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Zero Dark Thirty

Originaltitel: Zero Dark Thirty__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Kathryn Bigelow__Darsteller: Jessica Chastain, Jason Clarke, Frank Grillo, Mark Duplass, Mark Strong, Chris Pratt, Joel Edgerton, Harold Perrineau, Kyle Chandler, Stephen Dillane, James Gandolfini, Taylor Kinney, Jennifer Ehle, Édgar Ramírez, Scott Adkins u.a.
Zero Dark Thirty

Zero Dark Thirty ist Kathryn Bigelows Interpretation der Jagd auf Osama Bin Laden. In einer Nebenrolle dabei: Scott Adkins.

Für „Zero Dark Thirty“ arbeitete Kathryn Bigelow nach „The Hurt Locker“ nicht nur erneut mit Drehbuchautor Mark Boal zusammen, sondern setzt auch auf einen sehr ähnlichen Stil, gerade aus erzählerischer Sicht.

Wie schon bei „The Hurt Locker“ wählt der Film die Perspektive einer Einzelperson, beleuchtet das außenpolitische Geschehen allein durch deren Augen und lässt sich auf keinen Kommentar zum großen Ganzen ein. In diesem Fall ist es die CIA-Agentin Maya (Jessica Chastain), die im Jahr 2004 zu den Ermittlern stößt, die nach Osama Bin Laden fahnden. Original-Audioeinspieler der Anschläge vom 11. September gehen dem voraus, doch der Film beginnt mit Mayas Zustoßen zu den Ermittlern – darunter Dan (Jason Clarke), ein professioneller Folterknecht, der aus Gefangenen Informationen durch physische Qualen, seelische Grausamkeit und Psychospielchen herausholt. Unter anderem dadurch, dass er immer wieder auf freundlich macht und so ein künstliches Vertrauen zwischen sich und dem Opfer erzeugt, so wie es reale Folterknechte auch tun.

Anfangs ist Maya noch geschockt von den Methoden, wendet den Blick ab, doch bald glaubt sie eine Spur gefunden zu haben, die sie zu Bin Laden führt. Durch alle Erfolge und Fehlschläge ihrer Ermittlungen hält sie daran fest: Der Idee, dass sie einen Boten ausfindig gemacht hat, der persönlich mit dem untergetauchten Bin Laden kommuniziert…

„Zero Dark Thirty“ ist kein einfacher Film, da er ausgesprochen spröde und nüchtern daherkommt, mit beinahe dokumentarischem Gestus die Geschehnisse dokumentiert, die zur Tötung Bin Ladens führten – oder zumindest eine Version der Geschehnisse, denn die Quellen widersprechen sich ja durchaus. Das Finale beispielsweise schließt sich nicht der von den US-Streitkräften ausgegebenen Devise an, dass Bin Laden zuerst gefeuert habe und die Soldaten hätten das Feuer erwidert, andere Vorgänge beruhen hingegen wohl auf CIA-Quellen. Der zentrale Punkt vieler Debatten um „Zero Dark Thirty“ ist die Darstellung von Folter: Der Film bildet einfach nur ab, egal ob Folter oder Schreibtischrecherche, lässt offen, ob die Folter einen Nutzen bei der Jagd auf Bin Laden hatte und wie groß dieser Nutzen war, da sich das Gebotene in die eine oder andere Richtung interpretieren lässt. Kritik an den Folterungen übt er dabei nicht, aber das alleinige Fehlen von Kritik daran macht Bigelows Film nicht zu einem Befürworter des Vorgehens – er enthält sich schlicht und einfach eines Statements.

Nicht nur auf politischer, sondern auch auf erzählerischer Ebene ist das durchaus gewagt, denn „Zero Dark Thirty“ ist ein durch und durch spröder Film: Da mag der Trailer, der die actionreicheren Szenen vom finalen Zugriff gern präsentiert, einen anderen Eindruck vermitteln, doch insgesamt folgt man Mayas Odyssee durch eine Welt der Fakten und Gerüchte, die konsequenterweise auch erst dann beginnt, wenn sie zur Task Force stößt. Andere Figuren treten auf und ab, manche kommen wieder, andere verabschieden sich nach der Episode oder den Episoden, in denen sie eine Rolle spielen, dauerhaft aus der Handlung – selbst Dan, der anfangs noch als Hauptfigur erscheint, ist eben keine.

Insofern ist „Zero Dark Thirty“ weniger im klassischen Sinne spannend, sondern eher interessant, so problematisch die Bezeichnung auch ist, denn interessant bleibt er die drei Stunden seiner Handlung. Wie schon bei „The Hurt Locker“ schmeißen Bigelow und Boal klassische Erzählmuster über Bord, keine Twists, keine Wendepunkte, keiner innere Heldenreise, sondern die Nacherzählung eines historischen Events aus der Sicht einer Person, so trocken dies zwischendurch auch sein mag.

Besagte Person verkörpert Jessica Chastain (die bereits einen Golden Globe für ihre Leistung erhielt) mit Inbrunst und Hingabe, welche die zahlreichen Award-Nominierungen rechtfertigen, nicht zuletzt, da der Rest des Ensembles keine auch nur ansatzweise ähnlich große Rolle innehat. Ebenfalls famos ist Jason Clarke als professioneller Folterknecht, bei dem man nie genau weiß, ob er seine Arbeit mag oder nur desillusioniert verrichtet. Akzente setzen Jennifer Ehle, Mark Strong, Frank Grillo und Édgar Ramírez in markanten Nebenrollen. In einer solchen ist auch Actionstar Scott Adkins zu sehen, hat aber nur zwei Szenen in dem figurenreichen Film.

„Zero Dark Thirty“ ist kein Film für jedermann, sehr spröde in seiner Auslegung der Ergreifung Bin Ladens, nicht kritisch, aber auch nicht befürwortend in seiner standpunktlosen Darstellung von Folter, beinahe schon dokumentarisch in der Art wie er seiner Hauptfigur über die Schulter schaut, über die man abseits ihres beruflichen Ehrgeizes, ja fast schon Wahns, im Gegensatz zum „The Hurt Locker“-Protagonisten quasi nichts erfährt. Bigelows Oscargewinner ist insgesamt merklich stärker, ungewöhnliches Hollywoodkino ist „Zero Dark Thirty“ aber dennoch.

„Zero Dark Thirty“ läuft ab 31.1.2013 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures International__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 31. Januar 2013 im Kino

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