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Clear Cut

Originaltitel: Clear Cut__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Brian Skiba__Darsteller: Alec Baldwin, Tom Welling, Lochlyn Munro, Stephen Dorff, Clive Standen, Jesse Metcalfe, Chelsey Reist, Lucy Martin, Elena Sanchez, Tom Stevens u.a.
Clear Cut DVD Cover

„Clear Cut“: Der Held darf nur klein aufs Cover, während der Darsteller mit der kürzesten Screentime den meisten Platz einnehmen darf.

Als wir Jack zum ersten Mal begegnen, verdingt er sich als Mitarbeiter bei dem erfahrenen Holzfäller Sam. Am nächsten Tag ziehen beide los, um ihr Tagwerk zu verrichten. Als sich Jack bei einer Pause ins Unterholz verdrückt, um eine Stange Wasser in die Ecke zu stellen, erspäht er eine Rauchsäule. Als er herausfinden will, was los ist, entdeckt er ein Meth-Labor.

In dessen Hinterhof steht ein PKW mit einer Leiche auf der Ladefläche. Da tauchen Kunden des Meth-Herstellers auf. Beide Parteien wickeln ihren Deal ab. Währenddessen entdeckt Jack in der Karre der Kunden eine Tasche voller Geld. Er erkennt seine Gelegenheit, greift zu und flieht. Freilich heften sich die Lumpen allesamt an seine Fersen.

Eine blutige Verfolgungsjagd nimmt ihren Lauf und hält einige Überraschungen parat.

Schaut den Trailer zum Film

Actionthriller mit Alec Baldwin und Stephen Dorff

„Clear Cut“ startet unberechenbar. Filmheld Jack kommt eigenartig rüber, geht vor allen Leuten in Deckung und redet wenig. Als er dann, ohne groß zu zögern, die Tasche voller Geld klaut, ist man durchaus baff. Schauen wir hier einem Lump zu? Einem Lump, der von noch größeren Lumpen gejagt wird? „Clear Cut“ vom „The 2nd“-Regisseur Brian Skiba lässt sich jedoch nicht wirklich in die Karten schauen und konzentriert sich zunächst voll und ganz auf seine soeben angeschobene Story um eine Verfolgungsjagd.

Entsprechend flüchtet Jack und diverse Halunken jagen ihn. Leider generiert der Film hier auch Leerlauf. Die Fieswichte sind zu lange Zeit mit sich selbst beschäftigt. Ohne ein Profil zu entwickeln oder irgendetwas Sinnvolles zu sagen zu haben. Und über Jack mag das Drehbuch auch nichts erzählen. Der schlägt sich halt durch. Irgendwann geraten Jack und seine Verfolger dann doch aneinander und plötzlich ist „Clear Cut“ eigentlich auserzählt.

Doch jetzt wird es interessant. Denn der Film hat erstaunlicherweise doch mehr zu erzählen. Alles, was bislang zufällig anmutete, bekommt einen Sinn. Jack war nicht ohne Grund in genau diesem Wald. Und Jack kennt seine Verfolger und deren Hintermänner, die ab sofort zum Zuge kommen, nur zu gut. In seinem letzten Drittel wird der Actionthriller so zu einem gefühlt vollkommen anderen Film. Was durchaus verfängt und für Spannung sorgt. Selbige köchelte zuvor im Übrigen eher auf Sparflamme.

Alle offenen Handlungsstränge finden erstaunlich gut zusammen, sogar die ultrakitschigen Rückblenden, die bislang keinerlei Sinn machten, tragen ihren Teil zum Gesamterlebnis bei. Und alles kommt zu einem runden, beinahe „schön“ zu nennendem Ende. Das hätte ich dem zunächst eher grob runtererzählten Streifen so nicht zugetraut.

Leider funktionieren die sonstigen Abteilungen des Streifens nicht so gut. Bei den Darstellern etwa bekommt man von engagiert bis Vollkatastrophe alles zu sehen. So sind die Frau und Tochter von Jack in den Rückblenden einfach nur Totalausfälle. Von denen kann keiner spielen. Genauso schwach: diverse Darsteller der Lumpen aus der zweiten Reihe. Die spielen in Teilen richtig mies.

Was verwundert, ist der in den Hauptrollen erstaunlich prominente Cast. Alec Baldwin („Departed – Unter Feinden“) gibt Holzfäller Sam. Baldwin dürfte seinen Part an einem Tag runtergedreht haben. Er spielt solide, verschwindet aber zu früh aus dem Film. Stephen Dorff („King of Killers“) ist als örtlicher Cop Ike physisch präsent, hat aber schon deutlich engagiertere Schauspielleistungen abgeliefert.

Als Held Jack agiert Clive Standen („Vendetta – Tag der Abrechnung“). Der wirkt in den emotionaleren Momenten etwas überfordert, macht ansonsten aber eine gute Figur. Der TV-Superman Tom Welling („Draft Day“) ist als Gauner dabei und verschwindet wie Baldwin arg schnell aus dem Streifen. Seinen Boss spielt Jesse Metcalfe („Hard Kill“), der irgendwie nie so richtig im Film ankommt, sich aber bemüht. Und Lochlyn Munroe („Slayed“) hat sichtlichen Spaß an seiner Rolle eines tumben Hinterwäldlers.

Inszenatorisch wirkt der Film immer mal wieder unschön digital und billig. Gleichzeitig gibt es aber auch schöne Naturbilder und Szenen, in denen der Held durch den in kräftiger Farbigkeit erstrahlenden Wald latscht. Aufwändigere Settings gibt es nicht zu sehen. Auch der Score zum Film ist eher lahm.

In der Action präsentiert „Clear Cut“ einige Elemente, die viele Actionfans nur noch annerven. CGI-Mündungsfeuer, CGI-Trefferwirkungen, potthässliche CGI-Explosionen und ein wirklich komplett misslungenes Finish mit CGI-Baumstämmen. In diesen Momenten verscherzt es sich der Actionthriller komplett.

Ansonsten sei zu der Action erwähnt, dass sie gut über den Film verteilt ist, sich zumeist aus kurzen Brawls speist und sich immer mal wieder erstaunlich derbe Momente gönnt. Da werden einige Lumpen reichlich enthemmt bearbeitet, auch Jack bekommt ordentlich zu leiden und so manche Verbrennung bei lebendigem Leibe wird schon heftig zelebriert. Echte Action-Highlights, die in Erinnerung bleiben würden, sind hier aber keine zu verzeichnen.

„Clear Cut“ punktet zumindest erzählerisch

Ich muss zugeben, dass mich der Umschwung im Film tatsächlich überrascht hat. Nach einer reichlich 0815 wirkenden Verfolgungsjagd, die zudem nie so wirklich zündet, erzählt „Clear Cut“ plötzlich eine richtige Geschichte. Das sorgt für Aufmerksamkeit und lässt sogar die bislang präsentierten und als nicht so gut empfundenen Story-Elemente in einem anderen Licht erscheinen.

Leider funktioniert das Drumherum zu wenig, um aus dem Actionthriller ein irgendwie geartetes Highlight zu machen. Keine der Figuren verfängt so wirklich, die Schauspieler changieren zu sehr zwischen den Extremen, die Action rockt nicht und die Optik wirkt häufiger langweilig. Ein absoluter Abfuck sind die unfassbar miesen CGI-Effekte bei den Explosionen und im Finish.

04 von 10

Der Film erscheint am 07. Mai 2026 von Tiberius Film auf DVD und Blu-ray. Uncut mit einer Freigabe ab 18 Ihr könnt den Film bereits streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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