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Showdown in Manila

Originaltitel: Showdown in Manila__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Mark Dacascos__Darsteller: Alexander Nevsky, Casper Van Dien, Cary-Hiroyuki Tagawa, Mark Dacascos, Tia Carrere, Matthias Hues, Olivier Gruner, Don Wilson, Cynthia Rothrock, Maria Bravikova, Jake Macapagal u.a.
Showdown in Manila DVD Cover

Mark Dacascos Regiedebüt “Showdown in Manila” wäre gerne eine Art B-Expendables.

Alexander Nevsky ist ein russischer Bodybuilder, der irgendwann beschlossen hat, eine Schauspielkarriere anzustreben. Dabei agiert er vornehmlich im Actionfach, schreibt sich seine Rollen meist selbst auf den Leib und betätigt sich häufig auch als Produzent seiner Streifen. Als solcher engagiert er gerne Darsteller, die er selbst immer bewundert hat, beziehungsweise die sich verlässlich durch die B- und C-Produktionen der Hollywood-Traumfabrik geballert haben. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung markiert „Showdown in Manila“, der sich wie eine B-C-Variante von „The Expendables“ anfühlt. Und Mark Dacascos’ Regiedebüt darstellt!

Nick Peyton ist seiner großen Liebe nach Manila gefolgt. Hier wird der schrankwandbreite Typ schnell zum Mitglied der Spezialeinheit Violent Crime Unit. Beim Zugriff auf einen Lump, dem man schon länger auf den Fersen ist, läuft Nick mit seinen Mannen in einen Hinterhalt. Zwar kann er den Gangster ausschalten, wird dann aber von dessen Partnern angeschossen und zum Sterben zurückgelassen.

Nick überlebt, aber mit dem Job in der Spezialeinheit ist es vorbei. Er wird von seinen Vorgesetzten für das Blutbad verantwortlich gemacht und gefeuert. Zwei Jahre später verdingt sich Nick mit seinem Partner Charlie als Privatdetektiv in Manila. Als beide von einer Frau verpflichtet werden, den Mörder ihres Mannes zu suchen, führt das unser dynamisches Duo mit den Männern zusammen, die einst Nick zusammengeschossen haben. Und freilich möchte der sich für diese Untat nur zu gerne revanchieren…

Schaut in “Showdown in Manila” von und mit Mark Dacascos hinein

Das muss schon ein cooles Gefühl sein, die Eröffnungsszene seines Filmes zu drehen und zu wissen, dass diese mit Cary-Hiroyuki Tagawa („Tekken 2“) und Matthias Hues („Ultimate Justice“) abgeschlossen werden wird. Die beiden Fiesfressen, die über ihre gesamte Karriere hinweg zumeist auf den fiesen Bösewicht festgelegt waren, müssen sich für „Showdown in Manila“ nicht groß umorientieren. Sie geben die Fieslinge der Chose, die bereits in ihrer zweiten Szene Regisseur Mark Dacascos („Der Pakt der Wölfe“) meucheln dürfen. Diese Lumpen!

Dessen Ehefrau wird von 90’s Superbabe Tia Carrere („Gutshot Straight“) gegeben, die sich zum einen gut gehalten hat und zum anderen immer noch die Rundungen an genau den richtigen Stellen vorweisen kann. Sie ist es dann auch, die Nick und Charlie in die Spur schickt, um den Mörder ihres Mannes zu finden. Es beginnt der große Ermittlungspart, der sich aus genretypischen Verhören, Verfolgungsjagden und flotten Sprüchen zusammensetzt.

Showdown in Manila mit Casper Van Dien und Alexander Nevsky

Alexander Nevsky und Casper Van Dien ermitteln.

In dieser Phase reißt ein wunderbar locker aufspielende Casper Van Dien („Sharktopus vs. Whalewolf“) als Charlie den ganzen Film an sich. Sprüche klopfend albert er sich neben dem irre steif und ungelenk durch die Gegend latschenden Nevsky durch die Straßen Manilas, kennt jeden Stripschuppen und jede Hure der Stadt und sammelt lieber Telefonnummern von Touristinnen als Hinweise auf die Lumpenhunde. Und der wenig charismatische Nevsky tut gut daran, sich an Van Diens Seite durch seinen eigenen Film zu stehlen, maximal mal einen Oneliner abzulassen oder Matthias Hues eine vors Fressbrett zu donnern.

So kann „Showdown in Manila“ nämlich auf hoch unterhaltsame Art und Weise übertünchen, dass sein gesamter Mittelteil einfach nur das Unvermeidliche hinauszögert, von einem Klischee zum nächsten holpert und erzählerisch überhaupt gar nichts auf dem Kasten hat. Muss er auch nicht, da der Zuschauer alles weiß, was er wissen muss. Im Grunde ist der Mittelteil des Filmes doch eh nur dazu da, sich auf das große Geballer gegen Ende einzustellen.

Bevor der Showdown dann steigen darf, ruft Regisseur Mark Dacascos noch schnell Cynthia Rothrock („Fast Getaway“), Olivier Gruner („Nemesis“) und Don – The Dragon – Wilson („Ring of Fire“) herbei. Steckt sie in Army-Klamotten und los geht die wilde Sause.

Showdown in Manila mit Cary-Hiroyuki Tagawa

Cary-Hiroyuki Tagawa gibt den Lump in “Showdown in Manila”.

Hier stellt man dann schon etwas enttäuscht fest, dass ein Film mit einer solchen Besetzung nur zwei Actionszenen vorzuweisen hat. Wobei die erste gleich zu Beginn steigt und wenig Eindruck macht. Dacascos installiert eine „The Rock“-ähnliche Szenerie, in der Nicks Team in einer unvorteilhaften Stellung ausharrt und hier von den Lumpen aus erhöhter Position brutal zusammengeschossen wird. Es spritzt ein wenig Blut (ein Mix aus Blutbeuteln und CGI-Blut), es gibt Treffereffekte aus der Konserve und eine Choreografie sucht man in dem wilden Geholze vergebens. Auch agiert die Spezialeinheit wenig spezialeinheitswürdig.

Actionszene zwei – und damit der Showdown – macht da schon mehr Freude. Das Setting ist einfach toll, haben doch die Lumpen um Tagawa ihre Zelte am Fuße eines schönen Wasserfalls mitten in der philippinischen Natur aufgeschlagen. Klar, dass diese Zelte nun ebenso wie die Söldner um Tagawa ordentlich zusammengeschossen werden. Dabei machen vor allem die Altstars viel Spaß! Cynthia Rothrock kickt noch sehr behände um sich und darf wieselflink von Stellung zu Stellung huschen. Auch Don Wilson darf neben dem ganzen Geballer Mano-a-Mano gegen ein paar Lumpen ran und zeigt sich von seiner fitten Seite.

Das Highlight ist aber Olivier Gruner, der hier ein paar sehr starke Bewegungsabfolgen zeigen und mit einem Messer ordentlich herumschnetzeln darf. Da sieht Nevsky richtig alt dagegen aus. Zumal Dacascos ihn unvorteilhaft immer am gleichen Platz stehen lässt, von wo er wie ein Geschützturm die blauen Bohnen verteilt. Ein Fight, den er bestreiten darf, gönnt ihm ebenfalls nur einen Bewegungsradius von 1-2 Metern. Man kann um Nevskys Reputation als neuer Actionheld Willen nur hoffen, dass er im Umkreis der Dreharbeiten dummerweise auf eine herumliegende Tretmine getreten ist und seine Wunden noch am Verheilen waren.

Showdown in Manila mit Casper Van Dien

Casper Van Dien mutiert schnell zum größten Joker des Filmes.

Die Action selber ist ganz ordentlich umgesetzt. Man sieht ihr allerdings an, dass trotz einem Produzenten wie Andrzej Bartkowiak (Regisseur von „Exit Wounds“) das Budget eher knapp bemessen war (mit Christopher H. Santiago produzierte auch ein Sohnemann vom philippinischen Actionspezialisten Cirio H. Santiago!). Die Folge sind unter anderem CGI-Blut, CGI-Trefferwirkungen und eher klein skalierte Explosionen. Zudem wirkt das Editing im Showdown reichlich unbeholfen. Immer mal wieder sieht man Charaktere, die wild Waffen abfeuern, aber es wird erstaunlich selten ein Gegenschnitt mit den Auswirkungen präsentiert.

Interessant ist, dass sich Mark Dacascos für sein Regiedebüt in der eigenen Familie Unterstützung holte. In der Action wurde er von seinem Vater Al bei der Choreografie der leider sehr wenigen Fights unterstützt. Und Marks Schwester Vanessa trägt einige Songs zu dem im Übrigen sehr zackigen Score von „Showdown in Manila“ bei. Inszenatorisch bietet Marks Regiedebüt solide, leider etwas schmucklose Optik, die vor allem aus ihrem exotischen Schauplatz Manila nur wenig zu machen vermag. Aus Budgetgründen durfte man zudem sichtlich nur an den abgeranzten Schauplätzen der Stadt drehen.

“Showdown in Manila” hätte mehr auf seine B-Actionhelden vertrauen sollen

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der alleine aufgrund seines Starauftriebs das Herz eines jeden B-Actionfans zu erfreuen mag. Obendrein sind die Stars mit Spaß bei der Sache und harmonieren sehr gut miteinander. Schade ist, dass der Film kein Ensemblestück ist und doch überdeutlich auf Alexander Nevsky zugeschnitten wurde. So achtet man dann doch auf Punkte wie Story und Co. und begreift das Ganze nicht als große Party der ehemaligen B-Recken. Und da fällt schon auf, wie dünn und nichtssagend die Geschichte geraten ist, wie gruselig steif Nevsky spielt, wie karg die Optik des Filmes ausgefallen ist, wie wenig Action er letzten Endes bietet und wie wenig diese rockt.

In der Folge gerät ein irre spielfreudiger Casper Van Dien zum Joker der Unternehmung, holt er doch vor allem im langen Nevsky-ermittelt-Part diverse Kohlen aus dem Feuer und lässt „Showdown in Manila“ niemals langweilig werden. So steht am Ende vor allem die Erkenntnis, dass man von Mark Dacascos’ Regiedebüt ganz ordentlich unterhalten wurde. Und die Hoffnung bleibt, dass irgendwann versiertere Macher mit mehr Kohle einen echten B-Expendables stemmen.

5 von 10

In den USA erschien der Streifen auf einer Code-1-DVD von den Labeln itn Distribution und eOne und ist in dieser Form not rated. Eine Freigabe ab 16 sollte angesichts der gebotenen Härten mühelos machbar sein. Genau das ist Tiberius Film / Sunfilm auch gelungen. Die bringen „Showdown in Manila“ am 5. Juli 2018 auf DVD und Blu-ray.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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