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One Million K(l)icks

Originaltitel: One Million K(l)icks__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Alex Padrutt, Oliver Juhrs__Darsteller: Mike Möller, Volkram Zschiesche, Sabine Steinbach, Martin Baden, Michael Bornhütter, Anna Brandstetter, Lily Brhane, Marco Däumler, Phong Giang, Wanja Götz, Thomas Hacikoglu, Lee Huang u.a.
One Million K(l)icks DVD Cover

Mike Möller lässt in “One Million K(l)icks” die Fäuste kreisen. Und nicht nur die…

In unserem Interview zu „Street Gangs“ berichtete uns der deutsche Martial-Arts-Darsteller Mike Möller, dass er einen Film namens „One Million K(l)icks“ in der Pipeline habe. Das ist schon sechs Jahre her. In den USA ist der Film längst auf DVD draußen. In Deutschland hat Amazon Prime den Film einige Zeit lang dem deutschen Publikum präsentiert. Inzwischen ist er wieder aus dem Angebot geflogen. “Schöne” Streaming-Welt.

Frank und Salva gehören mit Leib und Seele zur Generation App. Sprich: Sie wollen DIE eine App entwickeln, auf die jeder gewartet hat und dann die fette Kohle machen. Blöderweise hat sie die Muse bislang noch nicht geküsst und so sitzen die beiden eines Abends wie gewohnt in der örtlichen Disco, lamentieren über ihre Ideenlosigkeit und lassen sich volllaufen. Da zieht ein Kerl ihre Blicke auf sich.

Der körperlich kleine Kerl legt mit seinen Flirt-Bemühungen einen eindrucksvollen Fremdschäm-Marathon in der Deluxe-Version hin und blitzt bei wirklich jedem Chick ab. Irgendwann gerät er auch noch an die Falsche und bekommt von deren Freund Prügel angedroht. Die Situation eskaliert und wenige Augenblicke später hat der „Winzling“ den Hünen geplättet. Geistesgegenwärtig hat Frank den kurzen, aber spektakulären Fight mit seiner Handycam aufgezeichnet.

Als Frank und Salva sich das Video noch einmal anschauen, sind sie nur noch begeisterter und haben endlich DIE Idee! Wenn ihnen das Video schon gefällt, wie sieht es dann erst mit den Leuten im WWW aus? Sofort haben sie die Vision von einer Website, die sie mit immer neuen Videos von Kampfsporteinlagen des kleinen Kerls bestücken und damit Klick- und Werbemillionäre werden. Schnell eilt man dem Kerl nach, um ihn zur Zusammenarbeit zu überreden. Das Gespräch mit dem Kerl namens Mike läuft wenig ersprießlich, ist der doch, wie in der Disco, mehr auf die Frauen vor Ort konzentriert.

Doch kurz darauf ruft Mike bei Frank an und erklärt ihm, dass er bereit sei, bei dem „Projekt“ mitzuwirken. Einzige Bedingung: Er will gegen Gegner kämpfen, die Kampfsport beherrschen. Freilich wachsen die nicht auf den Bäumen und erst recht haben die keinen Bock, gegen einen Nobody anzutreten. Also greifen Mike und Co. zu einer List. Sie recherchieren gute Kämpfer im Internet, suchen diese an ihren bevorzugten Aufenthaltsorten auf und provozieren sie bis aufs Mark.

Den Rest übernimmt Mike. Er drischt einen Gegner nach dem anderen spektakulär nieder und die Website www.one-million-kicks.com wird zum Internetphänomen. Bald melden sich Profi-Fighter aus aller Welt, um gegen Mike anzutreten. Der sich allmählich zum überbordend aggressiven Arschloch zu entwickeln scheint. Eine Begegnung mit seinem Vater, der offensichtlich aggressiv gegen Mike und dessen Mutter war, sowie ein Fight gegen einen Chinesen, der sich längst vom Kampfsport-Business zurückgezogen hat, lassen ihn seine Situation überdenken.

Als er in einem Barfight auch noch ein Messer in die Rippen gerammt bekommt und im Krankenhaus landet, beschließt Mike mithilfe des ihn überraschenderweise besuchenden Chinesen, seine Einstellung zum Kämpfen zu überdenken. Ein Sinneswandel, der Frank und Salva gar nicht schmeckt. Denn mit deren Website geht es rapide bergab, als Mike nicht mehr kämpfen will. Darum holen sie sich die Hilfe eines reichlich finsteren Typen, der vor nichts zurückschreckt und Mike zu einem ultimativen Kampf zwingen will…

Schaut in “One Million K(l)icks” mit Mike Möller hinein

„One Million K(l)icks“ ist in seiner ersten Hälfte ein feuchter Traum für jeden Kampfsportfan. Martial-Arts-Floh Mike Möller eilt hier von einem großartig in Szene gesetzten Fight zum nächsten und haut mit einer Schnelligkeit und Artistik Aktionen raus, die einfach nur Staunen machen. Zwischen die dynamischen, nie zu lang ausgewalzten Kämpfe platziert Regie-Debütant Alex Padrutt sowohl Montagen vom irren Training Mikes als auch kleinere Handlungsfetzen, die die Story von „One Million K(l)icks“ effektiv anschieben und die Grundidee quasi nebenbei etablieren.

In der Folge wird man in den ersten 45 Minuten förmlich bombardiert mit Eindrücken. Aus denen freilich die vielzähligen Fights überdeutlich herausstechen. Diese werden aufgrund der unterschiedlichen lancierten Fight-Lokalitäten (Bar, Disco, Turnhalle, Parkplatz, Wiesengelände, Abbruchhaus,…), der erkennbaren Stilunterschiede der Gegner Mikes (darunter auch Cha-Lee Yoon und Phong Giang aus „Plan B – Scheiß auf Plan A“) und der variierenden Gegnerzahl niemals eintönig.

Zudem funktioniert die Reise des Charakters Mike in diesem Abschnitt richtig gut. Diese geht vom mit viel Selbstironie gezeichneten Loser Mike zum Kampfsportgiganten hin zum arroganten Ehrgeizling, der durchaus auch die Sympathien des Publikums verspielt. Doch was darauf folgt, kann man wahrlich als mutig bezeichnen. Denn „One Million K(l)icks“ bricht in Hälfte zwei vollkommen mit der Action. Konzentriert sich auf die Sinnsuche seines Hauptcharakters und dessen Wandlung zum Mann, der nicht mehr kämpfen will.

Dazu verfrachtet man Mike ins Krankenhaus und lässt ihn hier zwei Personen kennenlernen, die mit Mike, dem Aggressor, nichts anfangen können. Das wären zum einen die von Sabine Steinbach herrlich naiv gespielte und dadurch wundervoll niedliche Krankenschwester Lili. Und zum anderen der irre charismatische Yanlong Li als chinesischer Koch Lee. Von letzterem versteht man zwar nur die Hälfte dessen, was er sagt, trotzdem nimmt man ihm den Mentor, der Mike hilft, seine Mitte zu finden, einhundertprozentig ab. Zudem haben Mike Möller und Yanlong Li eine irre Chemie!

Und die Wandlung Mikes funktioniert richtig gut. Natürlich hätte man selbige psychologischer ausgestalten können. Oder noch tiefergehender den Sinn des Kämpfens hinterfragen können. Keine Frage. Aber vermutlich hätte der Film dann irgendwann auch seine Zuschauer verloren. Denn als Actionfan muss man in dieser Phase schon ein wenig leiden.

Der wird dann in dem auch dramaturgisch durchaus schlüssig aufgebauten Showdown entschädigt, in dem ein geil als Powerhouse installierter Volkram Zschiesche („Immigration Game“) seinen als megafies entworfenen Charakter in den Kampf gegen Mike Möller werfen darf. Zwar hätte der Showdown gut und gerne einige Minuten länger ausfallen dürfen, rocken tut er trotzdem!

In Sachen technischer Umsetzung sticht „One Million K(l)icks“ den vorhergehenden Mike-Möller-Film „Street Gangs“ und den nachfolgenden „Ultimate Justice“ mühelos aus. Das Editing, die Kameraführung, die Wahl der Perspektiven und die Ausleuchtung lassen „One Million K(l)icks“ deutlich wertiger wirken. Auch der Score zum Film geht gut nach vorne und macht vor allem in der Action viel Spaß. Zwei Animationssequenzen überraschen, zumal die zweite auf einen zweiten Teil in Hongkong hindeutet!

In “One Million K(l)icks” lässt es Mike Möller erneut ordentlich krachen

Die wichtigste und beste Entscheidung bei den Dreharbeiten zum Film war jedoch, den Actioner NICHT in Englisch zu drehen. ALLE Schauspieler wirken direkt um ein Vielfaches authentischer, lebendiger und glaubwürdiger als in den bisherigen, teilweise arg steif gespielten Möller-Produktionen. Auch Mike Möller selbst profitiert von dieser Entscheidung extrem, wirkt locker, gelöst und erlaubt sich auch mal eine verschmitzte Mimik/Gestik.

Gibt’s denn gar nix zu meckern? Na doch: Nicht alle Darsteller sind echte Schauspieler, was man auch sieht. Auch das schmale Budget kann teils nur mühsam kaschiert werden. So wirkt mancher Schauplatz doch arg „hingebogen“ (Die Disco zu Beginn sei genannt). Und das Ungleichgewicht in der Verteilung der Action auf die erste und zweite Filmhälfte ist schon extrem. Davon abgesehen kann man Mike Möller und Co. wirklich nur gratulieren! „One Million K(l)icks“ bietet absolut saubere, in Teilen gar begeisternde Genre-Ware aus deutschen Landen, die in ihrer Action, deren Umsetzung und Choreografie sogar vergleichbare Produktionen aus anderen Ländern alt aussehen lässt.

7 von 10

Zur Veröffentlichungssituation wurde im Text alles gesagt. Man kann nur hoffen, dass sich auch in Deutschland noch ein Label des Streifens annimmt und „One Million K(l)icks“ nicht wie „Plan B“ (20th Century Fox anyone???) als digitale Ansammlung von Nullen und Einsen auf irgendwelchen Drecksservern versauert. In einem Land, in dem die Kanzlerin den Begriff Breitband noch höchst seltsam intoniert, keine physischen Datenträger anzubieten, kann einfach nur als Dummheit bezeichnet werden. Es soll auch in Gegenden ohne Breitbandanbindung Filmfans geben. Denen bleibt aktuell nur der Blick gen Amerika, wo das Label Parade Deck Films eine Code-1-DVD auf den Markt geworfen hat.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

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