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Quiet comes the Dawn

Originaltitel: Rassvet__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Pavel Sidorov__Darsteller: Alexandra Drozdova, Aleksandr Molochnikov, Anna Slyu, Oksana Akinshina, Kuzma Kotrelev, Miroslav Pentsov, Anastasiya Kuimova, Oleg Vasilkov u.a.
Quiet comes the Dawn russischer Horror DVD Cover

“Quiet comes the Dawn” bietet generischen Horror aus Mütterchen Russland.

Sobibor“, „Chroniken der Finsternis“, „T-34“ oder der demnächst anstehende Kinostart von „Attraction 2“: Der Streifzug deutscher Labels durch den russischen Filmkatalog geht munter weiter. Dank diverser Filme haben die Russen auch schon bewiesen, dass sie Horror können. „The Bride“ etwa geriet in seinem Heimatland zu einem echten Blockbuster. Die Produzenten dieses Gassenhauers lassen nun mit „Quiet comes the Dawn“ ihren nächsten Grusler aufs Publikum los.

In diesem dreht sich alles um Sveta. Die junge Dame feiert gerade ihren Geburtstag und bekommt anlässlich ihres Ehrentages sogar Besuch von einem seltenen Gast: Ihrem Bruder. Als dieser gar beschließt, bei Sveta zu übernachten, ist deren Glück perfekt. Das Geburtstagskind genießt die gemeinsame Zeit, bis es zur Katastrophe kommt. Mitten in der Nacht springt Svetas Bruder vor ihren Augen aus dem Fenster.

Wenige Tage später erhält die seitdem von Albträumen geplagte Sveta einen Anruf, dass sie den Nachlass ihres Bruders regeln müsse. Sie reist zu seiner Bleibe und muss feststellen, dass der von höchst eigenartigen Themen fasziniert war. Im Mittelpunkt standen die Ereignisse um eine Sekte namens Morgendämmerung, die von Träumen und einem unheimlichen Traumdämon besessen war. Um die Tat ihres Bruder verstehen und nachvollziehen zu können, entscheidet sich Sveta zu einem drastischen Schritt.

Sie wendet sich an ein Schlafforschungsinstitut, das mit bewussten Träumen herumspielt. Soll heißen: Sie versetzen mehrere Menschen gleichzeitig in den gleichen Traum, wo diese sich gegenseitig und immer im Bewusstsein, in einem Traum zu agieren, bei der Bewältigung ihrer größten Ängste helfen. Das Problem: Woher weiß man eigentlich, dass man träumt? Dementsprechend wissen Sveta und ihre Mitprobanden sehr bald nicht mehr, ob das Traumexperiment nun einfach missglückt ist oder sie sich mittendrin befinden.

Schaut in den russischen Horrorfilm hinein

Tja, wo anfangen? Zunächst einmal ist es schade, dass den Produzenten von „The Bride“ offenkundig nicht nach einem eigenständigen Horrorfilm zumute war. Wie schon bei ihrem unvermutet riesigen Kinohit schielen sie auch mit „Quiet comes the Dawn“ extrem in Richtung Massenmarkt und internationaler Vermarktung. Das Ergebnis ist ein in Look und Feel derart generischer Streifen, dass man ohne die russischen Charakternamen gar nicht ahnen würde, dass man hier einen russischen Film guckt.

Das setzt sich bei den Mitteln des Erschreckens fort: Herrenlos durch finstere Gänge rollende Kinderwagen, säuselnde Stimmen aus dem Off und ohne die massiv austeilende Tonspur vermutlich komplett versandende Jump Scares dominieren das altbekannte Grusel“vergnügen“ und lassen keinerlei Alleinstellungsmerkmal russischer Prägung erkennen.

Quiet comes the Dawn

Sveta im leichten Nachtkleidchen auf dem Weg ins Reich der Träume.

Dabei legt „Quiet comes the Dawn“ zu Beginn gut los. Schnell erreicht der Film einen ersten beklemmenden, effektiv inszenierten Höhepunkt, der zunächst nach Jump Scare riecht, dann aber eine tragische Wendung vollzieht. Auch das grundlegende Einführen der Traumthematik geht dem Film gut von der Hand. Es ist wenig plausibel, macht aber gespannt auf das, was kommt. Vor allem in optischer Hinsicht erwartet man bei dem Traumthema einiges… was man nicht bekommt.

Mit der Ankunft in dem Schlafforschungsinstitut fällt der Film dann komplett auseinander. Zu Beginn läuft einem noch ein freudiger Schauer über den Rücken. Denn der schrecklich schöne Gebäuderiegel, der das Institut beherbergt, ist schlichtweg eine Schau. Gruseliges 70er-Jahre „Volkseigener-Betrieb-Interieur“ gibt es da als Kirsche auf die Sahne obendrauf. Blöderweise bekommen Drehbuch und Regie nun nicht mehr vermittelt, was das Ganze nochmal mit dem gelungenen Einstieg zu tun haben soll.

Horror aus Russland

Sveta und ein egaler Mitstreiter.

Und die neu eingeführten Figuren, sofort als Opferlämmer ausgemacht, funktionieren obendrein kein Stück. Eine Bindung zu Sveta konnte man bis dahin auch nicht aufbauen. Die Folge: Null Involvement und eine vollkommene Abwesenheit von Spannung. Nur der eine oder andere brutale Jump Scare bewahrt den Zuschauer jetzt noch vorm Wegnicken. Wäre das gelungen, wäre man mit dem Film vermutlich gnädiger, weil man dann das Ende des Filmes nicht mehr erlebt hätte.

Dieses will schlau sein und ein wenig twisten. Zugegeben, auf die Auflösung wäre man aufgrund des bisher Gesehenen nicht gekommen. Aber die Präsentation ist total vergurkt. Auch weil man einfach nicht weiß, ob dieses Ende nun einen echten Abschluss darstellen soll oder man doch eine Fortsetzung ankündigt. Was auch und vor allem damit zu tun hat, dass man halt nicht so recht weiß, was nun eigentlich das Motiv der handelnden/strippenziehenden Figuren ist.

“Quiet comes the Dawn” und leise darf sie wieder verschwinden

Wie man anhand der bisherigen Zeilen erkennen kann, ist es kein Problem, „Quiet comes the Dawn“ unangespitzt in den Boden zu rammen. Zuviel geht nicht zusammen. Zu sehr wird sich an den Massenmarkt angebiedert (auch in Hinblick auf die sehr zurückhaltend inszenierten Gewaltmomente, sieht man von einer derben Szene ab). Und zu wenig spannend und zielgerichtet ist das mitunter extrem wirre Gebräu.

Im Wust der aktuell in schneller Folge auf den Markt geschmissenen Horrorschinken aus aller Herren Länder ragt „Quiet comes the Dawn“ dann aber doch ein wenig heraus. Denn der Film ist durchaus kinotauglich bebildert, das Setting ist einfach großartig, die Schauspieler mühen sich redlich (von einigen Nebenrollenausrutschern abgesehen) und die sich gegen Ende ballenden CGIs funktionieren nicht nur gut, sondern haben in einer Kreatur sogar einen richtig steilen Hingucker. Insgesamt war allerdings in so gut wie allen Belangen gepflegten Gruselns einfach viel mehr drin.

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Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 30. Januar 2020 von Eurovideo und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
Freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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