
„Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“ thematisiert die Hitreihe von Charles Bronson. Copyright: WUZI / Ezra Tsegaye
1974 sorgte „Ein Mann sieht rot“ (aka „Deat Wish“) für gewaltige Kontroversen. Die Verherrlichung von Selbstjustiz wurde ihm dabei immer und immer wieder vorgeworfen. Doch der Film kam zur rechten Zeit. Die Kriminalitätsrate in den USA war am Steigen. So mancher fühlte sich nicht mehr sicher. Da kam ein Otto-Normalo wie Paul Kersey, der das Recht in die eigene Hand nahm, gerade recht.
Der Film wurde zu einem großen Erfolg. Und er verschaffte seinem Star, Charles Bronson, endlich den lang ersehnten Durchbruch in den USA. Der war nach diversen Superhits in Ensemblefilmen, bei denen er zwar auffiel, aber nie wirklich als Star durchstartete, nach Europa gegangen. Hier stieg er dank Superhits wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ zum Superstar auf. Mit derartigen Meriten ausgezeichnet, war das amerikanische Publikum neugierig auf den kantigen Schauspieler und biss an.
Bronson konnte sich nach „Death Wish“ die Filmprojekte aussuchen. Nur eine Fortsetzung des Superhits stand für ihn eigentlich nie zur Debatte. Doch dann kam Cannon. Das Studio hatte sich die Rechte an dem Stoff gesichert und winkte mit dicken Geldbündeln. Der grelle, gewaltmäßig aufgepumpte „Der Mann ohne Gnade“ (aka „Death Wish 2“) war die Folge und wiederholte das Schema des erfolgreichen Vorgängers.
In „Death Wish 3 – Der Rächer von New York“ ließ Paul Kersey dann den Krieg über ein paar Punks hereinbrechen und in „Das Weiße im Auge“ („Death Wish 4) ging es skrupellosen Mafialumpen an den Kragen. „Death Wish 5 – Antlitz des Todes“ schaffte es dann in vielen Ländern gar nicht mehr ins Kino. Charles Bronson war da bereits über 70, aber noch gut in Schuss. Der Film selbst war es nicht.
Ein Filmbuch sieht rot: Die Filme, die Stars, die Macher und vieles mehr
Die Autoren Dominik Starck, Florian Wurfbaum und Kevin Zindler widmen sich in „Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“ vollumfänglich der umstrittenen Filmreihe. Gastautoren wie Thomas Hortian, Markus Köhler und Christoph N. Kellerbach steuern Gastbeiträge bei. Kenntnisreich und sehr subjektiv gefärbt, wuchtet man sich zunächst durch eine kleine Abhandlung zur Bedeutung der Actionreihe. Das Thema Selbstjustiz in Filmen wird natürlich auch abgehandelt.
Ein Portrait von Charles Bronson findet der geneigte Leser ebenso wie eine Sammlung von zehn Filmen aus seinem Oeuvre. Die genannten Filme entsprechen dabei mal nicht ganz dem typischen Image des Superstars und zeigen auf, dass er eben weitaus mehr konnte als Lumpen umnieten.
Auch den Autor der Romanvorlage des Filmes, Brian Garfield, würdigen die Autoren ausführlich. Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass er seine liebe Not mit dem filmischen Endprodukt und deren Fortsetzungen hatte. Das gipfelte in dem Roman „Death Sentence“, der dann wiederum mit Kevin Bacon von James Wan inszeniert wurde. Diesmal zur weitgehenden Zufriedenheit Garfields.
Dann starten die Hauptautoren in die „Death Wish“-Reihe und arbeiten sich durch alle Teile. Neben einer kurzen Inhaltsangabe und den wichtigsten Namen aus Cast und Crew gibt es viele Hintergrundinfos zu den einzelnen Teilen. Darunter Informationen zu den Dreharbeiten, zu der Aufnahme der Filme durch die Kritik und zu der Entwicklung der Einspielzahlen. Auch so mancher Nebendarsteller und Regisseur wird in einem kleinen Portrait vertieft. Dabei wird auch nie verschwiegen, wie qualitativ durchwachsen die Reihe war und wie sie mit dem Laufe der Jahre immer irrelevanter wurde. Zumal sie sich, im Gegenteil zum ersten Teil, schlicht und ergreifend gar nicht mehr mit dem Thema Selbstjustiz an sich beschäftigte, sondern sie einfach nur abfeierte.
Im Übrigen spart „Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“ das Remake „Death Wish“ mit Bruce Willis von Eli Roth nicht aus. Dessen schwierige Entstehungsgeschichte steht dabei im Fokus, die freilich dafür verantwortlich ist, was letzten Endes bei dem Projekt herauskam. Und das mochten die Autoren eher weniger, wie man das eine oder andere Mal im Buch herauslesen kann.
Den Leser erwarten nun noch Abhandlungen zu den Epigonen im Genre. Aufgrund der brutalen Vergewaltigungen in den Teilen eins und zwei und dem darauffolgenden Rachefeldzug Kerseys beschloss man, diese Abhandlung mit einem in meinen Augen zu ausführlichen Special zu dem Subgenre des Rape’n’Revenge-Subgenres zu beginnen. Mithin die krasseste Form der Selbstjustizfilme – und auch die anrüchigste. Auf viel zu vielen Seiten wird das Thema breitgetreten. Sehr versiert und gut geschrieben, keine Frage, aber in meinen Augen machen diese Filme einen viel zu kleinen Teil im Genre aus, um derart in den Fokus gerückt zu werden.
Danach werden dann zehn weitere Selbstjustizfilme vorgestellt, die sich dem Thema teils deutlich differenzierter annähern, als es die „Death Wish“-Reihe jemals vermochte. „Taxi Driver“ oder „Die Fremde in dir“ seien stellvertretend genannt. Eine reizvolle Auswahl, die im Fließtext auch mit weiteren Filmen angereichert wird. Prinzipiell hätte ich mir hier aber eher einen Deep Dive mit noch mehr Epigonen gewünscht.
„Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“: Von Fans für Fans
Alleine der Titel des Buches ist schon einmal ein kleiner Kracher. Und als Begleitlektüre zu der „Death Wish“-Filmreihe ist das Buch nur zu empfehlen. Im lockeren Ton gibt es viele Informationen zu den einzelnen Teilen. Dabei überzeugt das rotsehende Filmbuch vor allem so lange, wie es sich dem eigentlichen Buchinhalt widmet. Der Abgang um andere Selbstjustizfilme hingegen funktionierte für mich nicht richtig. Er ist auch klasse weglesbar, aber mein Interesse erreichte er in der Form nicht.
Und es gibt in meinen Augen noch ein paar Problemchen mehr. Zunächst einmal hätte ich mir mehr Bilder gewünscht. Artworks, Filmstills, geile Cover – wäre alles willkommen gewesen. Das Buch enthält einige Bilder, aber die fallen nicht soooo zahlreich und vor allem wenig spektakulär aus. Ein weiteres Problem: Dadurch, dass hier recht viele Autoren mitwirkten, wirken einige Infos irgendwann sehr repetitiv. Man hat das Gefühl, jeder will einmal etwas zu der Ur-Reihe schreiben. Da man sich dabei aber meist kurz halten muss, um zu seinem eigentlichen Inhalt zu kommen, fallen diese Ausführungen doch ziemlich gleich aus. Ein wenig mehr Rotstift hätte hier sicherlich geholfen.
Doch was dramatisch klingt, ist es nicht. „Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“ ist unterhaltsam, kenntnisreich und flott geschrieben und dankenswerterweise keine trockene Filmliteratur, sondern ein Buch von Fans für Fans. Und als solches funktioniert es trotz ein paar Problemstellen prächtig.
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Informationen zur Veröffentlichung
Das Buch wurde unabhängig produziert und wird auch so vertrieben. Sprich, es wird On-Demand gedruckt.
Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot
von: Kevin Zindler (Autor), Florian Wurfbaum (Autor), Dominik Starck (Autor), Christoph N. Kellerbach (Autor), Peter Osteried (Autor), Matthias Bogner (Autor), Thomas Hortian (Autor), Kristijan Skrobo (Autor), Markus Köhler (Mitwirkende), Clemens Eisenberger (Vorwort)
Herausgeber: Independently published (7. Mai 2020)
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 208 Seiten
ISBN-13: 978-1660109227
In diesem Sinne:
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