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Fast Gun

„Fast Gun“ von Cirio H. Santiago ist so eine Art Western im Actiongewand: In einem kleinen Kaff zieht der Sheriff schneller als sein Schatten. Seine Schießkünste werden gebraucht, als sich Verbrecher einfinden, die Geschäfte mit einem ebenso schwerreichen wie kriminellen Geschäftsmann in der Gegend machen wollen.

Originaltitel: Fast Gun__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Rick Hill, Kaz Garas, Robert Dryer, Brenda Bakke, Ken Metcalfe, Frank Diaz, Morgan Strickland, Anthony East, Eric Hahn u.a.
Fast Gun

In Cirio H. Santiagos “Fast Gun” kämpft Rick Hill als Sheriff gegen Fieslinge

In den 1980ern, zwischen lauter Endzeitreißern („The Sisterhood“) und Vietnamreißern („Killer Instinkt“), drehte Cirio H. Santiago auch mal einen Actionfilm, der keinem populären Trend hinterher hechelte: „Fast Gun“.

Das bedeutet freilich nicht, dass dieser im luftleeren Raum entstand oder gänzlich vom Tagesgeschehen unbeeinflusst war, ganz im Gegenteil. „Fast Gun“ entstand unter dem Eindruck der Iran-Contra-Affäre und wurde noch vor der Gerichtsverhandlung von Oliver North veröffentlicht. Im Spielfilm wie in der Realität geht es um CIA-Dunkelmänner, die südamerikanische Rebellen unterstützen. In „Fast Gun“ ist dies vor allem Harper (Kaz Garas), der seine Leute Überfalle auf Armee-Basen durchführen lässt, bei denen niemand zu Tode kommt, er aber Waffen stehlen lässt, die an die Rebellen gehen. Doch beim jüngsten Coup hält sich Chefhandlanger Nelson (Robert Dryer) nicht an die Absprache, richtet ein Blutbad an und türmt mit den Waffen.

Derweil versieht Sheriff Jack Steiger (Rick Hill) seinen Dienst in einem kleinen Kaff und erweist sich als titelgebende Fast Gun. Denn der westernhafte Gesetzeshüter zieht schneller als sein Schatten und erledigt so diverse Strauchdiebe, die ihm als Leder wollen. Falls irgendwer die Westernanspielungen nicht versteht, gibt das Drehbuch ihm sicherheitshalber noch einen Deputy namens Cowboy Phelps (Morgan Strickland) an die Hand. Zum Soziotop der Kleinstadt gehören unter anderem noch Steigers Freundin, die Barbesitzerin Julie Comstock (Brenda Bakke), der Bürgermeister Ankers (Anthony East) und der wohlhabende Geschäftsmann Robert Jessup (Ken Metcalfe), der auf einem Anwesen vor den Toren der Stadt lebt.

Jessup ist nicht nur schwerreich, sondern auch schwerkriminell – und im Geschäft mit Nelson, der die Beute aus dem Waffenraub dort abliefert. Er und seine Crew geben sich als Handwerker aus, doch Steiger riecht den Braten und stellt Nachforschungen an, die brenzlig werden…

Fast Gun

Sheriff Jack Steiger (Rick Hill) zieht schneller als sein Schatten

Es ist eine klassische Westernstory, erzählt in einem modernen Actiongewand. Der offizielle Gesetzeshüter eines kleinen Städtchens gegen den inoffiziellen Herrscher mit der vielen Knete und den vielen Handlangern. Dazwischen ein Bürgermeister, der entweder selbst kriminell oder schlichtweg machtlos ist (so ganz wird das in „Fast Gun“ nicht klar) sowie eine Horde namenloser Dorfbewohner, die als Fähnchen im Wind agiert. Hängen die Fieslinge dem edlen Hero auf ziemlich offensichtliche Weise ein Versagen an, dann fordert die Menge seine Entlassung. Taucht am Ende die Schurkenarmee auf, dann wird sich verpisst oder nach Hilfe gerufen. Also muss der tapfere Gunslinger die Sache mehr oder weniger alleine machen, mit Unterstützung von Julie, Cowboy und später Harper, der noch ein Hühnchen mit dem flüchtigen Nelson zu rupfen hat.

Besagten Revolverhelden gibt dann Rick Hill, Titelfigur des ersten „Deathstalker“, der auch in einigen anderen Santiago-Filmen wie „The Devastator“ mitwirkte. Der hat zwar mächtig Muckis, aber leider nur eingeschränktes Actionstarcharisma, was in diesem Film leider deutlich zu merken ist, denn sonderlich vom Hocker reißt seine Performance nicht. Auch Brenda Bakke („Fist Fighter“) kann wenig Eindruck schicken, während Robert Dryer („Savage Streets“) als sadistischer Fiesling eine Hausnummer ist. Solides gibt es auch von Kaz Garas („Final Mission“) und Ken Metcalfe („Firecracker“), letzterer ein absoluter Santiago-Regular. Auch autorentechnisch macht der Regisseur hier keine Experimente, denn die Schreiberlinge Joe Mari Avellana („Mission Terminate“) und Frederick Bailey („Silk“) sind ebenfalls langjährige Mitarbeiter von ihm.

Erzählerisch darf man dann auch den Mangel an Sorgfalt erwarten, der die meisten von Santiagos Actionreißern auszeichnet. Will heißen: Nachvollziehbarkeit, Figurenzeichnung und Dramaturgie sind verzichtbare Kinkerlitzchen. Selbst die Standardstory vom Privatkrieg zwischen dem edlen Sheriff und der Schurkenbande wird noch nicht einmal als konsequente Eskalation umgesetzt, sondern eher als lose Abfolge von Reibereien. Manchmal tauchen sogar noch Unruhestifter auf, die zu keiner der beiden Parteien gehören, damit Sheriff Jack seine Toughness beweisen darf. Sonderlichen Drive hat das nicht und wirkt eher wie ein Unterbau, um die Actionszenen zu verbinden – da zogen diverse Westernvorbilder mehr Spannung und Dynamik aus dem Szenario. Fast schon konsequent ist es, dass nach dem Entsorgen der letzten Fieswichte nur noch Zeit für eine Heldenpose ist, dann rollen auch schon die Credits. Andrerseits: Dem Zuschauer ist es eh egal, wie es für Steiger und seine Holde weitergeht, warum auch solche Sachen noch groß aufdröseln.

Erzählerische und darstellerische Mängel wusste Santiago in seinen besseren Filmen dann mit Action nach dem „Viel hilft viel“-Prinzip zu bekämpfen. Das funktioniert bei „Fast Gun“ leider nicht so ganz. Die anfänglichen Überfälle auf die Militärbasen sind okay, danach sackt die Actionkurve ab und liefert in erster Linie Feuergefechte und mäßig choreographierte Kloppereien, in denen sich der Held beweisen darf. Erst auf der Schlussgeraden dreht „Fast Gun“ dann so richtig auf und präsentiert eine Schlacht um das Örtchen, bei der die Rohre vom Ballern glühen, der Bodycount ansteigt und diverse Gebäude in die Luft fliegen. In Sachen Kameraführung und Schnitt ist das Ganze im Santiago-Mittelfeld anzusiedeln, weniger dynamisch als „Equalizer 2000“, aber nicht ganz so missraten und statisch wie „Stryker“.

Als moderner Western im Actiongewand ist „Fast Gun“ nicht uninteressant, Reißer wie „Stranger“ oder „Best of the Best 3“ haben ähnliches schon deutlich fetziger erzählt. Der Showdown macht aber Laune, die andere Action ist okay und die Bezüge zum Westerngenre sowie zum Tagesgeschehen sind nett, doch das gleicht die unspannend erzählte Geschichte, den Mangel an einprägsamen Figuren und die durchwachsenen Schauspielleistungen auch nur teilweise wett.

Hierzulande ist „Fast Gun“ bei RCA/Columbia auf VHS erschienen, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray wurde der Film bisher anscheinend weltweit noch nicht.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: RCA/Columbia__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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