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Spin (aka “You are here”)

Originaltitel: Spin / You are here__Herstellungsland: USA __Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Henry Pincus__Darsteller: Patrick John Flueger, Lauren German, Adam Campbell, Katie Cassidy, Bijou Phillips, Michael Biehn, Chris Lowell, Amber Heard, Danny Masterson, …

Das Cover der US DVD.

Das Cover der US DVD.

Eines der ursprünglichen Poster bzw. Plakatmotive.

Eines der ursprünglichen Poster bzw. Plakatmotive.

„Please try and remember not to take this time for granted – because you´re here! And trust me when I tell you this: That you´ll never be this young, this cool, this careless or this carefree again! And if you thought last night was hot: Fuck that! You´re gonna make tonight even hotter! Cause this is life, people – and here we go again…“

Dies sind die letzten Worte, die in Henry Pincus´ 2007er Regiedebüt „Spin“ gesprochen bzw. von einem Barbesitzer gegenüber seinen Mitarbeitern vorgetragen werden – und wäre es dem vorangegangenen Film irgendwie möglich gewesen, genau dieses (in eben jener Aussage mitklingende) „Feeling“ zu vermitteln, wäre dieser (einst unter dem Titel „You are here“ bekannte) Low-Budget-Indie mit Sicherheit ein deutliches Stück weit besser ausgefallen und zugleich auch näher an der Qualität seines offenkundigen Vorbilds „Go“ (1999) geraten. Primär in Gestalt einer Reihe ausgedehnter Rücklenden, die ihrerseits aus unterschiedlichen Perspektiven heraus erzählt bzw. dargereicht werden, erhält das Publikum spezielle (knapp 24 Stunden umfassende) Erlebnisse aus der Existenz einiger Angehöriger einer Clique junger Leute präsentiert, deren gemeinsamer Verbindungspunkt ein angesagter Szene-Club in L.A. markiert…

Als Ryan (Patrick Flueger) am Morgen nach einer stürmischen Partynacht „überraschend“ im Bett von Apple (Katie Cassidy) erwacht, kann er sich das einfach nicht erklären – zumal ihm (bis auf einzelne Fragmente) nahezu alle Erinnerungen ans Vorherige fehlen und er per se eigentlich mit keinem anderen Mädel als seiner besten Freundin Cassie (Lauren German) „etwas anfangen“ wollte, schlichtweg weil er in jene bereits seit langem wahnsinnig verliebt ist. Um genauere Infos über die betreffenden Hintergründe zu erfahren, ruft er nun erst einmal seinen Kumpel Mick (Adam Campbell) an, der ihm tatsächlich einige Hinweise auf das Geschehene zu liefern vermag – allerdings ergeben etliche der Bruchstücke, wie dass Cassie irgendwann mit dem zwielichtigen Agenten Tony (Michael Biehn) losgezogen ist und er später am Abend gar mal splitternackt in einer Tierklinik zu sich gekommen war, noch immer keinen rechten Sinn. Erst zusätzliche Schilderungen, u.a. direkt von Cassie sowie ihrer BFF Aubrey (Bijou Phillips), bringen gedeihlich Licht ins Dunkel: Dank solcher „Zutaten“ wie eine Mehrzahl verzweigter Gefühlsempfindungen, einer neuen Droge mit noch unbekannten Nebenwirkungen sowie einem bei Tagesanbruch verstorben gewähnten Mitglied des organisierten Verbrechens, mit dessen weniger als halb so alten Gattin (Amber Heard) Mick im Vorhinein „spontan mal“ in die Kiste gesprungen war, fällt es einem (als Zuschauer) nicht sonderlich schwer festzustellen, dass es die zurückliegende Nacht (für so manche) wohl echt in sich hatte…

Meine Hoffnung war es gewesen, dass sich „Spin“ als etwas in der Richtung eines „kleinen Geheimtipps“ entpuppen würde – schließlich handelt es sich bei dem Film um eine relativ unbekannte Veröffentlichung mit coolen Schauspielern, einer passabel klingenden Story und einem reizvoll gestalteten Trailer, der mir aufgrund seines „ansprechenden Vibes“ auf Anhieb zusagte. Leider wich dieser Optimismus im Zuge des Sichtens aber recht bald schon einer enttäuschenden Ernüchterung – vorrangig weil man es dem Gebotenen geradezu permanent anmerkt, dass es jemandem mit mehr Erfahrung und „Fingerspitzengefühl“ (als Newcomer Pincus) bedurft hätte, um sowohl den Inhalt beseelter zu konzipieren als auch die Materie an sich ergiebiger umzusetzen. Das grundlegende Konzept, am Tag danach die Ereignisse einer „besonderen Nacht“ anhand unterschiedlicher Aussagen und Blickwinkel (quasi Stück für Stück) zu „rekonstruieren“, ist ein durchaus anständiges – allerdings sind die einzelnen Plot-Elemente in diesem Fall einfach nicht interessant genug geartet, um einen über die komplette Lauflänge (von eh nur knapp 80 Minuten) hinweg vernünftig bei Laune zu halten. Zugegeben, einige Einfälle entbehren nicht einer gewissen Cleverness – bloß sind es insgesamt zu wenige, um diesen auf „hip“ getrimmten Mix aus Banalitäten und grob angerissenen Tiefgründigkeiten sowie locker-leichten und dramatisch-ernsten Momenten eine genügend ausgeprägte „positive Note“ zu verleihen, die das Werk letztlich (eventuell) noch vor einem Abrutschen in die Belanglosigkeit hätte bewahren können…

Sex, drugs, fun, friendship, coming of age and searching for love – so lassen sich die zentralen Themen bzw. „Kernpunkte“ des Streifens adäquat zusammenfassen. Ausgenommen Michael Biehn („Aliens“), der einen „Actors-Manager“ Schrägstrich Gangster (gewohnt solide) mimt, besteht die Cast in erster Linie aus einem Ensemble ebenso gut aussehender wie talentierter Twenty-somethings, aus deren Reihen (glücklicherweise) keiner irgendwie „störend“ oder „in anderer Weise negativ“ heraussticht. Fangen wir einfach mal mit den Herrn der Schöpfung an: Patrick Flueger („Mother´s Day“) agiert okay, bloß kam mir seine Figur (seitens des Skripts) schlichtweg zu unmarkant gezeichnet daher, Adam Campbell („Epic Movie“) bringt die „hochmütige Ader“ Micks (u.a. durch seinen markanten britischen Akzent) relativ prima rüber, „That ’70s Show“-Star Danny Masterson absolviert ein Cameo und auch Chris Lowell´s (TV´s „Private Practice“) Darbietung eines „ständig unter Strom stehenden jungen Mannes“, der eigentlich aus reichem Hause stammt, es allerdings ohne dem Geld seiner Familie „zu schaffen“ versucht, fand ich im Prinzip gar nicht mal so unamüsant wie eingangs noch befürchtet. Nun aber zu der durchweg aufregend-attraktiven weiblichen Besetzung: Obgleich ihr Part (ähnlich wie Fluegers) nicht unbedingt viel hergibt, stellt Lauren German („the Divide“) einmal mehr ihr ansehnliches Talent zur Schau, Katie Cassidy („A Nightmare on Elm Street“) liefert eine rundum anständige Performance ab, Angela Trimbur („Halloween 2“) tritt als „sexy Psycho-Groupie-Stalker-Chick“ in Erscheinung und in einer Nebenrolle ist (die hier ein wenig pausbäckige) Amber Heard („All the Boys love Mandy Lane“) als Serien-Starlet sowie untreue Gemahlin Tonys zu sehen. Am meisten hat mir persönlich jedoch der Auftritt Bijou Phillips´ („Havoc“) gefallen, welche nicht nur dank ihrer quäkigen Stimme und „aufgedrehten Natur“ für einige der vergnüglichsten Augenblicke im Verlauf sorgt…

Im Zuge seiner Funktion als Drehbuchautor ist es Pincus nicht gelungen, seine Protagonisten mit einer Charaktertiefe auszustatten, die es dem Publikum erlaubt, sich mit ihnen in einem ersprießlichen Maße zu identifizieren: Sie muten genauso oberflächlich an wie die gesamte Handlung, in deren Rahmen sie sich bewegen. Trotz einzelner sympathischer und/oder zum Schmunzeln anregender Momente fehlt es im Grunde allem (sprich: den Dialogen, Set-Pieces, individuellen Personen-Eigenschaften sowie dem Eindruck der kompletten Regie-Arbeit) am gewissen Etwas – sehr zum Leidwesen des Zuschauerinteresses, welches innerhalb der Plot-Entfaltung nie vernünftig gesteigert zu werden vermag. Entsprechend unzufrieden bleibt man am Ende zurück, wenn die Credits schließlich einsetzen – selbst unabhängig des eher unerwarteten Ausgangs einer der im direkten Story-Fokus stehenden „Beziehungsfragen“ unmittelbar zuvor. Nichts kann davon ablenken, dass es dem Werk an einer gehörigen Portion Substanz mangelt – auch nicht das verhältnismäßig straff gehaltene Tempo. Die generelle Umsetzung krankt indes (sichtlich) an den limitierten finanziellen Ressourcen, welche den Machern nur zur Verfügung standen: Bestimmte Locations (wie z.B. der angesagte Club) wirken unschön steril, was ihnen auf Anhieb „den nötigen Flair“ raubt, die von Cinematographer Steve Gainer („Super“) kreierte Bildersprache ist irgendwie weder aufregend noch dynamisch genug, um die „Energie“ der diversen Ereignisse und Emotionen treffend widerzuspiegeln – und obendrein lässt die Inszenierung von Neuling Pincus jeglichen „inspirierten Funken“ vermissen. Nicht einmal der Soundtrack kommt (in seiner Gänze bewertet) übers laue Mittelmaß hinaus – schade, schade…

Fazit:  „Spin“ (aka „You are here“) ist eine enttäuschende kleine Independent-Produktion aus dem Jahre 2007, welche außer einem ansprechenden Cast-Ensemble leider nicht allzu viel zu bieten hat und überdies unvorteilhaft auffällig den inhaltlichen wie stilistischen Pfaden von Doug Liman´s „Go“ folgt – ohne jenem 1999er Kulthit allerdings je in Sachen Qualität, Atmosphäre und/oder Unterhaltungswert auch nur ansatzweise nahe zu kommen…

Unter dem Titel “Spin” ist der Film u.a. in Australien, Großbritannien und den USA (jeweils ungeschnitten) auf DVD erschienen. Eine Veröffentlichung hierzulande ist mir nicht bekannt.

Stefan Seidl

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