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Force Commando

Originaltitel: The Devastator__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Rick Hill, Katt Shea, Terrence O’Hara, Bill McLaughlin, Kaz Garas, Jack S. Daniels, Crofton Hardester, Debbie Brooks, Don Gordon Bell, Greg Rocero u.a.
Force Commando

In “Force Commando” von Cirio H. Santiago bekämpft Rick Hill fiese Drogenfarmer

Eigentlich hatte Cirio H. Santiagos „The Devastator“ ja schon einen markigen Originaltitel, dessen eigenständige Übersetzung der deutsche Verleih dem hiesigen Zuschauer wohl nicht zutraute. Also wurde flugs „Force Commando“ aus dem Film – vielleicht auch um noch an das ein Jahr zuvor entstandene Schwarzenegger-Vehikel „Commando“ zu erinnern.

Protagonist Deacon Porter (Rick Hill) dagegen erinnert bisweilen an Colonel Braddock aus „Missing in Action“. Nicht vom Erscheinungsbild her, sondern in der Hinsicht, dass auch er von Erinnerungen an Vietnam geplagt wird. Was Santiago natürlich Raum für etwas Vietnam-Action-Auftakt-Geballer gibt, mit dem man besagte Erinnerungen bebildert. Direkt danach erreicht Deacon die Nachricht, dass sein Freund und früher Vorgesetzter verstorben ist, weshalb er in dessen Kaff aufbricht und dessen Witwe Elaine (Debbie Brooks) antrifft, was wiederum kleine Erinnerungen an „Rambo“ freisetzt.

Die Todesursache vom angeblichen Verkehrsunfall glauben weder Deacon noch Elaine, doch der undurchsichtige Sheriff Clay Marsh (Kaz Garas) ist ausgesprochen maulfaul und unwillig, wenn es um Nachfragen geht. Selbstverfreilich findet Deacon in Rekordzeit heraus, dass üble Burschen eigentlich das Sagen im Städtchen haben: Eine Horde von Marihuana-Bauern um den schurkischen John Carey (Crofton Hardester), die unliebsame Mitwisser oder baselige Touristen, die über ihre Felder stolpern, einfach umbringen. Deacon lässt sich natürlich nicht abhalten und auf einen Privatkrieg ein, doch nach den ersten Auseinandersetzungen ist er vermeintlich tot und Elaine tatsächlich, womit man gleich den doppelten Anlass für Rache hat.

Doch Rückschläge halten einen amerikanischen Helden nicht auf. Und die Einheit aus Vietnam bestand ja noch mehr aus mehr Mitgliedern. Also rekrutiert Deacon seine Kameraden Spencer (Terrence O’Hara), Ox (Jack S. Daniels) und Bartlett (Bill McLaughlin) und leitet Runde zwei im Privatkrieg ein…

Teilweise erinnert „Force Commando“ an das letzte Drittel von Santiagos eigenem „Final Mission“, das sich ja schon bei Vorbildern wie „Rambo“ bediente, während man an anderer Stelle nicht nur an den Sly-Hit, sondern auch an dessen Fortsetzung denken mag, wenn Deacon mit einem MG und zwei Patronengurten bestückt gegen Schurken in einem Helikopter antritt. Er und seine Vietnam-Kumpels besitzen natürlich auch Skills im Fallenbasteln und Aus-dem-Hinterhalt-Angreifen, die schon Rambo und Braddock auszeichneten. Inhaltlich gibt es den üblichen Privatkrieg zwischen Schurken und Helden, mit dem Sheriff als Wild Card in der Mitte, der die Drogenbauern zwar gewähren lässt, aber deren Morde nicht mittragen will. Denn damit etwas los ist, müssen auch mal Touris und College-Kids dran glauben, wenn sie die Weed-Plantage der Schurken finden.

Frauenfiguren wie Elaine und die nette Tankpächterin Audrey (Katt Shea) sind dann in erster Linie für nützliche Hilfe, romantisches Interesse und das Entführt- bzw. Ermordetwerden da, aber mit Figuren hat der Film, geschrieben von Santiago-Spezi Joseph Zucchero („Jungle Force“), eh nicht viel am Hut: Die Liebesgeschichte passiert halt deshalb, weil das eben so ist und der Held ein Love Interest benötigt, auch wenn das heißt, dass der Held nach seiner Rückkehr nur an Audreys Tür klopfen muss und schon geht es ins Schlafgemach. Die Vietnam-Buddys sind mit ein paar wenigen Eigenschaften ausgestattet: Spencer ist der gutherzige Sprengmeister, Bartlett der Lebemann und Waffenhändler, der sich erst ziert, und Ox der Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Proll, der sich sein Geld mit Straßenkämpfen verdient, bei denen er auch mal betrügt. Das ist aber immer noch mehr Profil als die Schurken bekommen, die eindimensionale Mordbuben bleiben. Immerhin: Zum Finale können sie noch mal tatkräftige Verstärkung anfordern, auch wenn nicht klar wird woher. Vielleicht haben Drogenfarmer ja eine Gewerkschaft.

Crofton Hardester („Der Soldat James Ryan“) ist ein herrlich schmieriger Drecksack in der Fieslingsrolle und Kaz Garas („Fast Gun“) als Sheriff zwischen Opportunismus und einem Rest Pflichtgefühl ist gar nicht übel. In der Heldenrolle ist Rick Hill, der für Produzent Roger Corman zuvor schon den Titelhelden von „Deathstalker“ spielte, eher ein 08/15-Held, macht das aber ganz okay, ähnlich wie auch seine Mitstreiter Katt Shea („Barbarian Queen“) und Terrence O’Hara („Naked Vengeance“). Jack S. Daniels („Saigon Commandos“) scheint zwar manchmal in einem ganz anderen Film mitzuspielen als der Rest vom Fest (wahrscheinlich einer Hillbilly-Komödie), bringt mit seiner Art immerhin gute Laune in den Film, auch wenn das manchmal etwas seltsam wirkt angesichts gemeuchelter Zivilisten und Kumpels.

Denn im ländlichen Kaff von „Force Commando“ ist es ähnlich wie in Vietnam: Nicht alle kehren lebend zurück. Nicht dass die Heldentode sonderlich mitreißend wären, sie passieren – so viele Dinge in Santiagos Filmen – fast nebenbei. Ähnlich sieht es mit der Action aus, die in regelmäßigen Abständen auftritt und in erster Linie solides Standardgeballer bietet, hier immerhin in manchen Szenen etwas dynamischer ausgeführt und einfallsreicher in Szene gesetzt, z.B. bei den Kameraperspektiven, wenn die Helden drei Wachen der Marihuana-Bauern erledigen. Die elaborierten Fallen sind zwar aus ähnlich gelagerten Filmen bekannt, bringen aber ein nicht ganz alltägliches Element hinein, ein paar nette Stunts (z.B. Gekraxel auf einem fahrenden LKW) gibt es auch und die mit Modellen getricksten Explosionen eines Hubschraubers und eines Staudamms sind auch recht hübsch gemacht. Santiago hat schon knalliger inszeniert (siehe „Equalizer 2000“ oder „Killer Instinct“), war aber auch schon mal traniger.

So bleibt „Force Commando“ solide Standardaction mit 08/15-Plot und stereotypen Standardfiguren, die sich nach einer etwas holprigen Anfangsphase um den versuchten Einzelrachefeldzug des Helden steigert, wenn er mit seinem Vietnam-Buddys den Schurken Saures gibt. Die Action liegt inszenatorisch im Mittelfeld, tritt aber reichlich auf und nach weniger als 80 Minuten ist der Spuk vorbei, weshalb „Force Commando“ kein herausragender, aber auch kein schlechter Ballerfilm der simplen Sorte ist. Der im gleichen Jahr entstandene „Quiet Cool“ hat da bei ähnlicher Story mehr Pfiff.

In Deutschland gibt es „Force Commando“ nur auf VHS von Medusa/CBS/FOX und diese Fassung ist trotz 18er-Freigabe wohl noch gekürzt. Wer zur ungekürzten Fassung greifen will, der wird in den USA fündig, wo Code Red den Film auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht hat.

© Nils Bothmann (McClane)

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