gibson mal wieder seinen inzwischen gewohnten bärtig-grau-melierten Look zur Schau: Bowdie ist ein mitunter schroffer, einschüchternder Mann zahlenmäßig beschränkter, ungekünstelter Worte, der schon eine Menge erlebt hat, eine gewichtige Präsenz mit sich bringt und für den seine Tochter das Wichtigste auf der Welt ist. Parts wie diesen hat Gibson bereits so einige gespielt – und erneut macht er seine Sache rundum löblich. Als Tag holt Sofia Hublitz („What breaks the Ice“) ein Optimum aus dem heraus, was ihr das Skript dahingehend zu offerieren hatte – genauso wie Shelly Henning („Unfriended“) als January, die von Hampton beim Verfassen leider aber augenfällig vernachlässigt worden war. Wo der Streifen allerdings unschön scheitert, ist bei seinem „exzentrischen“ Ober-Baddie Alejandro – welcher irritierend over the Top angelegt wurde: Statt unberechenbar gefährlich kommt diese Ausrichtung schlichtweg zu gewollt rüber – eher wie eine nicht ernstnehmbare unbeseelt missglückte (unfreiwillige) klischeehafte Parodie. Jordi Mollà („Aggro Dr1ft“) kreide ich diesen Fail aber gar nicht mal maßgeblich an: Via Overacting hat er allem Anschein nach bloß versucht, die betreffenden Vorgaben zu erfüllen…

Eventuell war Collins ja ein Fan von Mollà’s Performance in „Bad Boys 2“ – doch funktioniert eine weniger humorige, nichtsdestotrotz ähnlich schräge „Provinz-Variante“ jenes kubanischen Kartell-Bosses im Vorliegenden einfach nicht; auch nicht im Sinne eines Kontrasts zur beherrscht-ruhigen Art Bowdries. Die übrigen Cast-Reihen wurden unterdessen mit durchweg brauchbar agierenden Mimen wie Sly’s hübschem Töchterchen Scarlet Rose Stallone (TV’s „Tulsa King“) als Lizzie, Rocky Myers („Cyborg X“) als Jensen, Jake Dumont („Deepwater Horizon“) als Sheriff sowie Oliver Trevena („the Bricklayer“), A.J. Buckley (TV’s „SEAL Team“) und Jaylen Moore („Kristy“) als drei Herren im Dienste Alejandros ausgefüllt. Die einige schnörkellose Zeilen á la „I’ll make this simple: You tell me what I want to know – or I’ll kill you.“ aufweisende Dialog-Qualität schwankt hin und wieder – geht insgesamt aber in Ordnung – an der routinierten Bebilderung Brandon Cox‘ (u.a. „Cut Throat City“, „Escape Plan 2: Hades“ und „Long gone Heroes“) hatte ich (für einen Streifen dieser Budget-Klasse und Sorte) nichts auszusetzen und die seitens des Gespanns Anders Niskas und Klas Wahl (TV’s „Swedish Dicks“) komponierte Musik-Untermalung erfüllt ihren Zweck solide…

Unebenheiten sind bei „Hunting Season“ wahrlich diverse zu verzeichnen: Neben den geschilderten fällt bspw. noch das „wechselhafte“ Tempo auf – was damit einhergeht, dass sich die Intensität der Eskalation der Ereignisse nicht konstant genug steigert, sondern bloß punktuell. Indem er Lizzie in einer Bar mit einem Springmesser in ihrer Genital-Region bedroht, wird Alejandro ziemlich beunruhigend eingeführt – nur um dank seines Gebarens diese Ausstrahlung im Verlauf zügig wieder zu verlieren – und als No-Nonsense-Bowdrie einen Henchman (mit einem Rasenmäher vor dessen Gesicht) foltert bzw. verhört, gibt’s plötzlich einen erheiternden Ausbruch, wie ein solcher bei Martin Riggs nicht unpassend gewesen wäre. Warum die Leichen der Home Invader in hellem Tageslicht in der Einfahrt direkt vorm Haus verbrennen? Ja, das ist hart und konsequent – aber auch unvernünftig. Generell hätten der Regie und dem Drehbuch mehr Originalität gutgetan – gerade im finalen Drittel, als die Geschehnisse (auf absehbarem Wege) in einen banalen Showdown einmünden, der einen letztlich underwhelmed zurücklässt. Kurzum: Ohne Gibson, Hublitz und Henning sowie den zwischenmenschlichen Interaktionen ihrer Figuren wäre der Film nicht der Rede wert…

7 von 10

Hierzulande erscheint „Hunting Season“ am 10. April auf DVD und BluRay von LEONINE Studios. Uncut mit einer Freigabe ab 18. Seit Ende März könnt ihr den Film auch streamen.

Stefan Seidl

Hunting Season

(© Samuel Goldwyn Films & LEONINE)

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Copyright der „Hunting Season“ Cover-/Postermotive und Pics: Beno Films / BondIt Media Capital / Buffalo 8 Prod. / CaliWood Pictures / Filmopoly / Fluffybear Media / Fortitude Int. / Milestone Studios, Samuel Goldwyn Films (US) / LEONINE Studios (D)__ Freigabe: FSK-18__ DVD/BluRay: ja/ja

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