Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Trident Force

Die US-philippinische Co-Produktion „Trident Force“ erzählt von der Gründung einer Spezialeinheit, die einen Topterroristen und dessen Männer aufhalten soll. Dabei greifen Regie und Drehbuch auf wirklich jedes noch so abgedroschene Klischee zurück, versuchen aber einen Mangel an handwerklichen Vermögen durch die Extraportion Billigaction auszugleichen.

Originaltitel: Trident Force__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Richard Smith__Darsteller: Anthony Alonzo, Nanna Anderson, Eddie Gaerlan, Mark Gil, Mahman Borzoo, Mohsen Hassani, Randy Hrobar, Najid Jadali, Tony Lao, Jim Moss, Tony Ogumsaya u.a.
Trident Force

Billige Antiterror-Action nach Schema F: “Trident Force”

Unter den zahlreichen Ballerfilmen, die in den 1980ern auf den Philippinen gedreht wurden, gibt es nicht nur Vietnamreißer, sondern auch aktueller angehauchte Actionfilme, etwa die US-philippinische Co-Produktion „Trident Force“, zu deren Drehbuchautoren Cirio-H.-Santiago-Spezi Joe Mari Avellana („Fast Gun“) zählt.

Wobei es schwer ist so etwas wie ein Drehbuch bei diesem Film auszumachen, der zwar weniger als 90 Minuten läuft, seine Anfangs-Credits aber erst nach knapp 20 Minuten zeigt. Bis dahin wird der Zuschauer erst einmal eingenordet, was Helden und Schurken angeht. Ersteren Posten besetzt Rashid (Anthony Alonzo), ein britischer Elitesoldat muslimischen Glaubens, der in der Auftaktsequenz dabei hilft einen Sturmangriff einer palästinensischen Terrorgruppe zurückzuschlagen. Im Zuge dessen lernt man auch später wichtiges Nebenfigureninventar wie die Fotojournalistin Lesley Prentiss (Nanna Anderson) und Rashids Bruder Ahmed (Mark Gil) kennen, vor allem aber soll schon von Beginn an für ordentlich Geballer gesorgt sein.

Der Anführer der Truppe ist Abu Hassad (Eddie Gaerlan), der sich derzeit in Russland aufhält, vom Kreml finanziert wird und sich mit deren Segen auch noch durch die dortige Jugend beiderlei Geschlechts vergewaltigen darf. Dass Abu Hassad eine Hackfresse mit schütterem Haar ist, versteht sich von selbst, denn in Sachen Klischees und Feindbilder dreht alle Regler dermaßen auf Anschlag, dass selbst patriotische Cannon-Reißer daneben wie Waisenknaben aussehen. Die Religion des Helden und seines Bruders ist dann das Feigenblatt, damit man sonst wirklich jedes Stereotyp von den menschenverachtenden, perversen und mordlustigen Handtuchköpfen auspacken darf.

Da die Selbstmordattentate und sonstigen Anschläge von Abu Hassads terroristischen Radaubrüdern überhand nehmen, formiert sich Widerstand: Zehn Angehörige von Eliteeinheiten wie SAS, Mossad und GSG-9 sollen zur titelgebenden Trident Force ausgebildet werden und die Terroristen erledigen…

Das klingt eigentlich nach einem straighten Actionplot der B-Klasse – man müsste ihn nur mit einem Mindestverständnis für Dramaturgie und Handlung auf Seiten von Regie und Drehbuch erzählen können. Doch „Trident Force“ wirkt wie eine lose Ansammlung von Szenen, die sich grob in drei Parts aufteilen lassen, die auch jeweils ca. ein Drittel des Films einnehmen. Im ersten Teil geht es um die Etablierung der Situation, zu der anscheinend das Zeigen eines Terroraktes nach dem anderen gehört: Der anfängliche Überfall, ein Selbstmordattentat, die Ermordung eines Botschafters nebst Familie. Das folgt keiner Struktur, sondern reiht nur eine Bluttat an die andere, während man nebenher ein paar Hintergrundinfos zu Rashid bekommt, die aber keinen runden Charakter aus ihm machen und letztendlich egal sind. Der philippinische Actionstar Anthony Alonzo („Mad Warrior“) spielt den Protagonisten so lala, ist aber immer am ehesten zu gebrauchen: Der Rest vom Fest spielt wahlweise ausdruckslos wie Totholz oder chargiert sich – etwa im Falle von Eddie Gaerlan („Kill Zone“) – ein grausames Overacting-Kasperletheater zusammen.

Am Ende der ganzen Terroranschläge steht ein Terroranschlag – aber ein fingierter, der die Geschichte vorantreiben soll. Rashid muss (aus welchen Gründen auch immer) seinen Tod vortäuschen, um bei der Trident Force antreten zu dürfen. Also stellt sein Chef eine vermeintliche Ballerei in einem Nachtclub auf die Beine, bei der Rashid angeblich stirbt. Die dort anwesende Lesley erweist sich CIA-Agentin undercover, verschwindet dann erst einmal aus der Handlung, denn jetzt ist ja erstmal Trident-Force-Training angesagt. Aus nicht näher erläuterten Gründen darf jede Spezialeinheit nur einen Kandidaten schicken. Damit wäre Raum für eine bunt gemischte Truppe da, wenn der Film auch mal auf die Mitglieder eingehen würde. Tut er aber nicht, weshalb allein der pokersüchtige Delta-Force-Soldat und der (natürlich karatekundige) japanische Kartenspielneuling minimal eigenes Profil erhalten. Die Ausbilder glauben anscheinend an natürliche Selektion, weshalb bei den Übungen andauernd mit scharfer Munition geschossen wird. Glücklicherweise sind alle Trident-Force-Aspiranten dermaßen geile Typen, dass nicht nur keinem die Rübe weggeballert wird, sondern sie das Training, welches das zweite Drittel des Films füllt, mit Bravour bestehen. Vielleicht sind auch die Ausbilder dann doch nicht so fähig und überragend wie vom Film behauptet, aber sei’s drum.

Im letzten Drittel kann die Trident Force dann zurückschlagen und nun stellt sich die Frage: Wozu das ganze Training? Meist ballern sie Terrorjungs eh nur aus dem Hinterhalt nieder, was vermutlich auch Schütze Karl Arsch ohne große Übung gekonnt hätte. Phänomenal die große List kurz vor Ende: Man hält einen Kongress von Staatenlenkern ab, an dem die Trident Force verdeckt teilnimmt. Als die Palästinenser das Treffen dann überfallen, schießen die Elitesoldaten sie über den Haufen. Natürlich erst, nachdem die Schurken beim Erstürmen diverse Wachen und Zivilisten abgeknallt haben, aber so eng sieht man das in „Trident Force“ wohl nicht. Aufgrund vollkommen amateurhaften Verhaltens einer Person erleidet Rashid einen Verlust derselbigen und stürmt zum Schluss das Camp von Abu Hassad komplett solo – hätte man sich die Eliteeinheit auch sparen können, wenn Rashid das eh alleine kann.

Das Ganze wird von der Regie dann holprig zusammengestoppelt, mit lauter urplötzlichen Zeitsprüngen und Ortswechseln, ohne irgendeinen Sinn für Dramaturgie, Figurenzeichnung oder ähnliches, sodass „Trident Force“ einfach nur wie Aneinanderreihung von Terroranschlägen, Ausbildungsszenen und Soldateneinsätzen erscheint. Immerhin gilt das gewohnte „Masse statt Klasse“-Prinzip des Filippino-Actionfilms. Will heißen: Jede Menge Ballerszenen mit hohem Bodycount, allerdings ohne Finesse inszeniert. Die Kamera ist meist statisch, der Schnitt wechselt eigentlich nur von einer starren Einstellung ballernder Person(en) zu den einer starren Einstellung getroffener Person(en), und oft sind die maskierten und/oder ähnlich gekleideten Kämpfer beider Seiten kaum voneinander zu unterscheiden. Immerhin gibt es einen hohen Munitionsverbrauch, in der ungekürzten Fassung dazu Härten in Form blutigen Einschüssen und Enthauptungen. Alle paar Minuten müssen irgendwelche armen Wichte oder fiese Schurken dran glauben, wobei die Trident-Force-Mitglieder quasi nie getroffen werden, dafür aber selbst mit jeder Salve ein bis fünf Terroristen über den Jordan schicken. Für einen richtigen Endfight ist bei so einem Mangel an Geschick natürlich auch kein Platz: Rashid wird von Abu Hassad angeschossen und verfolgt, säbelt ihm jedoch aus dem Hinterhalt den Kopf ab, Standbild, der Abspann rollt.

Immerhin sorgt die anspruchslose Balleraction dann für ein bisschen Kurzweil bei „Trident Force“, während der Rest zum Abwinken ist: Eine zusammenhanglos erzählte 08/15-Story, Logiklücken und sonstige Idiotien an jeder Ecke und die Klischees zentimeterdick auf das Brot – da gibt es auch in Sachen Filippino-Billigheimer brauchbarere Sachen.

„Trident Force“ erschien in Deutschland auf VHS bei UFA, erhielt eine Freigabe ab 18 Jahren, aber war immer noch an 22 Stellen gekürzt. Die ungekürzte Version gibt es anderem auf der holländischen VHS, die diesem Review zugrunde lag. Über eine DVD-Veröffentlichung des Films ist mir nicht bekannt.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: UFA__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

Tagged as: , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 7240612 andere Actionnerds