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the Machinist

Originaltitel: El Maquinista__Herstellungsland: Spanien__Erscheinungsjahr: 2004__Regie: Brad Anderson__Darsteller: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, Aitana Sánchez-Gijón, John Sharian, Michael Ironside, …
Das deutsche DVD-Cover.

Das deutsche DVD-Cover.

Brad Anderson ist ein eher unbekannter Regisseur, der bislang noch keinen wirklich großen (kommerziellen) Hit verzeichnen konnte. Seine ersten Filme waren allesamt Komödien – ehe er sich ab 2001 mit „Session 9“ vorrangig dem Horror-Genre zuwandte. Daneben findet man von ihm aber immer wieder den einen oder anderen Beitrag zu bekannten Serien wie „The Shield“, „Masters of Horror“, „The Wire“ oder „Person of Intrest“. Für „Fringe“ drehte er ganze 12 Episoden und war sogar als Produzent tätig. 2004 brachte er mit „The Machinist“ sein zweites Projekt in ähnlicher Art wie „Session 9“ heraus: Bis heute stellen diese beiden Veröffentlichungen (meiner Meinung nach) seine besten Beiträge zur betreffenden „Filmgemeinschaft“ dar – wobei er sich vor allem für dieses Werk hier meinen vollen Respekt verdient hat.

In farbleeren Bildern macht uns Anderson mit Trevor Reznik bekannt, der seit geraumer Zeit nicht mehr schlafen kann und inzwischen bis auf die Knochen abgemagert ist. Immer mehr kapselt er sich (auch auf der Arbeit) von seiner Umgebung ab und findet im Grunde nur noch Halt bei seiner Freundin, der Prostituierten Stevie. Sein Alltagstrott zerbricht, als er bei seiner Firma einen Kollegen Namens Ivan kennenlernt und wegen ihm (wenig später) einen Unfall verursacht. Bei der Suche nach der Ursache gewisser mysteriöser Begebenheiten begibt er sich infolge dessen auf einen ungeahnten Höllentrip.

Es ist dunkel und wir hören lediglich ein angestrengtes Keuchen. Im Hintergrund ertönt eine schaurige Melodie. In der nächsten Einstellung nehmen wir dann (durch ein Fenster) die verschwommenen Konturen eines Mannes wahr, der gerade jemanden in einen Teppich wickelt. Kurz darauf tritt er an die Scheibe heran und zündet sich eine Zigarette an. Zum ersten Mal nehmen wir Trevor Rezniks Gesicht wahr. Der Titel erscheint. Mit dieser Eröffnungsszene beginnt „The Machinist“ – inmitten des Geschehens. Dabei wird man sofort durch den Soundtrack und die Bilder förmlich in den Film hinein gesogen. Eine Schlüsselszene gleich zum Einstieg zu präsentieren ist natürlich ein altbekannter Kniff, den schon viele Regisseure verwendeten – doch nur wenigen gelingt es, dieses Mittel so einzusetzen, dass es sowohl als Spannungserzeuger innerhalb der allerersten Momente als auch im Gesamtkontext wunderbar funktioniert. Brad Anderson wählte sie sehr gekonnt aus und offenbart uns auf diese Weise einen perfekten Opener, der mit der Frage abschließt: Wer bist du?

„The Machinist“ dürfte für den Mainstream-gewohnten Zuschauer ein echtes Husarenstück sein, denn er ist sehr ruhig gefilmt und nimmt sich für seine Figuren die notwendige Zeit. Darüber hinaus beinhaltet er eine äußerst verwobene Story, die mit diversen Wendungen zwar genreüblichen Konventionen folgt, das Ziel allerdings niemals aus den Augen verliert: Eine Tatsache, die wahrscheinlich aber erst bei einer zweiten Sichtung umfassend auffällt. Ein Faible fürs intelligente und ruhige Kino ist also durchaus eine Voraussetzung, die man benötigt, um den Film zu sehen bzw. vollständig genießen zu können. Wer sich darauf einlässt, erhält dafür aber ein einzigartiges Erlebnis geboten. Story, Bild, Soundtrack und Charaktere verschmelzen zu einem Werk, das man so bestimmt noch nie gesehen hat. Beinahe jede Einstellung ist dermaßen kunstvoll, dass sie sich in so mancher Galerie gut machen würde – und wie in der Kunst, sind den Interpretationsmöglichkeiten nahezu keine Grenzen gesetzt. Der Plot an sich ist überraschend, schlüssig und genial – weshalb man mit Gleichgesinnten wohl noch tagelang über das Thema sprechen könnte.

Die Schauspieler machen ihre Sache sehr gut. In Nebenrollen glänzen Jennifer Jason Leigh als Stevie und John Sharian als Ivan. Letzterer überzeugt dabei mit einer coolen und mysteriösen Präsenz, die zwischendurch sogar Herrn Bale ein wenig überschattet. Damit kommen wir nun zu jenem omnipräsenten Hauptdarsteller: Christian Bale liefert (quasi als Story-Kern) eine astreine One-Man-Show ab. Dabei muss man unbedingt sein extremes Engagement unterstreichen. Nicht in der Hinsicht, dass er seine Figur (z.B.) perfekt ausleuchtet oder sie auf den Punkt genau portraitiert – sondern eher etwas anderes: 2002 begann er mit einer Radikalkur, bei der er sage und schreibe 28 Kilogramm abnahm. Eine unglaubliche und unvergleichliche Leistung, die fast schon an Masochismus grenzt. Angeblich wollte er sogar noch mehr abnehmen – was man (gottseidank) jedoch zu verhindern wusste – denn auch so zieht seine Magerkeit im Film schon sehr viel Aufmerksamkeit auf sich.

Brad Andersons „The Machinist“ punktet durch seine ruhige, aber stringente Inszenierung. Die Story ist nahezu perfekt und weiß aus diesem Grund insbesondere bei einer erneuten Sichtung zu überzeugen. Der Detailgrad der Inszenierung verleiht dem Film eine unglaubliche Tiefe: Somit ist es nicht schwer, selbst mehrfach in das Universum von Trevor Reznik einzutauchen und immer wieder neue Details zu entdecken – etwas, das nur wenigen Werken gelingt. Untermalt wird diese Odyssee von einem angepassten Soundtrack, der als CD wohl kaum funktionieren würde – im Film aber genial die erzeugte Atmosphäre unterstreicht. Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt aber Christian Bale, der im Grunde jede Szene dominiert.

Alles in allem also ein nahezu perfekter Film.

Filmkritik verfasst von: Montana

Hierzulande ist der Film sowohl auf DVD als auch BluRay erschienen – jeweils ungeschnitten mit einer FSK-16-Freigabe aus dem Hause “e-m-s”. Zudem wurde er ebenfalls schon als “Zugabe” bzw. “Beilage” bestimmter Zeitschriften (wie “Computer Bild” oder “TVdirekt”) von der Firma “3L Film GmbH & Co. KG” in Umlauf gebracht…

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 machinist

Copyright des DVD-Covers und der Bilder: e-m-s / 3L Filmverleih__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: nein__BluRay/DVD: ja/ja

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