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Terminator: Dark Fate

Originaltitel: Terminator: Dark Fate__Herstellungsland: USA, China, Ungarn__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Tim Miller__Produktion: James Cameron u.a.__Darsteller: Mackenzie Davis, Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Brett Azar, Gabriel Luna, Natalia Reyes, Diego Boneta, Alicia Borrachero, Steven Cree, Tábata Cerezo, Björn Freiberg u.a.
Terminator: Dark Fate deutsches Plakat

“Terminator: Dark Fate” pfeift auf alles nach “Terminator 2: Judgment Day”.

1997: Die an einen Strand brandenden Wellen legen menschliche Schädel frei. Aus dem Wasser kommen T-800 Endoskelette gelaufen, die ihre todbringenden Waffen abfeuern. Fluggeräte, gesteuert von Skynet, bringen zusätzlich Tod und Verderben. Ein T-800 läuft auf ein kleines Mädchen zu und legt an… Schnitt.

1998: Der gleiche Strand. Idyllische Bilder. Das soeben noch dem Tod geweihte Kind sitzt an dem Strand und spielt. Sarah Connor und ihr Sohn John genießen eine Art Urlaub. Sie haben den Judgment Day abgewendet. Niemand kennt Begriffe wie Cyberdyne oder Skynet. Da taucht plötzlich ein vertrauter alter Bekannter auf: Ein T-800. Deutlich jünger als das Model, das John und Sarah wenige Tage zuvor noch mehrfach das Leben gerettet hatte. Die Maschine legt an und *bäm*.

Der Marketinglärm, dass „Terminator: Dark Fate“ die Filme „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“, „Terminator: Die Erlösung“ und „Terminator: Genisys“ komplett ignorieren, ja sogar negieren werde, war keine leere Versprechung. Der neue Eintrag ins Terminator-Franchise, der zudem endlich wieder auf massive Unterstützung von James Cameron (als Produzent und Storylieferant) bauen durfte, dreht die Uhr effektiv auf Null zurück. Im Grunde genommen ist alles, was bislang geschehen ist, egalisiert. Der Boden für einen kompletten Neuanfang ist bereitet.

Schaut in den Actionfilm mit Arnold Schwarzenegger hinein

Doch ein echter Neuanfang bleibt aus. Regisseur Tim Miller („Deadpool“) und vier Personen, die James Cameron beim Entwickeln der Story halfen (darunter David S. Goyer), sowie drei Drehbuchautoren ist nicht viel mehr eingefallen, als Skynet in Legion umzubenennen und ansonsten die bekannten Story-Ingredienzien der Vorgängerfilme wiederzukäuen. Eine gefährliche KI will die Menschheit auslöschen und stört sich an speziellen Rebellen, die sie mittels Zeitreisen in der Vergangenheit auszuschalten gedenkt. Die KI schickt ihre Killer, die Menschheit einen Retter. Fertig ist die Laube.

Natürlich ist es ein angenehm zynischer Grundgedanke, dass egal, was die Menschheit tut, sie sich mit ihrem blinden Befolgen des Fortschrittsglaubens immer in ihre eigene Auslöschung bugsiert, aber das war es dann auch an Neuem, was „Terminator: Dark Fate“ zu sagen hat. Und gefühlt macht es sich der Film damit dann doch ein wenig zu einfach. Ein paar neue Terminator-Typenbezeichnungen hier, ein bisschen Gedrehe an der Zukunftsmythologie da, mehr ist da nicht. Leider. Andererseits: Die nun wiedergekäute Story reichte auch, um zumindest die Teile 1 und 2 zu genreprägender Filmkost zu machen.

Terminator: Dark Fate mit Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton

Der T-800 und Sarah Connor werden wohl nie echte Freunde.

Ergo lehnt man sich zurück und harrt der Dinge, die da noch kommen. Und „Terminator: Dark Fate“ hat seine Stärken. Eine gewichtige heißt Linda Hamilton („Black Moon“). Die lässt dank gelungener De-Aging-Effekte gleich zu Beginn ihre größte Kultrolle 1:1 wiederaufleben, nur um dann im weiteren Verlauf als stark gealterte Kämpfernatur das Störrische und Widerborstige ihrer Sarah Connor auf die Spitze zu treiben.

Würde man in unseren heutigen Zeiten nicht permanent mit Trailern zugeschmissen werden, die einem inzwischen ja teils den ganzen Film zerspoilern, hätte „Terminator: Dark Fate“ zu Beginn mehr Spannungselemente. Denn da die in den typischen Zeitblasen auftauchenden Retter und Jäger dem Zuschauer noch null vertraut sind, ist aufgrund des Verhaltens und Vorgehens der Figuren sogar einige Zeit unklar, wer Helfer und wer Mörder ist. Dieses Ungewisse gefällt, zumindest solange, wie man die Trailer auszublenden vermag.

Mackenzie Davis und Natalia Reyes im Actionfilm

Grace (li.) muss Dani beschützen.

Und dann zündet Tim Miller auch schon die erste große Actionszene und der Fan fühlt sich vollends verstanden. Ein Laster mit aufmontierter Räumschaufel rast hier über eine Autobahn und lässt im Sekundentakt PKWs durch die Lüfte fliegen. Der Blechschaden ist enorm, die Szenerie druckvoll und zu weiten Teilen handmade in Szene gesetzt. Hübsche Ideen, die die Besonderheit des neuen Terminator-Modells „Rev 9“ andeuten, machen Laune und sind tricktechnisch topp umgesetzt.

Danach beginnt „Terminator: Dark Fate“ das große Erklären. Was auch logisch ist, da viele neue Figuren vorgestellt werden müssen. Und Sarah Connor muss ebenfalls darlegen, wer sie ist. Immerhin war sie ja so erfolgreich in ihrem Tun, dass es Skynet und Co. in der Zukunft nicht mehr gibt und nicht einmal in der Gegenwart viele Leute etwas mit den Begriffen anfangen können. Anbindungsmöglichkeiten genug also, die Geschehnisse aus „Terminator“ und „Terminator 2: Judgment Day“ noch einmal heraufzubeschwören. Das Problem: Ausgerechnet die zu beschützende Dani Ramos (gespielt von Natalia Reyes) kommt in dem Erklärungspart überhaupt nicht beim Zuschauer an. Was auch daran liegt, dass das Drehbuch um ihre Funktion ein Geheimnis zu machen versucht. Doch selbst dessen Auflösung ist so nichtig wie egal.

Terminator: Dark Fate mit Arnold Schwarzenegger als T-800

Arnold Schwarzenegger kehrt sauber durch in “Terminator: Dark Fate”.

So bleiben Sarah Connor und die von Mackenzie Davis gespielte Beschützerin aus der Zukunft – Grace – die reizvollsten Figuren. Die sich zudem nicht sonderlich grün sind, was für eine hübsche Dynamik zwischen beiden sorgt. Leider vergisst der Film in diesem Abschnitt ein wenig die Action. Vor allem die größer skalierte. Immer mal wieder wird angedeutet, was der von Gabriel Luna („Rogue One“) gespielte Terminator kann, was auch durchaus faszinierend anzuschauen ist, aber so richtig zum Wirken kommt auch er nicht. Obschon man dahingehend dem Mimen selbst keine Vorwürfe machen kann. Luna spielt den Killer-Cyborg nicht uncharismatisch.

Den entscheidenden Push in die richtige Richtung bekommt „Terminator: Dark Fate“ mit dem leider etwas späten Auftauchen von Arnold Schwarzenegger („Escape Plan“). Die Szenen zwischen Sarah Connor und dem T-800 sind einfach nur großartig. Wie sie ihn belauert und auf irgendeinen Fehler hofft. Während er alles versucht, sich ihr Vertrauen zu erarbeiten. Das birgt nicht nur Spannung, sondern durchaus auch feinen Humor. Auch die Backgroundstory, die um den T-800 gestrickt wird, hat etwas, ist neu und fühlt sich alles andere als falsch an.

Diego Luna als Rev 9

Der “Rev 9” hat die Zwei-Phasen-Wirksamkeit.

Mit Schwarzenegger kehrt auch die Action zurück in den Film und entlädt sich in einem wuchtigen, langen Showdown, der mit einer spektakulären Schwerelosigkeitssequenz in einem abstürzenden Flugzeug beginnt und an, um und in einem Staudamm weitere fette Bilder generiert. In deren Verlauf freilich auch das Endoskelett unter Arnold Schwarzeneggers Figur freigelegt wird. Ein echtes Highlight ist ein 4-gegen-1-Fight, in dem die Action teils ungeahnte Dynamik entwickelt. In dem knalligen, aufwändigen Finale darf dann endlich auch die zu beschützende Figur Dani Ramos so etwas wie Präsenz aufzeigen. Interessant an der Action ist zudem, dass sie etwas an Härte gewonnen hat. Vor allem der „Rev 9“ darf sich recht beherzt durch das Kroppzeug schnetzeln. Alles zwar CGI-Geschmodder, aber hey. Immerhin mal wieder ein brutaler hinlangender Terminator.

In Sachen Optik kann man sich auch abseits der Action nicht beschweren. In den ersten Minuten gibt der Schauplatz Mexiko (gedreht wurde in Spanien) die Stimmung mit sonnendurchfluteten, farbsatten Bildern vor. Mit dem Wechsel in die USA (freilich via illegaler Einreise), dominiert dann ein kühlerer Look. Auch die Bilder unserer zerstörten zukünftigen Welt gefallen. Hier hätte gerne auch eine größere Actionszene steigen dürfen. Schade ist, dass Soundtrack-Maestro Junkie XL aka Tom Holkenborg diesmal deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und auch viel zu selten auf das tolle Terminator-Thema setzt.

“Terminator: Dark Fate” macht nicht viel aus seinen Möglichkeiten

Das Problem von „Terminator: Dark Fate“ ist, dass er wirklich fulminant einsteigt. An alles bisher Bekannte und Geschehene macht er einen mehr als eindrücklichen Haken und steigert die Vorfreude auf das Kommende ins Unermessliche. Doch das ist kaum mehr als eine Variation dessen, was man bereits kennt und schon in verschiedensten Variationen gereicht bekommen hat. Gerade von dem Mitwirken Camerons hatte man sich doch etwas mehr versprochen als ein Rip-Off der beliebtesten Terminator-Zutaten. Nun muss man freilich ehrlich sein und zugeben, dass sich das bereits nach den ersten Trailern genauso ankündigte. Enttäuschend ist es trotzdem. Und vor allem sorgt es dafür, dass auch „Terminator: Dark Fate“ im Franchise kaum mehr als eine Randnotiz darstellen wird. Innovativ oder gar genreprägend ist hier gar nix.

Davon abgesehen macht der Film selber richtig Laune. Vor allem die zwei groß skalierten Actionszenen zu Beginn und am Ende rocken, haben Wucht und liefern fette Bilder. Schwarzenegger ist in seiner Kultrolle ebenso eine Schau, wie die ins Franchise zurückgekehrte Linda Hamilton. Letztere macht als Action-Omi wirklich eine saustarke Figur und spielt zudem deutlich eindrücklicher als jemals zuvor. Und ihre Actioneinlagen im Showdown, ihr Waffenhandling und ihre Toughness ringen wahnsinnigen Respekt ab. Der Zwei-Phasen-„Rev 9“ ist eine steile Idee, die Figur der Grace weiß zu gefallen und und und. Ein wenig mehr Mut und ein strafferer Mittelteil… es hätte so einfach sein können.

06

„Terminator: Dark Fate“ ist seit dem 24. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen und kommt von Twentieth Century Fox. Mit einer FSK 16 Freigabe ist er zudem ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, seit 24.10.2019 im Kino

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