| Originaltitel: The Retirement Plan__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: Tim Brown__Darsteller: Nicolas Cage, Thalia Campbell, Ashley Greene, Ron Perlman, Jackie Earle Haley, Ernie Hudson, Joel David Moore, Lynn Whitfield, Rick Fox, Grace Byers, Jon Ambrose, Jordan Johnson-Hinds u.a. |

„The Retirement Plan“ wartet neben Nicolas Cage mit einer illustren Besetzung auf.
Der neue Streifen von Nicolas Cage gibt sich als lässig runtererzählte Schnurre, die, um ihre Lässigkeit zu beweisen, mit Standbildern und darauf verewigten Charakternamen arbeitet. Nicolas Cage wird hier als Matt oder Jim eingeführt, was dem Zuschauer bereits signalisiert: Moment, mit dem Kerl mit der wirren Frise stimmt etwas absolut nicht.
Doch der Reihe nach. Matt oder Jim lebt auf den Kaimaninseln und genießt hier seine Rente. Da steht auf einmal seine Enkelin Sarah vor ihm. Von der wusste er bislang so gar nichts, da sein Verhältnis zu seiner Tochter Ashley mit schwierig noch nett umschrieben ist. Seine Enkelin ahnt, dass ihre Eltern in großen Schwierigkeiten stecken.
Und wirklich: Ihr Vater hat Gangsterboss Donnie in Miami einen USB-Stick gestohlen. Der könnte in den richtigen Händen das Ende für das organisierte Verbrechen einläuten. Natürlich sind nun alle hinter dem USB-Stick her. Entsprechend setzte Ashley Sarah in den nächsten Flieger gen Kaimaninseln, um ihre Tochter aus der Schusslinie zu bekommen. Sie selbst lief kurz darauf den Schergen Donnies in die Arme.
Von all dem ahnt Matt nichts, aber er reaktiviert alte Verbindungen, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Als plötzlich gedungene Mörder auftauchen und ihm die Hölle heiß machen, schaltet Matt ein paar Gänge höher. Unfassbar versiert und brutal nimmt er sich der Probleme seiner Tochter an.
Nicolas Cage als Actionrentner
Im Making of zu „The Retirement Plan“ erklärt Regisseur und Drehbuchautor Tim Brown, dass er ein großer Fan von Actionkomödien sei. Entsprechend legte er seinen Streifen auch als selbige an. Er startet dramatisch mit dem Klau des USB-Sticks, der fortan als MacGuffin die Handlung antreiben wird, nur um hernach zu seinem eigentlichen Clou zu wechseln. Der liegt in seiner ersten Szene am Strand, wo er seinen Rausch ausschläft und wie Nicolas Cage („The Surfer“) aussieht.
Ein obendrein verdammt alter Nicolas Cage – mit wirrer Grauhaarfrisur sowie ebensolchem Bartputz. Und der darf dann herrlich schluffig mit der Sarah-Darstellerin Thalia Campbell interagieren. Die beiden haben eine tolle Chemie und Brown nutzt ihre Dialoge, um um Matt oder eben Jim ein kleines Geheimnis aufzubauen. Blöderweise verrät er ebenjenes fast sofort an den Zuschauer, während die Lumpen bis zum Schluss nicht wissen, mit wem sie sich da anlegen. Hier lässt Brown Körner liegen.
Doch auch sonst ist Brown gefühlt nicht der beste Geschichtenerzähler. So erfährt man nie, was mit Sarahs Vater eigentlich passiert. Dessen Leben stand in seiner letzten Szene auf der Kippe, ob er es verloren hat, mag Brown nicht einmal andeuten. Und gerade als man sich an die Kombination aus Sarah und Matt gewöhnt hat, reißt Brown sie auch schon wieder auseinander. Sarah hat das Glück, dass sie an den großartig aufspielenden Ron Perlman („The Big Ugly“) als Bobo gerät. Die beiden haben beinahe eine noch bessere Chemie als Matt und Sarah.

Ja, das Weihnachtsmann-Double ist Nicolas Cage.
Matt hingegen wird mit seiner Tochter Ashley wiedervereint. Allerdings funktioniert die Kombination aus Ashley Green („One Shot“) und Nicolas Cage nicht wirklich – sie hat sogar seltsames Nervpotential. Richtig problematisch wird es derweil in den Szenen, die in Miami spielen. Hier verliert Brown irgendwann total den Fokus.
Immer mehr Parteien mischen mit in der MacGuffin-Jagd. Maulwürfe untertunneln die Handlung, wo es nur geht. Es taucht immer noch ein weiterer Boss auf. Und wenn der Film am Ende total unmotiviert noch eine finale, nicht notwendige Erklärung der bisher erlebten Handlung präsentiert, bekommt man noch einmal aufs Butterbrot geschmiert, wie heillos überfrachtet der eigentlich simple Plot letzten Endes war.
Dazu gesellen sich diverse Leerlaufmomente, in denen wirklich gar nichts geschieht. Vor allem im Mittelteil hat „The Retirement Plan“ doch einige Tempohänger drin. Und mit 103 Minuten ist er mindestens 15 Minuten zu lang geraten. All das bekommt man auch zu spüren. Was schade ist, da der Film ansonsten ein angenehm lockeres Erzähltempo hat und in seinen Dialogen einen wirklich feinen Humor transportiert. Highlights sind dabei definitiv die Telefonate von Bobo und Donnie, in denen Bobo immer wieder berichten muss, dass der Opa (also Matt) wieder ein paar Gefolgsleute von Donnie gekillt habe.

Ron Perlman (rechts) und Ashley Greene (mitte) in „The Retirement Plan“.
Und auch Nicolas Cage beweist in zahlreichen Szenen ein klasse Timing. Wenn er beispielsweise Ashley tief überzeugt erklärt, die soeben im Meer versenkte Leiche werde niemand finden, während ein Umschnitt offenbart, dass diese gerade an ein paar Tauchern vorbeisinkt, lacht man herzlich. Doch auch sein Umgang mit Anspielungen auf sein Alter ist immer für einen Schmunzler gut.
Actiontechnisch legt „The Retirement Plan“ rein vom Bodycount gesehen, immer einen drauf. Darf Nicolas Cage zu Beginn nur einen Lump killen, sind es in der nächsten Actioneinlage schon drei und in der darauf zehn. Im Showdown erhöht er den Leichenberg mit spielerischer Leichtigkeit. Entsprechend steigern sich auch die Actionszenen in ihrem Umfang. Während die erste kaum mehr als ein kleiner Brawl ist, gerät die nächste schon zur Hängepartie an der Balkonfassade eines Hotels.
Actionszene Nummer drei bildet den Höhepunkt. Hier wird auf und rund um ein Boot feine Action geboten, bei der sich saubere Headshots mit Kehlenschnitten und Kills mittels Bootsinterieur wie Harpune, Leuchtpistole und Anker abwechseln. Der Showdown fällt dagegen ab. Denn der gerät im Vergleich zu den gewitzten Einlagen rund um das Boot zum reichlich simplen Abräumen. Hier darf Nicolas Cage mit Automatikwumme und Handfeuerwaffe extrem souverän durch die Lumpenparade fahren. Leider bleiben dabei memorable Momente komplett aus.

Thalia Campbell (links) hat sowohl mit Nic Cage als auch später mit Ron Perlman eine tolle Chemie.
Die Action selbst ist derweil von Stunt Koordinator Eric Bryson („Ready or Not“) ordentlich arrangiert wurden. Einzig bei der Bebilderung wird es etwas schwierig. Was leider für den gesamten Film gilt. Denn die in Teilen äußerst dröge und altbackene Inszenierung mag so gar nicht zu dem lockeren Erzählton von „The Retirement Plan“ passen.
Es gibt zahlreiche Momente, da wirkt der Film in Sachen schmuckloser Bildgestaltung wie eine kostengünstige TV-Serie. Schnell fragt man sich auch, ob die Kaimaninseln keine wirklich schönen Seiten haben. Falls doch, hat sie Tim Brown mit seinem Team nicht gefunden oder durfte hier nicht drehen. Genauso uninspiriert und höhepunktlos gerät der Soundtrack zum Film.
„The Retirement Plan“ oder „Weniger wäre mehr gewesen“
Die illustre und bis in die kleinste Nebenrolle spielfreudige Schauspieler-Crew, zu der neben den bereits genannten noch Ernie Hudson („Ghostbusters: Frozen Empire“) und Jackie Earle Haley („Hypnotic“) gehören, ist einer der größten Pluspunkte des Streifens. Sie alle haben verstanden, wo Tim Brown mit seinem „The Retirement Plan“ ursprünglich hin wollte.
Leider war genau das Tim Brown selbst nicht klar. Er überfrachtet seinen Film mit Figuren, von denen es zahlreiche für ein hinlängliches Funktionieren des Stoffes nicht gebraucht hätte. Die Folge sind leeres Geschwätz und zahlreiche Szenen, die den Film nicht vorwärts bringt. Das Tempo und auch die Spannung weichen aus dem Film. Zudem wirkt manches ungelenk erzählt. Matts Vergangenheit etwa hätte man sich als Storyclou viel länger aufbewahren sollen.
Das Ergebnis ist in seinen besten Momenten durchaus amüsant und sympathisch, hat mit der Actioneinlage rund um das Boot eine hübsche Actionszene und transportiert einen schnuffigen Humor. Dem stehen allerdings diverse weitere Unzulänglichkeiten gegenüber: Etwa die extrem langweilige Bebilderung, der seltsam gerusht wirkende Showdown, eine hässliche CGI-Auto-Explosion, diverse Storylücken und einfach das unbefriedigende Gefühl, dass hier mehr Unterhaltungspotential lauerte.
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Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 02. Mai 2025 von LEONINE Studios. Der Film ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten und kommt mit einem Making of zum Film. Das hat endlich mal wieder eine erquickende Länge von 20 Minuten, besteht aber leider nur aus gegenseitigem Lobgehudel der Darsteller. Ihr könnt den Film auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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