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Locked

Originaltitel: Locked__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: David Yarovesky__Darsteller: Bill Skarsgård, Anthony Hopkins, Ashley Cartwright, Michael Eklund, Navid Charkhi, Emma Kombe u.a.
High-Concept-Thrill in "Locked" DVD Cover

„Locked“ liefert High-Concept-Thrill.

Eddie Barrish ist chronisch pleite. Aktuell kann er es sich nicht leisten, die Reparatur seines Wagens zu bezahlen. Die Leidtragende ist seine ihn vergötternde Tochter, die niemand von der Schule abholen kann. Doch es arbeitet in Eddie. Er will seine Tochter nie wieder hängenlassen. Sein erster Gedanke: Lotto spielen. Das läuft eher suboptimal. Also beschließt er, andere zu bestehlen und so genug Kohle für die Reparatur aufzutreiben.

Wie bestellt, steht da plötzlich ein gewaltiger SUV vor ihm. Unverschlossen! Eddie dringt in die Karre ein und sucht nach allem, was er zu Geld machen kann. Da werden plötzlich sämtliche Türen des PKW-Panzers verschlossen. Wenig später meldet sich die Freisprechanlage des Gefährtes. Ein Mann namens William erklärt Eddie, dass er von kleinen Dieben wie ihm die Schnauze voll habe. Sechsmal seien die bereits in seine Autos eingebrochen. Er habe einfach genug.

Eddie weiß gar nicht, wie ihm geschieht, doch William macht schnell klar, dass es ihm ernst ist. William hat das Dolus (lateinisch für List, Täuschung) genannte Gefährt extra anfertigen lassen. Die Karosserie ist kugelsicher, das Auto komplett schalldicht, die Fenster polarisiert und jegliche Kommunikation nach draußen ist technisch unmöglich.

Es gibt also kein Entkommen. Zudem foltert William Eddie mittels der ihm zur Verfügung stehenden Technik. Er lässt die Temperaturen in dem Wagen nach Belieben steigen und sinken, er verweigert ihm Wasser und Nahrungsmittel und er verpasst ihm Elektroschlag um Elektroschlag. Für Eddie beginnt ein mehrtägiges Martyrium.

Schaut in den Thriller hinein

Pennywise (Bill Skarsgård) trifft auf Hannibal Lecter (Anthony Hopkins)

Der High-Concept.Thriller „Locked“ ist nach dem brasilianischen Streifen „A Jaula“ (Ein Käfig) bereits das zweite Remake des argentinischen Thrillers „4×4“. Mit dem argentinischen Original konnte ich persönlich nicht viel anfangen, weil ich mit dem Hauptcharakter / seinem Darsteller so gar nicht connecten konnte. Infolgedessen ließ mich das ganze Konstrukt reichlich kalt. Dieses Schicksal teil „Locked“ mit seinem Vorbild.

Zumindest in der ersten Filmhälfte. Wenn Eddie eingeschlossen ist, weiß man einfach zu wenig über ihn und seine Situation, um mit ihm mitzufiebern. Die Entwicklungen, die ihn zunehmend panischer werden lassen, hauen beim Zuschauer nicht wirklich rein. Auch die ersten Zwiegespräche mit seinem „Entführer“ William vermögen nicht zu packen.

Bill Skarsgard in Locked

Eddie wähnt in dem SUV viel leichte Beute.

Doch mit der Zeit wandelt sich die Wahrnehmung. Vor allem, weil William mit seinen Aktionen die Daumenschrauben immer mehr anzieht und auch Eddies Familie ins Fadenkreuz nimmt. Regisseur David Yarovesky („Brightburn“) verdichtet die Story nun deutlich, zieht das Tempo an und arbeitet effektiv auf den Moment hin, wo William und Eddie tatsächlich aufeinandertreffen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hält sich „Locked“ fast schon ein wenig zu sklavisch an das filmische Original. Doch danach geht das Remake ganz eigene Wege. Setzt auf die Interaktionen der guten Darsteller Anthony Hopkins („The Rite – Das Ritual“) als William und Bill Skarsgård („Boy Kills World“) als Eddie und mündet in ein turbulentes Finale, in dem definitiv ein wenig zu sehr aufs Effekte-Gas getreten wird – Bullet Time inklusive. Auf jeden Fall ist man dann allerdings deutlich mehr in der Story drin und „Locked“ mutet durchaus spannend an.

Anthony Hopkins als William

Anthony Hopkins ist als William lange Zeit nur zu hören.

In technischer Hinsicht bekommt man hier einiges geboten. Regisseur Yarovesky ließ sich für sein Werk spezielle Linsen entwickeln, mit denen er ohne Schärfeprobleme extrem nah an seine Darsteller herangehen konnte. Zudem ließ er sich ein Auto bauen, das man auf einer Soundstage beliebig auseinander- und zusammenschieben konnte, so dass wirklich eindrucksvolle Kamerafahrten IN dem Auto möglich wurden. Last but not least ist es schon ein Knaller, einen Film in einem Autokäfig zu inszenieren und dabei auf ein ultrabreites Format (2,76 : 1) zu setzen. Der Gegensatz haut ordentlich rein. Leider spiegelt sich dieser optische Furor nicht im Soundtrack wider. Der geriet eher ideenlos.

„Locked“ nimmt einen nicht vollends gefangen

Irgendwie hofft man im Handlungsverlauf immer wieder, dass die Beziehung zwischen William und Eddie eine persönlichere Note bekommen könnte. Dass die Feindschaft zwischen dem Freigeist Eddie und dem ultrakonservativen Political-Correctness-Hasser William auf eine interessantere Ebene gehoben würde. Und das Potential dafür ist da, man denke etwa an Williams Dauergeplapper über seine Familie. Doch Regie und Drehbuch lassen diese Chance ungenutzt.

Entsprechend fehlt dem unter anderem von Sam Raimi („Darkman“) produzierten Thriller „Locked“, der sich nach einem eher schwachen Start immerhin enorm berappelt, der wahre Spannungshöhepunkt. Und actiontechnisch sollte man sich von einem Film, der in einem stehenden Auto spielt, auch nicht zu viel erwarten. Trotzdem gibt es ein paar unvermutet harsche Effekte (platzender Kopf, derbe Gesichtslädierungen) zu sehen.

Zudem stimmt die technische Umsetzung, spielt Skarsgård mit zunehmender Laufzeit immer intensiver und besser, liefern die wenigen Nebendarsteller (etwa noch Michael Eklund („The Silent Hour“) als Automechaniker) ebenfalls ordentlich ab und strampelt sich das Skript zum Film vor allem im letzten Drittel durchaus gelungen vom Original frei. Und wer meint, das Finale von „Locked“ sei etwas drüber, der sollte sich mal das überkonstruierte Finish des Originals anschauen.

06 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 01. August 2025 von LEONINE und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. Die Datenträger kommen mit einem Making of, das etwas zu lange den Film zusammenfasst, dann aber auch gute Einblicke in die technische Umsetzung gibt. Ihr könnt den Film auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label LEONINE__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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