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What the Fuck heißt REDIRECTED?

Originaltitel: Redirected__Herstellungsland: Großbritannien, Litauen__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Emilis Velyvis__Darsteller: Vinnie Jones, Scot Williams, Gil Darnell, Oliver Jackson, Anthony Strachan, Andrius Ziurauskas, Vytautas Sapranauskas, Artur Smolyaninov, Vita Siauciunaite, Monika Vaiciulyte u.a.
Redirected

Vinnie Jones wiederholt seine starken Leistungen aus “Snatch” und “Bube, Dame, König, grAS” in “What the Fuck heißt REDIRECTED?”

Michael will seine Geburtstagsfeier nutzen, um seiner Freundin einen Antrag zu machen. Doch zu dem romantischen Akt soll es vorerst nicht kommen: Seine Kumpel Johnny, Ben und Tim entführen ihn vorher aus seinem Haus. Nicht um ihn vor einem Fehler zu bewahren, sondern aus purem Eigennutz. Ohne dass ihm das bewusst ist, wird Michael nämlich von einem Moment auf den anderen zum Fluchtwagenfahrer seiner Kumpel, die den Unterweltboss Golden Pole um diverse Pfund und einen Ring erleichtern. Eigentlich wollen sich Michaels Kumpel nun gen Malaysia absetzen, doch Michael denkt gar nicht daran, seine Zelte in London abzubrechen. Blöderweise wurde er als einziger bei dem Überfall von einer Kamera gefilmt und hat stante pede die Spießgesellen von Golden Pole an den Hacken.

Gezwungenermaßen setzt er sich mit ins Flugzeug gen Asien. Blöd nur, dass der isländische Vulkan Eyjafjallajökull Schicksal spielt und unsere Männerrunde in Vilnius in Litauen landet. Hier genießen sie das Abendleben der Stadt und geraten dabei pärchenweise in richtigen Trouble. Zudem nimmt Golden Pole auch in Litauen die Fährte der Kumpel auf und entfesselt eine fröhliche Hetzjagd… Sein vorrangiges Ziel: Er will den für ihn ideell sehr wertvollen Ring zurück.

Ich gebe zu, dass mich „What the Fuck heißt REDIRECTED?“ wirklich gut unterhalten hat. Das lag an seinem tollen Timing, seinem flotten Tempo und einer gelungenen, permanenten Eskalation, die in Dimension und Umfang des dadurch entstehenden Chaos auf brillante Weise immer weiter gesteigert wird, um in einen total überdrehten Showdown zu münden, der den Streifen wirklich treffend abrundet. Der Humor von „What the Fuck heißt REDIRECTED?“ reicht in seiner Humor-Ausprägung von megaderb (ein Typ rammelt einen Stoffhasen und ein Schaf) über platt (Johnny rennt die Hälfte des Filmes nackt herum und schleppt permanent einen Heizkörper als Sichtschutz für seinen kleinen Johnny mit sich rum) bis durchaus gelungen (alle Culture-Clash-Momente… Highlight ist das überbordende „Fuck-Gefluche“ auf Litauisch, das endlich mal aufzeigt, wie absurd diese Fuck-Tiraden englischsprachiger Filme wirklich sind). Übrigens enden die humorigen Momente gerne in wirklich witzigen Slapstick-Situationen, die mit zunehmender Laufzeit immer abgedrehter geraten. Das macht definitiv Laune…

Und dennoch denkt man die ganze Zeit: Was hätte ein Guy Ritchie vor seiner „3 Engel für Charlie“-Zeit aus diesem ungeschliffenen Diamanten für ein Filmschmuckstück zaubern können? Der Film schreit förmlich nach ihm und seiner bevorzugten Besetzung aus „Snatch“ oder „Bube, Dame, König, grAS“. Zu Beginn scheint Ritchie tatsächlich immer mal durch: Der Film wird in Kapitel eingeteilt, die Perspektiven sind angenehm schräg und der Grundton schön abgefahren. Doch Regisseur Emilis Velyvis verharrt auf diesem Status Quo. Bemüht sich nicht um mehr Verve und verpasst es auch, seiner insgesamt sehr dünnen Story den letzten Schmiss mitzugeben, um restlos zu begeistern. Diverse Gags versanden leider extrem und die Besetzung passt vor allem in den Hauptrollen nicht immer ideal auf ihre Rollen. Dabei bleibt einiges an Potential auf der Strecke.

Von dem englischen Cast passt eigentlich nur einer wirklich auf seine Rolle und das ist Vinnie Jones („Escape Plan“). Der hat sichtlich erkannt, dass er hier positive Erinnerungen an die Guy-Ritchie-Produktionen aufleben lassen kann und gibt mit viel Spaß den Gangsterboss Golden Pole, der nur zu gerne selbst handgreiflich wird. Von litauischer Seite dagegen passen alle Darsteller auf ihre Rollen wie Arsch auf Eimer und entwerfen absolut grandiose Abziehbilder des verwilderten Ostblockbewohners…

Allgemein überrascht, wie selbstironisch und überzeichnend der Litauer Regisseur an die Darstellung seines Heimatlandes geht. Gefühlt ist jeder Litauer entweder ein homophober Strauchdieb oder eine hinterhältige Hure. Positiv besetzte Figuren aus dem Kulturkreis fährt Velyvis so gut wie keine auf und dreht wirklich brachial an der Ostblock-Klischee-Schraube. Dass der Film ausgerechnet in Litauen zu einem großen Kassenhit wurde, zeigt, dass sich die Menschen dort selbst nicht zu ernst zu nehmen scheinen. Es ist fraglich, ob das Land, welches für den garstigen, auf eine Fortsetzung hinweisenden Schlussgag herhalten muss, so souverän mit einer solchen Verballhornung umgehen würde.

Am Ende bleibt ein Guy-Ritchie-Wannabe, wobei dies in diesem Fall gar nicht mal negativ gemeint ist. Regisseur Velyvis ist nicht in allen Sparten so selbstsicher wie sein wirklich offenkundiges Vorbild, dafür trifft er dessen grundlegenden Ton richtig gut. Seine Geschichte treibt der Regisseur mit Schmackes voran, er hat ein gutes Auge für die Eskalation der einzelnen Situationen und auch der aufgefahrene Humor funktioniert durchaus. Leider geht dem Film ungefähr ab der Hälfte ein wenig der Spannungsbogen abhanden, da man nicht mehr so recht sagen kann, was nun eigentlich das Ziel unserer Helden ist. In Sachen Inszenierung hätte man sich zudem einige wildere Ideen erhofft. Der verrückte Showdown hätte sowohl in dem großen Shootout als auch der anschließenden Massenprügelei etwas herzhafter zur Sache gehen können und so mancher Running Gag hätte gut und gerne aus dem Film getilgt werden dürfen (etwa die zu häufigen Anrufe von Michaels Freundin). Um „What the Fuck heißt REDIRECTED“ zu mögen, muss man auch ein Faible für viel Geschrei und überspanntes Acting haben, ansonsten bekommt man bei dem Film ein großes Problem. Sympathischere Charaktere und bessere Schauspieler hätten dem Film ebenfalls gut gestanden. Trotz all der Schimpferei ist der Film ein ziemlich unterhaltsamer und skurriler Spaß geworden, bei dem ausgerechnet der zuletzt wenig souveräne Vinnie Jones als sicherste Bank verzeichnet werden kann.

Der Film ist seit dem 7. Mai 2015 in den deutschen Kinos zu sehen, kommt von Filmconfect und der Rekord-Film Vertriebs GmbH und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Filmconfect und der Rekord-Film Vertriebs GmbH__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 7.5.2015 in den deutschen Kinos

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