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Mr. No Pain

Originaltitel: Novocaine__Herstellungsland: USA / Kanada / Südafrika__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Dan Berk, Robert Olsen__Darsteller: Jack Quaid, Ray Nicholson, Amber Midthunder, Jacob Batalon, Betty Gabriel, Matt Walsh, Evan Hengst, Conrad Kemp, Craig Jackson, Lou Beatty Jr., Garth Collins, Tristan de Beer u.a.
Mr. No Pain DVD Cover

Mr. No Pain macht endlich euer Heimkino unsicher!

Ich muss zugeben, dass ich, als ich den Trailer zu „Mr. No Pain“ das erste Mal gesehen habe, den Clou des Streifens nicht vollends verstanden habe. Erst mit der Titeleinblendung war klar: Nate, der Hauptcharakter des Streifens, verspürt wirklich so gar keine Schmerzen und nutzt diese Eigenschaft, um seine entführte große Liebe aus den Händen fieser Bankräuber zu befreien.

Interessanterweise stellt der finale Film dieses vom Trailer propagierte – nennen wir es – Superheldenelement gehörig auf den Kopf. Denn Nate ist tatsächlich schmerzunempfindlich, ABER der diesen Umstand verursachende Gendefekt ist brandgefährlich! Immerhin könnte Nate verbluten, wann immer er sich verletzt und es dank fehlender Schmerzempfindungen nicht bemerkt.

Entsprechend lässt sich der Film eine Menge Zeit, dieses Element im Film zu etablieren. Wenn wir Nate zum ersten Mal begegnen, erleben wir einen Menschen, der mit äußerster Vorsicht durch sein Leben schreitet. Harte Kanten an Möbeln sind mit Tennisbällen abgesichert. Kleine Bällchen aus Knete verzieren Bleistiftspitzen. Jegliches Essen wird püriert. Dieser Mann will kein Risiko eingehen.

Schaut in den Film hinein

Schmerzunempfindlich auf Geiselbefreiungstour

Als es dem Bankangestellten gelingt, ein Date mit seiner Traumfrau Sherry klarzumachen, erklärt er ihr und dem Zuschauer erstmals den Grund für seine Vorsicht. Schade ist, dass das so erstaunlich feinfühlig eingeführte Bedrohungselement im weiteren Film keine weitere Rolle spielen wird. Doch bis dahin ist noch Luft. Sherry und Nate lernen sich nun kennen. Und es funkt gehörig zwischen beiden.

So sehr, dass man gerne glaubt, dass Nate nach einem Angriff auf seine Bankfiliale alle Vorsicht fahren lässt, um die im Verlauf des Überfalles entführte Sherry zu befreien. „Mr. No Pain“ schaltet nach seinem langsamen, aber nie langweiligen Beginn direkt einige Gänge höher.

Jack Quaid in Mr. No Pain

Das Leben von Nate wird auf den Kopf gestellt. Copyright: Paramount Pictures / Marcos Cruz

Nate gerät nun von einer Actionszene in die nächste. Und er erweist sich aufgrund seines Handicaps als unkaputtbar. Er nimmt heftigste Schwinger, verbrennt sich die Extremitäten, wird angestochen, angeschossen und bekommt brutalst diverse Knochen gebrochen. Etwas Leim oder ein Zudrücken einer Wunde sollen andeuten, dass sich Nate seiner erhöhten Sterblichkeit aufgrund seiner Krankheit bewusst ist. Fürs Publikum ist die Krankheit aber längst kaum mehr als ein Gimmick.

„Mr. No Pain“ wird zu einer Art Groteske, in der die anfänglich feinen, emotionaleren und sensibler gereichten Untertöne komplett pausiert werden. Das ist einerseits schade, wird aber mit einer Extraladung Tempo und viel Spaß zumindest für ein actionaffines Publikum ordentlich austariert. Interessant ist zudem, dass „Mr. No Pain“ eine ordentliche Balance für die witzigen Momente findet. Ist mal rasend komisch, mal eher unterschwellig amüsant, aber nie zu überdreht oder gar nervig.

Jack Quaid und Amber Midthunder in Novocaine

Nate ist von Sherry verzaubert. Copyright: Paramount Pictures / Marcos Cruz

Was der Film auch dank einer parallel aufgespannten Handlung um Sherry erreicht. Die nimmt nämlich eine interessante, leider etwas arg früh gezündete Wendung, aufgrund derer man das Tun Nates durchaus auch moralisch zu hinterfragen beginnt. Diese Parallelhandlung ist aber auch aus dem Grunde schön, dass sie Amber Midthunder („Prey“) im Film hält und ihr ein paar interessante Szenen zuschanzt.

Auch die Darsteller rund um die beiden Hauptfiguren machen einen ordentlichen Job. Ein Highlight bildet ganz klar Ray Nicholson („Smile 2“), der als fieser Simon nahezu unzerstörbar durch den Film walzt und vor allem im Showdown ordentlich aufdrehen darf. Der Showdown ist die dritte große Actionszene im Film. Die diverse unterschiedliche Settings bespielt, einen hübschen Carstunt auffährt und auch sonst – vor allem härtetechnisch – einiges zu bieten hat.

Jack Quaid in Mr. No Pain

Nate greift zum Schießprügel. Copyright: Paramount Pictures / Marcos Cruz

Zuvor gibt es eine enorm witzige Szene in einem Prepper-Haushalt zu bestaunen. Und davor sorgt der Banküberfall und eine heftige Keilerei in einer Restaurantküche für Schauwerte. Alle Einlagen haben Szenen an Bord, die einen heftig Luft durch die Zähne ziehen lassen – die FSK 18 ist hochverdient! –, die aber auch immer wieder sehr witzig aufgebrochen werden. So ist die fiese Folterung Nates gleichzeitig eine der witzigsten Szenen im Film.

In seinen Actionszenen wird „Mr. No Pain“ immer wieder extrem dynamisch. Die Kamera fängt das wilde Treiben ausreichend übersichtlich ein – vollführt aber auch mal ungewöhnlichere Bewegungen. Die Montage ist angenehm flott und die Choreographie immer mit Sinn für Schauwerte angelegt. Und der Soundtrack von Lorne Balfe und Andrew Kawczynski macht wirklich mächtig Druck. Auch abseits der Action, wo auch die Inszenierung des in San Diego spielenden Streifens immer angenehm wertig rüberkommt.

„Mr. No Pain“ kann schmerzfrei genossen werden

„Mr. No Pain“ ist ein wirklich irrer Streifen, der seinem schlaksigen, ungemein sympathischen Hauptdarsteller Jake Quaid („Companion“) seine eigene „Nobody“-Variante auf den Leib schneidert. Der nimmt die Gelegenheit mit sichtbarer Spielfreude dankend an und liefert eine ungemein einnehmenden Performance. Zudem hat er eine tolle Chemie mit Amber Midhunter. Die gerät so toll, dass man sich viel mehr gemeinsame Szenen der beiden jungen Darsteller gewünscht hätte.

Doch auch so gibt es in der rasanten Actiongroteske eine Menge zu sehen. Es ist einerseits zwar schade, dass „Mr. No Pain“ in der zweiten Hälfte so brachial über die erste hinwegfegt, andererseits legte die erste Hälfte freilich einen wichtigen Grundstein dafür, dass man im actionreichen zweiten Part immer drin ist. Der haut actiontechnisch ordentlich auf die Pauke, obschon man sich vorher darauf einstellen sollte, dass hier freilich keine Häuser explodieren oder das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht. Der Film bleibt in der Action eher intim, haut aber trotzdem gewaltig einen raus.

Das Ergebnis ist ungemein flott, äußerst unterhaltsam, sehr witzig, technisch sauber umgesetzt, stark gespielt, in Teilen krass brutal und mit einem Score versehen, der alleine schon weithin „Action“ brüllt. Tolles Ding!

08 von 10

In diesem Sinne:
freeman


……


Ein sympathischer, netter, kleiner Film

Mr. No Pain

In der Actionkomödie „Mr. No Pain“ will Jack Quaid seine große Liebe Amber Midthunder retten

Mit B-Movies und Independent-Filmen wie „Stake Land II“, „Villains“ oder „Significant Other“ erarbeitete sich das Regieduo aus Dan Berk und Robert Olsen ein immer besseres Standing, ehe sie mit „Novocaine“, hierzulande „Mr. No Pain“ genannt, ihren Hollywoodeinstand geben durften.

Novocaine oder Mr. No Pain, das ist je nach Sprachfassung der Spitzname von Nathan ‘Nate‘ Cain (Jack Quaid) aus Kindertagen. So genannt wurde er wegen der Krankheit CIPA, die ihn unempfindlich gegenüber Schmerzen macht, was aber auch ein extremes Sicherheitsrisiko für den jungen Mann ist. Auf dem Weg zur Arbeit hört der stellvertretende Leiter einer Bankfiliale Audioratgeber über den mentalen Umgang mit der eigenen Behinderung, daheim und im Büro sind alle spitzen Kanten abgesichert, Nahrung konsumiert Nate lieber in flüssiger Form, aus Angst er könne sich selbst unbemerkt die Zunge abbeißen und daran ersticken. Das Regieduo und Drehbuchautor Lars Jacobson („Day of the Dead: Bloodline“) nehmen Nates Nervenkrankheit ernst, machen nicht einfach nur einen Witz oder ein Gimmick daraus, sondern zeigen, was dies für Folgen für ein Leben haben kann.

Ausgerechnet seine Krankheit ist es allerdings, die Nate eine Verabredung mit seiner Kollegin Sherry Margrave (Amber Midthunder) verschafft, die er schon lange anhimmelt. Als diese im versehentlich heißen Kaffee über die Hand schüttet, wovon Nate nichts merkt, lädt sie ihn zwecks Wiedergutmachung zum Essen ein. Es funkt zwischen den beiden, während Nate mehr über sich, seine Erkrankung und sein Leben enthüllt. Zwar sind es nur ein Mittagessen, ein gemeinsamer Abend und eine gemeinsame Nacht, welche die beiden Figuren hier miteinander verbringen, aber Berk, Olsen und Jacobson lassen sich Zeit mit der Etablierung ihrer Charaktere und der Grundsituation, ähnlich wie etwa „The Equalizer“ oder „Nobody“, die im ersten Viertel ebenfalls mehr oder weniger komplett auf Action verzichteten.

Der Actiongenrepart des Films setzt rabiat ein, als ein Räubertrio die Bank am nächsten Morgen überfällt, Nate zum Öffnen des Safes zwingt und Sherry als Geisel auf der Flucht mitnimmt. Die eintreffenden Polizisten werden niedergeschossen, Verstärkung kommt erst mit Verspätung. In seiner Verzweiflung nimmt der ausgerechnet der sonst so behütete Nate die Verfolgung der Schurken auf, wobei seine Erkrankung ausnahmsweise mal eine Hilfe ist…

Schaut euch den Trailer zu „Mr. No Pain“ an

„Mr. No Pain“ ist nicht sensationell innovativ. Den Ansatz des Heldseins durch simples Nichtempfinden von Schmerz gab es beispielsweise auch in „Kick-Ass“, die Darstellung des etwas überforderten Normalos in Actionszenarios in reichlich anderen Filmen. Nates Schmerzunempfindlichkeit ist natürlich das Hauptgimmick, auch wenn der Trailer zu „Mr. No Pain“ leider schon zahlreiche Pointen verrät, wann und wie es eingesetzt wird. Erfreulich ist aber die Sensibilität, welche die Macher dabei an den Tag legen: „Mr. No Pain“ verweist mehrmals darauf, dass Verletzungen für Nate immer noch gefährlich sind, auch wenn er den Schmerz nicht spürt – so ist sein Zustand am Ende des Films auch die logische Konsequenz daraus.

Zudem hätte man „Mr. No Pain“ auch komplett albern erzählen können, doch stattdessen legt der Film eine gewisse Bodenständigkeit an den Tag, obwohl es sich um eine Actionkomödie handelt. So sind einige der Action- und Gewaltszenen nicht einfach nur überkandidelter Spaß, sondern recht hart sowohl in den Bildern als auch im erzeugten Gefühl. Wenn Nates Boss beim Banküberfall regelrecht hingerichtet wird und die eintreffenden Polizisten von den Räubern eiskalt über den Haufen geschossen werden, dann ist das nicht einfach nur Bubblegum-Action-Firlefanz, sondern alles andere als zum Lachen und unterstreicht die Skrupellosigkeit der Schurken.

Mr. No Pain

Für Sherry (Amber Midthunder) nimmt Nate all die Schmerzen und Strapazen auf sich

Genügend Gags besitzt „Mr. No Pain“ trotzdem. Da ist zum einen der Kontrast zwischen Nates sonst so behütetem Dasein und den zahlreichen Gefahren, denen er sich auf der Jagd nach seiner großen Liebe aussetzt. Oft scheint er selbst überrascht davon zu sein, zu welchen Taten er da fähig ist, von Autojagden bis hin zum beherzten Griff in die Fritteuse, um eine Pistole an sich zu bringen. Doch weil Nate all dies in vollem Bewusstsein um die Konsequenzen tut, wirkt „Mr. No Pain“ dabei weder sadistisch noch albern. Handwerklich stimmt das Pointentiming der slapstickartigen (Selbst-)Verletzungen, weiteren Witz zieht „Mr. No Pain“ auch aus dem Kontrast von Schein und Sein, gerade wenn es um Nates besten (Online-)Kumpel geht.

Nach der Exposition und Etablierung der Hauptfiguren ist die Actionkomödie vor allem eine Hatz von Nate durch die Stadt, irgendwo zwischen „Final Call“ und „Crank“ vom Feeling her. Für die Polizei ist er selbst ein Verdächtiger, Hinweise auf den Aufenthaltsort der Schurken hat er kaum, kennt dafür aber die Statistiken, wie weit die Überlebenschancen von Geiseln sinken, je mehr Zeit nach dem Kidnapping vergeht. Das hat ein ordentliches Tempo mit gut gesetzten Verschnaufpausen, auch wenn sich „Mr. No Pain“ im Finale etwas kürzer fassen könnte. Einen Plottwist, der ungefähr zur Filmmitte enthüllt wird, kann man absehen, da dieser schon etwas abgenutzt ist, dafür ist das Ende in mehrerlei Hinsicht erfreulich konsequent, ohne dabei bösartig oder unhappy zu sein. Aber eben konsequent.

Als Actionkomödie muss „Mr. No Pain“ natürlich auch an seinen Actionsequenzen gemessen werden, die gar nicht mal so zahlreich sind. Neben einer der kurzen Autojagd zu Beginn und der Amokfahrt eines Krankenwagens gegen Ende bekommt Nate es nämlich insgesamt mit nur vier Gegnern zu tun. Die Kämpfe nutzen das Kein-Schmerz-Gimmick gut aus (auch wenn es – wie gesagt – einen Großteil der Highlights leider schon im Trailer zu sehen gab) und sind von Radoslav Parvanov („The Princess“) so choreographiert worden, dass der Spagat zwischen Action-Schauwerten und Comedy-Überzeichnung recht gut gelingt. Allerdings sind die auch nicht allzu ausladend, was sicherlich zu Nates Normalo-Status passt, aber „Mr. No Pain“ auch immer etwas kleinformatig wirken lässt.

Jack Quaid in Novocaine aka Mr. No Pain

Immer vorsichtig mit den scharfen Sachen!

Jack Quaid spielt ähnlich wie in seiner Durchbruchsrolle in „The Boys“ den liebenswerten Durchschnittstypen, der aber weit über sich hinauswachsen kann, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Amber Midthunder („Prey“) gibt das toughe Love Interest, Nates Seelenverwandte mit ähnlich komplizierter Hintergrundgeschichte. Zusammen haben sie Chemie, agieren über weite Strecken getrennt voneinander, doch egal ob allein oder im Doppelpack – Quaid und Midthunder tragen zum Gelingen des Films bei, da sie ihre Figuren ebenso sympathisch wie glaubhaft verkörpern, zur Erdung der Actionkomödie beitragen.

Jacob Batalon ist seit „Spider-Man: Homecoming“ der beste Kumpel des titelgebenden Marvel-Superhelden und wiederholt diese Rolle hier in ähnlicher Form, zieht sogar eine Parallele zwischen Nate und Wolverine, womit er guten Support leistet. Ray Nicholson („Promising Young Woman“) als sadistischer Adrenalinjunkie-Oberschurke ist schon ziemlich fies drauf, kann aber trotzdem nicht so ganz überzeugen – irgendwie fehlt ihm das letzte bisschen Bedrohlichkeit für einen wirklich memorablen Fiesling. Der Rest vom Fest, darunter Betty Gabriel („Upgrade“) und Matt Walsh („Ted“) als Cop-Duo, ist dagegen kaum der Rede wert.

So ist „Mr. No Pain“ mit seinen schön geschriebenen Hauptfiguren, den beiden gut aufgelegten Hauptdarstellern und seinem komödiantischen, aber nie zu albernen Ton eine grundlegend sympathische Angelegenheit. Es ist aber auch nicht mehr als ein netter, kleiner Film, denn die Geschichte ist simpel, an ein, zwei Stellen etwas vorhersehbar, die Action kompetent gemacht, aber etwas klein skaliert.

Sony, das mittlerweile den Kinovertrieb von Paramount-Titeln in Deutschland übernimmt, hat „Mr. No Pain“ am 20. März 2025 in die deutschen Kinos gebracht, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Der Film erscheint am 19. Mai 2025 digital auf verschiedenen Streaming-Portalen. Am 05. Juni 2025 erfolgt dann die physische Auswertung auf DVD, Blu-ray und 4K UHD.

© Nils Bothmann (McClane)

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