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Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache

Originaltitel: Le Jardinier__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: David Charhon__Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Michaël Youn, Matthias Quiviger, Nawell Madani, Poqssi, Carl-Philipp Wengler, Jérôme Le Banner, Kaaris u.a.
Jean-Claude Van Damme in Mission: Gardener - Der grüne Daumen der Rache. Das DVD Cover.

Jean-Claude Van Damme erlebt die „Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“.

Der im Original schlicht „Le jardinier“ (französisch für „Der Gärtner“) betitelte neue Film von Jean-Claude Van Damme hat in unseren Breiten den umständlichen Titel „Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“ abbekommen. Es handelt sich um die zweite Zusammenarbeit von Regisseur David Charhon und Van Damme. Die erste hieß „The Last Mercenary“ und ließ mich sehr unterwältigt zurück. Kann „Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“ diese Scharte auswetzen?

Bei dem Politiker Serge Shuster klingelt das Telefon. Es ist ein Freund, der in der Autopsie arbeitet. Er habe einen Motorradfahrer der Republikanischen Garde auf dem Tisch, der bei einem Unfall tödlich verletzt wurde. Er habe einen braunen Briefumschlag dabei gehabt. Dieser enthalte eine Liste mit fünf Namen. Serge sei an Position fünf. Serge beginnt sofort zu frohlocken, glaubt er doch, dass es sich bei der Liste um mögliche Ministerkandidaten handeln könne.

Doch in Wirklichkeit handelt es sich um eine Kill-Liste. Ausgestellt vom französischen Premierminister höchstselbst – der Staatsräson wegen. Dementsprechend stehen plötzlich schwerbewaffnete Söldner vor Serges Haus. Die Familie von Serge wird umgehend festgesetzt, aber Serge kann aufgrund der Hilfe seines Gärtners Leo entkommen.

Mehr noch: Leo erweist sich als echte Kampfmaschine, die Serge in der Folge hilft, seine Familie wieder freizukämpfen.

Schaut in den Film hinein

Jean-Claude Van Damme ist der Gärtner

Wieso steht Serge eigentlich auf dieser ominösen Kill-Liste? Wie kann es sein, dass eine solche Liste überhaupt existiert? Und wieso darf der Premierminister ebenjene überhaupt anfertigen? Spannende Fragen, die „Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“ allerdings kein Stück interessieren. Denn Regisseur Charbon hatte wie bei „The Last Mercenary“ keinen echten Actioner im Sinn. Er bevorzugte stattdessen einen halbgaren Mix aus stupider Komik und zumindest einigermaßen okayer Action.

Dabei legt er handlungstechnisch direkt in den ersten 25 Minuten alle Karten auf den Tisch. Der Zuschauer kennt die Kill-Liste, er weiß, wer sie ausgestellt hat, und er kennt das grundlegende Setting um die Söldner, die Serges Familie gefangenhalten. Wesentliche neue Erkenntnisse hält das Drehbuch im weiteren Verlauf nicht mehr bereit. Maximal um Gärtner Leo werden noch ein paar Fakten lanciert, das war es aber auch schon.

Das ist etwas wenig für einen Film, der knapp 110 Minuten läuft. Und das bekommt der Zuschauer auch zu spüren. Die Actionkomödie weist zahlreiche Hänger und Leerlaufstellen auf. Zudem tritt der Film nach seinem flotten ersten Filmdrittel komplett auf der Stelle. Weder werden die Fieswichte richtig fies und machen Nägel mit Köpfen, noch schalten Serge und Leo in den Angriffsmodus.

Jean-Claude Van Damme als Gärtner in "Mission: Gardener".

Jean-Claude Van Damme hat den grünen Daumen der Rache.

Stattdessen muss der Zuschauer nun dem unfassbar nervigen Serge-Darsteller Michaël Youn („Lucky Luke“) ertragen. Der dreht als überspannter Politiker nämlich irre auf und lanciert einen nervigen Flachwitz nach dem anderen. Kaum eine Pointe zündet, kaum ein Gag sitzt. Absolutes Lowlight ist eine ewig in die Länge gezogene Sequenz um eine Wehrmachtsuniform, die kein Stück funktioniert. Jean-Claude Van Damme („Harte Ziele“) erträgt den Zirkus mit stoischer Miene im Frank-Drebin-Was-Juckt-Mich-Das-Chaos-Um-Mich-Herum-Modus. Zumindest das sorgt für kleinere Schmunzler.

Wenn Jean-Claude Van Damme nicht dazu verurteilt ist, Michaël Youn bei seinem unerträglichen Herumgehampel zuzugucken, darf er ganz nett sein Image als Actionheld persiflieren und, dem Duktus des Streifens folgend, ausschließlich mit Gartenutensilien die Lumpen killen. Das Lumpenabgeräume Van Dammes beißt sich dann aber gewaltig mit dem Humorüberschuss, den Youn dem Film einimpft. Denn die FSK-18-Freigabe in Deutschland kommt nicht von ungefähr.

Jean-Claude Van Damme reißt mit Jätekrallen fiese Wunden, rammt Gartenschäufelchen in Hälse, spießt mit Mistgabeln auf und zerstört Extremitäten mit Metallrechen. Aufgeschlitzte Kehlen und abgeschnittene Körperteile sind da nur die Kirsche auf der Torte. Und diese Momente atmen keinerlei echten Humor. Die zerschnitten und deshalb unrund wirkenden Choreographien von Laurent Demianoff („John Wick: Kapitel 4“) sind nicht locker-leicht, es gibt keinerlei schlitzohrige Momente.

Die Bösewichter der Komödie mit Jean-Claude Van Damme

Die Anführer der Söldner sind echte Kanten!

Einzig zwei offenkundige Zitate machen Spaß. Da wäre zum einen eine hysterische „The Equalizer“-Hommage und zum anderen eine Actionszene in einem Tunnelsystem, die schwer an „Rambo: Last Blood“ erinnert. Letztere hat mit einer Aufspießung und einer fiesen Bärenfallenszene auch den Gorehounds was zu bieten.

Insgesamt wird man als Zuschauer aber den Eindruck nicht los, hier hätten zig verschiedene Leute mit verschiedensten Zielen an dem Film gearbeitet. Der wirkt so nie wie aus einem Guss – stattdessen kommt einem ein Flickenteppich in den Sinn.

Zumindest optisch liefern Charhon und Luc-Besson-Stamm-Kameramann Thierry Arbogast („Anna“) ab und liefern ansprechende Bilder. Leider krankt der Film an seiner Schauplatzarmut, wobei er die beiden Sets (Serges Haus und ein Keller-/Tunnelsystem darunter) nicht ansatzweise komplett bespielt. Im Haussetting dominieren farbige, klare Bilder. Im Keller geht es eher erdig und dunkel zur Sache. Nur für das Finale verlässt der Film den Schauplatz und präsentiert hier eine leider arg unspektakuläre Autoverfolgungsjagd.

Jean Claude Van Damme in "Mission: Gardener"

Serge und Leo stellen sich den Fieswichten!

Darstellerisch macht Michaël Youn eigentlich eine Menge richtig. Er sollte ja überdrehen und nerven. Aber er nervt einfach zu sehr. Hinzu kommt, dass seine Familie arg unsympathisch gezeichnet wirkt. Infolgedessen ist man als Zuschauer auch nie in Serges Kampf drin.

Jean-Claude Van Damme hingegen ist der große Gewinner des Filmes. Okay, die Brille, die er trägt, ist an Hässlichkeit nicht zu überbieten und er setzt sie auch nie ab. Davon abgesehen, spielt er absolut sauber seinen rätselhaften Charakter runter und beweist neben seiner ordentlichen körperlichen Fitness (es gibt Sprung- und Drehkicks wie zu seinen besten Zeiten zu sehen) auch ein gutes komödiantisches Timing.

Die Fieswichter werden von echten Kanten gegeben, die auch Spaß an ihren Rollen hatten. Matthias Quiviger als Esmeralda, Kaaris („The Bouncer“) als Quasimodo und Jerome Le Banner („Babylon A.D.“) als Anführer machen Van Damme das Leben ordentlich schwer und hätten, wie er, einen ernsten Actioner mit geiler Action verdient gehabt.

„Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“ ist so, wie sein deutscher Titel klingt

Die Prämisse des Filmes und Jean-Claude Van Damme in der Hauptrolle hätten sicherlich die Chance auf einen taffen Actioner eröffnet. Stattdessen ist „Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“ eine total unausgewogne Melange aus verschiedensten Ingredienzien geworden, die kaum zusammengehen wollen: Action, Thriller, Actionheldenpersiflage, Brutalitäten und Komik. Vor allem letztere vergällt einem den Spaß teils eindrücklich.

Wenn hier gefühlt minutenlang Babykotze und Babyscheiße zelebriert werden und ein Baby durch die Gegend geschmissen wird, will man eigentlich ausschalten. Allgemein muss man ein großes Herz für den ganz groben frankophilen Humor haben, um hier durchzuhalten. Und Michaël Youn ist als Serge so nervig, dass man ihm stande pede den Tod an den Hals wünscht. Nur dann wäre die unlustige, viel zu lange, in Teilen langatmige und zugequatschte Actionkomödie mit erstaunlich derbem Blutzoll ja sofort vorbei. Zumindest ist „Mission: Gardener – Der grüne Daumen der Rache“ minimal besser als „The Last Mercenary“. Was aber auch keine Kunst ist.

04 von 10

Der Film startet am 24. Juli 2025 auf DVD und Blu-ray  durch. Er kommt von PLAION und ist mit einer Freigabe ab 18 ungeschnitten. Als Extras haben es nur Trailer auf die Datenträger geschafft. Gleichzeitig startet der von Prime-Video mitproduzierte Film auch in die digitale Auswertung.

In diesem Sinne:
freeman

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