Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

V/H/S/Beyond

Originaltitel: V/H/S Beyond__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Jay Cheel, Jordan Downey, Christian Long, Justin Long, Justin Martinez, Kate Siegel__Darsteller: Jolene Andersen, Mike Ferguson, Bobby Slaski, Braedyn Bruner, Rhett Wellington, Thom Hallum, Dominique Star, Phillip Andre Botello, Bix Krieger, Libby Letlow u.a.
V/H/S/Beyond DVD Cover

„V/H/S/Beyond“ setzt das V/H/S-Franchise gelungen fort.

2012 erschien mit „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ eine Found-Footage-Anthologie, die Folgen hatte. Denn die Kurzfilme des von einer Rahmenhandlung zusammengehaltenen Horrorprojekts waren angenehm creepy und überzeugten die Horrorfans rund um die Welt. Mit „S-VHS“ erschien bereits 2013 eine Fortsetzung – berühmt-berüchtigt dank des derben Segments von Gareth Evans („The Raid“). Wiederum ein Jahr später erschien „V/H/S: Viral“. Danach wurde es erst einmal ruhig um das „Franchise“.

Ab 2021 jedoch kamen in steter Folge neue V/H/S-Anthologien auf den Markt: „V/H/S/94“ (in Deutschland nie ausgewertet), „V/H/S/99“ und „V/H/S/85“ (hier nur als VoD zu haben). Hierbei ist mir nur letzterer bekannt und er unterhielt mich tatsächlich sehr gut. Warum also dem neuesten Beitrag zur Reihe keine Chance geben? Dieser heißt „V/H/S/Beyond“ und punktet mit Außerweltlichem und Abartigem.

Schaut in den Film hinein

„Abduction/Adduction“

Diese Episode stellt die Rahmenhandlung dar. Sie präsentiert sich in Form eines Doku-Formates, das die Echtheit des auf zwei gefundenen VHS-Kassetten gespeicherten Materials untersuchen möchte. Da es sich dabei um angebliche Aufnahmen von Alien-/UFO-Sichtungen handeln soll, wird in Interviews mit den Hosts und Gästen des Doku-Formates genau über diese Thematik sinniert. Am Ende bekommt der Zuschauer dann das Material zu sehen…

… und ist ziemlich unterwältigt. Die Rahmenhandlung, in Szene gesetzt von Jay Cheel, ist das schwächste Segment von „V/H/S/Beyond“. Die Interviews und Einblicke in die Geschichte der Hoffnung der Menschheit irgendwann mal Aliens zu begegnen, sind immerhin optisch stimmig in Szene gesetzt, ansonsten aber total langweilig. Schlimmer noch: Die Episode endet reichlich unpointiert und schmeißt den Zuschauer mit einem echten Downer aus der ansonsten starken Anthologie.

„Stork“

Einige Polizisten einer Großstadt haben sich in der Organisation „W.A.R.D.E.N.“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Sie wollen einem mehrfachen Babyentführer das Handwerk legen. Ihre Ermittlungen führen zu einer Art Ganghaus. Als sie es schwer bewaffnet betreten, bricht die Hölle los.

„Stork“ ist die erste reguläre Episode von „V/H/S/Beyond“ und als solche ein echter Banger. Regisseur Jordan Downey („The Head Hunter“) drückt beinahe sofort das Gaspedal durch und konfrontiert die Cops mit Zombie-ähnlichen Kreaturen. Letztere werden von den Cops blutigst aus dem Leben geballert. Dabei kommen durchweg handgemachte Effekte zum Einsatz, der Blutzoll ist enorm, die Brutalität krass und die Maskenarbeit begeisternd.

Je weiter die Cops in dem Haus vordringen, umso derber wird es. Irgendwann wird einer Kreatur der Kopf mit einer Kettensäge abgesägt. Der Kopf rutscht daraufhin dank POV-Sicht auf dem Blatt der Säge auf die Kamera zu. Herrlich. Die Auflösung des wilden Treibens ist ebenfalls richtig gelungen und präsentiert einen netten Animatronic-Effekt. Letzterer ist zwar etwas steif, dafür aber liebevoll detailliert und eben kein billiger CGI-Mumpitz. „Stork“ ist definitiv das Highlight von „V/H/S/Beyond“. Und Herr Downey sollte mal einen echten Actioner inszenieren. Er scheint da ein gutes Auge zu haben.

„Dream Girl“

„Dream Girl“ bringt etwas Bollywood in die Anthologie. Es wird gesungen und getanzt, allerdings storyinhärent logisch eingebettet. Denn alles dreht sich um zwei junge Kerle, die eigentlich gerne in der Filmindustrie Fuß fassen wollen würden, es bislang aber nur zu Auftragsarbeiten als rasende Reporter in der Unterhaltungsbranche geschafft haben. Aktuell sollen sie Bildmaterial von dem neuen Superstar Tara besorgen. Sie schaffen es auf das Set eines Videodrehs der jungen Dame. Und einer wird sogar in den Trailer von Tara geschleust. Die Freude darüber schlägt jedoch alsbald in Panik um.

„Dream Girl“ braucht ein wenig, um in Schwung zu kommen. Zudem nervt die von Regisseur Virat Pal („Recapture“) eingesetzte, extrem wackelige und hektische Handkamera, die an schlimmste Vertreter des „Shaky-Cam-Genres“ denken lässt. Sobald jedoch die Katze aus dem Sack ist, was es mit Tara auf sich hat, dreht „Dream Girl“ gewaltig und gewalttätig auf.

Es splattert, es kracht, es knallt und aus der Ferne grüßt sogar das „Texas Chainsaw Massacre“. Das ist sehr unterhaltsam und hat dank des indischen Settings etwas angenehm Exotisches. Die einzige Frage die bleibt: Wieso filmt ein Charakter seinen eigenen Tod – hier sogar ohne dass die Kamera dabei wackelt. Arme hat er da übrigens keine mehr. Aber hey…

„Live And Let Die“

Eine Gruppe junger Leute will den Geburtstag von einem der Ihren mit einem Fallschirmsprung begehen. Alle hocken sie in einem kleinen Flugzeug und freuen sich auf den Adrenalinkick. Da taucht plötzlich ein UFO auf. Kampfjets greifen es an. Das Flugzeug der Fallschirmspringer knallt in der Hektik gegen das wild manövrierende unbekannte Flugobjekt und zerschellt. Die jungen Leute rasen gen Erdboden, nicht wissend, dass ihnen das Schlimmste noch bevorsteht.

Die Szenen um das kleine Flugzeug, die Kampfjets und das UFO sind als Einstieg in ein Creature Feature mit Abzählreim in einem Orangenhain schlichtweg brillant. Die Episode von Justin Martinez („V/H/S“) im GoPro-Kamera-Style fühlt sich direkt richtig groß an und präsentiert weiterhin noch nie gesehene Bilder. Etwa wenn wir in Echtzeit auf den Boden zurasen und dabei unter anderem beobachten, wie ein anderer Fallender sein abgetrenntes Bein abzuklemmen versucht. Irre.

Am Boden angekommen, dominiert dann ein herrlich creepy designtes Wesen die Szenerie und sorgt für deftige Bilder und brutale Ableben. Und in den letzten Sekunden wird „Live And Let Die“ nochmal richtig groß und mündet in audiovisuellen Wahnsinn, der Panik bereitet. Tolle Episode, die ich gerne als Langfilm sehen würde.

„Fur Babies“

Um runterzukommen präsentiert „V/H/S/Beyond“ nun eine etwas ruhigere Episode, die allerdings nicht minder abgefahren ausklingt. Diesmal jedoch ist es der pure menschliche Wahnsinn, der sich Bahn bricht. Alles dreht sich um eine Dame, die eine Hundepflegeeinrichtung führt. Eine Gruppe Tierwohlaktivisten ist sich jedoch sicher, dass mit der Dame etwas nicht stimmt. Warum etwa stehen im Hintergrund ihrer Werbevideos immer ausgestopfte Hunde? Zwei der Aktivisten gehen undercover und versuchen, die Geheimnisse der Frau zu ergründen. Mit wahrlich ungeahnten Folgen.

„Fur Babies“ wird lange Zeit von Libby Letlow („Prey: The Light In The Dark“) als Betreiberin der Pflegeeinrichtung für Hunde dominiert. Sie plappert viel, wirkt unberechenbar und hat offensichtlich eine Menge Dreck am Stecken. Was sie im Keller ihres Anwesens so treibt, öffnet dem Wahnsinn dann wahrlich alle Türen und Tore. Und es verschafft der Special-Effects-Abteilung viel Arbeit.

Denn der Clou der Story sind seltsam aussehende Kreaturen, die Regisseur Christian Long („Lady of the Manor“) nach einem Drehbuch von seinem Bruder Justin Long („Barbarian“) mit Wonne und Blick für Perversitäten in Szene setzt. „Fur Babies“ist eine wirklich abgefahrene Episode, die vor allem an der Psyche nagt. Technisch fand ich den offensichtlichen Einsatz von Digitalkameras bei den Tieraktivisten, der im fertigen Film dann Laufrollenschäden zeitigt, als sehr inkonsequent und nicht durchdacht.

„Stowaway“

Halley ist eine wahre UFO-Gläubige und vernachlässigt darüber sogar ihre Familie inklusive der kleinen Tochter. Diesmal ist sie in der Mojave-Wüste unterwegs. Sie möchte hier eine Dokumentation drehen, wurden hier doch unlängst UFO-Sichtungen vermeldet. Auch sie sieht irgendwann Lichter am Himmel. Als sich ein Objekt von den Lichtern entfernt, folgt sie ihm zu dessen Landeplatz und betritt es sogar. Freilich war das keine gute Idee.

Regisseurin Kate Siegel („Becky 2“) inszenierte „Stowaway nach einem Drehbuch von ihrem Ehemann Mike Flanagan („Ouija: Ursprung des Bösen“). Sie arbeitet mit einem 4:3-Bildformat und einer VHS-Kamera und setzt nach ruhigem und gemächlichem Start vollumfänglich auf den Faktor der Ungewissheit. Denn sobald Halley das in der Wüste gefundene, gewaltige Objekt betritt, wird die Optik sehr interessant. Es ist finster in dem Objekt. Doch selbst das Licht der Kamera leuchtet nur wenig aus.

Alles beginnt ineinander zu fließen. Kontraste verschwinden, Bildfehler der Kamera nehmen zu und man ertappt sich, wie man immer konzentrierter starrt, um irgendwas zu erkennen. Nebenbei zündet die Story einen interessant aufgebauten Bodyhorror-Part, der faszinierende und zugleich abstoßende Bilder generiert. Was fehlt, ist eine Pointe, ein Höhepunkt. Aber ansonsten weiß diese Episode vor allem optisch durchaus zu faszinieren.

„V/H/S/Beyond“ bietet bockstarke Einzelepisoden

„V/H/S/Beyond“ hat mit „Stork“ und „Live And Let Die“ zwei absolute Highlights an Bord. Beide Episoden machen einfach nur Laune, sind actionreich, technisch bockstark umgesetzt und haben dem Gorehound wahrlich was zu bieten. Nicht umsonst scheiterte der Film bei der FSK. Doch auch die anderen Episoden fallen gar nicht einmal soooo stark ab. Nur die Rahmenhandlung ist Mist.

Leider wirken die Episoden in der Anthologie falsch platziert. Vor allem das Finale von „V/H/S/Beyond“ gerät etwas arg unbefriedigend, da „Stowaway“ im Vergleich zu den Vorgängern sehr langsam und ruhig daherkommt und danach nur noch das öde Ende der ohnehin langweiligen Rahmenhandlung folgt. Das zehrt am insgesamt eigentlich guten Gesamteindruck der Anthologie. Hätte man die Rahmenhandlung schlichtweg gestrichen und „Stowaway“ irgendwo in der Mitte platziert, „V/H/S/Beyond“ hätte richtig gebrannt.

07 von 10

Tiberius hatte mit dem Film kein Glück bei der FSK. Deshalb wurde man bei der Juristenkommission vorstellig und holte sich das leichte Siegel der SPIO/JK für die ungeschnittene Fassung ab. Diese kann man seit 10. Juli 2025 digital bei verschiedenen VoD-Plattformen genießen. Am 7. August 2025 wirft Tiberius Film die DVDs und Blu-rays auf den Markt. Leider ist die deutsche Synchronisation nicht die beste. So erklingen etwa einige echt miese Stimmen in allen Segmenten. So spart man sich zu viele Synchronsprecher und drangsaliert das Gehör des Zuschauers..

In diesem Sinne:
freeman

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label Tiberius Film__Freigabe: SPIO/JK__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 23527356 andere Actionnerds