Beim erneuten „Resident Evil“-Reboot führt Zach Cregger Regie, der den Stoff als Survival-Horrorfilm mit wenigen Actioneinlagen und einem Normalo-Protagonisten aufzieht, der größtenteils allein agiert. Kurierfahrer Austin Abrams soll ein Spenderorgan ins verschneite Raccoon City bringen, wird jedoch bald mit Infizierten konfrontiert und muss um sein Überlebenkämpfen.
| Originaltitel: Resident Evil__Herstellungsland: USA/Deutschland__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Zach Cregger__Darsteller: Austin Abrams, Paul Walter Hauser, Kali Reis, Zach Cherry u.a. |
Nach sechs „Resident Evil“-Filmen, bei denen Paul W.S. Anderson in der einen oder anderen Funktion die Strippen zog, versuchte sich die Produktionsfirma Constantin Film mit „Welcome to Raccoon City“ an einem kommerziell wie kritisch gescheiterten Reboot. Also drückte man erneut den Reboot-Button und gab das Ganze in die Hände von Horror-Hoffnung Zach Cregger, der mit „Barbarian“ und „Weapons“ für Furore gesorgt hatte.
Das neuerliche Reboot, das lediglich auf „Resident Evil“ hört, nimmt keine bekannten Charaktere der Spielevorlagen wie Jill Valentine in den Mittelpunkt, keine wehrhaften Spezialagenten, sondern den Normalo Bryan Hodukavich (Austin Abrams). Der arbeitet als Kurier für Organlieferungen, erfährt während der Arbeit gerade, dass seine Freundin schwanger ist und geht damit begrenzt souverän um. Aber er beweist auch Bauernschläue, als niemand für das gerade gelieferte Organ zeitig unterschreiben will. Byran ist weder ein Schlau- noch ein Dummkopf, sondern ein Jedermann. Hauptdarsteller Austin Abrams war bereits in Creggers vorigem Film „Weapons“ als Junkie James zu sehen und bekommt hier nun die Hauptrolle.
Eigentlich will Bryan gerade Feierabend machen, als man ihm einen eiligen, gut bezahlten Auftrag anbietet. Eine Lieferung ins entfernte Raccoon City, in den verschneiten Bergen. Bryan nimmt an, obwohl er weder vernünftige Winterreifen noch Schneeketten hat, aber die Kohle gut brauchen kann. Für das Publikum, das von den Vorlagen auch nur gehört hat, ist das Städtename natürlich schon der Hinweis auf drohendes Unheil, während die mangelnde Ausrüstung den Survivalhorror-Aspekt von Anfang an betont: Hier begibt sich ein unwissender Normalo mitten ins Krisengebiet, der eigentlich noch nicht einmal auf die Fahrt bei Eis und Schnee vorbereitet ist.
In der Gegend um Raccoon City ist er nicht nur unwirtlich, in klassischer Horrormanier ist der Handyempfang auch schlecht. Als Bryan eine offensichtlich verwirrte Frau vors Auto läuft, nimmt er die Verletzte auf, um sie mit ins Krankenhaus zu nehmen. Damit hat er bereits die erste Infizierte eines Virusausbruchs getroffen – und es wird nicht die letzte bleiben…
Schaut euch den Trailer zu „Resident Evil“ an
Das Programm von Creggers „Resident Evil“ ist ein erfrischend anderer Ansatz zu den vorigen Filmen und den Spielevorlagen. Es geht nicht ausgebildete Spezialkräfte, die im Überlebenskampf auf ihr Training zurückgreifen können, sondern um Joe Average, der Waffenbenutzung eigentlich nur aus Videospielen kennt, wie das Drehbuch von Cregger und Shay Hatten („From the World of John Wick: Ballerina“) in einem kleinen In-Joke vermerkt. Bryan trifft immer mal wieder Fehlentscheidung (ohne doof zu wirken), Bryan beweist immer wieder Einfallsreichtum (ohne wie ein Superhirn zu wirken) und Bryan ist ein Typ, der in bisherigen „Resident Evil“-Medien höchstens als Statist oder Randfigur vorgekommen wäre. Das gibt dem Survival-Aspekt nochmal eine ganz andere Dimension als der sonst übliche bleihaltige Überlebenskampf. Immer wieder erinnert Cregger sein Publikum an die Verletzlichkeit seines Helden, der sich gegen Ende sogar ohne Schuhe und mit MP5 durch ein Hochhaus bewegt, als kleiner „Stirb langsam“-Verweis.
Austin Abrams („Scary Stories to Tell in the Dark“) spielt diesen Protagonisten dann auch entsprechend nahbar, als eine Figur mit Ecken und Kanten, als einen Menschen mit Stärken und Fehler. Über weite Strecken des Films muss er allein agieren, den anfänglichen Unglauben und den späteren Überlebenswillen dieses Jedermanns verkörpern. Nur hin und wieder hat er Anspielpartner, etwa Kali Reis („Mercy“) und Paul Walter Hauser („Balls Up“) als Umbrella-Angestellte. Reis gibt die wortkarge Vollstreckerin, Hauser den eher redseligen Wissenschaftler. Seine Szenen dienen teilweise der humorigen Auflockerung, fallen aber hin und wieder etwas zu komödiantisch aus. Sonst sind die gelegentlichen humoristischen Einsprengsel merklich besser eingesetzt, mit denen Cregger immer wieder für kurzzeitige Entspannung und befreiendes Lachen sorgt. In manchen davon spielt er auch mit bekannten Genre-Topoi, etwa wenn es um das Aufschießen von Schlössern geht oder eine Szene fast als Kommentar zu den Ballerheldinnen von Andersons „Resident Evil“-Filmen durchgeht.

Kurier Bryan Hodukavich (Austin Abrams) ahnt nicht, was ihn bei der Fahrt nach Raccoon City erwartet (Copyright: Sony Pictures / Constantin Film / Dušan Martinček)
Auch beim Design der Infizierten geht „Resident Evil“ etwas andere Wege. Es sind keine Romero-Zombies, trotz ihrer Schnelligkeit auch keine Abziehbilder der Virus-Opfer in den „28 Days Later“-Filmen. Stattdessen sind Einflüsse des Bodyhorrors zu finden, während Cregger manche Regeln des klassischen Zombie- bzw. Infiziertenfilms neu interpretiert oder gegen den Strich bürstet. Auch Kinder und Babys sind entgegen den klassischen Horrorregeln nicht tabu, doch die besagten Szenen inszeniert Cregger mit Geschmackssicherheit und Sinn für den Schock. Denn dies verdeutlicht die Fallhöhe des Virusausbruchs umso mehr. Oft erinnert das Ganze an das Schaffen von John Carpenter, wenn der Held sich allein durch eine feindselige Stadtumgebung bewegt wie in „Die Klapperschlange“ (allerdings ohne die Coolness oder die Wehrhaftigkeit). Nicht nur wegen des verschneiten Survival-Szenarios kommen allerdings öfter Erinnerungen an dessen „Das Ding aus einer anderen Welt“ hoch. Zudem spielt der Filmemacher geschickt mit den Erwartungen, schon bei der Begegnung mit ersten Infizierten, die etwas anders als in ähnlich gelagerten Filmen verläuft.
Bryans Weg durch die Katastrophe führt durch Schauplätze, die nicht nur räumlich, sondern auch dramaturgisch immer größer werden. Das erste Set Piece spielt quasi nur um ein Autowrack herum, danach geht es zu einer Farm im Nirgendwo, danach in einen Tunnel voller verlassener Vehikel, danach zu verschiedenen Teilen von Raccoon City. Die Anzahl der Bedrohungen, deren Gefährlichkeit, all das potenziert sich auf Bryans Weg, während dieser immer weiter angeschlagen ist, auch wenn er zwischendurch Erfahrungen und Waffen sammelt. Immer neue, stark designte Monstrositäten tauchen auf, gegen die sich Bryan wehren oder denen er entkommen muss. Das hat ein bisschen was von der Levelstruktur eines Videospiels, fühlt sich aber im Gegensatz zu vielen anderen Game-Verfilmungen nicht danach an. Bryan begibt sich auf eine nachvollziehbare, dramaturgisch motivierte Reise ins Herz der Gefahr, denn schon früh verliert er sowohl das Auto als auch den Kontakt zur Außenwelt, sodass der Weg nach Raccoon City (dessen Zustand er nicht kennt) vielversprechender erscheint als die Flucht zurück.

Bryan ist kein waffenstarrender Held, aber mit reichlich Infizierten konfrontiert (Copyright: Sony Pictures / Constantin Film / Dušan Martinček)
Cregger inszeniert das Ganze effektiv, mit einigen gut gesetzten Jump Scares, vor allem aber einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit. In dunklen Tunneln, in der Weite der Landschaft, aber auch hinter jeder Tür in einem Haus könnte die nächste Bedrohung lauern, wobei die Kameraarbeit von Dariusz Wolski („Sicario 2“) ihren Teil dazu beiträgt. Selbst wenn Bryan sich nur in und um ein Auto ein Katz-und-Maus-Spiel mit einer Infizierten liefert, dann findet der Kameramann die richtigen Perspektiven, um die Spannung hochzutreiben. „Resident Evil“ weiß, dass das, was außerhalb des Bildraums liegt, genauso wichtig ist wie das, was man gerade sieht. Und welche Bedeutung ein Gefühl für Raum und Positionierung der Figuren besitzt. Etwa wenn Bryan aus dem Fenster eines Bauernhauses eine heranlaufende Infizierte sieht, mit vor Panik zitternden Fingern eine Schrotflinte laden will und der Akt zum Wettlauf gegen die Zeit wird. Zudem gelingen Cregger und Wolski immer wieder eindrucksvolle Bilder, etwa wenn sich Infizierte bei der Jagd nach Bryan in Massen von Hausdächern stürzen und auf dem Boden oder geparkten Autos aufschlagen. Derbe Effekte, teils handgemacht, teils aus dem Computer, gibt es auch zu bewundern, doch trotz seiner Härte steht der Gore bei „Resident Evil“ nicht im Vordergrund.
Ist der Film also die Horrorwucht in Tüten, der ganz große Genreüberflieger? Das dann doch nicht, denn „Resident Evil“ gefällt sich als Survivalhorrorfilm, der sich trotz eines 80-Millionen-Dollar-Budgets eine gewisse Intimität bewahrt, nicht zuletzt aufgrund der Isolation des Protagonisten. Und es lassen sich auch ein paar Schwächen neben den etwas zu komödiantischen Hauser-Szenen finden. Eine dramatisch gemeinte Sprachnachricht an die Freundin wirkt dann doch etwas aufgesetzt, auch wenn das Thema Elternschaft immer mitschwingt (man denke an Szenen wie die Begegnung mit einem infizierten Kind oder die Durchquerung einer Entbindungsstation). Außerdem wirkt gerade das Finale von „Resident Evil“ etwas unbefriedigend, als Höhepunkt etwas schwach, zumal sich gerade kurz vor Schluss einige Dinge doch sehr wiederholen. Und dann ist da noch der Franchise-Charakter des Ganzen: Man weiß, dass die Katastrophe bestenfalls für einige Beteiligte gut ausgehen kann, aber kaum gesamt. Denn bei Erfolg sollen ja weitere „Resident Evil“-Filme folgen.
Unter den bisherigen Kino-Adaptionen der beliebten Game-Reihe ist Zach Creggers Version jedoch klar der beste „Resident Evil“-Film. Es ist ein gut aufgebauter Survival-Horrorfilm mit kleinen Actioneinlagen, der jedoch durch die Jedermann-Natur des Protagonisten die Spannung und das Bedrohungslevel konstant hochhält. Dramaturgisch steigert sich der Film konstant, Kameraarbeit und Hauptdarsteller Austin Abrams sind hervorragend, mit etwas Augenzwinkern sorgt Cregger für Entspannung zwischendurch und spielt mit Genrestandards. Im Schlussakt lässt „Resident Evil“ leider etwas nach – aber das Problem hatten auch schon der etwas bessere „Weapons“ und der etwas schwächere „Barbarian“.
Starke:
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Constantin Film bringt „Resident Evil am 17. September in deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.
© Nils Bothmann (McClane)
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