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Wolves of Wall Street

Originaltitel: Wolves of Wall Street__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2002__ Regie: David DeCoteau__ Darsteller: William Gregory Lee, Elisa Donovan, Eric Roberts, Michael Bergin, Jeff Branson, Bradley Stryker, Louise Lasser, …
Wolves of Wall Street

Das italienische Covermotiv von “Wolves of Wall Street”.

Zwar wirken gegen den 1962 in Portland, Oregon geborenen Regisseur David DeCoteau selbst Albert Pyun und Uwe Boll vereinzelt wie Eastwood oder Scorsese – doch ist es dem fleißigen Filmemacher, der in den letzten 35 Jahren (teils unter verschiedenen Pseudonymen) beinahe 150 B-Movies mit einigen so klangvollen Titeln wie “Test Tube Teens from the Year 2000” oder “Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama” in Szene setzte, im Laufe der Zeit gelungen, eine loyale, jede neue Veröffentlichung erwartungsvoll willkommen heißende Fan-Basis aufzubauen. Seinen Einstieg ins Business gelang ihm 1980, als Roger Corman ihn bei “New Word Pictures” als Produktions-Assistent einstellte. Nur ein paar Monate später arbeitet er in dieser Funktion sogar an John Carpenter´s Klassiker “Escape from New York” mit. Eine weitere Branchen-Legende – “Full Moon Features”-Gründer Charles Band – ermöglichte es ihm schließlich, selbst Regie zu führen: Primär bei Trash-Streifen á la “Creepozoids” oder “I was a Teenage Sex Maniac”. Irgendwann entschied sich DeCoteau – seines Zeichens ein bekennender Homosexueller – dazu, unter Berücksichtigung seiner persönlichen Vorlieben einen “eigenen Stil” zu kreieren: Daraus resultierend, dreht er seit “Voodoo Academy” (2000) vorwiegend Low-Budget-Flicks mit einem “homoerotischem Einschlag” – streng nach dem eigenen Leitsatz “No nudity. No gay kissing. No overtly gay characters”. Zu seinem Markenzeichen avancierte das Zeigen durchtrainierter, gut aussehender Männer in “Boxer Briefs”. Gelegentlich gelingt es ihm, bekanntere Akteure als die sonst üblichen “No-Names” zu verpflichten – unter ihnen bspw. Jaime Pressly, Richard Grieco, Mario Lopez, Joanna Cassidy, Adrienne Barbeau oder auch Eric Roberts, der in der hier nun zur Besprechung vorliegenden 2002er Produktion “Wolves of Wall Street” einen zentralen Part spielt…

Lange schon hat Jeff Allen (William Gregory Lee) davon geträumt, ein Börsenmakler an der Wall Street zu werden. Mit diesem Ziel im Sinn, reist er von seiner ländlichen Heimat aus nach New York City – wo er relativ zügig etwas außerhalb Manhattans eine bezahlbare Wohnung findet, so dass er seine besorgte Mutter wenigstens in der Hinsicht beruhigen kann. Das Problem ist nur das klassische “Einstiegs-Dilemma”: Kein vernünftiger Job ohne Berufserfahrung – welche er sich wiederum nicht ohne einer passenden Tätigkeit aneignen kann. Enttäuscht und niedergeschlagen genehmigt er sich zum Ausklang eines langen Tages voller unergiebiger Vorstellungsgespräche einen Drink in einer Bar, die zugleich einen beliebten Broker-Treff markiert. Auf Anhieb sind er und die nette junge Dame hinterm Tresen (Elisa Donovan als Annabella) einander sympathisch: Als sie erkennt, wie ernst ihm sein Wunsch ist, in dieses Geschäft einzusteigen, vermittelt sie ihm kurzerhand einen Termin bei der renommierten Firma “Wolfe Brothers”, bei der ihr Ex tätig war, bevor jener “unter mysteriösen Umständen” ums Leben kam. Dort gelingt es Jeff, den immerzu nach neuen Talenten Ausschau haltenden örtlichen Managing-Partner Dyson Keller (Eric Roberts) davon zu überzeugen, dass er Potential in sich trägt sowie gewillt ist, sich umfassend in den Job einzubringen: Lohn des Ganzen ist eine 14-tägige Trainee-Phase, in der er sich bewähren muss. Umgehend weist ihn Dyson´s “rechte Hand” Vince (Michael Bergin) in die äußerst ernst genommenen Regeln und Abläufe ein, bei denen viel Wert auf die klar definierte Firmen-Ideologie gelegt wird, welche man ihm ständig in Gestalt illustrativer Gleichnisse ins Bewusstsein drängt: Das Team betrachtet sich als ein “Wolfsrudel” in dieser “Dog-Eat-Dog”-Gesellschaft da draußen; die Treue zum Unternehmen steht an erster Stelle – dicht gefolgt vom anvisierten Gewinn. Alles Übrige ist nachrangig – was es der aufblühenden Beziehung zwischen Jeff und Annabella umso schwerer macht…

Am Ende der zwei Wochen gehört Jeff die ersehnte Stelle: Er hat es geschafft – und eifrig stürzt er sich auf die Arbeit wie ein Raubtier auf seine Beute. Als er nach einer “feucht-fröhlichen” Feier eines Morgens mit einer Bisswunde am Hals erwacht, wirken seine Sinne geschärft: Er ist leichter reizbar, findet plötzlich ungewöhnliches Gefallen an Steak Tartar und fühlt sich intensiv vom Mond angezogen. Irgendetwas passiert mit ihm – bloß ist er ist sich keineswegs sicher, ob diese “Wandlung” eine gute oder schlechte ist. Annabella beunruhigt das jedenfalls sehr – zumal Dyson scheinbar einen sprichwörtlichen “Keil” zwischen sie zu treiben versucht. Jener hält Jeff an, sich noch fester in die Gemeinschaft zu integrieren – doch glaubt der inzwischen, dass sein Boss selbst ein Auge auf die hübsche Rothaarige geworfen hat (was natürlich zu Eifersucht und Reibereien führt). Er sucht Rat bei Vince, der ihm prompt einen Vortrag darüber hält, dass er sich seinen neuen “animalischen Instinkten” besser hingeben sollte, da Monogamie nun nicht mehr “in seiner Natur” liegen würde. Passend dazu, veranschaulicht er Jeff auf einer privaten After-Work-Party die Wirkung bestimmter Pheromone, welche er inzwischen wittern kann, anhand einer attraktiven Frau: Ein Seitensprung ist die Folge. Annabella verheimlicht er das – wie auch regelmäßige Albträume sowie das vielleicht eingebildete, eventuell aber doch reale “Reißen” eines Joggers am frühen Morgen: Es ist an diesem Punkt, dass er erkennt, dass er unbedingt rechtzeitig “den Ausstieg” schaffen muss. Erwartungsgemäß kann bzw. will Dyson das jedoch nicht zulassen – und von Annabella erfährt er schließlich, nachdem er sie ebenfalls im Rahmen eines Wutausbruchs angegriffen hat, dass ihr Ex unter den gleichen “Symptomen und Gedanken” litt, bevor er bestialisch ermordet aufgefunden wurde. Jeff´s einzige Chance besteht offenbar darin, den “Leitwolf” zu töten, um auf diese Weise den “Bann” zu brechen…

“Wolves of Wall Street” verfügt über ein reizvolles Ausgangskonzept: Absicht war es nicht, ein Creature-Feature zu erschaffen – sondern vielmehr eine inhaltliche Parabel Schrägstrich Allegorie, bei der das vordergründige Geschehen auf der Bild-Ebene einer (mehr oder minder verborgenen) Intention auf der Sach-Ebene untergeordnet ist. Das Skript Barry L. Levys (“Paranoia“) zeigt auf, wie der Reiz von Macht und Geld eine eigentlich gutmütige Person in Versuchung führen, vereinnahmen sowie “korrumpieren” kann: Charakterlich wie äußerlich – u.a. in Form von Kleidung und Auftreten. Broker benötigen geschärfte Instinkte, auf die sie sich verlassen können: Die “Jagd” (etwa eine Kauf-Verhandlung) “erregt” sie – wonach das “Erlegen der Beute” (ein Abschluss) den “befriedigenden Höhepunkt” markiert, nach welchem möglichst gleich das nächste “Opfer” angegangen werden muss, da dieses Vorgehen förmlich zu einer “rauschhaften Sucht” geworden ist. Erneut steht Lykanthropie für eine persönliche Veränderung – siehe u.a. die Genre-Referenz “Ginger Snaps” – und wie bereits in Mike Nichol´s “Wolf” dienen Werwölfe als Metapher für Gier innerhalb der Geschäftswelt. DeCoteau verzichtet dabei auf jegliche Verwandlungs-Sequenzen sowie gar Aufnahmen “pelziger Raub-Kreaturen”. Angesichts des spärlichen Budgets war das wohl auch besser so – vermutlich aber zum Leidwesen der Horror-Fans, die eventuell eher darauf aus sind bzw. waren. Stattdessen erhält man diverse Andeutungen präsentiert – unter ihnen knurrende Laute und einen hellen Haut-Ton, auf dem sich dunkel hervortretende Venen auffällig abzeichnen. Zugegeben: Optisch wären diese Wesen ebenso als Vampire durchgegangen – zumal sie in unterschiedlichen Situationen gern einen kräftigen Biss in den Hals einsetzen – nur wäre die Gleichnis-Komponente dann ja nicht mehr stimmig. Mir persönlich gefiel diese Entscheidung recht ordentlich, da sie die angestrebte Intention vermittelt, die “animalische Seite des Mensches” in diesem gefühlskalten “Survival of the Fittest”-Umfeld zu verdeutlichen, ohne den Weg eines klassischen Monster-Movies einzuschlagen. Der Begriff “Werwolf” findet im Verlauf übrigens kein einziges Mal Verwendung…

Die gebotenen Charaktere sind allesamt “hauchdünn” konzipiert worden: Frei jeglicher “Tiefe” erfüllen sie rein ihren angedachten “Zweck” – was sie in dieser Hinsicht quasi auf eine Stufe mit “GQ”-Dressmen in teuren Maß-Anzügen sowie “Calvin Klein”-Unterwäschemodels stellt, an die sie einen permanent erinnern. Als Jeff müht sich William Gregory Lee (“Bitch Slap”) redlich – nur fehlt ihm leider die nötige Talent-Ausprägung, übers Mittelmaß hinauszuwachsen und die ihm abverlangte “expressive Bandbreite” vollends zu meistern. Michael Bergin (TV´s “Baywatch”) dagegen verkörpert eine annähernd emotionslose Persönlichkeit – weshalb seine “hölzerne” Mimik kaum weiter negativ auffällt. Er repräsentiert geradezu das Idealbild eines Börsenmaklers, dessen Erscheinung allein buchstäblich “Erfolg” symbolisiert. Derweil kämpft die aus der Serie “Clueless” bekannte Elisa Donovan (“15 Minutes of Fame”) einigermaßen ersprießlich gegen die ihrem Part seitens des Drehbuchs auferlegten “Limitierungen” an, indem sie ihrer Figur eine angenehme, sich von der “Kälte” der Umstände und Umgebung (Branche) abhebende “Wärme” verleiht. Einen regelrechten Glücksfall markiert indes (erneut) die Verpflichtung von Eric Roberts (“Runaway Train“) als “Alpha” Dyson: Der “Oscar”-nominierte Genre-Veteran ist nicht nur das “Aushängeschild” dieser Produktion, sondern reißt seine Szenen zudem sichtlich engagiert an sich – mit Sicherheit auch dank der Gelegenheit, in eine solch vergnügliche Rolle schlüpfen zu können. Des Weiteren besteht die Besetzung aus Mimen wie Jeff Branson (“I spit on your Grave“), Jason Shane Scott (“Sniper: Special Ops“) und Louise Lasser (“Requiem for a Dream”), deren Leistungen jeweils kaum der Rede wert sind…

Bei “Wolves of Wall Street” hat DeCoteau die “homoerotischen Elemente” auf ein Minimum beschränkt: Mit Ausnahme einer speziellen Szene sind die betreffenden Untertöne nur zu entdecken, wenn man gezielt darauf achtet. Auf der einen Seite besitzt Jeff eine Freundin, sind ihre Gefühle zueinander echt und veranstalten die Broker erotische Partys, auf denen sie reihum diverse Frauen verführen – während die Firma eine strikte Männerdomäne ist, zu der man quasi erst umfassenden Zutritt erhält, wenn einer einem anderen in den Hals beißt (ein Vorgehen, das ja schon bei “Interview with the Vampire” für Gesprächsstoff sorgte). Der einzige unverkennbar “gay” anmutende Moment ist zu verzeichnen, als sich einige schnieke Herrschaften nebeneinander aufstellen, sich die Klamotten vom Leib reißen (bis auf die Boxer-Shorts, versteht sich), dann auf allen Vieren durchs Zimmer zu zwei hübschen, auf Thron-ähnlichen Stühlen sitzenden Ladies hinüberkrabbeln sowie diese von Kopf bis Fuß abschlecken: Unfreiwillige Komik at it´s best! Ich bin mir nicht sicher, welchem Geschlecht oder welcher sexuellen Gesinnung eine solche Sequenz wirklich ausnehmend gefallen soll bzw. dürfte – wahrscheinlich allen ein wenig; doch wohl keinem gänzlich. Diese “Inkonsequenz im Ton” durchzieht den gesamten Film: Obwohl eine Menge über das Finanz-Business geredet wird, verhindert die Oberflächlichkeit der Materie, dass das Gefühl einer seriösen Auseinandersetzung mit dieser Berufsgruppe erkeimt – wogegen die Abwesenheit blutiger Details, Spannung und Atmosphäre den Horror-Ansatz frühzeitig „verpuffen“ lässt (die meiste Gewalt findet “off Screen” statt). Das Ergebnis ist “weder Fleisch noch Fisch” – allerdings auch nie wirklich langweilig: Halt eine uninspiriert zusammengestückelte “Motiv-Kombination” aus artverwandten Veröffentlichungen á la “Wall Street”, “the Skulls”, “Wolf”, “Boiler Room” und “the Firm”…

In positiver Hinsicht kann man derweil folgende Eigenschaften anführen: Das Tempo ist verhältnismäßig straff, die Geschehnisse entfalten sich “kompakt” sowie frei etwaiger “Längen”, die Musik-Untermalung Harry Manfredinis (“Needlestick“) harmoniert mit den arrangierten Bildern und das Setting weiß zu gefallen – denn gedreht wurde zum Teil tatsächlich “on Location” in Downtown Manhattan. Das Produktionsdesign schaut solide aus und die Umsetzung weist einen “individuellen Stil” auf – bei dem bloß die sich wiederholenden, aus Flashbacks und ausgewählten Aufnahmen bestehenden “Montagen” auf Dauer einen gewissen “Abnutzungseffekt” seitens der Betrachter-Akzeptanz hervorrufen. Wie erwähnt, bedient sich das Skript einer Vielzahl bekannter Versatzstücke großer Vorbilder, ohne es geschafft zu haben, daraus eine fesselnde oder halbwegs originelle Geschichte zu spinnen – wodurch selbst punktuelle “köstliche” Momente an Wirkung einbüßen: Zum Beispiel die, in der Dyson im wahrsten Sinne des Wortes jemandem inmitten eines Konferenz-Saals “ans Bein pinkelt”, um sein Revier abzustecken bzw. seinen Besitz zu kennzeichnen. Man addiere dazu noch etliche vorhersehbare Gegebenheiten (wozu könnte der silberne Kugelschreiber irgendwann wohl noch nützlich sein?), Logikpatzer (die Vollmond-Phase erstreckt sich scheinbar über mehrere Wochen hinweg), banale, nicht selten “tierische Anspielungen” beinhaltende Dialoge sowie ein unsäglich banales Finale, das in allen Belangen enttäuscht: Fertig ist ein weiteres unterdurchschnittliches, eingeschränkt unterhaltsames B-Movie, welches durchaus zu registrierendes Ausgangs-Potential „unterm Strich“ einfach nicht ergiebig auszuschöpfen wusste…

Fazit:  “Wolves of Wall Street” kann mit einer brauchbaren Grund-Idee aufwarten, welche einige der üblichen Klischees erfreulicherweise zu meiden vermag – aus der die Verantwortlichen leider aber nichts Nachhaltiges oder zumindest einigermaßen Interessantes zu generieren vermochten. Schade, denn generell handelt es sich hierbei um eine der kompetenteren Regie-Arbeiten David DeCoteaus…

knappe

Hierzulande ist “Wolves of Wall Street” bis heute (04/2019) weder auf DVD noch BluRay erschienen – lief aber bereits einige Male im TV. Wer mit einer DVD ohne einer deutschen Synchro zufrieden ist, der kann u.a. in England, Holland und Italien fündig werden...

Stefan SeidlWolves of Wall Street

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Wolves of Wall Street

Copyright des “Wolves of Wall Street” Covermotivs sowie der Screenshots der UK-DVD: ACH / Christopher Filmcapital / Regent Productions / Unipax Ent. (UK)__ Infos zur britischen VÖ:__ Freigabe/Classification: 15__ DVD/BluRay: ja/nein__

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