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Mean Guns

Originaltitel: Mean Guns__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__ Regie: Albert Pyun__Darsteller: Christopher Lambert, Ice-T, Michael Halsey, Deborah Van Valkenburgh, Yuji Okumoto, Thom Mathews, Kimberly Warren u.a.
Mean Guns

Christopher Lambert beehrt Albert Pyuns blutleere Ballerorgie “Mean Guns”.

Wenn es Filme gibt, die in den Ohren balleraffiner Genrefans wie ein feuchter Bodycount-Traum klingen müssen, dann gehört „Mean Guns“ von der Ausgangssituation her definitiv dazu …

Mr. Moon versammelt hier nämlich verschiedene Gestalten in einem Gebäude, das am nächsten Tag als Hochsicherheitsgefängnis eröffnet werden soll. Hier unterbreitet er den Anwesenden seine Vorstellung von einem spaßigen Beisammensein: Alle geladenen Gäste haben sich in irgendeiner Form gegen ein geheimnisvolles Syndikat verschworen oder versündigt. Und für diese „Sünde“ hat sich das Syndikat ein Spiel ausgedacht. Die Gewinner (drei sind vorgesehen) teilen sich zehn Millionen Dollar und sind rehabilitiert. Die Verlierer… nunja, die sterben.

Moon entfesselt kurz darauf eine lustige Menschenhatz, bei der jeder der Feind des anderen ist. Somit sind die Spielregeln klar: Jeder killt jeden… ohne Ausnahme…

Und weil wir hier ja einen feuchten Bodycount-Traum träumen, versammelt Moon nicht etwa 20 oder 30 Leute… Neeeeiiiin, der Bodycount liegt mühelos in den Hundertern. Als Moon dann endlich Waffen „regnen“ lässt, beginnen die Kombattanten direkt damit, sich standesgemäß zu zerfleischen. Nach diesem ersten Massaker finden sich die Überlebenden in kleinen Gruppen zusammen (der Einfachheit halber selten mehr als drei Leute) und machen sich auf die Suche nach den zehn Millionen, die irgendwo in dem Gebäude versteckt sind.

Die restlichen 100 Minuten wird nun geprügelt und geschossen, dass es eine wahre Freude ist. Mittendrin tragen verschiedene Leute auch diverse Privatfehden miteinander aus, so der erblondete Christopher Lambert („Ghost Rider 2“) als Lou und Michael Halsey („The Last Witch Hunter“) als Marcus. Sie bilden die „Identifikationsfiguren“ in diesem Chaos und ihr „Hauptkonflikt“ wird auch wirklich erst in den letzten fünf Minuten aufgedeckt. Was zum Ende sogar die Sympathien deutlich kippen lässt! Nicht schlecht für einen B-Reißer.

Ansonsten ist die Grundidee von „Mean Guns“ einfach nur menschenverachtend zynisch und gerade deshalb einfach famos – zumindest für Fans von B-Filmen. Was will man mehr als eine Hundertschaft Killer in einem Gebäude mit der Prämisse: Trust No One? Leider ist das Ergebnis dann nicht ganz so gelungen. Dies hat verschiedene Ursachen…

Der Hauptgrund ist, dass „Mean Guns“ krampfhaft auf cool getrimmt wurde. Auf dummdämliche (der Begriff pseudocool eignet sich hier nicht wirklich) Dialoge folgt immer eine lässig (meist zu lässig und vor allem nachlässig) inszenierte Ballerei. Dann wird wieder Gülle gelabert und schon rummst es wieder. Dieser ewig gleiche Ablauf beginnt irgendwann ziemlich zu langweilen.

Obendrein wurden die Actionszenen mit Latin-Rhythmen unterlegt, was sich auch nur als pseudohippe Kopfgeburt erweist und keinen wirklichen Sinn macht. Dazu sind die Actionszenen zu unelegant inszeniert. Auch der Rest ist einfach „hip“. Die Helden tragen lange Mäntel, ballern beidhändig, pissen Eiswürfel, überleben krasseste Fangschüsse und treffen auf Weiber, die entweder zu der Kategorie „Dumm fickt gut“ oder zur Kategorie „Männlichste aller Lederbitches“ gehören. Irgendwie ist hier alles überlebensgroß, was schnell zu nerven beginnt…

Negativ anlasten muss man dem Film auch seine absolute Blutleerheit. Ok, am nächsten Tag soll das Gebäude ja als Gefängnis eröffnet werden, da ist es nur nett, dass man nicht den ganzen Boden voll blutet und obendrein niemals die Umgebung beschädigt. Dementsprechend kippt zwar alle Sekunden irgendwer aus den Latschen, tut dies aber ohne JEDEN Blutverlust und umherfliegende Mauerteilchen oder ähnliches, was das große Sterben stylisher hätte machen können. So macht der Versuch, alles hip aussehen zu lassen, ausgerechnet vorm Wesentlichsten des Filmes halt: Der Action. Damit erhält der zynische Grundton des ganzen Filmes keinerlei optische Entsprechung. Schade, das Ding hätte ein richtig derber Klassiker werden können!

Optisch ist der Film ansonsten ein echtes Schmankerl geworden. Monochrome, blaustichige Bilder, interessante Schattensetzung und die eine oder andere schräge Perspektive lassen erahnen, dass Regisseur Albert Pyun („Nemesis“) bei aller Trashigkeit seiner Filme immer auch über ein gewisses optisches Gespür verfügt und nicht ohne Grund ein Kameramann Akira Kurosawas war. Hätte er sich doch nur von dessen Handlungs- und Schauspielerführung auch etwas abgeschaut. So bleibt ein pseudocooler, von dämlichen Dialogen überlaufender Metzel-Unsinn, der optisch durchaus überzeugen kann, eine skurrile Grundidee auffährt und einen spielfreudigen Christopher Lambert präsentiert, letztendlich aber an seiner Inkonsequenz scheitert.

Eine ungeschnittene DVD gab es zunächst lange Zeit nur von Mawa VCL, die mit einer FSK 18 uncut daherkam. Die Digidreams Studios haben sich im Rahmen ihrer „Platinum Cult Edition“ des Filmes angenommen und ihn auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Für diese Edition hat man den Film dank einer Crowdfunding-Aktion von einem Originalmaster im Format 1:2,35 neu abtasten lassen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Digidreams Studios__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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