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Into the Dark: Abwärts

Originaltitel: Into the Dark: Down__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Daniel Stamm__Darsteller: Natalie Martinez, Matt Lauria, Arnie Pantoja, Christina Leone, Diane Sellers u.a.
Into the Dark Abwärts von Daniel Stamm

“Into the Dark: Abwärts” belegt, dass Fahrstuhlfahrten nichts für schwache Nerven sind.

Jason Blum hat mit seiner Produktionsschmiede Blumhouse seit einigen Jahren einen echten Lauf. Niedrige Budgets machen beinahe den gesamten Output des Studios zu Erfolgen. Die Kreativen hinter den einzelnen Filmen schätzen die ihnen zugestandene künstlerische Freiheit. Und unter den Fans hat das Studio einen ordentlichen Leumund. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein TV-Sender oder Streaming-Dienst eine Zusammenarbeit mit Blumhouse anvisieren würde.

Der Streaming-Dienst Hulu hat zuletzt das Rennen gemacht und mit Jason Blum eine Anthologie namens „Into the Dark“ auf die Beine gestellt. Die erste Staffel besteht aus 12 jeweils knapp 90-minütigen Filmen, die allesamt einen Feiertag als handlungstechnischen Aufhänger haben. Wie bei jeder Anthologie gibt es dabei richtig schlechte („Neues Jahr, neues Du“), durchschnittliche („Fleisch und Blut“, „Pooka!“) sowie richtig tolle („Halloween“) Beiträge. Zu letzteren gehört auch „Abwärts“.

Eine Fahrstuhlfahrt, die ist… so gar nicht lustig

Es ist der 13. Februar. Jennifer und John befinden sich weit nach Feierabend ziemlich alleine in demselben Riesenhochhaus, in dem sie ihren jeweiligen Jobs nachgehen. Beide sind mit ihrer Arbeit stärker liiert, als mit anderen Menschen. Aktuell ist das beiden bewusster den je, denn der Tag der Liebenden, der Valentinstag, steht bevor. Doch beide wollen die Gelegenheit nutzen. Beide sind mit verheißungsvollen Dates verabredet. Beide haben nette Geschenke. Und beide landen aus purem Zufall in dem gleichen Aufzug – der kurz nach dem Start urplötzlich steckenbleibt.

Die Technik des Fahrstuhls ist komplett außer Kraft gesetzt. Der Notknopf funktioniert ebenso wenig wie eine Kontaktaufnahme über die Sprechanlage. Und da sich John und Jennifer auf dem Weg Richtung Tiefgarage befanden, ist soviel Beton über ihnen, dass auch ihre Handys jeden Dienst versagen. Sie sitzen fest. Unwiderruflich. Vermutlich bis weit nach dem Valentinstags-Wochenende.

Die beiden jungen Leute machen das Beste aus der Situation. Unterhalten sich. Witzeln. Verzweifeln zu keiner Sekunde. Und beginnen zu flirten. Beide sind sich grundsympathisch und es kommt, was kommen muss: Sie haben Sex. Mitten in dem Aufzug. Vor den Kameras des Aufzuges. Doch das ist beiden egal. Sie genießen das Abenteuer. Doch kaum sind die orgiastischen Höhenflüge verflogen, kippt die Stimmung brutal. Einer der beiden spielt ein Spiel. Ein Spiel, das im weiteren Verlauf tödliche Folgen haben wird.

Schaut in “Into the Dark: Abwärts” mit Natalie Martinez hinein

„Abwärts“ alias „Down“ ist die fünfte Folge der ersten Staffel „Into the Dark“ und stammt von dem Hamburger Daniel Stamm, der mit „Der letzte Exorzismus“ und „13 Sins“ beachtenswerte Duftnoten im Horror-Genre hinterlassen und mit „Abwärts“ ein extrem unterhaltsames Kammerspiel auf die Beine gestellt hat. Dieses fokussiert vollkommen auf seine beiden Hauptfiguren John und Jennifer und lanciert bis 15 Minuten vor Schluss auch keinen einzigen weiteren Akteur.

Dabei sind die ersten 20 Minuten brillant geschriebene Rom-Com-Unterhaltung. Wie die beiden Figuren miteinander flirten, hat Witz, ist kein bisschen krampfig oder altmodisch und wirkt ungemein lebendig und lebensnah. Auch erstaunlich offensiv und frei. Dieser Einstieg, der den Zuschauer für beide Figuren einnimmt, macht den dann folgenden Twist umso krasser. „Abwärts“ wird urplötzlich zum flott getakteten Kampf der Geschlechter, in dem sich die beiden Figuren mit Verve gegenseitig an die Gurgel gehen und auf engstem Raum einen extrem gerafften Rosenkrieg durchleben.

Horror, bei dem das Lachen im Halse steckenbleibt

Was man dem Drehbuch ankreiden kann, ist, dass es einen der Charaktere zu offensiv kippen lässt und ihm nur noch wenig Menschlichkeit zugesteht. Auch beim seltenen Auftauchen von Nebenfiguren ist zu schnell klar, dass diese nur dem Bodycount dienen. Das geht aber in dem schwarzhumorigen Reigen schnell unter. Von diesen kleineren Schwächen abgesehen gelingen Stamm ein paar tolle Spannungsspitzen (Klettertour) und gegen Ende packt er auch mal den Splatterhammer aus. Das alles mündet in ein hübsch konsequentes Finale, bei dem dem Zuschauer mehr als einmal das Lachen im Halse steckenbleibt.

Bis auf den Showdown spielt „Abwärts“ komplett in dem Fahrstuhl. Die starken Leistungen der beiden Hauptdarsteller Natalie Martinez („Message from the King“) und Matt Lauria („Miss Bala“) machen das niedrige Aufkommen an interessanten Settings komplett vergessen. Diverse optische Ideen sorgen für zusätzliche Abwechslung. So wird das Umfeld durch den Kleinkrieg von John und Jennifer schon schwer in Mitleidenschaft gezogen. Was unter anderem verschiedene Lichtspielereien und -stimmungen zur Folge hat. Auch die Kamera wird auf dem Kriegsgebiet mal umgestoßen oder liegt k.o. in irgendeiner Ecke, um von da aus schräger Perspektive zu filmen.

Dass sich die Charaktere zwischendurch auch gegenseitig mit ihren Handys filmen, bringt weitere Abwechslung. Mit etwas mehr Budget hätten Daniel Stamm und Co. sicherlich mit diversen Schachtkamerafahrten oder CGI-Spielereien im begrenzten Innenraum glänzen können, andererseits ist es vielleicht gar nicht so blöd, von derartig irrelevanten Mätzchen verschont zu bleiben.

“Into the Dark: Abwärts” ist ein spannendes Kammerspiel

Was am Ende bleibt, ist ein unvermutet unterhaltsamer Rosenkrieg auf engstem Raum, bei dem zwei einander zugetane Personen richtig durcheskalieren dürfen. Das daraus entstehende, immer grotesker werdende Kammerspiel wird von zwei famosen Hauptdarstellern getragen, von denen Matt Lauria etwas mehr Gelegenheiten zum Glänzen bekommt, aber auch Natalie Martinez ihre bislang beste darstellerische Leistung abruft.

Der leider ein wenig zu vorhersehbare Verlauf von „Into the Dark: Abwärts“ wird durch immer neue Ideen mit interessanten Spannungsspitzen befeuert. Mit zunehmender Laufzeit bricht sich zudem mehr und mehr ein angenehm schwarzer Humor Bahn. Das hohe Tempo lässt zusätzlich nicht eine Sekunde lang den Gedanken an Langeweile aufkommen. Kurzum: Mit einem etwas bekannteren Cast wäre „Abwärts“ – genauso wie die wunderbar groteske Killer-schleift-Leiche-durch-Partyvolk-Episode „Halloween“ – Kinomaterial gewesen.

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„Into the Dark: Abwärts“ kann aktuell bei AXN genossen werden. Sowohl in dessen regulärem TV-Programm als auch in dessen Mediathek. Auch im AXN-Channel von Amazon Prime sollte der Film zu sehen sein. Die Zugehörigkeit von AXN zu Sony lässt hoffen, dass der Film oder die gesamte erste Staffel von “Into the Dark” auch mal den Weg auf DVD / Blu-ray finden werden.

In diesem Sinne:
freeman

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